Tauchrevier Deutschland im Interview mit "Der Taucherblog"

2019 Tauchen im Geiseltalsee

Tauchen im Geiseltalsee (Sachsen-Anhalt), 30.01.2019

Riesige Tagebaurestlöcher zeugen vom unstillbaren Energiehunger der Menschheit. Geflutet erfreuen sie sich heute bei allen Wassersportlern und Erholenden. Bis nach der Wendezeit wurde ein großes Braunkohlevorkommen südlich von Halle (Saale) und westlich von Leipzig mit stählernen Riesen abgebaut, eine 90 Meter tiefe Wunde das Ergebnis. 8 Jahre lang bis 2011 füllte das Wasser der Saale den heutigen Geiseltalsee, mit 19 Quadratkilometern der größte, künstliche See in Deutschland.

Heute nun stehe ich am Ostufer des Tauchrevieres in Sachsen-Anhalt. Zwei Tauchbasen haben sich am Geiseltal niedergelassen. Für meinen heutigen Tauchgang wähle ich die “Tauchbasis Geiseltalsee“ von Mark, einem ehemaligen Kampftaucher und leidenschaftlichen Feuerwehrmann. Ein kurzes Telefonat und er ermöglicht den Einstieg mitten in der Woche. 11:00 Uhr treffe ich mich mit meinen Buddies nach einer 2 ½ stündigen Autofahrt direkt an der Basis. Mark ist bereits da und begrüßt uns freundlich. Nach einem heißen Kaffee geht es an das windstille Ufer des großen, langgestreckten Geiseltalsees. Das Wasser schimmert klar und lässt den Kiesgrund in der Sonne blinken. Vorfreude. Mark erklärt uns die Struktur des Gewässers und gibt uns hilfreiche Hinweise für unsere Tauchgangsplanung. Wir wässern die Scooter und werfen uns in unser schickes, schwarzes Outfit.

Tauchen im Geiseltalsee, Ostufer

 

Kurs Südwest, dann einen Haken Richtung Osten und weiter gen Südwest. Das Ufer fällt flach ab. Wir tauchen über einen breiten Gürtel aus Kammlaichkraut und stoßen bald auf Zeitzeugen vor dem großen Wasser. Strauchwerk verleiht dem doch eher monotonen Grund eine willkommene Struktur. Die Sicht schätze ich auf 3-4 Meter, wohl eher enttäuschend für den See, wie wir später erfahren.  Der Wind hat ein leichtes Spiel. Die gut 8 Kilometer lange West-Ost-Ausrichtung des Geiseltalsees bietet ideale Bedingungen für sein Wellentreiben.

Wir erreichen ein kleines Wäldchen. Die muschelbehangenen Äste scheinen unwirklich im schummrigen Grün. Vereinzelt erkenne ich Süßwasserschwämme zwischen den Dreikantmuscheln. Es ist eine Freude mit dem Scooter durch dieses mystische Unterwasserwelt zu gleiten. Am Boden verschwinden alte Sanddornsträucher im Bakteriennebel. Wir erreichen eine Maximaltiefe von 15 Metern. Die Wassertemperatur schwankt zwischen 3 und 4 Grad Celsius. Nach 45 Minuten wenden wir und treten mit Kurs Nordost den Rückweg an.

Unterwasserwelt Geiseltalsee

 

Auffällig viele Kamberkrebse geben sich dem Liebesspiel hin und scheinen von uns komplett unbeeindruckt. Fische schwimmen uns nicht vor die Maske, nicht einmal ein Flussbarsch. Mark erzählt uns später, dass der See beliebtes Angelgewässer ist und jährlich viel Fisch wie Aal eingesetzt wird. Auch die beliebte Maräne soll die Tiefen des Geiseltalsees für sich entdeckt haben.

Mark deutete beim Briefing auf eine Stelle in der Bucht, an der ein Spülschacht in den See tritt und derzeit Wasser einbringt. Wir können ihn nicht finden und entscheiden uns zur Neuorientierung für einen Aufstieg. Mit der neuen Peilung erreichen wir in der Zieltiefe auch den beschriebenen Steinhaufen. Einen Schacht machen wir jedoch nicht aus. Mark tröstet uns später mit den Worten: „Ihr wart ganz dicht dran“. Beim nächsten Mal. Nach 1 ½ Stunden endet auch dieser Tauchgang in einem interessanten Gewässer. Eines ist ganz klar, ich brauche mehr Arme.  Scooter, Lampe, Kamera.

