Tauchrevier Deutschland im Interview mit "Der Taucherblog"

Tauchen im Bergbausee

27.10.2017, Zwenkauer See (Sachsen)

Heute nun soll es sein. Seit Monaten schieben wir einen gemeinsamen Tauchgang auf. Treffpunkt ist die Tauchbasis am Zwenkauer See. Ich bin mit Robert verabredet, Basischef, PADI Course Director und ein langer Freund des Tauchrevier Deutschland.

Ein starker Wind bläst dicke, graue Wolken über den Zwenkauer See. Mancherorts entlässt der Himmel die schwere Last in Form eines Platzregens. Schaumkronen zieren die Wellen des jungen Wassers. Mit jeder noch so kleinen Wolkenlücke taucht die Sonne das Ufer in ein prächtiges, herbstliches Licht.

Tauchen im Zwenkauer See

 

Ich erreiche die Basis nach 2 ½ Stunden Autofahrt und werde bereits von Robert und Steffen erwartet. Steffen hat sich für diesen Tag bereit erklärt, die verantwortungsvolle Rolle des Bootsführers zu übernehmen. Nach einem kurzen Hallo ziehen wir uns in einen der warmen Container zurück und planen unsere Tauchgänge. Wir wollen an das Ostufer übersetzen und den jungen, gefluteten Wald besuchen. Den zweiten Tauchgang werden wir operativ nach Wetterlage angehen.

Kamera und Ausrüstung stehen bereit. Schnell sind wir in unsere Anzüge gesprungen. Steffen wartet bereits im geschützten Hafen auf uns. Das rote Schlauchboot, getrieben von einem kräftigen „Mercury“, ist einsatzbereit. Noch wenige sichernde Handgriffe und wir begeben uns auf Kurs. Sobald wir das schützende Hafenbecken verlassen haben, schlägt uns eine ordentliche Briese entgegen.

Mystische Unterwasserwelt

 

Der Kapitän signalisiert das Erreichen des Zielortes. Die Boje ist ausgebracht. Check und wir fallen rücklings vom Schlauchbootrand in den See. Steffen reicht uns die Kameras und wir tauchen ab. Die Baumkronen des Waldes sind schnell zu erkennen. Ohne Laub und die Äste braun eingesponnen, überdauern sie als Zeitzeugen am Grund des Sees. Dieser Wald einer vergangenen Zeit erzeugt eine eigene, faszinierende Stimmung.

Am Grund schlängelt sich ein orange leuchtendes Band zwischen den Bäumen. Einem Fluss gleich treten Eisenoxide an die Oberfläche und werden von verwertenden Eisenbakterien in eine traumhafte Unterwasserlandschaft verwandelt.

Eisenoxide, Eisenbakterien

 

Das Wasser des ehemaligen Braunkohlereviers ist jung. Die Ausbildung des typisch heimischen Lebensraumes steht noch ganz am Anfang. Vorsichtig zeigen sich die ersten Pionierpflanzen wie Ähriges Tausenblatt, Wasserpest, verschiedene Laichkräuter und üppiger Tannenwedel. Robert teilt mit mir die Leidenschaft für unsere Unterwasserflora- und Fauna. So dokumentiert er nicht ohne Stolz jede Neuentdeckung in seinem See.

Mit dem Auge für die kleinen Dinge verweilen wir beinah endlos in dieser surrealen Kulisse. Hier ein kleiner Stichling, der sich im dichten Geäst der Bäume versteckt und dem Zooplankton nachjagt, dort eine Libellenlarve als Meister der Tarnung und anderenorts verdächtige Spuren im schlammigen Grund. Der See lebt.

Leben im Zwenkauer See

 

Der Gasvorrat ist endlich, daher steigen auch wir einmal auf. Die Oberflächenboje zeigt unserem ausharrenden Kapitän unsere Position. Pflichtbewusst sammelt er uns ein. Das Wetter hat sich verschlechtert. Den zweiten Tauchgang werden wir von Land aus unternehmen. Flaschen füllen, Aufwärmen und Taucherklön, dann stehen wir schon wieder bis zum Hals im Zwenkauer See.

Pioniere im jungen Bergbausee

 

Stattliche Hechte im üppigen Grün sucht man vergebens. Noch. Der Zwenkauer See überzeugt dennoch, von menschlichen Spuren des beflissenen Schaffens bis hin zum erfolgreichen Erstbesiedeln von Stichling, Flussbarsch, Bitterling und Barbe. Das Sehen will gelernt sein.

Den Tag lassen wir bei einer leckeren Pasta nebenan ausklingen. Robert hat noch vieles vor. Ich wünsche ihm alles Gute und eine glückliche Hand für unseren Zwenkauer See, einem weiteren Tauchrevier in Deutschland.

Kennt Ihr bereits den Zwenkauer See?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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Tauchen im Bisophärenreservat

08.10.2017, Tauchen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Brandenburg ist wunderschön, zu jeder Jahreszeit. Das muss ich immer wieder feststellen. Brandenburg ist reich an Seen. Wir Taucher sollten der Eiszeit ein Denkmal setzen. Wirklich zahllose kleine und große Seen reihen sich in Rinnen, liegen in enger Nachbarschaft und entfalten ihre Schönheit inmitten stattlicher Wälder.

Und dies trübt auch ein wenig das Taucherherz. Ist das Brandenburger Wassergesetz in Bezug auf das Tauchen mit Gerät durchaus liberal, so kennt das Brandenburger Waldgesetz keine Gnade. Zufahrten, um das schwere Tauchgerödel an den See zu bringen sind eher Fehlanzeige.  Ausgewiesene Landschaftsschutzgebiete wie das „Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin“ und Naturschutzgebiete  wie das Weltkulturerbe „Grumsiner Forst“ verschärfen die Situation. Man muss sich gut informieren.

Seen im Biosphärenreservat

 

Die Seenlandschaft ist riesig, hier seien stellvertretend der Grimmnitzsee, Dovinsee,  Grumsinsee, Gladbecker See,  Wolletzsee,  Peetzigsee und der Redernswalder See genannt. Erkundungen vor Ort in einmaliger Landschaft liefern wertvolle Informationen für einen möglichen Tauchgang. Erzählungen heimischer Uckermärker und Barnimer runden das Bild ab. Da ist von Schätzen die Rede, altem Kriegsgerät und Tiefenangaben von über 70 Metern. Abenteuerlich.

