Tauchrevier Deutschland im Interview mit "Der Taucherblog"

2017 Tauchen im Zwenkauer See

26.05.2017,  Zwenkauer See, Sachsen

Der Energiehunger von uns Menschen hinterlässt große Wunden in der Landschaft. Rund um Leipzig wurde Braunkohle mit riesigem Gerät abgebaut. Unaufhaltsam fraßen sich die Bagger in das Erdreich. Seenlandschaften entstehen wo einst Dörfer, Wald und Wiesen zu finden waren. Ein Ergebnis der großen Rekultivierungsanstrengungen ist die Bergbaufolgelandschaft Cospuden/Zwenkau. Südlich von Leipzig laden der Cospudener See und der Zwenkauer See zum Wassersport und Erholen ein. Während der Cospudener See bereits ein weithin bekanntes Tauchrevier in Deutschland ist, zählt der Zwenkauer See mit dem in 2015 erteilten Gemeinbrauch zu den Neulingen. Unser heutiges Ziel.

Tauchen im Zwenkauer See

Seit gut einem Jahr betreibt im Hafen von Zwenkau Robert Lange seine Tauchbasis „Zwenkauer See“. Robert traf ich erstmalig am Kulkwitzer See. Er erzählte mir von seinen Anstrengungen für die Errichtung eines Tauchbetriebes am Zwenkauer See und lud mich auf einen Besuch ein. Heute nun stehe ich hier auf seiner Basis und freue mich auf einen Tauchgang in dem neuen Gewässer bei allerbestem Sonnenschein.

Die Form des Sees erinnert mich an eine Hühnerkeule. Während Richtung Westen der See zu einem dicken Oberschenkel auswächst, verjüngt sich der See gen Osten  und läuft in einem Fuß aus. Mit einer Wasserfläche von 950 Hektar muss sich dieses Tauchrevier keinesfalls verstecken. Die maximale Wassertiefe beträgt 49 Meter. Sieben Jahre dauerte die Flutung des Tagebaues bis 2014 der erforderliche Füllstand erreicht wurde. Im Norden des Ortes Zwenkau entstand am Ufer des Sees eine neue Marina mit Bootsliegeplätzen und Parkplätzen. Auf diesem mit einer Schranke gesicherten Gelände befindet sich die Tauchbasis. Wehende Fahnen laden schon von Weitem ein. Mehrere Container mit maritimen Graffitis beherbergen Büro, Schulungs-, Ausrüstungs- und Kompressorräume. Aus Euro-Paletten genagelte Rödeltische und eine chillige Verweilecke lassen es an nichts fehlen. Ein kleines Imbissangebot rundet die ganze Sache ab.

Tauchbasis Zwenkauer See

Bis zum öffentlichen Strand, der als Tauchereinstieg dient, sind es gut 150 Meter Fußmarsch. Ein kleiner Wehmutstropfen.  Nicht ganz verstehen kann ich die Planer dieser neuen Marina, den Autoparkplätzen Seeblick zu gewähren, während die Infrastruktur des Wassersports mit der zweiten Reihe Vorlieb nehmen muss. Robert empfängt mich kurz, bevor er sich wieder seinen Tauchschülern zuwendet. Check-In und Einweisung übernimmt Steffen. Ich bin nicht allein, habe mich vor Ort mit Fred verabredet. Wir stehen am Ufer und blicken auf einladendes Wasser. Im Flachwasser huschen bereits zahllose Stichlinge und Ukeleien hin und her. Steffen erläutert uns die Unterwasserstruktur im Einstiegsbereich. Fischgrätenartige Entwässerungsgräben helfen bei der Orientierung.

Dreistachliger Stichling

Die Sonne brennt. Wir wollen jetzt einfach nur ins Wasser. Bei diesen Temperaturen von fast 30 Grad in den Unterzieher und Trocki zu steigen, ist nur etwas für Masochisten. Ich wünsche mir den Winter herbei. Endlich stehen wir im Wasser. Ein wunderbarer Moment. Wir tauchen ab und jeder hat seinen Plan. Der vertikale Entwässerungsgraben ist schnell gefunden. Der gebrochene Stein bietet ideale Bedingungen für die kleinen Stichlinge. Sie sind zahlreich vertreten. Rotbäuchige Männchen verraten die Nester der kleinen Räuber. Während die einen noch sorgfältig Pflanzenmaterial zu einem ordentlichen Nest herrichten, wuselt bei den anderen bereits der winzige Nachwuchs.

Stichlingbabies im Zwenkauer See

Auffällig ein Busch aus Tannenwedel. Auffällig, da das junge Wasser, sedimentiert von rostbraunen Eisenoxidausscheidungen, kaum Wasserpflanzen ausweist. Vereinzelt strebt feines Laichkraut zum Licht. Robert berichtete mir im letzten Jahr von zahlreichen Bitterlingen in diesem Revier. Und tatsächlich, ein herausgeputztes Männchen kann ich entdecken. Mein erster Bitterling im Tauchrevier Deutschland. Einst ein Allerweltsfisch, muss man ihn heute schon gezielt suchen.

Bitterling-Männchen im Hochzeitskleid

Im schönsten Hochzeitskleid ist er auf der Suche nach einer geeigneten Muschel für den Nachwuchs, um diese dann gegen jeden zu verteidigen. Zur Paarungszeit wächst den Weibchen eine Legeröhre, mit deren Hilfe die Eiablage innerhalb der Muschel erfolgt. Die Eier werden daraufhin vom Männchen besamt und wachsen im Inneren der Muschel bis zum Schlupf heran. Eine einmalige Symbiose.

Zarter Pflanzenbewuchs im Zwenkauer See

Ich folge dem Entwässerungsgraben hinab. Auf einer Tiefe von 7 und 9 Metern queren weitere Gräben. Die Sicht ist leicht eingetrübt. Strauchwerk bringt Abwechslung in die Unterwasserlandschaft. Ich treffe auf Cave-Leinen, folge diesen bis auf 20 Meter Tiefe. Das Wasser klart auf. Die Sicht ist gut. Das Strauchwerk geht in Bäume über. Das Spiel von schwachem Licht, Nebelschleiern und Schatten ist mystisch. Wenngleich kein offensichtliches Leben erkennbar, ist die Bodenstruktur mit den Gewächsen sehr interessant.  Nach 90 Minuten tauche ich wieder auf.