Tauchbasis Geiseltalsee

 

Schnell aus den nassen Klamotten, bevor die eisigen Temperaturen jeden Boltsnap und Zipper unbeweglich werden lassen. Heißer Tee, Kaffee, Dekobier und eine heiße Bockwurst wecken die Lebensgeister von drei Tauchern. Danke Buddies, danke Mark. Wir kommen wieder. Und dann geht’s mit dem Boot zu neuen Ufern.

Schon mal im Geiseltalsee getaucht?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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Categories: _Sachsen-Anhalt

2018 Tauchen im Stienitzsee

Tauchen im Stienitzsee (Brandenburg), Herbst 2018

Brandenburg ist mit 3.000 Gewässern seenreichstes Bundesland. In meinem nahen Umfeld befindet sich der Stienitzsee, der mit dem Straussee, Kalksee und Flakensee eine Rinnenseekette eiszeitlichen Ursprungs in NO-SW-Ausrichtung bildet.

Der See ist gut drei Kilometer lang und einen Kilometer breit. Seine maximale Tiefe wird mit 14 Metern angegeben. Während sich am Ostufer der Ort Hennickendorf anschmiegt, ist das Westufer von Wald gesäumt. Ortseitig ist das Ufer dicht bebaut. Ein freier Zugang mit dem Auto nebst Tauchgerödel ist kaum möglich. Im letzten Jahr ermöglichte mir Fischer Peter Klose einen Einstieg über sein Fischereigelände. Was ich dort vorfand, lest ihr hier.

Einstieg Westufer Stienitzsee

 

In diesem Jahr wollte ich den Stienitzsee unbedingt vom Westufer, der Waldseite betauchen. Zu Fuß unternahm ich einige Erkundungstouren. Zwei Angelvereine und ein Motorsportverein haben hier ihr eingefasstes Domizil. Die Uferzone ist dicht bewaldet und mit Dickicht bewachsen. Ein, zwei Stellen wären zum Tauchen durchaus zugänglich.

Mit dieser Ortskenntnis im Kopf machte ich mich völlig naiv auf, eine Waldbefahrung zu beantragen. Doch wo anfangen? Wer sind die Eigentümer? Nach mehreren Tagen Telefonaten und aufgeschlossenen Revierförstern erhielt ich tatsächlich eine begrenzte Waldbefahrung. Nun stand einer Unterwassererkundung nichts mehr im Wege.

Unterwasserwelt Flora und Fauna

 

Das richtige Wetter abgepasst, packte ich im September das Auto und fuhr an den Stienitzsee. Es ist windstill und das Wasser liegt klar und glatt vor mir. Vorfreude. Hüfttief stehe ich nun im Stienitzsee, die letzten Checks und abgetaucht. Ich tauche in Richtung Seemitte. Das Ufer fällt absolut flach ab. Flaches Quellmoos, durchbrochen von Tausendblatt und Hornblatt inmitten großer Muschelfelder dominieren die Unterwasserlandschaft.  Vereinzelt Wasserpest, Nixenkraut, Teichrose und Leuchteralgen bringen Vielfalt in die Makrophytenwelt. Die Sicht ist mit zwei bis drei Metern gut. Sonnenstrahlen tanzen am Grund.

Große Teichmuscheln stecken im Sand und filtern mit ihren Siphons das Seewasser. Hier und da ein kleiner Flussbarsch. Vor mir tut sich im Grün ein Schatten auf. Was ist das? Noch wenige Flossenschläge und ich erkenne einen Süßwasserschwamm. Doch dieser Schwamm ist riesig, korallengleich verästelt und leuchtend grün. Was für eine Pracht. Um ihn herum huschen zahllose Flussbarsche. Jetzt erkenne ich das gesamte Gebilde. Ich kann mich einfach nicht satt sehen.