So manche Schönheit entpuppt sich allerdings als wirkliche Enttäuschung. Pflanzenlos, fischleer, ja beinah leblos zeigt sich eine enttäuschende Unterwasserwelt. Die Ursachen sind sicher vielfältig und die Einflüsse vielschichtig.  Doch es gibt sie noch, lebendige und gesunde Seen, wahre Perlen. So zeigte sich auch unser heutiges Tauchrevier, dessen Namen ich bewusst nicht nennen möchte.

Schöne Unterwasserwelt

 

Nach dem Unwetter „Xavier“, der dem alten Buchenbestand ziemlich zusetzte, und dem anhaltenden Regen scheint die Sonne wie lange nicht. Die Herbstfärbung des Laubes der säumenden Bäume leuchtet in ihrem Schein. Es ist wundervoll, hier am Ufer des Sees zu stehen. Und noch mehr freuen wir uns den Kopf unter die Wasseroberfläche zu stecken.

Unter leuchtenden, neugierigen Blicken vielleicht zukünftiger Taucher stapfen wir in den See und machen die letzten Handgriffe. Check und Gluckgluck. Das Wasser ist grün geschwängert und hat Sichtweiten von 3-4 Meter. Sofort tauchen wir in eine artenreiche Pflanzenwelt ein. Schön und prächtig, doch bereits herbstlich geprägt. Wasserschlauch, Laichkraut, Raues Hornblatt, Hahnenfuß und Tausendblatt gehen mit zunehmender Tiefe in Wasserpest und Grünalgen über.  Abgestorbene Biomasse vergangener Jahre wabern am Grund und geben keinen Halt für Muscheln. Zahllose Spuren des wandernden Flusskrebses sind schnell ausgemacht. Ist hier vielleicht noch ein Edelkrebs Zuhause?

Flora und Fauna im Herbst

 

Nach einigem Suchen entdecke ich den ersten Krebs, die kastanienbraunen Abdomen verraten den invasiven Kamberkrebs. Also auch hier. Mit nur wenigen Bewegungen ist er ganz im Schlamm versunken. Vereinzelt huschen kleine Flussbarsche im Schein der Lampe. Wir drehen eine ausgiebige Runde im See, um dann an das Ufer für den Rückweg zurückzukehren.

Kamberkrebs, Teichmuschel und Hecht

 

Felder von Hornblättrigen Armleuchteralgen zeigen das nahende Ufer an. Immer wieder bin ich von einer derartigen Pracht begeistert. Die kleinen Lauerjäger finden ideale Bedingungen, um den kleinen Plötzen und Barschen nachzustellen. Wundervoll. Ebenso imposant sind die zum Licht ragenden Triebe des Gewöhnlichen Wasserschlauchs, einem Fleischfresser (Karnivore). Unzählige Fangblasen sammeln das Zooplankton und decken zusätzlich den Nährstoffbedarf.

Gewöhnlicher Wasserschlauch (Utricularia vulgaris)

Eine wirklich beeindruckende Unterwasserlandschaft. Abgerundet wird das prächtige Erscheinungsbild durch Wiesen von Nixenkraut. Süßwasserschwämme klammern sich an den Halmen des Röhrichts. Es gibt endlos zu entdecken. Und so wundert es nicht, dass die Uhr schon eine Tauchzeit von gut 100 Minuten anzeigt. So langsam dringen 14 Grad Wassertemperatur durch und wir entsteigen mit einem Lächeln dem wunderschönen See.

Unterwasserimpressionen eines heimischen Sees

 

Die Sachen sind schnell verstaut und wir verabschieden uns zu neuen Tauchabenteuern im Tauchrevier Deutschland.

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Nachttauchen im heimischen See

Nachttauchen Sommer 2017

Das Tauchen in unseren heimischen Gewässern wird leider immer noch unterschätzt. Dabei bietet die artenreiche Unterwasser-Flora und Fauna dem Taucher unendlich viel zu bestaunen. Ein besonderes Erlebnis sind die Nachttauchgänge. Mit einsetzender Dämmerung betreten nachtaktive Protagonisten die nasse Bühne und verändern das gewohnte Erscheinungsbild. So fasziniert von der dunklen Unterwasserwelt, stieg ich diese Woche gleich drei Male nach Sonnenuntergang in das mein Element.

Kalksee

Immer wieder aufgeschoben, habe ich nun kurzerhand mein Tauchgerödel ins Auto gepackt und bin an den nur wenige Minuten entfernten Kalksee gefahren. In den Sommermonaten meide ich in der Regel diesen See ob der vielen Badegaste und dem regen Bootsbetrieb der Freizeitkapitäne. Die Ferien sind jedoch in Brandenburg zu Ende und mit eintretender Dunkelheit erwarte ich einen stillen See. Nun ja, Badegäste waren tatsächlich nicht mehr am Strand, doch der Bootsbetrieb findet jetzt unter Beleuchtung statt. Egal, ich mache mich fertig, packe meine Boje ein und trotte zum Ufer. Ein Motorboot ankert in der Bucht. Ich rufe den Skipper und stimme mit ihm meine taucherischen Unternehmungen ab.

Marmorgrundel. Neubürger im Kalksee

Die Sicht ist recht ordentlich. Im Schein meiner starken LED-Lampe tanzt das Zooplankton ganz vergnügt. Ich tauche zur Seemitte und möchte eine kleine Runde drehen. Doch ich kenne meinen See kaum wieder. Dreikantmuschelkolonien und flaches Brunnenmoos bestimmten das Aussehen des Kalksees unter Wasser. Vor mir türmen sich allerdings Wände von meterhohem Hornblatt. Ein Dickicht aus pflanzlichem Grün. Im Zickack schwebe ich vorsichtig mit meinem Kamerakraken in tiefere Gefilde. Fünf Meter, mehr erreiche ich nicht. Jetzt langsam beginnt sich der Dschungel zu lichten. Am Grund liegt ein breiter Teppich aus grünen Fadenalgen und hungrigen Bakterien. Mein letzter Tauchgang hier war im Juni bei fast Null Sicht. Ich bin wirklich überrascht, über diese starke Veränderung.

Der Marmorgrundel scheint es zu gefallen. Sie ist gekommen, um zu bleiben. Im letzten Frühjahr registrierte ich die Erstmeldung dieser invasiven Fischart im Kalksee. Der Erfolg ihrer Reproduktion ist unübersehbar. Zahllos, wirklich zahllos huschen die kleinen 1-2 Zentimeter langen Jungfische über den algenüberzogenen Grund. Blitzschnell sitzen sie auf meiner Kamera und suchen Schutz. Selbst in den Trieben des Rauen Hornblattes lauern sie auf kleine Beute.  Sie bleiben allerdings nicht nur mir unentdeckt. Schwadronierende Flussbarsche versuchen die flinken Grundeln zu erbeuten.

