Tauchrevier Deutschland im Interview mit "Der Taucherblog"

Author Archives: Mario

2018 Molnar Janos Cave

April 2018, Budapest – Molnar Janos Cave

Mit guten (nichttauchenden) Freunden bin ich für ein paar Tage in der wunderschönen Hauptstadt Ungarns – Budapest. Und sofort kommen mir die beiden weithin bekannten Unterwasserwelten Molnar Janos Cave und Kobanya Mine in den Sinn. Wenn ich einmal hier bin, dann muss ich hier auch tauchen.

In Vorbereitung der Reise schrieb ich kurzerhand Molnar Janos Cave Budapest an. Ein freies Zeitfenster wurde schnell gefunden. Für den 29. April plane ich zwei Tauchgänge in der thermal gespeisten Höhle natürlichen Ursprungs. Nachdem ich eine Kopie von Cave Brevet, Tauchversicherung und tauchärztlicher Untersuchung per Email vorgelegt hatte, kam von Zoltan das OK. Aber nicht nur das. Olaf, den ich über meine Facebook-Seite „Tauchrevier Deutschland“ kennenlernen durfte, wird mich begleiten. Er lebt in Budapest und kennt die Höhle sehr gut. Außerdem stellt er mir flugzeuguntaugliche Ausrüstungsteile zur Verfügung. Perfekt.

Molnar Janos Cave, Budapest

 

07:30 Uhr fahre ich mit dem Taxi vom Hotel zur Molnar Janos Cave. Angekommen bitte ich den Taxifahrer noch zu warten. Hausnummer 48 stimmt, aber das Objekt sieht leer, verlassen und gelinde gesagt, ein wenig zerfallen aus. Keine Menschenseele. Bin ich richtig? Dann erkenne ich den kleinen See mit Seerosen von verschiedenen Internetfotos. Am zweiten Tor entdecke ich den MJ Cave Sticker und entlasse den Taxifahrer. Es dauert nur wenige Minuten und die ersten Autos erscheinen Punkt um 8 Uhr.

Ich werde von Zoltan begrüßt. Wir warten noch auf die anderen Taucher und dann geht’s los. Olaf fährt auf den kleinen Hof. Wir erkennen und begrüßen uns. Einfach klasse, wenn man Menschen mit der gleichen Leidenschaft persönlich trifft. Veronika und Martin werden mit uns tauchen. Veronika, die ebenso meinem Blog folgt, hatte bereits per FB angekündigt, dass auch wir uns hier treffen werden. Die Taucherwelt ist ein Dorf.

Historisches Budapest

 

Als drei Schnuppertaucher aus Deutschland und Polen erscheinen, sind wir für den heutigen Tag komplett. Zoltan beginnt mit dem allgemeinen Briefing, zeigt uns das Gelände, die Infrastruktur und erklärt die Regeln und Abläufe. Ein altes Türkisches Bad und ein ehemaliges Restaurant flankieren den kleinen, klaren Teich, der die Höhle an dieser Stelle an die Oberfläche treten lässt. Eine blaue Stahlklappe verschließt den alten Zugang zur Höhle. Das leere Restaurant soll zukünftig die Tauchbasis beherbergen. Auch für das Türkische Bad gibt es Ideen. Für den Basischef Attila stehen noch einige Investitionen an. In den letzten Jahren hat er seine Aktivitäten vollends auf die Höhle konzentriert. Und das mit wirklich großem Erfolg.

Ein langer Gang führt tief in den Berg. Ich erfahre, dass er einst geschaffen, um das Berghotel mit dem Thermalbad auf der gegenüberliegenden Seite zu verbinden. Das gesamte Projekt allerdings scheiterte. Ein Glück für uns Höhlentaucher. Attlia ist es gelungen, diesen Tunnel in eine komfortable Taucherzone zu verwandeln. Wunderbare Rödelplätze mit Liebe zum Detail, Trockenbereiche, Lerneinheiten, Getränke- und O2-Bar, sowie der neue Eingang zur Höhle sind hier untergebracht.

Höhlentauchen, Taucherzone

 

An einer großen Tafel mit dem Abbild der Höhle planen und briefen wir unsere Tauchgänge. Veronika, Martin, Olaf und ich bilden das Tauchteam und werden von Attila geführt. In der Regel werden in der Molnar Janos Cave ausschließlich geführte Tauchgänge angeboten. Für Jahresbesucher wie mich ist es absolut ok. Die kurze Zeit bleibt somit für die Schönheit der Höhle. Bizarre Kristallformationen, von Attlia illuminiert, blieben uns sonst sicher verborgen. Und dann ist es endlich soweit. Ein Dom bildet den Einstieg.

Nach einem Check tauchen wir ab und folgen in festgelegter Reihenfolge der Hauptleine. Das Wasser oberhalb 10 Meter ist mit 27 Grad mollig warm. Ich tauche ohne Handschuhe und fühle mich irgendwie nackt. Die Sicht ist hier ein wenig trüb, klart allerdings unterhalb der Sprungschicht vollends auf. Die Wassertemperatur fällt auf 20 Grad ab. Während Veronika und Monika sidemount-technisch unterwegs sind, tauchen Olaf und ich mit einer D12 plus 80cuft Stage. Wir atmen angereichte Luft (EAN32) und folgen der  1/6 Gasregel.

Offizielles Intro-Video Molnar Janos Cave

 

Sieben unterirdische Kilometer wurden vom Team um Attila erschlossen und bestens ausgeleint. Wir starten den ersten Tauchgang an der A-Leine, wechseln bei A33 auf die B-Leine und springen am Knoten B20 wieder auf die A-Leine zurück. Gute 70 Minuten lasse ich mich von der Schönheit der Höhle und der Laune der Natur verzaubern.

Schmale Gänge und große Räume ausdekoriert mit braunschwarzen Kristallen. Die Stille auf der einen Seite und das Grollen der rollenden Luftblasen an der Höhlendecke auf der anderen Seite unterstreichen diese einmalige Stimmung. Und immer wieder der „Lichtblick“ zum Buddy. Wir tauchen auf. Auch wenn Höhlentaucher großen Wert auf „Coolness“ legen, kann ich meine Freude über dieses Erlebnis nicht unterdrücken.