Unterwasserstrukturen im Zwenkauer See

Hier entwickelt sich ein neues Tauchrevier. Die Größe des Sees verspricht noch viele Tauchgänge. Angebotene Bootsfahrten lassen auch die entlegensten Ecken erreichen. Noch ein kurzer Klön und frische Sachsenluft in die Flaschen und es geht wieder heimwärts. Ich komme wieder.

Kennt ihr den Zwenkauer See?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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2017 Tauchen im Westbruch

12.04.2017, Westbruch (Sachsen)

Sachsen ist definitiv das Tauchrevier der gefluteten Steinbrüche. Unzählige, ehemalige Abbaustellen von Granit, Porphyr und Schiefer sind heute ideale Tummelplätze für Sport- und technische Taucher. Das Oberflächenwasser sammelt sich in dem gehauenen Stein und schafft einzigartige Landschaften und Lebensräume. Das tiefe Blau wartet nur darauf, erkundet zu werden.

Östlich von Leipzig hauten Bergleute Granitporphyr magmatischen Ursprungs aus dem Kohlenberg bei Beucha. Mit Aufgabe der Betriebsstätte holte sich die Natur zurück, was ihr gehört. Der sogenannte Westbruch ist heute ein weithin bekanntes Tauchrevier. Seit vielen Jahren betreibt Uwe Seidel die Tauchschule „Taucherparadies Sachsen“ in Brandis und ist Hausherr dieses idyllischen Kleinods. Ein Tauchgang steht schon lange auf meiner To-Dive-Liste.

Tauchen im Westbruch

Heute nun ist es soweit, ausgerechnet an einem Mittwoch, dem einzigen Ruhetag. Doch Uwe zögert nicht lange und sagt: „Kommt vorbei, ich bin da.“. Die Autobahninfrastruktur ist mittlerweile so gut ausgebaut,  A10-A9-A14-Abfahrt Naunhof und man fällt beinah ins Wasser. Nach gut 2 Stunden stehe ich an der mit einer Kette gesicherten Zufahrt zum Westbruch, auch Steinbruch Waldsteinberg genannt. Ich muss unbedingt einen ersten Blick wagen, bevor ich zu Uwe fahre. Nach nur wenigen Schritten stehe ich im Kessel am Ufer eines wunderbaren, einladenden Steinbruchsees. Die nackten, steilen Wände fallen in klares, blaues Wasser. Der Blick nach oben zeigt den Waldsaum und einen verhangenen, grauen Himmel. Ich freue mich auf den Tauchgang.

Steinbruch Waldsteinberg, Westbruch

Nur zwei Nebenstraßen weiter betreibt Uwe seine Tauchschule und –shop. Er heißt mich willkommen und führt mich in sein Reich. Mehrere Räume, gut gefüllt und sortiert mit Tauchequipment aller Art zeugen von einem langjährigen und erfahrenen Tauchbetrieb. Das Check-In ist schnell erledigt. Uwe nimmt sich ein wenig Zeit und erklärt mir anhand alter Fotos die Gegebenheiten des Steinbruchs während in HD-Qualität an der Wand ein großer Waller im Unterwasserwald seine Runden dreht. Ich muss dort jetzt hin.

Reste des Unterwasserwaldes

Zurück am Steinbruch nehme ich meinen Buddy in Empfang. Gut 190x120x20 Meter Wasserkörper gehören für den heutigen Tag uns allein. Das Leben ist schön. Lange schnacken ist nicht, wir wollen beide nur noch ins Wasser. Rödel, rödel, check und Platsch. Kaum den Kopf unter Wasser werden wir von einem Rudel Wasserscheine begrüßt. Sechs Spiegelkarpfen sehen nicht ihre ersten Taucher und sind regelrecht tiefenentspannt. Wir beginnen unseren Kurs linker Hand, so wie von Uwe empfohlen.

Spiegelkarpfen im Westbruch

Der Westbruch hat eine Tiefe von etwa 20 Metern, ein ehemals bewaldeter Absatz auf einer Tiefenlinie von 6-7 Metern zieht sich beinah um den ganzen See und ist wohl der meist betauchte Bereich im Bruch. Nach nur wenigen Flossenschlägen erscheint uns ein Taucherspielplatz. Telefonzelle, Porzellanschwein, Kunstfische, Hochbett und allerlei Klimbim dienen der Belustigung unter Wasser. Ich kann diesen Dingen immer noch nicht viel abgewinnen. Hat der Westbruch, wie sich zeigen soll, doch so viel „natürliche“ Formationen und Attraktionen zu bieten. Einen Ausbildungs- und Tarierparkour könnt‘ ich noch verstehen.

Taucherspielplatz im Westbruch

Wir tauchen weiter und erreichen die Reste des alten Wald- und Buschwerkes. Es macht Spaß hier auf Entdeckungsreise zu gehen. Immer mal einen Blick nach oben wagen, schadete noch nie. Und tatsächlich. An einem Felsvorsprung hinter einem toten Baum leuchten vier Kois. Das rot-weiße Schuppenkleid scheint gegenüber dem schlecht sehenden Wels kein Nachteil zu sein. Auch diese Karpfenfische sind an Taucher gewöhnt und verlassen den schützenden Bereich nur ungern. Immer wieder scanne ich den Grund, schaue zwischen den Gehölzen. Irgendwo muss doch der Herrscher des Steinbruches seine Ruhestatt haben. Fehlanzeige. Doch was ist das? Zwischen toten Kieferstämmen liegt ein kapitaler Hecht und döst. Er hat mich längst gesehen und  gehört. Die Kamera im Anschlag nähere ich mich ihm. Er bleibt entspannt. Gefahr geht von den schwarzen Blasenmachern nicht aus. Doch kein Wels in Sicht.