Langsam muss ich umkehren. Der Zickzack-Kurs macht es mir nicht einfacher, den schmalen Ausstieg im Schilfgürtel bei totaler Dunkelheit zu finden. Das ankernde Motorboot mit seiner Bordbeleuchtung wird mir eine gute Orientierungshilfe sein.

Steinbeißer bei Nacht

Badegäste halten einen kleinen Bereich krautfrei und wälzen den weißen Sand stetig um. Den Steinbeißern gefällt’s. Im Schutz der Dunkelheit kommen sie aus ihren sandigen Verstecken und laben sich am Zoobenthos. Eine wirklich schöne Fischart. Zwischen ihnen huschen junge Kaulbarsche. Die nachtaktiven Jäger scheinen hungrig. Es ist so lebendig und wundervoll.

Straussee

Der Präsident des Tauchclub Strausberg, Micco, lud mich zu einem Nachttauchgang im Straussee ein.  Ist der Straussee für seinen Fischreichtum bekannt, so wird er auch nachts nicht enttäuschen. Vor drei Tagen bin ich bereits mit einem Lächeln im Gesicht diesem See bei Nacht entstiegen. Ich zögerte also nicht.

18:00 Uhr treffen wir uns auf dem Vereinsgelände. Bis zur Dunkelheit bereiten wir die Tauchausrüstung vor und erzählen uns die neuesten Tauchgeschichten. Vier weitere Vereinsmitglieder treffen ein. Dann tauche ich ab, checke nochmals meine Ausrüstung und Kamera und bin in meinem Element.

Jungfische und Kamberkrebs

Die Dunkelheit verleiht der Unterwasserwelt eine besondere Stille. Die tagaktiven Schwärme von kleinen Flussbarschen und Plötzen haben sich am Grund des Sees zur Ruhe gesetzt. Nur wer eins mit der Umwelt wird, überlebt diese Nacht. Es ist absolut spannend zu beobachten, mit welchen Strategien die Beutefische den nachtaktiven Jägern trotzen. Junge Schleie graben sich tief ins Dickicht von Tausendblatt und Leuchteralge. Nur nicht bewegen. Kleine Barsche liegen hinter Steinen oder auf Ästen und Leinen und glauben sich so unsichtbar.

Wer sich bewegt, verliert

Und da ist er, der erste Jäger der Nacht, ein stattlicher Breitkopfaal. Mit seinem schlangenförmigen Körper schiebt er sich am Grund durch die Dunkelheit. Seine Kopfform erlaubt ihm, in kleine Höhlen und Verstecke nach Beute zu schauen. So jagen auch Muränen im Riff der Meere. Tagsüber sind Begegnungen mit einem Aal eher selten. Meist sieht man nur den Kopf oder Schwanz aus ihrer Ruhestatt luken. Der Hunger treibt sie nachts heraus. Stets in Bewegung sind die Fische für mich als Fotograf eine echte Herausforderung. Ich freue mich, diese Nacht mehrere Begegnungen mit der gefährdeten Art zu haben.

Nachtaktiver Jäger – Europäischer Aal

Es gibt so viel zu entdecken. Kaulbarsche, Steinbeißer, Plötzen, Schleie, Flussbarsche, Hechte und zu meiner Freude auch eine Quappe. Und so wundert es nicht, dass die Zeit in Vergessenheit gerät. In diesen Momenten erinnere ich mich gern an einen meiner Tauchlehrer, dem Italiener Mario Arena, der sagte: „Wenn alles da unten endlos scheint, das Atemgas ist es nicht.“. Nach gut 100 Minuten kehre ich um. Auf meinem Rückweg werde ich Zeuge von Kannibalismus. Flussbarsche scheuen sich nicht, ihren eigenen Nachwuchs zu fressen. Erstaunlich, was so alles in ein Fischmaul passt.

Kannibalismus

Am Ausstieg werde ich bereits von Micco und Ulf erwartet. Gemeinsam mit Silvia und Uwe wird bei einem zünftigen Dekobier und einer deftigen Bulette Tauchergarn gesponnen. Ein wundervoller Tagesausklang im Tauchrevier Deutschland.

Nachttauchen? Schon erlebt?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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2017 Tauchen im Friedberger Baggersee

15.07.2017, Friedberger Baggersee (Bayern)

Was lange währt … Nun endlich stehen wir an den Ufern des Friedberger Baggersees nahe Augsburg in Bayern. Schon lange waren wir eingeladen, uns persönlich einen Eindruck von diesem schönen Baggersee zu verschaffen. Vor drei Jahren lernten wir Eva und Keith von den „Untertauchern“ auf der traumhaften Insel Bali im Ressort „Alam Batu“ kennen. Seither stehen wir in Kontakt und tauschen uns über unsere Taucherlebnisse aus. Der Friedberger Baggersee ist der „Haussee“ der beiden.

Seit einigen Jahren schlug Klaus Kohler, der die Tauchschule „Diving Team Augsburg“ in Königsbrunn betreibt, seine Zelte hier auf. Der wunderschöne See ist ein Relikt der Kiesgewinnung und nunmehr in privater Hand. Badegäste und Wassersportbegeisterte teilen sich das künstliche Gewässer. Während die Nordhälfte des beinah kreisrunden Sees einer Wasserski- und Wakeboard-Anlage vorbehalten ist, reihen sich Badende, Schwimmer, Taucher und die Wasserwacht im Süden aneinander. Wie uns Klaus erzählt, kann es an warmen Sommertagen schon recht voll am und im See werden.

Tauchen im Friedberger See

Der gesamte See mit seinen Uferbereichen macht einen gut sortierten, aufgeräumten und gepflegten Eindruck. Liegewiesen, Einstiege, Parkplätze, Zugänge sind den verschiedenen Betreibern zugewiesen. Die Tauchbasis der Tauchschule „Diving Team Augsburg“ ist in unmittelbarer Nachbarschaft der Wasserwacht Friedberg zu finden.

Wir sind mit Eva und Klaus um 08:00 Uhr an der Basis zu einem „Early Morning“ – Tauchgang verabredet. Nach einem freundlichen Wiedersehen und Hallo wollen wir schnell ins Wasser und verlegen das Schnacken auf Nach-dem-Tauchen. Das Wetter ist warm, sonnig mit einigen Schäfchenwolken. Das klare Wasser verspricht einen tollen Tauchgang. Ich bin begeistert. Klaus dämpft ein wenig meine Erwartung. Wenig später werde ich erfahren, was er meint.