Tauchgangspläne MJ Cave Budapest

 

Im zweiten Tauchgang penetrieren wir die Höhle an der C-Leine und folgen dieser etwa 35 Minuten bis zur Umkehr. Sollte jetzt die Sicht schlechter sein, ist die Schuldfrage zweifelsfrei geklärt. Feinste Sedimente ruhen am Boden und warten nur darauf vom Wasserstrudel der Flossenbewegung aufgewirbelt zu werden. Die richtige Flossentechnik hat ihre Daseinsberechtigung. Immer wieder zeigt uns Attila Kristallformationen, die ihre Schönheit erst im Schein der LED-Lampen preis geben. Die Natur erschafft Erstaunliches. Auch diese 70 Minuten gehen viel zu schnell vorbei.

Höhlentauch-Buddies

 

Dieser Ausflug in die Budapester Unterwelt bildet den Höhenpunkt meiner Reise. Schön, Euch alle getroffen zu haben. Von Attila erfahre ich noch viele Details zur Höhle und seinem spannenden Projekt „Molnar Janos Cave Budapest“. Mit Olaf tausche ich die Trikots. Ein Wiedersehen ist für den Sommer im Tauchrevier Deutschland angedacht.

Mit dem Taxi lasse ich mich wieder ins Hotel bringen, lade meine nassen Klamotten aus und finde den Anschluss meiner „Gruppe“ in der Altstadt. Das Bier zischt.

Kennt ihr die Molnar Janos Cave?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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Categories: AufReisen

2018 Tauchen auf Bonaire

März 2018 Bonaire, Kralendijk

Vor drei Jahren waren wir auf Curacao, einer Insel der Niederländischen Antillen im Karibischen Meer. Wir waren begeistert von der Schönheit des Eilandes und der Freundlichkeit der Menschen. Die freie, ungezwungene und selbstbestimmte Art zu tauchen war ganz nach unserem Geschmack. „Ihr müsst unbedingt nach Bonaire. Da ist es noch viel besser.“, so die Stimmen einiger Tauchfreunde.

Nun sind wir hier, auf Bonaire, nur wenige Minuten nördlich der kleinen Hauptstadt Kralendijk (Korallendeich). Der Flieger und die Crew von der Dutch Royal Airline KLM haben uns sicher und gut umsorgt von Berlin über Amsterdam in die Karibik gebracht. Auch unser Gepäck hat es pünktlich und unversehrt geschafft. Für den Transfer zur Unterkunft haben wir uns einen Shuttle organisiert. Unseren Pickup werden wir erst morgen nach einer ersten Nacht und einem guten Frühstück übernehmen.

Den Laman, Kralendijk, Bonaire

Wir sind im Den Laman, einem kleinen Appartmenthaus direkt am Strand, untergebracht und werden bereits erwartet und freundlich empfangen. Dieses Objekt wurde uns von einem Reiseveranstalter empfohlen, doch dazu später mehr. Das Appartment „Ocean View“ ist riesig, hat ein großes Wohnzimmer, eine geräumige Küche, ein Schlafzimmer und ein kleines Bad. Es ist ausgesprochen sauber und sehr gut eingerichtet und ausgestattet. Es ist heiß und spät. Wir fragen nach Wasser oder der Möglichkeit, ein kühles Bier zu bekommen. „Leider nein“, begegnet es uns. Ein späterer Blick in den Kühlschrank offenbart uns bereitgestelltes, kaltes Wasser. Vom Balkon höre ich Musik. Ich eile hinab, sehe Licht und treffe freundliche Leute im „Breeze N‘ Bites“. Mit zwei kalten Amstel  begrüßen wir unseren Urlaub. Angekommen.

Dive Friends Bonaire

Unser erstes Frühstück genießen wir unter karibischem Himmel mit Blick auf das türkisblaue Meer. Die Menschen sind ausgesprochen freundlich. Wir werden bestens umsorgt und bedient. Das soll sich auch die nächsten beiden Wochen nicht ändern. Direkt nebenan befindet sich eine Tauchbasis von „Dive Friends Bonaire“, unserem Tauchbasislager. Hier haben wir unser „Unlimited Dive Package“ gebucht. Beim Check-In blicken wir auch hier in freundliche Gesichter. Die Formalitäten sind schnell erledigt, die 25USD „Marine Park Fee“ bezahlt, der Platz für unser Tauchgerödel zugewiesen und das Tauchflaschenprozedere flott erklärt. Nitrox for free. Der Zugang ist 24×7 gewährt. Alles macht einen professionellen und durchdachten Eindruck.

Tauchen auf Bonaire

Da wir unseren Mietwagen erst am Abend in Empfang nehmen, erledigen wir gleich den verpflichtenden Check-In Tauchgang, bekommen ein OK und setzen uns für den ersten Tauchgang im Hausriff ab. Drei Millimeter Neopren, keine Kopfhaube, ich sehe meine Hände, fühle mich irgendwie nackt. Es gibt wohl doch einen klitzekleinen Unterschied zum heimischen Trockentauchen. Typisch karibische Schwämme und Weichkorallen erinnern an unseren Urlaub in Curacao. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle, dass ich nun im Besitz vergoldeter INT-Adapter zum fairen Inselpreis bin.

Am Abend sind wir dann auch mobil. Das Inselabenteuer kann beginnen. Im Übrigen waren beim Autoverleiher die einzigen ernsten Gesichter zu finden. Muss in diesem Job wohl ein Einstellungskriterium sein. Entgegen aller Erzählungen ist dem Mietvertrag zu entnehmen, dass das Auto verschlossen und mit geschlossenem Fenster abzustellen sei. Schnell noch den Kühlschrank ein wenig aufgefüllt und der erste Inseltag verabschiedet sich mit einem fulminanten Sonnenuntergang.

Unterwegs in der Karibik

Salzluft, eine warme Briese, das Rauschen des Meeres, Kaffee, Rührei, freundliche Gesichter und natürlich mein Lieblingsbuddy. Kann ein Tag schöner beginnen? Wir beladen unseren Pickup. Mit jedem Tag werden die Handgriffe routinierter. Die Tauchflaschen sind stets top und prall (230bar) mit EAN32 gefüllt. Allein ein paar Flaschen-O-Ringe sollte man mitführen, die fallen schon mal raus oder sind ob der starken Nutzung gut verschlissen. Es passierte daher häufig, dass es unter Wasser leicht blubbert. Nicht der Gasverlust ist kritisch, das dauernde Blubbern und Brasseln am Ohr in der „Silent World“ ist für mich einfach nervig.