Weiss-rote Kois

Ab und an machen wir einen Abstecher in die Tiefe. Wir übertauchen die Abbruchkante und lassen uns auf 20 Meter sacken. Restlicht bis zum Grund des Westbruches. Gebrochener Fels und rostendes Eisen erscheinen vor den Masken. Der Kompass zeigt bereits die Kehrtwende an. Wir steigen höher und folgen dem Absatz. Ein Boot mit Besatzung, Motor und Flagge liegt auf der Klippe und droht abzustürzen. Fadenalgen hängen wie Vorhänge an der steilen Wand. Die letzten Erdkröten-Männchen erklimmen den nackten Fels zurück ans Licht. Und die ersten Flussbarsche setzen kunstvoll ihren Laich im Geäst der toten Bäume ab.

Der Westbruch unter Wasser

Eine Öffnung in einer geschichteten Wand zeigt uns den Einstieg, das Ende der Umrundung an. Dieser befindet sich nämlich direkt über der Pulverkammer des alten Steinbruches. Gut 100 Minuten unterwegs und noch keine Lust zum Aufstieg. Vorbei an den wühlenden Karpfen tauchen wir noch einmal hinein in das Wäldchen, der Wels muss doch irgendwo sein. Diesmal bleibt er der Gewinner. Diesmal.

Nach gut drei Stunden und schweren Herzens entsteigen wir dann doch dem sächsischen Nass. Ein schöner Tauchgang. Der Westbruch verdient es, noch einmal besucht zu werden. Schnell zu Uwe den Schlüssel abgegeben und dann mit vielen, neuen Eindrücken heimwärts. Ein wundervoller Tag im Tauchrevier Deutschland

Unterwegs im Westbruch

Wer kennt diesen Steinbruch?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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Categories: _Sachsen, UnterWasser

2016 Tauchen im Wildschütz

21.09.2016, Steinbruch Wildschütz (Sachsen)

Wie die Zeit vergeht. Vor vier Jahren war ich letztmalig an der Tauchbasis vom Volker Buder in Mockrehna. Ein Besuch ist längst überfällig. Gemeinsam mit Buddy Wolle machen wir uns auf den Weg nach Sachsen.

Einst ein Berg ist der jetzige, geflutete Steinbruch Wildschütz das Ergebnis jahrelangen Abbaus von Naturstein als wertvolles Baumaterial. Bis 1971 wurde hier der Stein gehauen und gefördert. Heute ist der Steinbruch ein weithin bekanntes Tauchrevier in Sachsen. Mit seiner Tiefe von ca. 75 Metern erfreut der See besonders die Herzen technischer Taucher.

Tauchen im Steinbruch Wildschütz

Vor einigen Jahren zog es den damaligen GST-Taucher Volker Buder vom Bergwitzsee zum Wildschütz. Er erschloss den unzugänglichen Steinbruch und errichtete mit fleißiger Hand eine gut besuchte Tauchbasis. Einmalig sind seine Tauchstationen R I, R II und R III, die er aus alten Zementsilos zusammenschweißte und im See versank. In Kooperation mit aquata wird hier ausgebildet.

Das Wetter ist uns wohl gesonnen. Bei herrlichem Sonnenschein zum Herbstanfang treffen wir ein. Wir parken unsere Autos, steigen hinab an das Ufer des Taucherkessels und freuen uns spitzbübisch auf einen schönen Tauchgang.

Nach kurzer Begrüßung und Anmeldung laden wir aus und tragen unsere Ausrüstung an den Einstieg. Wir haben einen ausgiebigen 50m – Tauchgang geplant und das entsprechende Gas in unseren Flaschen. Ziel wird eines der beiden Pumphäuschen sein, die den Steinbruch zur aktiven Zeit trocken hielten. Blockhaus (55m), Pumpenhaus 1 (74m) und Munitionskammer (25m) seien hier stellvertretend als weitere Tauchattraktionen genannt, die alle bestens mit weithin sichtbaren, gelben Bojen markiert sind.

Abtauchen in eine andere Welt

Da sich unser Tauchziel auf der gegenüberliegenden Seite des Steinbruchs befindet, entscheiden wir, schwimmend überzusetzen und vor Ort den Abstieg zu beginnen. Wir nehmen es sportlich. Check und wir liegen im klaren, kühlen Wasser. Stage und Kamera eingeklickt und schon sind wir auf dem Weg zu unserer Boje.

Angekommen sortieren wir uns erneut und steigen hinab auf 5 m für einen Bubblecheck. OK. Wir atmen aus und lassen uns fallen. Plankton und Sedimentpartikel ziehen im grünen Wasser an unseren Masken vorbei. In 20 m hat sich eine 2-3 m mächtige Schicht aus fadenartigem Etwas ausgebildet und die Sicht stark eingeschränkt. Schnell sind wir hindurch und tauchen ein die Dunkelheit des Steinbruchs. Das Wasser klart auf. Die Sicht ist wunderbar.

Pumpenhaus im Steinbruch Wildschütz

Der Kopf des Freileitungsmastes mit seinen Isolatoren erscheint im Schein der Lampen. Wir haben unser Ziel erreicht. Ein aus Backstein gemauertes Pumpenhäuschen steht vor der Steilwand des Steinbruchs. Große, verglaste Fenster erlauben einen Blick ins Innere. Wir lassen uns Zeit mit unseren Erkundungen. Mit bis zu 30 min Grundzeit haben wir ausreichend geplant. Eine offene Tür lädt ein. Ein riesiger Elektromotor an der Schwelle verrät Bergungsversuche des wertvollen Antriebes. Am Fuße des Pumpenhäuschens ragen Holzstümpfe aus einem milchigen Schleier. Es sieht mystisch aus.