Armleuchteralgen im Friedberger Baggersee

Bevor wir Eintauchen ein kurzes Briefing. Klaus möchte uns zum Wrack in einer Entfernung von ca. 160 Metern auf etwa 300 Grad führen. Dieses ist übrigens sehr gut auf Google-Maps zu erkennen. Wir werden jedoch nicht geradewegs unterwegs sein, sondern im See verschiedene Haken schlagen. Wir freuen uns und tauchen nach einem Check in die bayrische Unterwasserwelt ein.

Der Einstieg fällt seicht ab. Kies zeugt vom Ursprung des Sees. Nach wenigen Flossenschlägen beginnt ein dichter Unterwasserrasen aus Vielstachligen Armleuchteralgen.  Ihre Vielzahl an Stacheln an der Stengelrinde macht sie beinah unverwechselbar. Das helle Grün der Makrophyten geht allerdings in der schlechter werdenden Sicht ein wenig unter. Die ersten Schleie erscheinen vor unseren Masken. Jede Scheu vor Tauchern verloren, sind sie kopfüber im Kies auf Nahrungssuche.

Schlei (Tinca, tinca) im Friedberger Baggersee

Der Untergrund des Sees ist zerklüftet und zerfurcht. Kleine Canyons und Hügellandschaften lassen eine interessante und nicht langweilig werdende Unterwasserlandschaft entstehen. Spätestens jetzt bin ich froh, Klaus als unseren Guide zu wissen. Das Wrack hätten wir sonst wohl nie gefunden.

Interessante Unterwasser-Formationen

Die Sicht wird schlechter. Sedimentwolken hüllen uns ein. Schatten. Große Schatten. Spiegel- und Schuppenkarpfen durchwühlen mit ihren ausgestülpten Rüsseln den Grund. Es sind Klaus Sorgenkinder. Bei seinen zahllosen Tauchgängen erkennt er gut die Wunden im Grün seines Sees. Die feinen Sedimente schwängern das Wasser und trüben die Sicht. Jedem Angler am See wünscht Klaus ein dickes „Petri Heil“.

Karpfenartige im Friedberger Baggersee

Wir schlängeln uns links und rechts durch die spannende Unterwasserlandschaft. Aber auch in der Vertikalen geht es auf und ab, von 2 auf 10 und wieder auf 2 Meter. Tannenwedel auf einer kleinen Anhöhe bieten Schutz für zahllose Jungfische vor den halbstarken Hechten. Es gibt viel zu entdecken im Friedberger Baggersee.

Ich weiß nicht wie, aber Klaus hat uns tatsächlich zum Wrack geführt. Ein Kajütboot ruht am Grund des Sees und ist eine kleine Taucherattraktion. Mir fällt dabei ein, ich habe Klaus gar nicht gefragt, wie das Boot dorthin kam. Vielleicht weiß es jemand von Euch? Nach einigen Fotos machen wir uns auf den Rückweg, natürlich nicht geradewegs, sondern schlängelnd durch die wirklich interessanten Formationen.

Wrack eines Kajütbootes

Vorbei an Krokodilen, Gartenzwergen und einer großen Schatzkiste. Die Hügelformationen weisen zahllose Verstecke, Löcher und Nischen auf und doch konnte ich nicht einen Flusskrebs im Baggersee erblicken. Klaus bestätigt mir später, dass er ebenfalls noch nie einen Krebs gesehen hat.

Eva hält inne, deutet mir etwas. Silbern blitzt eine große Scheibe in der Sonne. Ich tauche näher heran. „30 Jahre Untertaucher“ bekomme ich zu lesen. Über uns eine schwimmende Plattform. Wir müssen also ganz in der Nähe des Einstieges sein. Ein großer Hecht weckt abschließend meine Aufmerksamkeit.

Fundstücke im Friedberger Baggersee

Nach etwa 90 Minuten tauchen wir zufrieden auf. Vieles bekamen meine Frau und ich zu sehen, dank der exzellenten Führung. Der gesamte Seegrund ist bewachsen, durchzogen von Gräben und Formationen. Armleuchteralgen dominieren die Makrophytenwelt. Laichkraut, Tannenwedel, Hornblatt und Tausendblatt sind vereinzelt anzutreffen. Hier muss man einfach wieder eintauchen.

Während unsere Tauchflaschen mit bayrischer Luft gefüllt werden, schwatzen wir noch ein wenig mit Eva und Klaus bei einem heißen Kaffee. Zwischenzeitlich hat auch der Tauchsportclub Augsburg seine Zelte zur 50-Jahr-Feier am Friedberger See aufgeschlagen. Ein wunderbarer Tag im Tauchrevier Deutschland. Vielen Dank. Wir werden wiederkommen.

Der Hecht im Baggersee

Wer kennt den Friedberger Baggersee?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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2017 Tauchen im Groß Glienicker See

24.06.2017, Groß Glienicker See (Berlin/Brandenburg)

Manche Entscheidungen für ein Tauchziel werden spontan getroffen. Während ich an der östlichen Peripherie der Bundeshauptstadt Berlin zu Hause bin, liegt am genau anderen Ende der großen Stadt der Groß Glienicker See. Und mir scheint, ich bin der einzige Taucher der Umgebung, der noch nicht den Kopf in dieses Nass gesteckt hat. So erntete ich auch ein ungläubiges Kopfschütteln von meinem Buddy Fred, als ich ihn bat, mir doch einmal diesen für ihn längst nicht unbekannten See zu zeigen.  Mit der Aussage: “Reist in der ganzen Welt rum und kennt nicht die Nahziele.“, willigte er schliesslich ein.

Der Groß Glienicker See, ein eiszeitliches Relikt und Bestandteil der großen glazialen Rinne aus Sacrower See und Heilige See bildet in seiner Nord-Süd-Ausrichtung die Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg. Das Westufer gehört zum namensgebenden Ortsteil Groß Glienicke Potsdams, während das Ostufer dem Stadtteil Kladow von Spandau zugeschrieben wird. Zu Zeiten des geteilten Deutschlands verlief am Westufer die Grenzmauer zwischen der DDR und West-Berlin. Der See war somit nur den West-Berlinern zugänglich.