Und schon sind wir auf der Küstenstraße in Richtung Norden. Im Gegensatz zu Curacao verläuft die Straße relativ dicht am Ufer entlang und man kann die Tauchplätze meist vom Auto aus erkennen. Gelbe, beschriftete Steine markieren die Einstiege. Riffbojen ermöglichen den Booten von See aus diese Plätze anzufahren und helfen uns Tauchern beim Auffinden des Ausstieges.  Mit „1000 Steps“ beginnen wir unser Tauchabenteuer. Die Treppe erinnert mich ein wenig an den Schmalen Luzin im heimischen Mecklenburg-Vorpommern. Gut 20 weitere Tauchplätze werden wir in den nächsten Tagen besuchen. Und keiner hat uns wirklich enttäuscht, soviel sei schon mal gesagt.

Rifffische in der Karibik

Der Küstenbereich ist naturbelassen, so auch die Einstiege. In Abhängigkeit von Welle und Brandung kann der Schritt ins Nass recht abenteuerlich sein. Wir haben so den einen oder anderen Taucher rücklings in der Brandung liegen sehen. Wohl dem, der den Atemregler noch im Mund behält. Im Norden schlug die See deutlich heftiger ans Ufer. Karpata konnten wir daher erst im zweiten Anlauf bezwingen. Der Süden wirkt ruhiger und sanfter. Auch die Unterwasserwelt unterscheidet sich. Dominieren im Norden die Hartkorallen so sind im Süden fantastische Weichkorallen zu finden. Das Riffdach in Bonaire ist schmaler, in nur wenigen Flossenschlägen ist man an der Riffkante und kann absteigen. Auf Curacao erinnere ich mich an ziemlich lange Strecke bis zur eigentlichen Riffkante.

Unterwasserwelt Bonaire

Die Unterwasserwelt begeistert. Die Riffe sind intakt und lebendig. Es ist gibt Unendliches zu entdecken. Korallen und Schwämme überzeugen an sich, sind weiterhin Lebensraum vieler kleiner Bewohner. Zahllose Riffische bestimmen bunt das Bild, im Blauwasser große Schwärme von Füsiliere und Hornhechte. Putzergarnelen und Pfeilkrabben sind häufig auch tagsüber in den Riffen anzutreffen. An sandigen Plätzen überraschen Adler- und Stechrochen. Schlangenaale und Muräne luken aus ihren Verstecken. Meeresschildkröten stellen im Blau den Quallen nach oder knabbern ungestört an ihren Lieblingskorallen. Viele der gesichteten Tiere sind markiert. „Nesting Beach“ –Schilder zeugen von deren Herkunft. Riesige Tarpune dösen tagsüber vor dem Riff und warten auf die Nacht.

Tauchen auf Bonaire

Unser Hausriff mit Sandstrand, eigenem Pier und einer exzellenten Logistik (Tauchflaschen direkt am Pier verfügbar) ist der ideale Platz für meine Nachttauchgänge. Während sich die bunten Riffische mit unterschiedlichsten Strategien in der Nacht unsichtbar machen, treten mit der Dämmerung die Putzer in Erscheinung. Zahllose Kreaturen mit unterschiedlichstem Zangenwerkzeug bearbeiten die Hinterlassenschaften des Tages. Der Schöpfer muss seine wahre Freude gehabt haben. Noch in Trauer um mein daheim vergessenes Makroobjektiv bin ich vertieft im Ablichten der kleinen Krabbentiere als im Schein meiner Lampe ein großes, metallisches Etwas vorbei zieht. Ich erschrecke, halte inne und Ausschau.

Die Tarpune sind auf der Jagd. Gut zwei Meter lang werden sie meine nächtlichen Begleiter und nutznießen das von mir mitgeführte Licht für ihre Jagd. Ein derartiges Verhalten kannte ich bis dato nur von Feuerfischen im Roten Meer. Es hat gut 10 Minuten gedauert, bis ich sie entspannt an meiner Seite duldete, Schreckmomente dennoch inbegriffen. Waren die Tagestauchgänge schön, so haben die Nachttauchgänge ihre eigene, besondere Faszination. Kleine und große Langusten mit ihrer farbenprächtigen Musterung schreiten durch das Riff. Tagsüber entdeckten wir gar ein mächtiges Weibchen mit ihrem orangefarbenen Eigelege im schützenden Schwanz in einer kleinen Höhle.

Krabbentiere in der Karibik

Das Tauchen auf Bonaire ist wirklich etwas Besonderes. Die Tauchplätze Karpata, Angel City, Hilma Hooker und Salt Pier möchte ich besonders erwähnen. In Deutschland unvorstellbar, an und unter einer Industrieanlage wie dem „Salt Pier“ zu tauchen. Die Plattformen der Förderanlagen werden von den Unterwasserbewohnern sehr gut angenommen. Selbst das Fahren mit dem Auto kostenfrei bis an das Ufer in Deutschland undenkbar.

Saline und Salt Pier

Es gab keinen Tag ohne Tauchen, dennoch fanden wir Zeit für Inselerkundungen.  Im Norden erkundeten wir den „Washington Slagbaai National Park“ mit seiner besonderen Vegetation, der schroffen Küste und den eindrucksvollen Salinen, Lebensraum vieler Flamingos.  Im Süden kann man das Farbspiel der angelegten Salzseen bewundern, von olivegrün bis leuchtendpink. Zwischen ihnen türmen sich die strahlendweißen Salzhalden auf. Beliebte Fotomotive auch bei den zahllos angespülten Kreuzfahrtausflüglern.

Kleine Hütten, nicht größer als Hundehütten, zeugen von der Unmenschlichkeit der Spezies Mensch. Für die Salzgewinnung wurden Sklaven eingeschifft und ausgebeutet. Im Südosten trifft man auf Bonaires einzigartige Mangrovenlandschaft. Eine riesige Bucht (Sorobon) entwickelt sich zu einem beliebten Windsurf Resort. Der Osten ist wild und schroff und dünn besiedelt. Eine Mülldeponie schluckt schweigend die Reste des bunten Treibens im belebten Westen.