Hecht (Esox lucius)

Wir ziehen weiter entlang der Kesselwand und treffen auf alte Bäume. Das Tauchen zwischen den Baumkronen hat immer wieder seinen Reiz. Wir steigen auf, wechseln das Gas und genießen die lichtdurchfluteten Wasserschichten des Steinbruchs. Sonne bedeutet Leben. Flussbarsche kreuzen unseren Weg. Die Tauchstationen lassen uns wissen, dass wir unseren Einstieg fast erreicht haben. Wir schauen uns ein wenig um. Volker hat schon eine tolle Sache konstruiert. Wegen der guten Tauchbedingungen wollen wir noch ein wenig Fische gucken und tauchen weiter im Flachwasserbereich. Ein kleiner Schilfgürtel bietet Rotfedern und Rotaugen gute Versteckmöglichkeiten. Ein kleiner Felsvorsprung verwandelt den tiefen, dunklen Steinbruch in ein wahres Aquarium. Im Schein der Sonne tummeln sich unzählige Kleinfische. Futterfisch, der den Räubern nicht entgangen sein dürfte. Im Schutz des Ährigen Tausendblatt finde ich auch die ersten, kleinen Jäger. Die Beute unablässig im Blick warten die kleinen Hechte auf eine gute Gelegenheit. Sie sind zahlreich vorhanden und lassen uns die Zeit vergessen. Doch irgendwann ist auch der schönste Tauchgang zu Ende.

Fauna im Steinbruch Wildschütz

Zufrieden tauchen wir auf. Tragen die Ausrüstung wieder zu den Autos, wechseln unsere Garderobe und schnacken bei einem heißen Kaffee mit Volker über das Gestern und Jetzt des Tauchens.

Wer kennt den Steinbruch nicht?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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Categories: _Sachsen, UnterWasser

2016 Tauchen im Bergwerk Miltitz

03.09.2016, Bergwerk Miltitz (Sachsen)

Ob ich nicht Lust auf einen Tauchgang im Bergwerk Miltitz hätte, fragte mich mein Tauchfreund und Buddy Wolfgang an. Na und ob ich Lust habe. Bin ich bereits in den Bergwerken Rabenstein, Kleinenbremen und Nuttlar unterwegs gewesen, blieb mir das Untertage-Tauchrevier Miltitz bisher verborgen.

Wolfgang hat sogleich einen Termin bei Peter Panitz, dem Chef vom „Tauchtreff Dresden“ und Betreiber des Unterwassser-Bergwerkes angefragt. Das Tauchen ist nur in der Saison Herbst-Frühjahr an den Wochenenden limitiert möglich. Die beliebten Tauchtermine sind daher schnell vergriffen. Umso mehr freuen wir uns über eine Zusage für den Saisonbeginn. Sind die Sichtverhältnisse des unberührten Bergwerkes zu Beginn doch ideal. Das Prozedere zur Terminvergabe findet Ihr auf der Internetseite des Tauchertreff.

Tauchen im Bergwerk Miltitz

Auf über 430 Jahre Bergbaugeschichte kann das Bergwerk Miltitz im Wilsdruff-Nossener Schiefergebirge zurückblicken. Kalksteinlinsen maritimen Ursprungs, die zu Marmor gepresst und geformt wurden, waren das Ziel der Kumpel. Erfolgte der Aufbruch und Abbau zunächst Übertage, wurden später Stollen in den Berg getrieben. Das Fördern des Marmors hinterließ riesige Hallen mit monumentalen Stützpfeilern, die das Taucherherz heute erfreuen. Nach Stilllegung des Bergbaus liefen die Sohlen mit Grundwasser voll.

Vor gut 20 Jahren begannen die ersten Erschließungen für das Tauchen. So erwartet die qualifizierten Höhlentaucher heute ein Unterwasserabenteuer auf den Sohlen II-V bis zu einer Tiefe auf 60 Metern.

Wir verabredeten uns 08:30 Uhr vor Ort. Die angegebene Zieladresse Klipphausen/Talstraße ist schnell im Navi eingegeben. 06:00 fahre ich los und komme nach gut 2h Autofahrt an. Vom Bergwerk keine Spur, keine Hinweisschilder. Gemeindeamt lese ich an einem Gebäude. Samstagmorgen 08:00 Uhr keine Menschenseele auf der Straße, kein Internetempfang und Wolfgang geht nicht ans Telefon. Bin ich hier richtig? Nach einigem Hin-und-Herfahren treffe ich dann doch auf einen Mann, einen sehr Ortskundigen wie sich zeigen wird. Er wusste sofort Bescheid, war ich wohl nicht der erste Taucher, der hier fälschlicherweise gelandet ist. Du musst dort und dort und dort langfahren, ca. 12 km, Klipphausen ist groß. Ich sollte Miltitz ins Navi eingeben. Gesagt, getan. 12 km, passt. „Sie haben ihr Ziel erreicht“, erfahre ich von der netten Stimme und stehe auf einer Pferdekoppel. Verdammt. Kein Bergwerk. Ich rufe Wolfgang an.  Nicht erreichbar. Internet, keine Verbindung. Suchen. Das Telefon klingelt. Wolfgang. Er ist schon da. Aber wo? Ist ganz einfach. Klipphausen, Talstrasse. „Da war ich schon.“, sagte ich ihm. Er bekommt einen Tipp, gib Miltitz/Bahnhofsgäßchen 3 ein. In 5 min war ich am Ziel. Geht doch. Das erste Abenteuer ist überstanden.

Im Berg. Einstieg

Nur wenige Autos haben sich bereits auf dem Parkplatz am Bergwerk eingefunden, darunter auch bekannte Gesichter. Die Tauchergemeinschaft ist ein Dorf. Wir beginnen unser Gerödel zusammen zu bauen und bringen es gut 100 m an den Einstieg in den Berg. Simone führt das Taucherlogbuch und übernimmt den Check-In. Brevets, ärztlicher Attest und letzten Tauchgänge werden abgerufen. Nach Entrichten der Tauchergebühr können wir eigenständig im Bergwerk tauchen. Ich freue mich.