Tauchen im Groß Glienicker See

Auf der Berliner Seite befinden sich auch die bekannten und beliebten Taucheinstiege wie „Pferdekoppel“ und „Badestelle Moorloch“, unserem heutigen Einstieg. Während die Sonne heute Urlaub macht, treffen wir uns 9 Uhr an der Badestelle. Einige Tauchschulen und Tauchschüler schlugen bereits ihr Lager auf. Unsere beiden Autos schlossen die letzten Lücken der knappen Parkplätze.

Da stehe ich nun, bereit für den Abstieg in mein erstes Berliner Tauchgewässer. Kaum zu glauben, dabei hat die Hauptstadt einiges vorzuweisen. Entspannt schreiten wir über die Badewiese und schauen auf das Grau der im Wasser sich spiegelnden Wolken. Der sandige Strand fällt flach ab. Zusammengeharkte Haufen von welkem Hornblatt deuten auf ein eher mesotrophes Gewässer. Fred gibt mir ein paar Infos zum Tauchplatz. Wie immer werden sich unsere Wege unter Wasser trennen.

Makrophyten im Groß Glienicker See

Ohne Hektik steigen wir in die Anzüge und Ausrüstung und stehen bis zum Bauch im See. Der Strand beginnt sich zu füllen und die Retter vom benachbarten DLRG nehmen ihre Arbeit auf. Graugänse schimpfen lauthals über das schlechte Wetter. Letzte Hinweise, ein Check und wir sind abgetaucht.

Der sandige Strand geht ab einer Tiefe, in der die Füße der Badenden nicht mehr den Boden reichen, in eine Pflanzenzone über. Raues Hornblatt soweit das Auge reicht. Quälen sich anfänglich noch Halme Zerbrechlicher Armleuchteralgen und Tausendblatt durch das Dickicht, bestimmen nach wenigen Flossenschlägen die Hornblattgewächse das Bild des nährstoffreichen Sees. Die Sicht ist stark getrübt, nicht mehr als 2 Meter.

Ich schlage den Kurs West in Richtung Seemitte ein. Sedimentwolken lassen mich innehalten. Meist sind die Verursacher schnell ausgemacht. Zwei Schleien (Tinca tinca) sind auf Nahrungssuche. Sie stellen sich dabei mit der mächtigen Schwanzflosse auf, drücken ihr kräftiges, bartelbesetztes Maul in den Boden und stützen sich dabei mit den Brustflossen ab. Sie scheinen Taucher gewöhnt und lassen sich von mir nicht wesentlich stören. Schlechte Sicht, aufgewühlte Sedimente und nicht stillhaltende Fotomodelle machen ein Fotografieren nicht einfach. Ich ziehe weiter.

Schlei (Tinca tinca)

Hornblatt, Hornblatt und Hornblatt. Ihr dichter Wuchs erlaubt keinen Blick auf den Boden. Manchmal erscheinen dunkle Schatten vor der Maske, Hinweise auf Strukturen oder Gegenstände. Doch auch diese Gebilde sind Hornblätter. Der durch die Photosynthese produzierte Sauerstoff verfängt sich im dichten Blattwerk der Unterwasserpflanzen, erzeugt Auftrieb und reist so ganze Areale aus dem Boden, die wie kleine Inseln aufschwämmen und gute Versteckmöglichkeiten für Jungfisch wie Plötzen und Flussbarsche bilden. Ich bin gut 30 Minuten auf Kurs und in einer Tiefe von 7 Metern endet der mächtige Pflanzengürtel. Der braune Seegrund, eine dicke wabernde Schicht aus absterbender Biomasse bietet keinen Lebensraum für Schnecken und Muscheln.

Dominierendes Raues Hornblatt

Ich ändere meinen Kurs und drehe auf Nordost ab. Schnell erreiche ich wieder die Pflanzenzone. In Ufernähe begegnen mir die üblichen Vertreter von Weißfischen. Ein Amerikanischer Kamberkrebs hat seine Mühe in dem Krautdickicht. Zwei Schleien kreuzen meinen Weg. Viel mehr bekomme ich heute nicht mehr vor die Maske. Nach 90 Minuten steige aus dem See.

Fred wartet bereits am Auto und kann nicht verstehen, was man bei solchen Bedingungen so lange im Wasser macht. Youtube-Videos vom Groß Glienicker See beweisen, der See kann auch anders. Meine Tauchgänge bestätigen immer wieder, heimische Gewässer muss man entdecken und erkunden, dann geben sie auch ihre Schönheiten preis. Ich werde sicherlich wiederkommen.

Unterwasserwelt Groß Glienicker See

Populäre Tauchplätze wie dieser lassen den See zu einem Tauchertreff werden. Und so wundert es nicht, dass wir bekannte Gesichter treffen und klönen. Vor wenigen Monaten hat am DLRG-Badestrand die Tauchzentrale Berlin eine Tauchbasis eröffnet. Für mich eine gute Gelegenheit, mal vorbeizuschauen. Wer auf Basisinfrastruktur angewiesen ist und Geselligkeit sucht, findet hier eine kleine Oase mit wenigen Schritten zum See.

Tauchzentrale Berlin Tauchbasis

Den Tauchausflug in die Hauptstadt Berlin lassen wir mit einem leckeren Bierchen und Bratkartoffeln in benachbarter Gastronomie entspannt ausklingen. Ein Tag wie er mir gefällt.

Kennt ihr den Groß Glienicker See?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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2017 Tauchen in der Spree

15.06.2017, Die Spree (Brandenburg)

Die Spree, Nebenfluss der Havel . Drei Quellen im Lausitzer Bergland bilden den Ursprung des Flusses im schönen Sachsen. Mit einer Gesamtlänge von 400 Kilometern schlängelt sie sich durch die Bundesländer Sachsen, Berlin und Brandenburg.

Gestern erhielt ich von Micco und Werner, guten Tauchfreunden des TC Strausberg und TSC Marzahn, eine Anfrage für einen gemeinsamen Tauchgang der besonderen Art, Tauchen in der Spree. Geplant war eigentlich ein schöner Trimix-Tauchgang im Steinbruch Wildschütz vom Volker Buder. Eine Autopanne meines Buddies machte uns allerdings einen Strich durch die Rechnung und so zögerte ich keine Sekunde, dem Abenteuer Flusstauchen zuzusagen.

Tauchen in der Spree

Im Müggelspree-Löcknitzer Wald- und Seengebiet mäandert die Spree oberhalb des Oder-Havel-Kanals in einer atemberaubenden, naturbelassenen Landschaft bevor sie in den Dämeritzsee mündet. Das Reich von Biber, Eisvogel, Ringelnatter, Rohrsänger und vielen anderen. Die Sonne malt eine unglaublich schöne Kulisse. Wir sind Gäste.