Bonaire, Niederländische Antillen

Ca. 20.000 Menschen sollen auf Bonaire, einer Niederländischen Gemeinde, leben. Die allermeisten  wohl in der Hauptstadt Kralendijk mit Blick auf die kleine Nachbarinsel „Klein Bonaire“. Als nennenswerte Ortschaft sei vielleicht Rincon im Norden noch zu erwähnen, die unübersehbar mit ihrer Kaktusbrennerei wirbt. Zahllose Bankautomaten sichern stetig die Liquidität der Gäste. Zahlungsmittel ist der US Dollar. Kleine Supermärkte sichern das Leben der Selbstversorger. Das Angebot von Restaurants, Cafes und Bars ist recht groß. Für ein romantisches Essen zu zweit sollte man sich allerdings ausreichend Dollarnoten einstecken. Wenn große Schatten auf die kleine Hauptstadt fallen, dann legt wieder eines der täglichen Kreuzfahrtschiffe an. Viel ist nicht immer besser.

ABC Insel Bonaire

Alles in allem verlebten wir einen wunderschönen Urlaub auf Bonaire. Alles hat wirklich gepasst. Zwei persönliche Begegnungen mit Tauchfreunden von Tauchrevier Deutschland. Danke Björn und Guido. Die Tauchfreunde von „Dive Friends Bonaire“ mit ihren sieben Basen auf der Insel waren eine gute Wahl. Die Unterkunft mit dem einliegenden Restaurant und dem tollen Hausriff sorgten für einen angenehmen Inselaufenthalt. Plane ich in der Regel unsere Urlaube individuell, so habe ich mich diesmal auf die Erfahrungen und Empfehlungen der Reiseagentur „ABC Travel & Consulting“ verlassen. Eine gute Entscheidung. Danke Nico.

Unterwasserimpressionen


Kennt ihr die Insel Bonaire?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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Categories: AufReisen

2018 Tauchen im Cospudener See

10.02.2018, Cospudener See (Sachsen)

Gute Nachrichten verbreiten sich wie ein Lauffeuer in den Sozialen Netzwerken. Beste Sicht im Cospudener See. Ich war gefühlt eine Ewigkeit nicht in diesem ehemaligen Braunkohletagebaurevier tauchen. Das Ziel für meinen heutigen Ausflug steht somit fest.

Der Cospudener See, der erste künstliche See im Leipziger Neuseenland, trägt den Namen eines alten Dorfes, welches den gefräßigen Baggern weichen musste, Ironie des Schicksals. In unmittelbarer Nachbarschaft und südlich von Leipzig befinden sich der Markkleenberger See, Störmthaler See und der Zwenkauer See. Wo einst Waldlandschaften zum Erholen einluden, hat der unbändige Braunkohlehunger große Wasserlandschaften hinterlassen. 1992 stoppten die eisernen Riesen ihre Arbeit. Grund- und Niederschlagswasser füllten den mächtigen Krater bis zum Jahre 2000. Ein neues Naherholungsgebiet im Rahmen der Expo 2000 entstand.

Tauchen im Cospudener See

 

Der Cospudener See entwickelte sich zu einem Tauchrevier in Sachsen. Der Tauchereinstieg befindet sich am Ostufer, dem Zöbigker Winkel, in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer modernen Marina mit Hafen, Ferienhäusern, einem schönen Pier und Restaurant. Die kleine Tauchbasis von Lutz Kamski hat hier ihr Domizil. Heute allerdings war sie verschlossen. Ein großer, gebührenpflichtiger Parkplatz sorgt für kurze Wege.

Nach 2 ½ Stunden Autofahrt erreiche ich mein Ziel. Still und klar bei winterlichen Temperaturen liegt er vor mir, der Cospudener See. Ich atme tief die kühle Frische und freue mich auf den Tauchgang. Zurück am Auto tritt ein Mann an mich heran und reicht mir die Hand. Ich treffe Falk Wieland erstmalig persönlich. Seine bekannten Tauchreiseführer sind Bestandteil meiner Recherchen für das Tauchrevier Deutschland. Er und seine Frau Cornelia planen heute ebenso einen Tauchgang im „Hausriff“.

Tauchcenter und Tauchschule

 

Weitere Taucher treffen ein. Nicht ganz überraschend treffe ich Robert Lange von der Tauchbasis Zwenkauer See. Mit seinem Team plant er heute Ausbildungs- und Spaßtauchgänge. Nach einer kurzen Begrüßung mache ich mich fertig und trotte mit der Ausrüstung in wenigen Schritten über die Badewiese zum Einstieg. Ein kurzer Check, Kompasspeilung und auf geht’s. Ich tauche Richtung Westen zur Abbaukante. Zarte Triebe der Feinen Armleuchteralge durchstoßen das Kiesbett. Das klare Wasser lässt den Blick weit schweifen. Auf 16 Meter stoße ich auf ein Boot. Wenige Flossenschläge später treffen Cornelia und Falk zum Fotoshooting ein. Ich ziehe weiter Richtung Seemitte.

Der mittlerweile pflanzenlose Grund ist überzogen mit einem Labyrinth aus Spuren verschiedenster Bewohner. Flusskrebs, Muschel und Wasserassel gehen ihrer Bestimmung nach. Welche Art Flusskrebs werde ich in diesem Gewässer wohl entdecken? Spuren über Spuren aber kein Fühler- oder Scherenpaar. Doch dann. Kamberkrebse eroberten diesen Lebensraum für sich. Mittlerweile bin ich auf einer Tiefe von 35 Metern angekommen. Diese Furchen und Gräben am Hang sind einfach faszinierend. Rostendes Metall und Braunkohlereste wecken mein Interesse. Ich drehe in Richtung Süden ab und steige dabei langsam wieder auf.

Amerikanischer Flusskrebs, Kamberkrebs

 

Zwischen 10 und 20 Metern treffe ich auf allerlei Schrott. Fahrrad, Tretboot, Gabelstapler, Parkuhr und sonstiger Unrat bilden wohl einen Erlebnispark unter Wasser. Ich kann dem nichts abgewinnen, aber die Geschmäcker sind ja verschieden. Stelle mir nur vor, wie das im Wald wirken würde. Große Betonanker und schwere Kette zeigen an, dass ich an der Steganlage der Marina angekommen sein muss. Wirkt ein wenig wie das künstliche Riff in Nienhagen.  Eine gute Stunde ist nun leider schon wieder vorbei. Ich trete den Rückweg an. Das satte Grün der Armleuchteralgen im Winter beeindruckt mich. Vereinzelt sind Halme des Tausendblattes anzutreffen. Ein schöner Tauchgang im Cospudener See, im Tauchrevier Deutschland.