Das Wasser am Einstieg ist so klar und einladend. Wir können es kaum erwarten. Während Wolfgang schon mehrfach hier war, ist das Bergwerk Miltitz für mich Neuland. Anhand mitgebrachter Pläne besprechen wir unsere Tauchgänge, die uns zum Kennenlernen in die Sohlen II und III zwischen 3 und 28 m führen. Check und wir sind im Wasser. Herrlich. Sind wir wirklich im Wasser? Ich kann es nicht sehen. Wir fliegen. Die Hauptgänge sind sehr gut ausgeleint. Seitengänge werden mit dem Reel besucht. Der behauene Stein lässt in die Struktur der Materialien blicken. Metallene Zeugen des Bergbaus rosten im Dunkel des Berges. Aufsteigende Gasblasen rollen an der Gebirgsdecke entlang und durchbrechen die einmalige Stille. Es ist wie immer traumhaft, nicht zu beschreiben und muss erlebt werden. Wir lassen uns Zeit, viel Zeit und schauen in viele Ecken. Mörtel einer gemauerten Wand setzt wunderschöne Tropfsteinformen frei. Ferne Lichtkegel anderer Taucher im Berg runden das Bild ab. Wir genießen das Tauchen im Bergwerk Miltitz.

Unterwegs im Bergwerk Miltitz

Die Sonne hat uns wieder. Zwischen den Tauchgängen stärken wir uns und quatschen mit anderen Tauchbegeisterten. Ich treffe Tauchrevier Deutschland Fans persönlich, was mich immer besonders freut. Das Austauschen gehört unbedingt dazu. Kann man sicher viel im Netz über Miltitz lesen, so sind Erzählungen aus erster Hand von Kennern des Bergwerkes unbezahlbar. Ich lerne auch Peter Panitz kennen.

Nach dem zweiten Tauchgang schließen wir das Bergwerk quasi ab, packen zusammen und machen uns mit bleibenden Eindrücken auf den Heimweg. Vielen Dank an das Tauchertreff Team und meinen Buddy Wolfgang. Wir kommen wieder.

Unterwasserimpressionen Bergwerk Miltitz

Bereits im Bergwerk Miltitz getaucht?

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Categories: _Sachsen, UnterWasser

Tauchen im Lausitzer Seenland

Lausitzer Seenland – 20 neue Tauchreviere

Dort, wo Brandenburg und Sachsen liebevoll aufeinander treffen, befindet sich die Lausitz. Kein anderer Landstrich ist derartig geprägt durch den Abbau und die Verstromung von Braunkohle. Gefräßige Baggerriesen fressen sich durch die Landschaft und verdauen ganze Ortschaften. Viele traurige Einzelschicksale. Die Region ist jedoch in einem gewaltigen Umbruch. Mit der Rekultivierung und Flutung der alten Tagebaue entsteht eine einmalige Wasserlandschaft, das Lausitzer Seenland. Über 20 Seen sind am Entstehen. Ein ausgeklügeltes System von Wasserstraßen, Schleusen und Kanälen macht die Gewässer schiffbar und sichert ein zielgerichtetes Fluten.

Tauchen im Lausitzer Seenland

Neue Tauchreviere? Das wollten wir uns anschauen, denn Wasser heißt Tauchen. Fahrräder und Tauchzeug sind schnell ins Auto gepackt. Als Basis wählten wir uns ein verrücktes Hotelprojekt am Geierswalder See, einen Leuchtturm. Wir wurden von einer so wundervollen Landschaft bei allerbestem Sommerwetter willkommen geheißen. Die Region lädt geradezu ein, mit dem Rad entdeckt zu werden. Beste Asphaltwege schlängeln sich um jeden See. Ein Paradies für Biker und Inliner. Die meisten Seen sind für den Tourismus jedoch noch nicht freigegeben. Die Flutung wird weitestgehend in 2016 abgeschlossen sein.  Anders der Senftenberger See, Gräbendorfer See und Geierswalder See, diese Seen sind randvoll und der hat sich bereits hervorragend entwickelt.

Hotel am Geierswalder See

Der Senftenberger See, genauer gesagt der Südteil des Sees, ist das Zuhause zweier Tauchvereine, dem Tauchverein DINO e.V. und dem Tauchsportverein Senftenberg e.V. Im Norden des Sees grenzt die namensgebende Stadt Senftenberg mit dem neu errichteten Stadthafen. Der Süden, liebevoll Südsee genannt, ist weitestgehend unbebaut und wunderschön. Der Blick von dort auf die Stadt ist durch eine langgestreckte Insel versperrt.

Die Insel ist Naturschutzgebiet (NSG) und darf nicht betreten werden. Der Verein DINO war uns ein freundlicher Gastgeber. Das Vereinshaus und das angrenzende Gelände sind eine wahre Oase. Der Verein feiert in diesem Jahr sein 50jähriges Bestehen. Wer hätte das gedacht? Der Ursprung des Gewässers ist der Grund für einen hohen Eisenoxidgehalt. Fische sind hier kaum anzutreffen und auch die Pflanzenwelt ist spärlich.  Im Flachbereich sonnen sich Algen und durchziehen wasserfallartig die Steine der Uferbefestigung. Auffällig hier die Dominanz eines Schwimmkäfers. Er ist beinah überall anzutreffen. Entlang der ersten Bruchkante auf 7-8m trifft man auf allerlei künstliche Highlights. Zwei kleine Wracks runden den Tauchgang linkseitig ab.

Tauchen im Senftenberger See

Der Gräbendorfer See, ebenso ein rekultivierter Braunkohletagebausee, beherbergt das Tauch- und Freizeitcenter Lassow, wohl einzigartig und markant die schwimmende Tauchschule. Bei bestem Sonnenwetter sind wir hinabgestiegen zu den Unterwasser-Skulpturen und ausgetaucht entlang der Uferkante. Es war viel Jungfisch im Schutze des Schilfrohrs unterwegs.  Hecht und Barsch freut‘s. Freßmulden und abgekaute Pflanzentriebe verrieten die hiesigen Karpfen, die wie Schatten in sicherer Entfernung vorbeihuschten. Waldi’s Beachbar, ein schöner Platz zum After-Dive-Chillen.

Tauchen im Gräbendorfer See

Es bleibt der Region und den Menschen dort weiterhin ein glückliches Händchen zu wünschen. Das Lausitzer Seenland – ein Tauchrevier Deutschlands von heute und morgen. Wir kommen wieder.

Kennt Ihr das Lausitzer Seenland?

