Tauchrevier Deutschland im Interview mit "Der Taucherblog"

2016 Tauchen im Bergwerk Miltitz

03.09.2016, Bergwerk Miltitz (Sachsen)

Ob ich nicht Lust auf einen Tauchgang im Bergwerk Miltitz hätte, fragte mich mein Tauchfreund und Buddy Wolfgang an. Na und ob ich Lust habe. Bin ich bereits in den Bergwerken Rabenstein, Kleinenbremen und Nuttlar unterwegs gewesen, blieb mir das Untertage-Tauchrevier Miltitz bisher verborgen.

Wolfgang hat sogleich einen Termin bei Peter Panitz, dem Chef vom „Tauchtreff Dresden“ und Betreiber des Unterwassser-Bergwerkes angefragt. Das Tauchen ist nur in der Saison Herbst-Frühjahr an den Wochenenden limitiert möglich. Die beliebten Tauchtermine sind daher schnell vergriffen. Umso mehr freuen wir uns über eine Zusage für den Saisonbeginn. Sind die Sichtverhältnisse des unberührten Bergwerkes zu Beginn doch ideal. Das Prozedere zur Terminvergabe findet Ihr auf der Internetseite des Tauchertreff.

Tauchen im Bergwerk Miltitz

Auf über 430 Jahre Bergbaugeschichte kann das Bergwerk Miltitz im Wilsdruff-Nossener Schiefergebirge zurückblicken. Kalksteinlinsen maritimen Ursprungs, die zu Marmor gepresst und geformt wurden, waren das Ziel der Kumpel. Erfolgte der Aufbruch und Abbau zunächst Übertage, wurden später Stollen in den Berg getrieben. Das Fördern des Marmors hinterließ riesige Hallen mit monumentalen Stützpfeilern, die das Taucherherz heute erfreuen. Nach Stilllegung des Bergbaus liefen die Sohlen mit Grundwasser voll.

Vor gut 20 Jahren begannen die ersten Erschließungen für das Tauchen. So erwartet die qualifizierten Höhlentaucher heute ein Unterwasserabenteuer auf den Sohlen II-V bis zu einer Tiefe auf 60 Metern.

Wir verabredeten uns 08:30 Uhr vor Ort. Die angegebene Zieladresse Klipphausen/Talstraße ist schnell im Navi eingegeben. 06:00 fahre ich los und komme nach gut 2h Autofahrt an. Vom Bergwerk keine Spur, keine Hinweisschilder. Gemeindeamt lese ich an einem Gebäude. Samstagmorgen 08:00 Uhr keine Menschenseele auf der Straße, kein Internetempfang und Wolfgang geht nicht ans Telefon. Bin ich hier richtig? Nach einigem Hin-und-Herfahren treffe ich dann doch auf einen Mann, einen sehr Ortskundigen wie sich zeigen wird. Er wusste sofort Bescheid, war ich wohl nicht der erste Taucher, der hier fälschlicherweise gelandet ist. Du musst dort und dort und dort langfahren, ca. 12 km, Klipphausen ist groß. Ich sollte Miltitz ins Navi eingeben. Gesagt, getan. 12 km, passt. „Sie haben ihr Ziel erreicht“, erfahre ich von der netten Stimme und stehe auf einer Pferdekoppel. Verdammt. Kein Bergwerk. Ich rufe Wolfgang an.  Nicht erreichbar. Internet, keine Verbindung. Suchen. Das Telefon klingelt. Wolfgang. Er ist schon da. Aber wo? Ist ganz einfach. Klipphausen, Talstrasse. „Da war ich schon.“, sagte ich ihm. Er bekommt einen Tipp, gib Miltitz/Bahnhofsgäßchen 3 ein. In 5 min war ich am Ziel. Geht doch. Das erste Abenteuer ist überstanden.

Im Berg. Einstieg

Nur wenige Autos haben sich bereits auf dem Parkplatz am Bergwerk eingefunden, darunter auch bekannte Gesichter. Die Tauchergemeinschaft ist ein Dorf. Wir beginnen unser Gerödel zusammen zu bauen und bringen es gut 100 m an den Einstieg in den Berg. Simone führt das Taucherlogbuch und übernimmt den Check-In. Brevets, ärztlicher Attest und letzten Tauchgänge werden abgerufen. Nach Entrichten der Tauchergebühr können wir eigenständig im Bergwerk tauchen. Ich freue mich.

Das Wasser am Einstieg ist so klar und einladend. Wir können es kaum erwarten. Während Wolfgang schon mehrfach hier war, ist das Bergwerk Miltitz für mich Neuland. Anhand mitgebrachter Pläne besprechen wir unsere Tauchgänge, die uns zum Kennenlernen in die Sohlen II und III zwischen 3 und 28 m führen. Check und wir sind im Wasser. Herrlich. Sind wir wirklich im Wasser? Ich kann es nicht sehen. Wir fliegen. Die Hauptgänge sind sehr gut ausgeleint. Seitengänge werden mit dem Reel besucht. Der behauene Stein lässt in die Struktur der Materialien blicken. Metallene Zeugen des Bergbaus rosten im Dunkel des Berges. Aufsteigende Gasblasen rollen an der Gebirgsdecke entlang und durchbrechen die einmalige Stille. Es ist wie immer traumhaft, nicht zu beschreiben und muss erlebt werden. Wir lassen uns Zeit, viel Zeit und schauen in viele Ecken. Mörtel einer gemauerten Wand setzt wunderschöne Tropfsteinformen frei. Ferne Lichtkegel anderer Taucher im Berg runden das Bild ab. Wir genießen das Tauchen im Bergwerk Miltitz.

Unterwegs im Bergwerk Miltitz

Die Sonne hat uns wieder. Zwischen den Tauchgängen stärken wir uns und quatschen mit anderen Tauchbegeisterten. Ich treffe Tauchrevier Deutschland Fans persönlich, was mich immer besonders freut. Das Austauschen gehört unbedingt dazu. Kann man sicher viel im Netz über Miltitz lesen, so sind Erzählungen aus erster Hand von Kennern des Bergwerkes unbezahlbar. Ich lerne auch Peter Panitz kennen.

Nach dem zweiten Tauchgang schließen wir das Bergwerk quasi ab, packen zusammen und machen uns mit bleibenden Eindrücken auf den Heimweg. Vielen Dank an das Tauchertreff Team und meinen Buddy Wolfgang. Wir kommen wieder.

Unterwasserimpressionen Bergwerk Miltitz

Bereits im Bergwerk Miltitz getaucht?

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Mario Merkel, Tauchrevier Deutschland

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