„Erlebnispark“ unter Wasser

 

Wieder in warmen Klamotten und mit heißem Tee im Bauch bereite ich die Abreise vor. Die Rückreisewelle der Skiurlauber möchte ich gern hinter mich lassen. Dann verquatsche ich mich doch noch mit Falk und Robert, so dass ich das Parkticket nachlösen muss. Spannend ist es allemal. Wir müssen uns noch einmal verabreden. Ich werde wiederkommen, mit dem richtigen Gas bis zur letzten Sohle auf 50 Meter.

Braunkohletagebau Cospuden

 

Kennt ihr den Cospudener See?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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Categories: _Sachsen, UnterWasser

Indoor Tauchen in Deutschland

Indoor Tauchangebote bieten einem die Möglichkeit, so man nicht über eine kältetaugliche Tauchausrüstung verfügt oder einfach nicht ins kalte Wasser mag, die Wintermonate bis zur nächsten Saison zu überbrücken. Aber auch zu Ausbildungszwecken oder dem Checken von neuen Ausrüstungsgegenständen wird das Indoor Tauchen in Deutschland gern angenommen. Hier findet ihr neben den vielen Schwimmhallenangeboten eine Aufstellung von Indoor Tauchtürmen und -becken in Deutschland.

Monte-Mare in Rheinbach bei Köln/Bonn

Indoor-Tauchen, Schwimmbad, Wellness und Sauna bei Köln/Bonn (Nordrhein-Westfalen)

Bildquelle: Homepage monte-mare

200 qm Wasserfläche, 10m tief, 2 Mio Liter Wasser,
Wassertemperatur 28 Grad,
Höhlen- und Grottenlabyrinth, Bootswrack,
Ausbildungsprogramm nach SSI, Tauchshop,

monte-mare Rheinbach

TauchRevier Gasometer Duisburg

Ehemaliger Gasometer als Indoor-Tauchparadies in Duisburg (Nordrhein-Westfalen)

Bildquelle: Homepage tsc-leimen.de

45m Durchmesser, 13m tief, 21 Mio. Liter Wasser,
Temperatur abhängig von Aussentemperatur (7-26 Grad),
Ausbildungsprogramm SSI, Tauchshop
beheizte Umkleideräume


Tauchrevier Gasometer

Dive4Life Siegburg

Neu erbautes Indoor-Tauchcenter in Siegburg bei Köln (Nordrhein-Westfalen)

Bildquelle: Homepage Dive4Life

18/10m Durchmesser, 20m tief, 3 Mio. Liter Wasser,
Wassertemperatur 26 Grad,
versunkene Stadt, künstliche Ruinen,
Ausbildungsprogramm SSI, Tauchshop


Dive4Life

TSC Tauchturm Esslingen

Tauchturm des Tauchsportclubs TSC Esslingen (Baden-Württemberg)

Bildquelle: Hompepage TSC Esslingen

6m tief, Grundfläche 5x5m,
115.ooo Liter Wasser,
Wassertemperatur 25 Grad


Tauchturm TSC Esslingen

U-49 Indoor-Center

Ehemalige Sauerkrautfabrik mit 8 Tauchbecken in Aufkirchen (Bayern)

Bildquelle: Homepage indoor-tauchen.de

8 Becken mit ca. 5m Tiefe,
2 Mio. Liter Wasser,
Wassertemperatur 24 Grad,
Erlebnisbecken (naturnah, Foto/Film),
Ausbildungsprogramm RAID


U-49 Indoor Diving


AquaCity, Tauchturm Vogtland

Das AquaCity, Tauchturm in Plauen (Vogtland, Sachsen)

Bildquelle: Homepage Tauchturm Vogtland

8m Durchmesser, 50qm Wasserfläche, 10m tief,
530.000 Liter Wasser,
Wassertemperatur 30 Grad,
Ausbildungsprogramm SSI/PADI


Tauchturm Vogtland

DLRG Turm Berlin

Tieftauchsimulation durch veränderte Wassersäule und veränderten Betriebsdruck (Berlin)

Bildquelle: Homepage DLRG Tauchturm Berlin

50m Tauchtiefen Simulation,
Übernachtungsmöglichkeiten


DLRG Turm Berlin

Tauchcenter Nullzeit Duisburg

Piratenschiff, versunkene Stadt, Kirche, Silbermine und und und. 8 Themengänge im ehemaligen Trinkwasserspeicher in Duisburg (Nordrhein-Westfalen)

Bildquelle: Homepage Tauchcenter Nullzeit

8 Themengänge,
16 Mio. Liter Wasser,
Ausbildungsprogramm CMAS


Tauchcenter Nullzeit

Tauchturm Wittenberge

Rifflandschaften, Wechsellichtanlage, Röhrensystem und Trainingsebene, Indoor-Tauchen in der alten Ölmühle Wittenberge (Brandenburg)

Bildquelle: Homepage Tauchturm Wittenberge

100qm Wasserfläche, 10m tief,
Wassertemperatur 24 Grad,
Ausbildungsprogramm SSI


Tauchturm Wittenberge

Tauchturm Laupheim-Obersulmetingen

Hauseigener Tauchturm von Astrid Schiemann Tauchsport

Bildquelle: Homepage Astrid Schiemann Tauchsport

keine Angabe zur Tiefe und Temperatur,
Ausbildungsprogramm SSI,
freie Nutzung für Klubmitglieder


Tauchturm Laupheim-Obersulmetingen

Kennt ihr weitere Indoor Tauchmöglichkeiten in Deutschland? Dann laßt es mich wissen. Berichtet von euren Erfahrungen des Indoor Tauchen in Deutschland.

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Categories: ÜberWasser, UnterWasser

Tauchen im Werbellinsee

5. Januar 2018, Werbellinsee (Brandenburg)

Das neue Jahr ist bereits fünf Tage alt, die besinnlichen Feiertage im alten Jahr zurück gelassen und 2018 mit Freunden zünftig begrüßt. Vor zwei Tagen wurde ich zum zweiten Male Großvater. Das Jahr kann nicht schöner beginnen. Jetzt ist es an der Zeit für den ersten Tauchgang im Neuen Jahr, Tauchen Werbellinsee.