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2016 Tauchen in Ammelshain

25.05.2016, Steinbruch Ammelshain (Sachsen)

Tauchrevier Sachsen ist geprägt von unzähligen Steinbruchgewässern. Wo einst in bergmännischer Kunst der Stein gebrochen wurde, tummeln sich Hecht und Plötze in glasklarem Wasser, wachsen Tausendblatt und Laichkraut zum Licht und erkunden Taucher das alte Bergbaugerät. Einer dieser zahllosen Steinbrüche ist der Steinbruch Ammelshain östlich von Leipzig. Lieferte er ehemals solides Baumaterial für Monumente wie das Völkerschlachtdenkmal, ist der idyllisch gelegene Bergsee heute ein Gemeinschaftsprojekt von Tauchern, Anglern und Naturschützern. Landestauchsportverband Sachsen, der TAZA-Tauchclub e.V. und der regionale NABU haben hier ihre Zelte aufgeschlagen.

Tauchen im Steinbruch Ammelshain

Waren wir am Vortag im Südbecken des Kulkwitzer Sees unterwegs, zog es uns heute an eben diesen Steinbruchsee. Bereits 08:30 Uhr erreichten wir das Gelände, parkten unsere Autos und entrichteten unsere Tagesgebühr von 5 Euro an der Anmeldung.

Wir waren allein am See. Unter grauem Himmel schimmerte das Wasser silbern, das Maiengrün der Birken rahmte den Steinbruch malerisch. Pollen sammeln sich auf der Wasseroberfläche. Auch das Wasser scheint leicht trüb. Ich muss hinein ins kühle Nass. Tauchen in Deutschland, Tauchen im Ammelshainer Steinbruch.

Check und wir sind im Wasser. Der Steinbruch hat in der Nord-Süd-Achse eine Ausdehnung von 300 m und ist ca. 120 m breit. Die tiefste Stelle am Südende liegt bei gut 26 m. Hier liegen zwei Autowracks als „Attraktionen“ für Taucher, unser erstes Ziel auf dem Weg durch den Steinbruch Ammelshain. Im Flachbereich von 1-2 m ist das Wasser von Plankton geschwängert und leuchtet grün. Wenige Flossenschläge vom Einstieg in Richtung Osten erreicht man eine Steilkante, die hinab zum Autofriedhof führt. Es klart zu unserer Freude schnell auf und im Tiefenbereich ab 20 m sind hervorragende Sichtbedingungen. Das erste Wrack, ein „Wartburg“ erscheint im Licht der Lampen. Die fehlende Motorhaube erlaubt einen Blick in den Motorraum, für mich als ehemaliger Wartburgfahrer ein gewohnter Anblick. Vielleicht hätte man den Akku ausbauen sollen, bevor man diesen Schrott im See versenkt. Noch schnell ein paar Fotos, dann steigen wir aus dem „Loch“ und tauchen auf dem Grund des Steinbruchs mittig in Richtung Norden.

Autowrack „Wartburg“

Gleise, Rohre, Bergbauloren (Hunt) und weitere Relikte des Bergbaus fordern  unsere Aufmerksamkeit. Haben hier noch vor wenigen Jahren Männer mit kräftiger Hand den Stein gebrochen, gleiten wir entspannt und neugierig über die Zeitzeugen hinweg. Nach gut 45 min steigen wir an der linken mit Muscheln besetzten Steilwand auf. Über uns schnappen Schwärme von Plötzen in der grünen Planktonsuppe nach Nahrung. Das sichtbare Leben beginnt in der warmen, lichtdurchfluteten Wasserschicht. Tausende Tausendblätter verwandeln den kalten Stein der ehemaligen Betriebsstraße in einen undurchdringlichen Dschungel.

Wir tauchen in einer Tiefe von 3-4 m entlang der Steilwand auf Höhe der Pflanzenzone zurück, über uns eine dicke Planktonsuppe. Es ist wie Die-Nase-am- Aquarium-plattdrücken. Plötzen und Rotfedern huschen zwischen den Wedeln des Quirligen Tausenblattes, bieten sie doch beste Versteckmöglichkeiten. Bei so viel Beutefisch dürfen die Jäger nicht fehlen. Man muss schon genau hinschauen, um die perfekten Tarnjäger im Grün zu entdecken. Vom kleinen Grashecht bis zum mittelgroßen Esox lucius lauern sie auf ihre Gelegenheit. Es macht jede Menge Spaß, insbesondere die kleinen Jäger zu beobachten, wie sie sich verstecken, langsam flösselnd dem möglichen Opfer nähern und pfeilartig zuschlagen. Es bedarf schon einiger Versuche, um erfolgreich zu sein.

Hecht (Esox lucius)

Während wir unseren Tauchgang genießen und das Spiel der Natur beobachten, taucht im linken Augenwinkel der Maske ein kleiner Schatten auf. Ich kann’s kaum glauben, ein Wels, wenngleich ein Juveniler, kommt aus dem Freiwasser sichtlich neugierig auf uns zu. Ich kann eine Aufgeregtheit nicht leugnen. Den nachtaktiven Jäger bei Licht und vor solch schöner Kulisse ablichten zu dürfen, ist ein Geschenk. Keine Spur von Furcht bei diesem wunderschönen Räuber. Mit seinen langen Barteln am Oberkiefer wird meine Kamera inspiziert und für langweilig befunden. Nach einer Weile verschwindet das Tier im Dickicht der Pflanzen und hinterlässt zwei Taucher mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Welch‘ eine tolle Begegnung im Tauchrevier Deutschland.

Europäischer Wels (Silurus glanis)

Jetzt sind wir bereits 90 Minuten im Wasser, von denen nicht eine langweilig war. Kurz vor dem Ausstieg jagen noch zwei gut ausgewachsene Flussbarsche durch den Plötzenschwarm. Die Flora und Fauna im Tauchrevier Deutschland ist so einzigartig und interessant, da bedarf es keiner Schrott-Attraktionen wie den „Wartburg“.

Wir entsteigen zufrieden dem Nass und erzählen uns gegenseitig aufgeregt von der Wallerbegegnung im Steinbruch Ammelshain.

Unterwasserimpressionen Steinbruch Ammelshain

Seid Ihr einem Waller begegnet?