Meine beiden, erfahrenen Buddies wählen für unseren Tauchgang einen Flussabschnitt von ca. einem  Kilometer in der Gemeinde Grünheide (Brandenburg). Bevor man sich freudig in die Fluten stürzt, sollte man für sich ein paar Fragen beantworten. Wo steigen wir ein und vor allem wo wieder aus? Wie erkenne ich den Ausstieg? Wo parken die Autos und wie komme ich zum Ein- bzw. Ausstieg? Wir entscheiden uns für ein Basislager am Ausstieg, einem Wanderrastplatz kurz hinter einer kleinen Brücke, einem markanten Merkmal.

Abenteuer Flusstauchen

Noch einmal begutachten wir den Flusslauf und unseren Ausstiegspunkt. Das Wasser funkelt einladend unter dem strahlend blauen Himmel. Stattliche Döbel lauern in der Strömung auf eine Mahlzeit, Schwärme von Plötzen und Ukeleien ziehen unentwegt ihre Kreise und Steinbeißer baden im Sand am flachen Ufer des Flusses Spree. Wir freuen uns auf das Abenteuer „Flusstauchen“.

Komplett angerödelt fahren wir vom Basislager zum oberhalb gelegenen Einstieg. Der Pegelstand mit 1,20 Meter nicht der Höchste. Während des Tauchganges werden wir eine maximale Tiefe von 3,5 Meter erreichen. Die Strömung variiert entsprechend Flusslauf und Tiefe. Wir gehen von einer 45-minütigen Drift aus. Unter den Augen von neugierigen Radwanderern steigen wir in den Fluss und tauchen ab.

Unterwasserwelt Spree

In Richtung Flussmitte nehmen wir Fahrt auf. Die Sicht schätze ich auf 2 Meter. Von gigantischen Wallern in der Spree ist die Rede. Da wir diese in den Überhängen der Uferbereiche vermuten,  steuern wir immer wieder in diese Bereiche. Es macht Spaß und ist mit Kamera und Lampe in der Hand schon ein wenig herausfordernd. Besonders, wenn man glaubt, etwas entdeckt zu haben und auf der Stelle weilen möchte.

Buchten im Uferbereich beruhigen das Wasser, ja es steht beinah. Hier trifft man auf viel Weißfisch wie Plötze und Ukelei zwischen Teichrose, Igelkolben und Laichkraut. Auch der Flussbarsch ist häufig in der Spree anzutreffen. Allein der Europäische Wels zeigt sich nicht. In jede dunkle Bucht halte ich meine Lampe in der Hoffnung auf weiße, verräterische Barteln und festige mich, ob eines riesigen Mauls nicht zu erschrecken. Ein junger Hecht steht im Kraut und hält gegen die leichte Strömung an. Unterwasserfotografie im strömenden Wasser.

Begegnungen in der Spree

Von Beginn an bin ich überrascht über das Vorhandensein von Süßwasserschwämmen am Grund des Flusses. Festsitzend auf dem Kiesbett besiedeln sie große Flächen korallengleich und trotzen dem Strom. Wie schaffen sie es nur, ihr Kieselsäureskelett unter diesen Bedingungen zu bauen. Selbst kleine Finger bilden sie aus und zeigen in Fließrichtung. Ich bin wirklich beeindruckt und vergesse die Waller.

Bereits 60 Minuten treiben wir in der Spree. Den Schatten einer Brücke konnte ich bisher noch nicht ausmachen. Sind wir schon hindurch? Bin ich am Ausstieg vorbei? Die Drift und die Sicht haben uns auseinandergetrieben. So war aber auch der Plan, bei zwei Kameraleuten unausweichlich. Ich stecke den Kopf aus dem Wasser. Keine Brücke. Der Fluss wird gesäumt von wilden, naturbelassenen Ufern. Keine Chance für einen Ausstieg.  Vielleicht hinter der nächsten Biegung. Ich tauche wieder ab.

Flora und Fauna in der Spree

Die Wasserpflanzen im Flussbett nehmen zu. Die langen Stiele und Blätter wiegen beinah horizontal in der Strömung der Spree. Ich lasse mich treiben und genieße. Es treibt mich ans Ufer. Der Fluss ändert seine Richtung. Und wieder. Zahllose Süßwasserschwämme von weißgelb bis algengrün. Im Uferbereich schichten sich Äste. Von Menschenhand? Oder ist es das Bauwerk des Flusses? Am Ende des Tages werde ich erfahren, dass es das Bauwerk eines Bibers ist. An jedem Ast heften Schwämme. Mit abnehmender Fließgeschwindigkeit bilden sie sich zu prächtigen Geweih-Süßwasserschwämmen aus. Wunderschön.

Geweih-Süßwasserschwämme in der Spree

Weitere 10 Minuten sind vergangen. Und keine Brücke. Erste Zweifel. Ich steige noch einmal auf.  Weit vorn am Ufer Leute. Ich rufe. Sind es meine Buddies? Badegäste, aber sie deuten mir, die Brücke liegt noch vor mir, ca. 500 Meter. Ich mag’s kaum glauben.  Nach über 90 Minuten haben wir letztendlich unseren Ausstieg dann doch gemeinsam erreicht.

„Solange haben wir noch nie gebraucht.“, erfahre ich von meinen Buddies. Zwischenzeitlich zweifelten auch sie und mussten sich unterwegs vergewissern, noch auf dem richtigen Weg zu sein. Den Herrscher der Unterwasserwelt, den Europäischen Wels, bekamen auch sie nicht vor die Maske. Wir steigen aus dem Wasser.

Tauchrevier Deutschland. Die Spree

Die Autos vom Einstieg werden zum Basislager zurück geführt und der tolle Tauchgang bei Bier und Bulette, Kaffee und Kuchen ausgiebig besprochen. Was für ein herrlicher Tag im Tauchrevier Deutschland. Vielen Dank Micco und Werner für das tolle Erlebnis, Tauchen in der Spree.

Flusstauchen. Schon mal gemacht?