Es ist Freitagmorgen, der Himmel ist leicht bedeckt und die Temperaturen klettern auf 5 Grad Celsius. Ich stehe am Nordwestufer des herrlichen Werbellinsees, am beliebten Tauchereinstieg „Dornbusch“. Ich habe keine Ahnung, wie viele Tauchgänge ich im klaren Nass des eiszeitlichen Natursees habe absolviert. Keine Minute der Langenweile, der Enttäuschung. Es gibt Zahlloses zu entdecken. Das Leben unter Wasser folgt dem Zyklus der Jahreszeiten.

Kaffenkahnwrack „Dornbusch“

 
Mein heutiges Ziel wird das bekannte und beliebte Wrack eines Lastenseglers, Kaffenkahns, sein. Der gut 40 Meter lange, mit Feldsteinen beladene Holzkahn ruht auf einer Mergelbank und fällt mit seinem Heck auf einer Tiefe von 38 Metern ab. Dieser Zeitzeuge menschlichen Strebens ist beliebter Rückzugsort für viele Fische. Wels, Quappe, Kaulbarsch, Flussbarsch, Plötze und Aal konnte ich dort bereits beobachten.

Teltower Kreisblatt vom 26. August 1886:
„Am Sonntag Vormittag ist auf dem Werbellinsee ein mit Steinen beladener Kahn gesunken, wobei leider der betreffende Schiffer, seine Gattin und deren siebzehnjähriger Sohn, die noch im letzten Moment in die Kajüte eilten, um Wertsachen zu retten, ertranken, während es dem Knecht gelang sich in den neben dem sinkenden Fahrzeuge befindlichen kleinen, mit letzterem durch Tau verbundenen Kahn zu retten und durch sofortiges Durchhauen des Taues jede Gefahr von sich selbst zu beseitigen.“

Da ich eine Verweildauer von 40 Minuten am Wrack plane, werde ich zur Verkürzung der Deko im kalten Wasser (5 – 6 Grad) ein EAN50 Gas mitführen. Eine Heizweste vertreibt die einsetzende Kälte. Gute Ausrüstung für Wintertauchgänge in unseren heimischen Seen ist unerlässlich. Ich montiere die Gerätschaften, präpariere meine Kamera und schleppe das Gerödel zum See. Check. Check. Check. Mein Kopf ist unter Wasser und ein breites Grinsen macht sich breit.

Zeitzeugen Lastensegler

 
Die Sicht ist ausgezeichnet. Der Weg hinab zum Wrack ist schnell getaucht. Flohkrebse, Schlammschnecken und Flusskrebse weiden die großflächigen Muschelkolonien. Nach wenigen Minuten leuchtet das massige Bug, der Kaffen, im Schein meiner Lampe. Flussbarsche bevölkern das Wrack. Ich tauche an der Backbordseite hinab zum Heck, vorbei am mächtigen Maststuhl und der steinigen Ladung. Mein Lichtkegel scannt das Umfeld. Schwaches Tageslicht dringt ob der guten Bedingungen hinab auf den Grund.

Ich erreiche die eingefallene Kajüte. Sie ist abgesehen von kleinen Fischen leer. Unter einem Brett wird das Licht meiner Lampe auffällig reflektiert. Ein junger Wels drückt sich fest in den Spalt. Hier wird er vor den scharfen Schnäbeln hungriger Kormorane sicher sein und den Winter überdauern. Die große Ruderpinne ragt weit in das Boot und endet an einem riesigen Ruderblatt. Das Ruder liegt genau auf einer kleinen Mergelkante. Durchzogene Löcher bieten dem Kamberkrebs Heim und Schutz. Jeder Blick wird belohnt.

Junger Wels, Silurus glanis

 
Auf die gehofften Begegnungen mit unserem Süßwasserdorsch, der Quappe, muss ich leider verzichten. Eigentlich treffe ich diesen kälteliebenden Fisch immer hier unten. Vielleicht sind sie gerade auf Brautschau, beginnt doch jetzt die aktive Zeit der Tiere.

Ich drehe noch zwei Runden am Wrack, schaue mich ein wenig daneben um und steige wieder auf. Eine kleine Mergelwand auf etwa 20 Metern ist eine ideale Gaswechselstelle. Während ich nun angereichte Luft durch meine Lungen schiebe, um den Stickstoff schneller loszuwerden, begebe ich mich unter Beibehaltung des Dekoplans auf Entdeckertour in flachere Bereiche.

Der Fisch ist verschwunden, die Pflanzen sind welk und dennoch ist jeder Atemzug und Flossenschlag Freude und Entspannung. In kleinen Nischen finden sich Grüppchen von Schwebgarnelen. Bald werden sie wieder in großen Schwärmen durch den Werbellinsee ziehen. Viele Ohrschlammschnecken suchen einander und hinterlassen schnittmusterähnliche Spuren.

Kleines Treiben im Werbellinsee

 
Ein zappelndes Röhrchen weckt meine Aufmerksamkeit. Ein massiver Kopf im Tigermuster mit kräftigen Zangen verrät eine Köcherfliegenlarve. Aus lebensraumspezifischem Material verklebt sie einen schützenden Köcher für den empfindlichen Hinterleib. Das Beobachten ihres unermüdlichen Treibens lässt die Zeit vergessen. Ich liebe diese fantastischen Kleinigkeiten.

Köcherfliegenlarve

 
Nach 1 ½ Stunden steige ich aus dem Nass. Drei weitere Taucher haben sich eingefunden, um das Wochenende zu begrüßen. Bekannte Gesichter. Chris und Daniel stecken bereits in ihren Trockentauchanzügen. Martin taucht gerade auf. Während wir uns der nassen Sachen entledigen und in warme Kleidung schlüpfen, tauschen wir uns über das Tauchen in Island, Grönland und im Baikalsee aus. Ein weiterer schöner Tag im Tauchrevier Deutschland. Das Wochenende kann beginnen.

Ihr wart bestimmt schon am Wrack, oder?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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Categories: _Brandenburg

Tauchen im Bergbausee

27.10.2017, Zwenkauer See (Sachsen)

Heute nun soll es sein. Seit Monaten schieben wir einen gemeinsamen Tauchgang auf. Treffpunkt ist die Tauchbasis am Zwenkauer See. Ich bin mit Robert verabredet, Basischef, PADI Course Director und ein langer Freund des Tauchrevier Deutschland.