Prächtiger Süßwasserschwamm

 

Der Schwamm siedelt auf kleinen, zusammengebundenen Bäumen. Gewichte zeugen von Menschenhand. Ich erinnere mich an Erzählungen vom Fischer im letzten Jahr. Er hatte mehrere Holzgebinde dieser Art als Zandernester im See ausgebracht. Dies muss eines davon sein. Von den Ästen ist kaum noch etwas zu sehen. Einem Korallenriff gleich reckt sich diese Schönheit zur Sonne. So einen gewaltigen Schwamm habe ich noch nirgends sehen dürfen. Die strukturliebenden Flussbarsche lieben ihn augenscheinlich ebenso. Sie huschen hindurch, verstecken sich und weiden das Zooplankton von den Verästelungen.

Wenngleich nichts auf Zandernester hindeutet, ist dem Fischer mit dieser Tat wahrlich Meisterliches gelungen. Es fällt mir schwer, mich von dieser Pracht loszusagen. Ich hoffe sehr, dass Anker, Blinker und Flosse diesem Schwamm nie zusetzen werden.

Flusssbarsche und Süßwasserschwamm (Spongillidae)

 

Mehr als sieben Meter Tiefe erreiche ich heute nicht. Längst hat schlammiger Boden den Pflanzensaum abgelöst. Spuren verraten die Existenz von Flusskrebsen. Die ersten Begegnungen lassen auch nicht lange auf sich warten. Kamberkrebse nennen den Stienitzsee ihr Zuhause. Ich drehe um und finde auch hier die ein oder andere menschliche Hinterlassenschaft. Sackkarre, Stühle, Flaschen; längst besiedelt von Dreikantmuscheln und Süßwasserschwämmen.

Nach 120 Minuten erreiche ich das flache Ufer und entsteige zufrieden dem Brandenburger See. Zwei Wochen später bin ich erneut auf Erkundungen hier unterwegs. Den gigantischen Schwamm finde ich wieder. Herbst lässt ihn langsam verblassen und welken. Die Fische haben sich zurückgezogen. Es wird still in unseren heimischen Seen.

Kennt ihr den Stienitzsee?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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Categories: _Brandenburg

2017 Tauchen im Werbellinsee

17.01.2017, Werbellinsee (Brandenburg)

Der Winter hat das Tauchrevier Deutschland fest im Griff. Die Temperaturen rutschen nachts zweistellig in den Keller. Viele Seen in Brandenburg und Deutschland sind bereits von einer Eisschicht bedeckt, nicht so der Werbellinsee dank seines riesigen Wasserkörpers.  Die Sonne entfaltet ungehindert ihre winterliche Kraft am blauen Firmament. Bestes Winterwetter.

Wir verabreden uns zu 10 Uhr am See. Nach einer knappen Stunde Autofahrt sehe ich das Südufer hinter den laublosen Erlen schimmern. Eisfrei? Noch kann ich es nicht richtig erkennen. Mit jeder weiteren Kurve am See wird klar, die Eiskönigin hat das Wasser mit einer dünnen Eisschicht zugedeckt. Die klassischen Einstiege Märchenwiese, Dornbusch und Altes Hotel sind zugefroren. Das Eis wirkt hauchdünn und durchsichtig. Doch ein Tritttest zeigt, dass es bereits gut 1-2 Zentimeter sind.

Werbellinsee Holzablage

Wir versuchen es an der Nordspitze am sonnengefluteten Westufer, der alten Holzablage. Kormorane, Schwäne und Enten verraten uns eisfreie Bereiche. An der alten Holzablage ist das Eis noch gut 15 Meter vom Ufer entfernt. Wir gehen tauchen.

Das Wasser ist glasklar und die Sonne verzaubert die Unterwasserlandschaft. Ich möchte mich unbedingt unterhalb des Eises im See umsehen und so tauchen wir geradewegs unter die Eisschicht. Ein wundervolles Lichtspiel empfängt uns. Die Luftblasen unserer Atemluft perlen wie Quecksilber zwischen Eis und Wasser. Es ist wunderbar, unbeschreiblich. Man muss es einfach tun.

Eistauchen im Werbellinsee

Wir entscheiden uns abzutauchen. Hier hat der See eine Tiefe von 10 Metern. Es ist taghell und man kann endlos schauen. Die zahlreichen Kormorane an der Oberfläche machten Hoffnung auf Fischbegegnungen. Doch Fehlanzeige. Keine Flosse weit und breit zu sehen.  Endlose Spuren im Sand deuten  auf Leben, auf aktives Treiben. Flusskrebse sind in Paarungslaune und legen für ein Weibchen große Strecken zurück. Manchmal erinnern mich deren Spuren an Schnittmuster einer Schneiderei.