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2017 Tauchen im Zwenkauer See

26.05.2017,  Zwenkauer See, Sachsen

Der Energiehunger von uns Menschen hinterlässt große Wunden in der Landschaft. Rund um Leipzig wurde Braunkohle mit riesigem Gerät abgebaut. Unaufhaltsam fraßen sich die Bagger in das Erdreich. Seenlandschaften entstehen wo einst Dörfer, Wald und Wiesen zu finden waren. Ein Ergebnis der großen Rekultivierungsanstrengungen ist die Bergbaufolgelandschaft Cospuden/Zwenkau. Südlich von Leipzig laden der Cospudener See und der Zwenkauer See zum Wassersport und Erholen ein. Während der Cospudener See bereits ein weithin bekanntes Tauchrevier in Deutschland ist, zählt der Zwenkauer See mit dem in 2015 erteilten Gemeinbrauch zu den Neulingen. Unser heutiges Ziel.

Tauchen im Zwenkauer See

Seit gut einem Jahr betreibt im Hafen von Zwenkau Robert Lange seine Tauchbasis „Zwenkauer See“. Robert traf ich erstmalig am Kulkwitzer See. Er erzählte mir von seinen Anstrengungen für die Errichtung eines Tauchbetriebes am Zwenkauer See und lud mich auf einen Besuch ein. Heute nun stehe ich hier auf seiner Basis und freue mich auf einen Tauchgang in dem neuen Gewässer bei allerbestem Sonnenschein.

Die Form des Sees erinnert mich an eine Hühnerkeule. Während Richtung Westen der See zu einem dicken Oberschenkel auswächst, verjüngt sich der See gen Osten  und läuft in einem Fuß aus. Mit einer Wasserfläche von 950 Hektar muss sich dieses Tauchrevier keinesfalls verstecken. Die maximale Wassertiefe beträgt 49 Meter. Sieben Jahre dauerte die Flutung des Tagebaues bis 2014 der erforderliche Füllstand erreicht wurde. Im Norden des Ortes Zwenkau entstand am Ufer des Sees eine neue Marina mit Bootsliegeplätzen und Parkplätzen. Auf diesem mit einer Schranke gesicherten Gelände befindet sich die Tauchbasis. Wehende Fahnen laden schon von Weitem ein. Mehrere Container mit maritimen Graffitis beherbergen Büro, Schulungs-, Ausrüstungs- und Kompressorräume. Aus Euro-Paletten genagelte Rödeltische und eine chillige Verweilecke lassen es an nichts fehlen. Ein kleines Imbissangebot rundet die ganze Sache ab.

Tauchbasis Zwenkauer See

Bis zum öffentlichen Strand, der als Tauchereinstieg dient, sind es gut 150 Meter Fußmarsch. Ein kleiner Wehmutstropfen.  Nicht ganz verstehen kann ich die Planer dieser neuen Marina, den Autoparkplätzen Seeblick zu gewähren, während die Infrastruktur des Wassersports mit der zweiten Reihe Vorlieb nehmen muss. Robert empfängt mich kurz, bevor er sich wieder seinen Tauchschülern zuwendet. Check-In und Einweisung übernimmt Steffen. Ich bin nicht allein, habe mich vor Ort mit Fred verabredet. Wir stehen am Ufer und blicken auf einladendes Wasser. Im Flachwasser huschen bereits zahllose Stichlinge und Ukeleien hin und her. Steffen erläutert uns die Unterwasserstruktur im Einstiegsbereich. Fischgrätenartige Entwässerungsgräben helfen bei der Orientierung.

Dreistachliger Stichling

Die Sonne brennt. Wir wollen jetzt einfach nur ins Wasser. Bei diesen Temperaturen von fast 30 Grad in den Unterzieher und Trocki zu steigen, ist nur etwas für Masochisten. Ich wünsche mir den Winter herbei. Endlich stehen wir im Wasser. Ein wunderbarer Moment. Wir tauchen ab und jeder hat seinen Plan. Der vertikale Entwässerungsgraben ist schnell gefunden. Der gebrochene Stein bietet ideale Bedingungen für die kleinen Stichlinge. Sie sind zahlreich vertreten. Rotbäuchige Männchen verraten die Nester der kleinen Räuber. Während die einen noch sorgfältig Pflanzenmaterial zu einem ordentlichen Nest herrichten, wuselt bei den anderen bereits der winzige Nachwuchs.

Stichlingbabies im Zwenkauer See

Auffällig ein Busch aus Tannenwedel. Auffällig, da das junge Wasser, sedimentiert von rostbraunen Eisenoxidausscheidungen, kaum Wasserpflanzen ausweist. Vereinzelt strebt feines Laichkraut zum Licht. Robert berichtete mir im letzten Jahr von zahlreichen Bitterlingen in diesem Revier. Und tatsächlich, ein herausgeputztes Männchen kann ich entdecken. Mein erster Bitterling im Tauchrevier Deutschland. Einst ein Allerweltsfisch, muss man ihn heute schon gezielt suchen.

Bitterling-Männchen im Hochzeitskleid

Im schönsten Hochzeitskleid ist er auf der Suche nach einer geeigneten Muschel für den Nachwuchs, um diese dann gegen jeden zu verteidigen. Zur Paarungszeit wächst den Weibchen eine Legeröhre, mit deren Hilfe die Eiablage innerhalb der Muschel erfolgt. Die Eier werden daraufhin vom Männchen besamt und wachsen im Inneren der Muschel bis zum Schlupf heran. Eine einmalige Symbiose.

Zarter Pflanzenbewuchs im Zwenkauer See

Ich folge dem Entwässerungsgraben hinab. Auf einer Tiefe von 7 und 9 Metern queren weitere Gräben. Die Sicht ist leicht eingetrübt. Strauchwerk bringt Abwechslung in die Unterwasserlandschaft. Ich treffe auf Cave-Leinen, folge diesen bis auf 20 Meter Tiefe. Das Wasser klart auf. Die Sicht ist gut. Das Strauchwerk geht in Bäume über. Das Spiel von schwachem Licht, Nebelschleiern und Schatten ist mystisch. Wenngleich kein offensichtliches Leben erkennbar, ist die Bodenstruktur mit den Gewächsen sehr interessant.  Nach 90 Minuten tauche ich wieder auf.

Unterwasserstrukturen im Zwenkauer See

Hier entwickelt sich ein neues Tauchrevier. Die Größe des Sees verspricht noch viele Tauchgänge. Angebotene Bootsfahrten lassen auch die entlegensten Ecken erreichen. Noch ein kurzer Klön und frische Sachsenluft in die Flaschen und es geht wieder heimwärts. Ich komme wieder.