Ein starker Wind bläst dicke, graue Wolken über den Zwenkauer See. Mancherorts entlässt der Himmel die schwere Last in Form eines Platzregens. Schaumkronen zieren die Wellen des jungen Wassers. Mit jeder noch so kleinen Wolkenlücke taucht die Sonne das Ufer in ein prächtiges, herbstliches Licht.

Tauchen im Zwenkauer See

 

Ich erreiche die Basis nach 2 ½ Stunden Autofahrt und werde bereits von Robert und Steffen erwartet. Steffen hat sich für diesen Tag bereit erklärt, die verantwortungsvolle Rolle des Bootsführers zu übernehmen. Nach einem kurzen Hallo ziehen wir uns in einen der warmen Container zurück und planen unsere Tauchgänge. Wir wollen an das Ostufer übersetzen und den jungen, gefluteten Wald besuchen. Den zweiten Tauchgang werden wir operativ nach Wetterlage angehen.

Kamera und Ausrüstung stehen bereit. Schnell sind wir in unsere Anzüge gesprungen. Steffen wartet bereits im geschützten Hafen auf uns. Das rote Schlauchboot, getrieben von einem kräftigen „Mercury“, ist einsatzbereit. Noch wenige sichernde Handgriffe und wir begeben uns auf Kurs. Sobald wir das schützende Hafenbecken verlassen haben, schlägt uns eine ordentliche Briese entgegen.

Mystische Unterwasserwelt

 

Der Kapitän signalisiert das Erreichen des Zielortes. Die Boje ist ausgebracht. Check und wir fallen rücklings vom Schlauchbootrand in den See. Steffen reicht uns die Kameras und wir tauchen ab. Die Baumkronen des Waldes sind schnell zu erkennen. Ohne Laub und die Äste braun eingesponnen, überdauern sie als Zeitzeugen am Grund des Sees. Dieser Wald einer vergangenen Zeit erzeugt eine eigene, faszinierende Stimmung.

Am Grund schlängelt sich ein orange leuchtendes Band zwischen den Bäumen. Einem Fluss gleich treten Eisenoxide an die Oberfläche und werden von verwertenden Eisenbakterien in eine traumhafte Unterwasserlandschaft verwandelt.

Eisenoxide, Eisenbakterien

 

Das Wasser des ehemaligen Braunkohlereviers ist jung. Die Ausbildung des typisch heimischen Lebensraumes steht noch ganz am Anfang. Vorsichtig zeigen sich die ersten Pionierpflanzen wie Ähriges Tausenblatt, Wasserpest, verschiedene Laichkräuter und üppiger Tannenwedel. Robert teilt mit mir die Leidenschaft für unsere Unterwasserflora- und Fauna. So dokumentiert er nicht ohne Stolz jede Neuentdeckung in seinem See.

Mit dem Auge für die kleinen Dinge verweilen wir beinah endlos in dieser surrealen Kulisse. Hier ein kleiner Stichling, der sich im dichten Geäst der Bäume versteckt und dem Zooplankton nachjagt, dort eine Libellenlarve als Meister der Tarnung und anderenorts verdächtige Spuren im schlammigen Grund. Der See lebt.

Leben im Zwenkauer See

 

Der Gasvorrat ist endlich, daher steigen auch wir einmal auf. Die Oberflächenboje zeigt unserem ausharrenden Kapitän unsere Position. Pflichtbewusst sammelt er uns ein. Das Wetter hat sich verschlechtert. Den zweiten Tauchgang werden wir von Land aus unternehmen. Flaschen füllen, Aufwärmen und Taucherklön, dann stehen wir schon wieder bis zum Hals im Zwenkauer See.

Pioniere im jungen Bergbausee

 

Stattliche Hechte im üppigen Grün sucht man vergebens. Noch. Der Zwenkauer See überzeugt dennoch, von menschlichen Spuren des beflissenen Schaffens bis hin zum erfolgreichen Erstbesiedeln von Stichling, Flussbarsch, Bitterling und Barbe. Das Sehen will gelernt sein.

Den Tag lassen wir bei einer leckeren Pasta nebenan ausklingen. Robert hat noch vieles vor. Ich wünsche ihm alles Gute und eine glückliche Hand für unseren Zwenkauer See, einem weiteren Tauchrevier in Deutschland.

Kennt Ihr bereits den Zwenkauer See?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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Categories: _Sachsen, UnterWasser

Tauchen im Bisophärenreservat

08.10.2017, Tauchen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Brandenburg ist wunderschön, zu jeder Jahreszeit. Das muss ich immer wieder feststellen. Brandenburg ist reich an Seen. Wir Taucher sollten der Eiszeit ein Denkmal setzen. Wirklich zahllose kleine und große Seen reihen sich in Rinnen, liegen in enger Nachbarschaft und entfalten ihre Schönheit inmitten stattlicher Wälder.

Und dies trübt auch ein wenig das Taucherherz. Ist das Brandenburger Wassergesetz in Bezug auf das Tauchen mit Gerät durchaus liberal, so kennt das Brandenburger Waldgesetz keine Gnade. Zufahrten, um das schwere Tauchgerödel an den See zu bringen sind eher Fehlanzeige.  Ausgewiesene Landschaftsschutzgebiete wie das „Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin“ und Naturschutzgebiete  wie das Weltkulturerbe „Grumsiner Forst“ verschärfen die Situation. Man muss sich gut informieren.

Seen im Biosphärenreservat

 

Die Seenlandschaft ist riesig, hier seien stellvertretend der Grimmnitzsee, Dovinsee,  Grumsinsee, Gladbecker See,  Wolletzsee,  Peetzigsee und der Redernswalder See genannt. Erkundungen vor Ort in einmaliger Landschaft liefern wertvolle Informationen für einen möglichen Tauchgang. Erzählungen heimischer Uckermärker und Barnimer runden das Bild ab. Da ist von Schätzen die Rede, altem Kriegsgerät und Tiefenangaben von über 70 Metern. Abenteuerlich.

So manche Schönheit entpuppt sich allerdings als wirkliche Enttäuschung. Pflanzenlos, fischleer, ja beinah leblos zeigt sich eine enttäuschende Unterwasserwelt. Die Ursachen sind sicher vielfältig und die Einflüsse vielschichtig.  Doch es gibt sie noch, lebendige und gesunde Seen, wahre Perlen. So zeigte sich auch unser heutiges Tauchrevier, dessen Namen ich bewusst nicht nennen möchte.