Kamberkrebse Werbellinsee Holzablage

Doch diese dünne Spur stammt definitiv von keinem Krebs. Für wandernde Muscheln ist sie nicht tief genug gefurcht. Wir sehen kein Anfang und kein Ende. Wer hat sich hier im Sand verewigt? In welche Richtung marschiert der Verursacher? Rechts oder links? Wir entscheiden uns für rechts und folgen dem Pfad. Volltreffer. Doch was ist das? Von der Ferne sieht es aus wie ein hoppelnder Tannenzweig. Jetzt erkenne ich es. Eine Köcherfliegenlarve schlägt ihre kräftigen Vorderbeine in den Sand und zieht ihren Körper samt Haus ruckartig nach vorne. Sie scheint es eilig zu haben. Der Tannenzweig entpuppt sich als perfekter Köcher aus filigran aneinander gereihten Hornblattteilen. Ein großartiger Baumeister war hier am Werk.

Köcherfliegenlarve im Werbellinsee

Große Flächen aus plüschigem Gelb erinnern mich an die Schwefelauswaschungen von Braunkohletagebauseen. Sind das Schwefelbakterien? Oder Rückstände von Algen?

Nach einer guten Stunde drehen wir wieder in Richtung Ufer ab. Vereinzelte Holzstämme zeigen an, dass wir uns der alten Holzablage nähern.  Jeder feste Gegenstand wird von zahllosen Wasserfiltrierern bevölkert. Unentwegt pumpen die Muscheln Wasser durch ihren Körper. Zwischen ihnen huschen Flohkrebse und Schwebgarnelen. Unsere Seen sind voller Leben.

An den Dalben der Anlegestelle tanzen Trillarden Schwebgarnelen den Sonnentanz. Das sich an den Wellen der Wasseroberfläche brechende Licht lässt sie in allen Regenbogenfarben leuchten. Es ist herrlich.

Tauchen im Werbellinsee Holzablage

Nach gut 90 Minuten signalisiert mein Buddy, dass die Wärmeisolierung seiner Anzug/Unterzieher-Kombination erschöpft ist. Ich liebe meine Heizweste. Wir beenden einen weiteren wunderschönen Tauchgang im wohl schönsten See Brandenburgs.

Mit einem Dekobier in der Hand genießen wir das traumhafte Winterwetter und planen bereits weitere Tauchabenteuer.

Noch nicht im Werbellinsee gewesen?

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Categories: _Brandenburg, UnterWasser

Flusskrebs

Flusskrebs (Astacidae oder Cambaridae)

Ihr hatte bestimmt schon beim Tauchen in unseren einheimischen Gewässern eine Begegnung mit einem Flusskrebs, wahrscheinlich mit dem Amerikanischen Flusskrebs, dem Kamberkrebs. Denn dieser aus Nordamerika stammende Krebs hat mittlerweile die Oberhand in unseren Seen und Flüssen gewonnen. Selbst immun gegen die Krebspest ist er Überträger dieser für unsere einheimischen Krebsarten tödlichen Pilzkrankheit.

Flusskrebse sind mit Blick auf ihre Ernährung nicht sonderlich wählerisch. Sie sind Allesfresser. Würmer, Muscheln, Pflanzenmaterial, Fische, aber auch Aas verschmähen sie nicht. Gern werden sie auch als Gesundheitspolizei der Gewässer bezeichnet.

Da ihr schützender Panzer nicht mitwächst, muss dieser durch Häutungsprozesse mehrfach ausgewechselt werden.

Fortpflanzung Flusskrebse

Mit abnehmender Wassertemperatur beginnt im Herbst die Paarungszeit der Krebse. Die dann hormongesteuerten Männchen packen auf sehr unfeine Art die Weibchen, legen sie auf den Rücken und platzieren ihr Samenpaket. 6 Monate trägt das Weibchen das Gelege von mehreren Eiern im Schutze ihres kräftigen Schwanzes, bevor die Jungtiere schlüpfen.