Kennt ihr den Zwenkauer See?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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2017 Tauchen im Stechlin

11.05.2017, Stechlinsee (Brandenburg)

Das Frühjahr steht im Tauchrevier Deutschland ganz im Zeichen der Reproduktion. Die Fische kehren bei einer Wassertemperatur von ca. 10 Grad Celsius aus ihren Winterquartieren zurück in die Flachbereiche zur Eiablage. Der Zander gehört zu den frühen Ablaichern der heimischen Fischfauna. Und auf genau diesen Räuber hatten wir es abgesehen. Dem Tipp eines Bekannten folgend, fuhren wir nach Mecklenburg-Vorpommern zum Vilzsee bei Diemitz, der wohl für seine Zandergruben bekannt sein soll.

Vorbei an blühenden Rapsfeldern bei traumhaftem Frühlingswetter fahren wir gen Norden, wo Brandenburg Mecklenburg-Vorpommern küsst. Immer wieder muss ich anhalten, um mich an der Blütenpracht satt zu sehen. Die Ostprignitz ist ein wunderschöner Landstrich. Wasser wohin man schaut, Titzowsee, Großer Prebelowsee, Labussee und viele, viele andere verbunden mit Kanälen bilden eine einmalige Wasserlandschaft. Treffpunkt ist die Badewiese am Vilzsee im Süden Mecklenburg-Vorpommerns.

Vilzsee und Labussee

Gut, der Zander liebt trübes Wasser, um seine geniale Sehfähigkeit bei der Jagd auszuspielen, das war mir durchaus bekannt. Doch vor uns liegt unter strahlend blauem Himmel ein brauner, beinah „unsichtbarer“ See. Ein Badegewässeraushang der zuständigen Behörde dokumentiert eine jahresdurchschnittliche Sichtweite von 1,1 Meter. Von diesen Idealwerten scheint der zur Müritz-Havel-Wasserstraße gehörende Vilzsee weit entfernt. Ein wirklich eutropher See.

Ein Plan B muss her, denn ehe wir hier einen Zander entdecken, hat uns dieser bereits attackiert, weil wir in seinen Brutbereich unwillentlich eingedrungen sind. Die Wahl fällt auf den Stechlinsee, nur eine gute halbe Stunde von hier entfernt. Mein letzter Tauchgang in diesem Klarwassersee liegt ohnehin schon eine Weile zurück.

Tauchbasis Stechlinsee

Wenngleich ein wenig überrascht, so wurden wir sehr freundlich vom Basisleiter Micha der ansässigen „Tauchbasis Stechlinsee“ empfangen. Seit einigen Monaten betreibt „Atlantis Berlin“ die einzige Basis vor Ort. Da wir uns hier in einem Naturschutzgebiet befinden, ist das Tauchen in dem eiszeitlichen Gewässer durch Naturschutzauflagen reglementiert. Nachttauchgänge sind untersagt, die Anzahl der Tagestauchgänge ist limitiert und der Tauchbereich im See begrenzt.

Tauchen im Stechlin

Die Anmeldung und Einweisung ist schnell gemacht. Wir schnacken noch ein wenig mit Micha über Dies und Das der Taucherwelt. Man kennt sich. Dann werfen wir unsere schwarze Taucherkluft über und geben uns ganz dem Stechlinsee hin. Wir tauchen Richtung Westen, Richtung Halbinsel. Der See fällt an dieser Stelle sehr flach ab. Lange Zeit tauchen wir nicht tiefer als 4 Meter. Die Makrophytenwelt ruht noch unter den Ablagerungen der vergangenen Saison. Vorsichtig durchstoßen erste Triebe von Wasserpest, Ährenblatt und verschiedener Leuchterlagen die verrottende Biomasse. Nach gut 30 Minuten Tauchzeit erreichen wir stolze 8 Meter Tiefe, dabei haben wir vielleicht die Hälfte der Wegstrecke zur Halbinsel zurückgelegt.

Makrophyten im Stechlinsee

Außer einer aufgescheuchten Schleie kommt uns bisher kein Fisch vor die Maske. Algen und Bakterien schneiden bizarre Formationen in verschiedenen Farbtönen in das verblasste Unterwassergrün. Produzierende Gase der Biomasse steigen nach oben, verfangen sich in Fadenalgen und schaffen so gespenstische Gebilde. Ein zweiter Blick lohnt allemal. Wir drehen ab nach Norden um in Ufernähe den Rückweg anzutreten.

Bizarre Schönheiten im Stechlin

Schlammschnecken ziehen ihre Bahnen und hinterlassen Laichstränge. Im Sediment ruhen große Sumpfdeckelschnecken und vereinzelt trifft man auf die geschützte Gemeine Kahnschnecke. Rote Wassermilben tanzen im Licht der Sonne und wenige Kamberkrebse ertasten mit ihren langen Fühlern die vorbeitauchenden, schwarzen Wesen. Die Sonne erweckt das Leben, auch wenn sich der Stechlinsee mit seiner Pracht noch stark zurückhält. Die Sichtweiten variieren von 2 – 4 Metern, eines Klarwassersees nicht würdig. Noch vor der Wendezeit waren wir viel mit unseren Kindern am Stechlin unterwegs und haben einen aussergewöhnlich klaren See in Erinnerung. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Eine wirklich nachvollziehbare Erklärung dafür habe ich noch nicht gehört. Obwohl der See wegen der ansässigen Limnologie und dem ehemaligen Kernkraftwerk der DDR das am besten untersuchte Gewässer ist. Am Ende gibt uns für einen Augenblick noch ein stattlicher Hecht die Ehre. Nach 100 Minuten entsteigen wir dem Stechlinsee.

Sumpdeckel- und Gemeine Kahnschnecke

Welch‘ traumhaftes Wetter. Der nassen Klamotten haben wir uns schnell entledigt. Lecker Dekobier. Danke Buddy Heiko. Micha serviert uns einen heißen Kaffee und ‚ne lecker Bockwurst. Zur Krönung gibt’s Stolle. Mmh. Wir haben uns wirklich wohl gefühlt. Es tut sich einiges auf der Basis. Neue Wohncontainer bieten zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten und das Speisen- und Getränkeangebot hat sich ebenso erweitert. Zwei weitere Taucher aus Berlin und Bayern haben zur Basis gefunden. Bevor wir uns verabschieden, tauschen wir uns noch über diverse Tauchreviere aus. Auch der schönste Tag geht einmal zu Ende. Staufrei geht’s dann wieder heimwärts.

Kennt ihr den Stechlin unter Wasser?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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Kontakt:

Mario Merkel, Tauchrevier Deutschland

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