Schöne Unterwasserwelt

 

Nach dem Unwetter „Xavier“, der dem alten Buchenbestand ziemlich zusetzte, und dem anhaltenden Regen scheint die Sonne wie lange nicht. Die Herbstfärbung des Laubes der säumenden Bäume leuchtet in ihrem Schein. Es ist wundervoll, hier am Ufer des Sees zu stehen. Und noch mehr freuen wir uns den Kopf unter die Wasseroberfläche zu stecken.

Unter leuchtenden, neugierigen Blicken vielleicht zukünftiger Taucher stapfen wir in den See und machen die letzten Handgriffe. Check und Gluckgluck. Das Wasser ist grün geschwängert und hat Sichtweiten von 3-4 Meter. Sofort tauchen wir in eine artenreiche Pflanzenwelt ein. Schön und prächtig, doch bereits herbstlich geprägt. Wasserschlauch, Laichkraut, Raues Hornblatt, Hahnenfuß und Tausendblatt gehen mit zunehmender Tiefe in Wasserpest und Grünalgen über.  Abgestorbene Biomasse vergangener Jahre wabern am Grund und geben keinen Halt für Muscheln. Zahllose Spuren des wandernden Flusskrebses sind schnell ausgemacht. Ist hier vielleicht noch ein Edelkrebs Zuhause?

Flora und Fauna im Herbst

 

Nach einigem Suchen entdecke ich den ersten Krebs, die kastanienbraunen Abdomen verraten den invasiven Kamberkrebs. Also auch hier. Mit nur wenigen Bewegungen ist er ganz im Schlamm versunken. Vereinzelt huschen kleine Flussbarsche im Schein der Lampe. Wir drehen eine ausgiebige Runde im See, um dann an das Ufer für den Rückweg zurückzukehren.

Kamberkrebs, Teichmuschel und Hecht

 

Felder von Hornblättrigen Armleuchteralgen zeigen das nahende Ufer an. Immer wieder bin ich von einer derartigen Pracht begeistert. Die kleinen Lauerjäger finden ideale Bedingungen, um den kleinen Plötzen und Barschen nachzustellen. Wundervoll. Ebenso imposant sind die zum Licht ragenden Triebe des Gewöhnlichen Wasserschlauchs, einem Fleischfresser (Karnivore). Unzählige Fangblasen sammeln das Zooplankton und decken zusätzlich den Nährstoffbedarf.

Gewöhnlicher Wasserschlauch (Utricularia vulgaris)

Eine wirklich beeindruckende Unterwasserlandschaft. Abgerundet wird das prächtige Erscheinungsbild durch Wiesen von Nixenkraut. Süßwasserschwämme klammern sich an den Halmen des Röhrichts. Es gibt endlos zu entdecken. Und so wundert es nicht, dass die Uhr schon eine Tauchzeit von gut 100 Minuten anzeigt. So langsam dringen 14 Grad Wassertemperatur durch und wir entsteigen mit einem Lächeln dem wunderschönen See.

Unterwasserimpressionen eines heimischen Sees

 

Die Sachen sind schnell verstaut und wir verabschieden uns zu neuen Tauchabenteuern im Tauchrevier Deutschland.

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Dreistachliger Stichling

Dreistachliger Stichling (Gasterosteus aculeatus)

Kapitale Waller, imposante Spiegelkarpfen, elegante Schleie oder beeindruckende Hechte fallen uns bei unseren Tauchgängen in einheimischen Gewässern sofort ins Auge. Aber was ist mit den kleinen, beinah unscheinbaren Bewohnern dieses nassen Habitats?

In meinen Augen ist der Mikrokosmos unter Wasser mindestens ebenso interessant und spannend, und überlebenswichtig für die gesamte Flora und Fauna. Nur gelerntes Sehen lässt diese Schönheiten erkennen, ansonsten bleiben sie uns für immer verborgen.

Der kleine Barschartige

Der Dreistachlige Stichling ist ein Vertreter dieser kleinen Unterwasserwelt. Mit seiner durchschnittlichen Körpergröße von 5 cm ist er in der Tat schnell übersehen. Jungtiere und Weibchen sind ohnehin mit ihrer schwarzbraun, goldsilber marmorisierten Haut gut getarnt. Die Männchen hingegen erkannt man spätestens gut an ihrem orangeroten Paarungskleid und den türkisen Flanken und Augen. Stichlinge sind schuppenlos und artenspezifisch mit Knochenplatten „gepanzert“. Namensgebend und markant für den Dreistachligen Stichling sind seine drei vor der Rückenflosse aufstellbaren Stacheln.

Der kleine Räuber gehört zu den Barschartigen und ist in unseren einheimischen Gewässern (Salz und Süß) weit verbreitet. Kleingetier, Insekten, Larven und Würmer stehen auf seinem Speiseplan. Im Volksmund wird er auch mit Rotzbarsch oder Stachelbarsch bezeichnet. Zum Laichen ziehen jedoch alle Stichlingsarten in die Süßgewässer (anadrome Wanderfische).

Nestbau und Brutpflege

Der Stichling baut Nester zur Eiablage. Besser gesagt, das Männchen baut Nester am Boden. Dabei fächert es eine kleine Mulde aus und baut das Nest aus Pflanzenmaterial, welches es mit einem Nierensekret verklebt. Ist das Nest erst einmal fertig, lockt das Männchen das Weibchen mit einer Art Balztanz an. Wenn’s zwischen beiden funkt, schwimmt das Weibchen ins Nest und legt die Eier ab. Das Männchen besamt diese danach, verjagt die Braut und übernimmt die Brutpflege – Wache, Nestreparaturen, Zufächeln von frischem Wasser und Umsorgen der frisch geschlüpften Jungtiere.

Brutpflege bei Stichlingen

 

Für mich ist es immer wieder aufregend, diesen kleinen, tapferen Fischen bei ihrer aufopfernden Arbeit zuzuschauen, denn besonders die wandernden Exemplare sterben nach diesen Strapazen. Der Dreistachlige Stichling wird mit seinen 2-3 Jahren ohnehin nicht sehr alt. Das Wissen um die Dinge hilft zu verstehen und schützt unser Tauchrevier mit seiner bezaubernden Flora und Fauna.

Weiter Wissenswertes erfahrt ihr auch hier: FISCHATLAS – Online

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Mario Merkel, Tauchrevier Deutschland

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