Edelkrebs – Europäischer Flusskrebs

Galizischer Sumpfkrebs

Edelkrebs oder Kamberkrebs? Nicht immer ganz einfach die eindeutige Bestimmung der jeweiligen Krebsart. Ausgeprägte Merkmale wie Rostrum, Abdomen, Augenleiste und Nackenfurche lassen sich erst bei genauem Hinschauen ausmachen.

Na dann schaut doch beim nächsten Mal genauer hin, wer euch mit den großen Scheren drohend gegenüber steht.

Amerikanische Flusskrebse

Flusskrebsbeobachtungen

Wo habt ihr einen Edelkrebs beobachten können?

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Categories: FloraFauna

2016 Tauchen im Kalksee

2016, Tauchen im Kalksee (Brandenburg)

Manchmal liegen die Dinge so nah. Lange Zeit habe ich ihn ignoriert, den Kalksee. Dabei stehe ich in nicht einmal 5 Autominuten am Ufer des klaren Gewässers Brandenburgs. Vielleicht lag es an den Motorbooten und dem regen Schiffsverkehr auf dem zur Bundeswasserstraße gehörenden Kalksees. Über den angrenzenden Flakensee, Dämeritzsee und die vielen Kanäle werden Baustoffe vom und zum Krienhafen geschifft.

Tauchen im Kalksee

Mittlerweile zähle ich den Kalksee zu meinen „Hausseen“ Allein in diesem Jahr bin ich gut zehn Mal in ihm abgetaucht. Und ich habe keinen Tauchgang bereut. Gut, mit einer maximalen Tiefe von 10 Metern ist er nicht besonders spektakulär. Der Natursee weist keine Steilwände, Schluchten oder andere interessante Unterwasserformationen auf (zumindest habe ich noch keine entdeckt) und die Flora mit dem dominierenden Brunnenmoos, Hornblatt und Tausendblatt ist auch nicht unbedingt abwechslungsreich. Jedoch überraschte mich der Kalksee immer wieder auf’s Neue.

Im Frühjahr brüten im Schilfgürtel lärmend zahlreiche Haubentaucher und eine Unterwasserbegegnung war nur eine Frage der Zeit. Es sind so elegante Taucher und Jäger. Kein leichtes Unterfangen, ihnen mit der Kamera zu folgen.

Elegante Jäger – Haubentaucher

Im April weckte ein großer Schwarm aufgeregter Plötzen meine Aufmerksamkeit. Wild kreisen sie auf der Stelle und stoßen immer wieder nach unten auf den Grund. Ein frisches Zandernest mit unzähligen Eiern lockt. Ich traue meinen Augen kaum. Drei stattliche Zander in unmittelbarer Nachbarschaft bewachen ihre Nester gegen eine Vielzahl von Fressfeinden. Sie haben alle Flosse voll zu tun, Plötzen, Aal und Flussbarsch auf Distanz zu halten. Eine gute Woche Brutwache und –pflege zehrt an ihren Kräften.

Zander im Kalksee

Es sind aber auch die kleinen Dinge, die mich im Kalksee immer wieder Staunen lassen. Süßwasserpolypenkolonien an Trieben von Hornblatt und Tausendblatt tanzen in der leichten Strömung und filtern unentwegt das Wasser. Flohkrebse huschen zwischen Dreikantmuscheln von Versteck zu Versteck. Schwebgarnelen tanzen massenhaft im großen Reigen. Geweihschwämme wachsen zu bizarren Gebilden. Sedimentiert vom aufgewühlten Grund durch Boote und Strömung verrichten Kamberkrebse ihren Job am Grund.

Hydra, Schwamm und Kamberkrebs

Auf meinen Tauchgängen im Kalksee begegne ich Plötzen, Blei, Flussbarsch, Schlei, Stichling und Hecht. Auch Steinbeißer nennen den Kalksee ihr Zuhause. Ich freue mich immer riesig, diesen scheuen Fisch zu sehen.

Steinbeißer im Kalksee

Neubürger (Neozoen) wie die Körbchenmuschel, Zwergdeckelschnecken oder Süßwassergarnelen bevölkern ebenso den Brandenburger See.