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2016 Tauchen im Kulkwitzer See

04.05.2016, Kulkwitzer See (Sachsen)

Es wurde wirklich Zeit, den Kulkwitzer See bei Leipzig, einem ehemaligen Braunkohletagebau, wieder zu besuchen. Bin ich in der Vergangenheit bei den „Leipziger Delphinen“ im Norden getaucht, so entschied ich mich heute für das südliche Becken. Eigentlich besteht der heutige Kulkwitzer See aus zwei Tagebaurestlöchern, die durch einen Damm getrennt waren und 1963 geflutet wurden. Es heißt, dass der See ausschließlich mit Grundwasser gefüllt wurde und daher über eine gute Wasserqualität verfügt. Die guten Sichtweiten heute haben dies bestätigt.

Tauchen im Kulkwitzer See – Südbecken

Ein großer Parkplatz am südlichen Zipfel im Ortsteil Göhrenz wird mein Basislager. Hier befindet sich auch die Tauchbasis der „Tauchschule Florian“, die allerdings nicht besetzt ist. Vom See ist noch nichts zu sehen. Ich mache mich auf zu einem kleinen Erkundungsgang. Ein kleiner Weg führt ins Grün. Ich folge. Jetzt endlich schimmert Wasser durch die Äste der Bäume. Eine Wiese, ein Badestrand.  Ich habe den Einstieg erreicht. Es sind schon ein paar Schritte zu gehen. Der Kulkwitzer See hat drei mögliche Einstiegsstellen für Taucher.  Andere Bereiche sind als Naturschutzzonen ausgewiesen und dürfen nicht betreten/betaucht werden. Das Wasser sieht gut aus. Die Uferzonen gesäumt von Schilf und alten Bäumen.  Ich freue mich auf einen ausgedehnten und entspannten Tauchgang.

Zurück am Auto, rein in die Klamotten und ab in den See. Check. Und mein Kopf ist endlich unter Wasser. Ich habe keinen bestimmten Kurs geplant, werde die Bucht ein wenig kreuzen und mich von der Unterwasserwelt leiten lassen. Kiesgrund durchzogen mit Laichkraut empfängt mich. Die Sicht ist wirklich gut. Junge Armleuchteralgensprosse schieben sich durch den Boden. Nicht lange und ein dichter Grundrasen von Armleuchterlagen bestimmt das Bild. Ich habe gelesen, dass dem Kulkwitzer See 13 Characeenarten nachgesagt werden. Das spricht für einen lebendigen See.

Makrophyten im Kulkwitzer See

Die Makrophyten überlassen im tieferen Wasser Fragmenten von Bäumen und Äste das Territorium. Es sieht mystisch aus. Schwebteile, eingefangen in der Sprungschicht, bilden einen weißen Schleier. Bisher konnte ich keinen Fisch erblicken. Nicht einmal die Überlebenskünstler Flussbarsch treffe ich hier an. Was ist los? Schlafen die Schuppigen noch in der Tiefe der See?

Ich lasse mich von dem Zucken und Winden eines nur wenige Millimeter großem Etwas in der Wassersäule ablenken. Ich schalte meine Kamera in den Makromodus und versuche das „Ding“ abzulichten. Stillhalten Fehlanzeige. Jetzt erkenne ich es. Eine kleine Mückenlarve steigt unter Zuhilfenahme ihrer kleinen Schwimmhärchen an die Oberfläche. Das Sehen will gelernt sein.

Was ist das? Ich schaue in mehrere offene Mäuler. Wie aus dem Nichts erscheint ein Trupp Geschuppter. Schnell die Kamera. Klar Makromodus, Grrr. Umschalten. Nun ist die Frontalperspektive dahin. Aber ich darf die eleganten Schwimmer noch von der Seite fotografieren. Das sind definitiv Karpfenfische. Doch warum wühlen sie nicht am Grund, sondern schieben ihre Körper mit aufgerissenem Maul  wie Walhai und Großmaulmakrele durchs Wasser? Ich werd’s erfahren, schon bald.

Planktonfressende Silberkarpfen

Kopulierende Kamberkrebse, Ohrschlammschnecken, Polypen, doch keine weiteren Fische. Der Kulkwitzer See soll fischreich sein, sogar große Waller sind häufig anzutreffen. Sicher nur alles eine Frage der Zeit. Ich tauche in die Mitte der Südbucht und erreiche gut 10-12m Tiefe. Auf 8 m treffe ich dann auf eine mit Dreikantmuscheln besetzte Übungsplattform der Tauchschule. Nach 100 min und einem entspannten Tauchgang tauche ich auf und mache mich auf den Weg zum Auto. Unterwegs treffe ich eine junge Frau mit Hund, die dem tropfenden, schwarzen Mann ein „Du siehst ja gut aus.“ entgegenruft. Das konnte ich nur erwidern.

Mein Auto wartet Mutterseelen allein auf mich. Während ich mich meiner nassen Sachen entledige, hält ein Auto neben mir und der Fahrer fragt: „Na hast Du was gesehen?“. Ich erzähle von den Karpfenartigen. Mit ruhiger Stimme erfahre ich: „Das sind Silberkarpfen, Planktonfresser.“  Der Mann wusste auch zu berichten, dass dies Überlebende des Besatzes des VEB Binnenfischerei Wermsdorf sind. Ich erfahre einiges über den See und dessen Geschichte. Vor mir steht Dieter Florian, der Inhaber der Tauchschule Florian. Ein gestandener Mann und erfahrener Taucher. Ich lausche interessiert. Die Silberkarpfen werden weniger, denn sie sind bei diesen kühlen Temperaturen nicht in der Lage, sich zu reproduzieren. Den Anglern gehen sie als Planktonfresser jedoch nicht an die Angel. Daher wird der See regelmäßig mit den klassischen Wühlern besetzt. Die Wühlspüren im Grundrasen sind ganz klar zu sehen. Der Dialog zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen auch hier nicht immer einfach.

Ich nehme noch etwas Sachsenluft mit und mache mich auf den Heimweg. Wundervolles Tauchrevier Deutschland mit spannenden Begegnungen unter Wasser und an Land.