Neozoen im Kalksee

Eine besondere Entdeckung machte ich erstmalig in diesem Jahr. Eine massenhafte Population der Marmorierten Süßwassergrundel ist im Kalksee angekommen. Mit 1 – 3 Zentimetern sind die Exemplare noch recht klein. Gut 20 Tiere auf einem Quadratmeter konnte ich zählen. Erst wusste ich gar nicht, wen ich vor der Kamera habe. Die Auswertung der Bilder und einige Recherchen bestimmten den Einwanderer. Wegen ihrer markanten Nasenröhren werden die Fische auch Nasengrundeln genannt. Auch die Biologen und Ichthyologen vom Institut für Binnenfischerei Potsdam und der Hochschule Bremen überraschte meine Entdeckung. Der rege Schiffsverkehr trägt sicher zur Neubesiedlung unserer Gewässer bei. Bin gespannt, wie sich diese Population im See entwickelt. Mache mir ein wenig Sorgen um die Zandergelege im nächsten Frühjahr.

Marmorierte Süßwassergrundel

Der Kalksee ist für mich ein spannendes Tauchrevier und ich freue mich auf weitere Entdeckung bei meinen Unterwasserexkursionen.

Kennt Ihr den Kalksee?

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Categories: _Brandenburg, UnterWasser

2015 Zansen

01.12.2015, Zansen (Mecklenburg-Vorpommern)

Tauchen und Mecklenburg-Vorpommern, da denkt man unweigerlich an die Ostsee und die Feldberger Seenlandschaft. Der Schmale Luzin als ein Vertreter ist weit über die Landesgrenzen hinweg bekannt und beliebt. Auch der Dreetzsee und der Carwitzer See sind keine Unbekannten. Die Eiszeit hat es gut gemeint mit unserem nördlichen Bundesland.

Es wurde mal wieder Zeit für einen Besuch. Doch diesmal wählte ich als Tauchziel den Zansen. Tauchen im Zansen? Ja, den Zansen. Ehrlich gesagt, hatte ich dieses Gewässer überhaupt nicht auf dem Schirm. Erst ein Tipp von einem Tauchfreund machte mich neugierig. Dabei ist der Zansen nicht klein und geht „fliessend“ über in den Carwitzer See. Limnologisch werden beide Gewässer als eine Einheit betrachtet.

Der Zansen ist ein Gletscherzungenbeckensee, hat eine Fläche von ca. 160 ha und ist mit gut 42 m ein recht tiefer Eiszeitsee. Wald säumt die Ufer des Sees und die Zugänge sind begrenzt. Für meinen Tauchgang wähle ich den Zugang im Norden in Höhe des Scharteisensees.

Tauchen im Zansen

Für heute haben die Meteorologen ein Sonnenfenster der sonst durchweg verregneten Woche vorhergesagt. Und sie haben nicht zu viel versprochen. Allein die Anfahrt durch das Brandenburger Land, die Schorfheide und die Mecklenburgischen Ebenen ist traumhaft schön. Durch die laublosen Wälder schimmert das Wasser des Oberuckersees, des Suckower Haussees und anderer einladender Gewässer.

Angekommen erkunde ich wie immer erst einmal die Gegebenheiten, planen meinen Tauchgang und lasse den See auf mich wirken. Wunderschön. Tauchen im Zansen.

1-2-3 und ich bin im klaren Wasser. Was für ein schöner Blick auf den sonnigen Uferbereich. Check und ich bin abgetaucht, zunächst in Richtung Süden (Seemitte). Ein kleiner, spärlicher Pflanzengürtel geht schnell in sandig schlickigen Boden über. Vereinzelt sind Muschelkolonien zu finden. In kleinen angelegten Höhlen macht es sich der Kamberkrebs gemütlich und bewacht den Eingang mit seinen massigen Scheren.

Das Bild ändert sich nicht. In einer Tiefe von 20 m schwenke ich nach Westen. Nach gut 10 min erreiche ich ein Feldsteinfeld. Große und kleine Feldsteine bedecken den gesamten Seeboden. Allerbeste Versteckmöglichkeiten für die Unterwasserfauna. Aus vielen Hohlräumen schauen mich Augenpaare der Kaulbarsche an. Krebse und allerlei Krabbelgetier sind hier zu Hause. Kleine rote Punkte, Wassermilben, kleben an den Steinen. Ich steige ein wenig auf. Und jetzt wuselt es überall. Schwebgarnelen haben den Zansen für sich entdeckt. Diese Neozoon (von Menschen eingeschleppte Neubürger) fühlen sich hier sichtlich pudelwohl. Ab 10 m verliert sich das Steinfeld und geht in sandigen Boden mit kleinen Brunnenmoos-Inseln über. Auch hier sind in großer Zahl die kleinen Krebstiere anzutreffen. Meine Anwesenheit lässt sie wild „umherspringen“.

Schwebgarnelen im Zansen

Nach gut 90 min bei 6-7 Grad kommt die Kälte langsam bei mir an. Schweren Herzens tauche ich zurück und entsteige dem Wasser. Ein anderer, weiterer und schöner Tauchgang im Tauchrevier, im Zansen.

Ich treffe an den Bootshäusern auf zwei Einheimische und wir kommen ein wenig ins Plaudern. Das Erstaunen über meinen Solotauchgang war groß. „Ob ich denn der Ausrüstung ein solches Vertrauen schenke?“, entgegneten sie mir.

Ich erfahre einiges über den See. Fischreicher soll er gewesen sein. Und auch diente er mit dem Scharteisensee als Trinkwasserreservoir für Gemeinden. Jetzt ist er allerdings häufiger trüb. Überrascht nehmen sie meine Garnelen-Sichtungen zur Kenntnis. Ich mag es, mit den Leuten zu plaudern, mit Leuten, die etwas zu erzählen haben. Meine Sachen sind schnell eingeladen und ich fahre zufrieden zurück.

Impressionen vom Zansen, Tauchen im Zansen

Wer kennt den Zansen?

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Categories: _Mecklenburg-Vorpommern, UnterWasser

2015 Werbellinsee XIV

17.11.2015, Werbellinsee (Brandenburg)

Der Werbellinsee in Brandenburg nördlich von Berlin ist nach dem Bodensee das wohl wrackreichste Binnengewässer Deutschlands. Der Grund hierfür liegt in der aufstrebenden Metropole Berlin in unmittelbarer Nähe. Die wachsende Stadt hatte stets Hunger, Baumaterialien für ehrgeizige Bauten mussten aus der Umgebung herangeschafft werden. Feldsteine der eiszeitlichen Endmoräne und Hartbrandziegel der Königlichen Ziegelei Joachimsthal waren begehrte Baustoffe und der Werbellinsee mit dem Finowkanal ideale Wasserstraßen. Sogenannte Kaffenkähne, Lastensegler, waren die LKW’s von gestern.

Nicht alle Kähne erreichten ihr Ziel. Einige von ihnen liegen noch heute auf dem Grund des Werbellinsees und sind interessante Objekte für Taucher, Archäologen, Fotografen und Interessierte. Bin mir gar nicht sicher, ob die Gesamtzahl der gesunkenen Lastensegler wirklich bekannt ist. Ich hatte mal etwas von 12 Wracks gehört. Weiß jemand mehr?

Tauchen im Werbellinsee – Brandenburg

Selbst durfte ich bisher die beiden Kaffenkahnwracks am Dornbusch, das legendäre Ziegelwrack, die fünf Lastensegler in der Bucht um „Kap Horn“ und das Wrack an den „Puddingbergen“ betauchen. Letzteres sollte Ziel unserer heutigen Tauchexpedition sein. Erst- und letztmalig bin ich vor gut einem Jahr zu diesem Zeitzeugen getaucht. Die Herausforderung hierbei besteht im ausdauernden Kurshalten.

So brachen wir also bei herbstlichem Wetter in den Morgenstunden auf und erreichten nach einer guten Stunde Fahrt über die A11 unseren Einstieg am Werbellinsee. Angekommen, erfreuten wir uns dieser wunderbaren Atmosphäre, wenngleich grau und feucht. Wir besprachen unseren Tauchgang, legten die Ausrüstung an und ließen das Gewicht alsbald vom See tragen. Ich kann nicht verstehen, wieso für einige Taucher die Saison im Herbst endet. Erst jetzt zeigen sich unsere Tauchreviere mit unglaublichen Sichtweiten von ihrer schönsten Seite.