Unterwasserimpressionen

Kennt Ihr den Kulkwitzer See?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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2015 Steinbruch Wetro

18.09.2015, Steinbruch Wetro (Sachsen)

Es ist immer wieder herrlich, wenn man das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden kann. Heute hat es mich in die Oberlausitz nach Sachsen verschlagen. Der Nordosten Sachsens ist bekannt für seine vielen Tauchgewässer, ehemalige Steinbrüche und Braunkohlerestlöcher.

Neugierig war ich diesmal allerdings auf die Talsperre Quitzdorf, im Tauchboard Sachsen ebenso als Tauchgewässer ausgewiesen. Ich machte mich also auf den Weg. Der Stausee als solcher ist schnell gefunden, eine geeignete Zufahrt dagegen gestaltete sich durchaus schwierig. Nach einigem Suchen konnte ich mich im Norden dem Ufer mit dem Auto auf etwa 300m nähern.

Talsperre Quitzdorf – niedriger Wasserstand

Die als Kühlwasserreservoir für das Braunkohlkraftwerk Boxberg angestaute „Schwarze Schöps“ ist der flächenmäßig größte Stausee Sachsens und begräbt die Ortschaft Quitzdorf. Ich stellte mein Auto ab und ging zu Erkundungszwecken den Rest zu Fuß. Der Wald lichtet sich und der Stausee schimmert in der Sonne durch die Äste der Bäume. Als ich am Ufer stand bot sich mir jedoch ein trauriges, wenn auch naturell schönes Bild. Der trockene Sommer hat dem Stausee mächtig zugesetzt. Wo einst Wasser zum Baden einlädt, wachsen jetzt Gräser und Blumen. Auf freigelegten Sandbänken rasten Kormorane und Möwen. Ich konnte 100m in den See hinein laufen, ohne nasse Füße zu bekommen. Das Restwasser ist braun und trägt weiße Schaumkronen. Tauchen Fehlanzeige. Wie ich später von einer Anwohnerin erfahre, ist der Stausee auch gefüllt, eher flach und dauertrüb.

Steinbruch Wetro – Tauchen in Sachsen

Ein Plan B musste her. Der Bärwalder See wäre eine Option. Doch warum in die Ferne schauen, wenn das Gute so nahe liegt. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Stausee betreibt Thomas Szagunn seine Tauchbasis Wetro an einem alten Quarzit-Steinbruch. Ich stehe schnell an seiner mit einer Kette gesperrten Zufahrt. 2013 war ich hier das letzte Mal tauchen. Wie die Zeit vergeht. Ein kurzer Anruf und einem Tauchgang im Steinbruch Wetro steht nichts mehr im Wege. Thomas wird später vorbeischauen.

Da blicke ich nun mutterseelenallein auf das wunderschöne Wasser und freue mich auf meinen Tauchgang. Eigentlich besteht der Steinbruch aus zwei Kesseln, die durch einen Damm ab einer Tiefe von ca. 16m getrennt sind. Der linke Kessel weist eine Tiefe von 56m auf. In der Nähe des Dammes kann man auf ca. 30m eine „kleine Grotte“ betauchen, Bootswracks bieten was für’s Auge und in den „Malediven“ kann man gut Fischegucken.

Zwischenzeitlich ist ein weiterer Tauchfreund zu einem Arbeitseinsatz eingetroffen. Wir kommen ins Plaudern und ich erhalte ein paar Tipps und Empfehlungen. Mein Tauchgang wird mich also links von der Einstiegsplattform entlang führen. In einer Tiefe von 32m liegt ein Bootswrack. Auf der gegenüberliegenden Seite am Schilfgürtel hätte ich Chancen auf kapitale Hechtsichtungen. Ein guter Plan.

Steinbruch – Unterwasserimpressionen

Schnell habe ich mich in die zweite Haut geworfen und steige die Treppen zum Einstieg hinab. Ein Sprung, ein Platsch, Check und es kann losgehen. Auf 5m sortiere ich mich erneut, checke alles gründlich und lasse mich hinab fallen.

Das Oberflächenwasser ist grünlich-trüb, aber mit guter Sicht. Ab 10m klart es auf und ab 20m ist das Wasser nicht mehr zu sehen. Entlang der braunen, zerklüfteten Steilkante taste ich mich im Schein meiner Lampe auf 30m vor. Wasserasseln und Dreikantmuscheln bevölkern den nackten Stein. Herabfallendes Herbstlaub verleiht dieser mystisch schönen Unterwasserwelt ein wenig Farbe. Eine Meduse? Ich bin aufgeregt und freue mich. Während ich meine Kamera sortiere, gibt sich die Meduse als herabfallendes Blatt zu erkennen. 32m. Kein Bootswrack. Mein Kompass deutet mir, ich muss bereits in der ersten Kurve sein, also schon hinter dem Wrack. Mmh. Ich steige auf und setze meinen Tauchgang auf etwa 10-15m fort. Hinter der nächsten Kurve muss ich weiter aufsteigen, um den Schilfgürtel nicht zu verfehlen.

Wenn man neu in einem Gewässer taucht, dann fällt einem das Abschätzen der Distanzen immer etwas schwerer. Ich blicke nach oben und erschrecke. Was für ein kapitaler Hecht dort an der Felskante steht. Ehe ich mich versehe, kommt auch noch ein Stör vorbei. Kamera? Alles geht schnell und ich habe nur noch den Schatten des Störs einfangen können. Dem Hecht war’s zu blöd und er ist verschwunden. An der Schilfkante kann ich vereinzelte Flussbarsche beobachten. Die Uhr tickt.

Tauchen im Steinbruch Wetro – Sachsen

Für den Rückweg entscheide ich mich, den Steinbruch auf direktem Wege in einer Tiefe von 5m zu queren. Tauchen ist dreidimensional und wunderschön. Ich ziehe meine Bahn durch das grüne Freiwasser und erreiche den Ausstieg.

Ein toller Abstecher bei Kaiserwetter in das Tauchrevier Sachsens. Thomas hat es nicht mehr geschafft. Ich packe ein, verabschiede mich beim fleißigen Tauchfreund und fahre heimwärts.

Wer kennt diesen Steinbruch?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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