Makrophytenpracht im Werbellinsee

Check und wir tauchen ab. Eigentlich ist das Unterfangen ganz einfach. Man muss nur den Kurs einstellen und ihn für gut 25 min halten. Soweit die Theorie. Die Praxis sieht wie immer etwas anders aus. Man hält den Arm mit dem Kompass nicht immer in derselben Position, die rechte Flosse schlägt stärker als die linke, interessante Fotoobjekte lenken ab und mit der Zeit kommen die ersten Zweifel. Das Wissen um die Tiefe des Wracks von 18 m lässt es uns dann aber wirklich finden. Wir freuen uns. Fazit: Vertraue deinen Instrumenten.

Kaffenkahnwrack „Puddingberge“

Aber auch der Weg ist das Ziel. Bei klarem Wasser tauchen wir über Felder von Krebsscheren, Wiesen von Hahnenfuß und Armleuchteralgen und Äckern von Brunnenmoos. Hornblatt und Tausendblatt durchstoßen das Grün und ranken zum Licht. Es ist noch erstaunlich grün, insbesondere der Spreizende Hahnenfuß leuchtet giftig grün. Mit zunehmender Tiefe wechselt das Bild. Riesige Dreikantmuschelkolonien lassen keinen Platz für Makrophyten. Obenauf hält sich der Amerikanische Kamberkrebs gütlich am Muschelfleisch. Es gibt viel zu entdecken und immer den Kompass im Blick.

Die geschlossene Muscheldecke reißt auf, sandiger Boden durchbricht das Braun und bestimmt bald gänzlich den Untergrund. 18 m Tiefe. Wir sind im Zielgebiet. Ein großer, runder Balken erscheint im Schein der Lampen. War es einmal der Mast des Lastenseglers? Wir sind ganz nah. Weiterhin Kurs haltend zeichnet sich eine Silhouette am dunkelgrünen „Horizont“ ab. Der Lastensegler. Das Wrack ist stark sedimentiert. Eine Boardwand, das Heck (oder Bug?) und wenige Spanten, viel ist nicht mehr zu sehen. Wir nehmen uns dennoch Zeit für intensive Beobachtungen.

Mergelwand an den Puddingbergen

Das Wrack liegt an einem Hang, der hinab zu einem Plateau mit den „Puddingbergen“ führt. Wir tauchen hinunter. Die Sicht wird ab 20 m regelrecht schlecht. So entscheiden wir uns, den Hang mit all seinen Löchern und Ritzen zu inspizieren. Vollgesogener, weicher Mergel bietet Krebsen und Schwebgarnelen beste Versteckmöglichkeiten. Vereinzelt dösen Flussbarsche am Grund. 30 min vor uns liegender Rückweg lassen uns den Heimweg antreten.

Zufrieden genießen wir die Eindrücke dieses herrlichen Tauchrevieres, das so voller Leben steckt. Ohrschlammschnecken, Köcherfliegen, Flohkrebse und diverses litorales Zoobenthos fühlen sich hier sichtlich wohl. Im Flachwasser kommen wir an einer seltsamen Ansammlung von braungrünen Kügelchen vorbei. Welle, Wind und Strömung haben diese bizarren Gebilde in großen Flächen zusammengetrieben. Hierbei handelt es sich um Teichpflaumen, im Volksmund auch Hexengespei genannt. Cyanobakterien haben sich zu Kugeln verkettet. Diese Mikroorganismen sind Anzeiger für gute Wasserqualität. Als wertvolle Sauerstoffproduzenten wurden sie zur „Mikrobe des Jahres 2014“ gekührt.

Teichpflaume, Hexengespei

Die Lastensegler des Werbellinsees sind Zeitzeugen und Denkmäler vergangener Zeit. Als solche sind sie von uns Tauchern auch zu behandeln. Der Zustand der Wracks wird mit den Jahren schlechter. Natürliche Verfallprozesse, aber auch Taucher setzen den Kaffenkähnen stark zu. Leider.

Unterwasserimpressionen – Tauchen im Werbellinsee

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Categories: _Brandenburg, UnterWasser

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Kontakt:

Mario Merkel, Tauchrevier Deutschland

buddy [at] tauchrevierdeutschland.de