Tauchrevier Deutschland im Interview mit "Der Taucherblog"

Dreistachliger Stichling

Dreistachliger Stichling (Gasterosteus aculeatus)

Kapitale Waller, imposante Spiegelkarpfen, elegante Schleie oder beeindruckende Hechte fallen uns bei unseren Tauchgängen in einheimischen Gewässern sofort ins Auge. Aber was ist mit den kleinen, beinah unscheinbaren Bewohnern dieses nassen Habitats?

In meinen Augen ist der Mikrokosmos unter Wasser mindestens ebenso interessant und spannend, und überlebenswichtig für die gesamte Flora und Fauna. Nur gelerntes Sehen lässt diese Schönheiten erkennen, ansonsten bleiben sie uns für immer verborgen.

Der kleine Barschartige

Der Dreistachlige Stichling ist ein Vertreter dieser kleinen Unterwasserwelt. Mit seiner durchschnittlichen Körpergröße von 5 cm ist er in der Tat schnell übersehen. Jungtiere und Weibchen sind ohnehin mit ihrer schwarzbraun, goldsilber marmorisierten Haut gut getarnt. Die Männchen hingegen erkannt man spätestens gut an ihrem orangeroten Paarungskleid und den türkisen Flanken und Augen. Stichlinge sind schuppenlos und artenspezifisch mit Knochenplatten „gepanzert“. Namensgebend und markant für den Dreistachligen Stichling sind seine drei vor der Rückenflosse aufstellbaren Stacheln.

Der kleine Räuber gehört zu den Barschartigen und ist in unseren einheimischen Gewässern (Salz und Süß) weit verbreitet. Kleingetier, Insekten, Larven und Würmer stehen auf seinem Speiseplan. Im Volksmund wird er auch mit Rotzbarsch oder Stachelbarsch bezeichnet. Zum Laichen ziehen jedoch alle Stichlingsarten in die Süßgewässer (anadrome Wanderfische).

Nestbau und Brutpflege

Der Stichling baut Nester zur Eiablage. Besser gesagt, das Männchen baut Nester am Boden. Dabei fächert es eine kleine Mulde aus und baut das Nest aus Pflanzenmaterial, welches es mit einem Nierensekret verklebt. Ist das Nest erst einmal fertig, lockt das Männchen das Weibchen mit einer Art Balztanz an. Wenn’s zwischen beiden funkt, schwimmt das Weibchen ins Nest und legt die Eier ab. Das Männchen besamt diese danach, verjagt die Braut und übernimmt die Brutpflege – Wache, Nestreparaturen, Zufächeln von frischem Wasser und Umsorgen der frisch geschlüpften Jungtiere.

Brutpflege bei Stichlingen

 

Für mich ist es immer wieder aufregend, diesen kleinen, tapferen Fischen bei ihrer aufopfernden Arbeit zuzuschauen, denn besonders die wandernden Exemplare sterben nach diesen Strapazen. Der Dreistachlige Stichling wird mit seinen 2-3 Jahren ohnehin nicht sehr alt. Das Wissen um die Dinge hilft zu verstehen und schützt unser Tauchrevier mit seiner bezaubernden Flora und Fauna.

Weiter Wissenswertes erfahrt ihr auch hier: FISCHATLAS – Online

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Europäischer Wels, Waller

Europäischer Wels (Silurus glanis)

Er ist der unangefochtene Herrscher unserer heimischen Gewässer. Er verschmäht weder Fisch, Vogel noch Säugetier, alles was in den Schlund seines riesigen Mauls passt, wird aufgenommen – der Europäische Wels, auch Waller genannt. Mit einer Länge von über zwei Metern und einem möglichen Gewicht größer 100 Kilogramm ist der Wels der größte Süßwasserfisch in unseren Seen.

Es wundert daher kaum, dass eine Unterwasserbegegnung mit ihm ein bleibendes Erlebnis für jeden Taucher ist. Auf meinen Streifzügen im Tauchrevier Deutschland traf ich den nachtaktiven Jäger mehrfach.

Europäischer Wels (Silurus glanis)

Auch ein gefürchteter Räuber fängt mal klein an und muss sich den Abenteuern des Lebens in seinem Lebensraum stellen. In einem behüteten Nest im Flachwasser bei angenehmen Temperaturen um 20 Grad schlüpft die kleine Larve nach wenigen Tagen der Eiablage in den Monaten Juni/Juli und wächst im Schutz der Dunkelheit in tieferen Bereichen des Gewässers zu einem Jungfisch heran.


Heidi aus dem Heidesee

Bevor der kleine Wels Jungfischen und seinesgleichen nachstellt, ernährt er sich von Zooplankton und Wirbellosen. Während dieser Zeit des Heranwachsens steht der Jungwels bei vielen anderen Fressfeinden auf der Speisekarte.

Wels, Waller im Tauchrevier

Der Europäische Wels ist mit seiner markanten länglichen Körperform unverwechselbar. Sechs Barteln sitzen am großen Kopf rund um das breite Maul. Diese sensiblen Antennen machen den lichtscheuen Fisch zu einem erfolgreichen Jäger in der Nacht. Tagsüber ruht er am Gewässergrund, in kleinen Unterständen oder hängt in Pflanzen und Ästen alter Bäume.

Aber auch menschliche Hinterlassenschaften wie Wracks, Plattformen und andere Gebilde werden gern als Ruhestätte insbesondere in den Wintermonaten angenommen. Da es sich bei dem Europäischen Wels um einen standorttreuen Fisch handelt, kann man ihn durchaus gezielt in seinem Revier aufsuchen.

Begegnungen mit dem Wels

In der Regel begegnet der Wels Tauchern unaufgeregt. Nur zu aufdringliches Agieren oder Blenden mit Lampen lassen ihn genervt von dannen ziehen. Seine stattliche Körpergröße macht den Waller ebenso zu einem begehrten Objekt bei  Anglern. Als beliebter Speisefisch wird er gern im Netz der heimischen Fischer gesehen.

Erzählt von Euren Wels-Begegnungen!

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Karpfen

Karpfen (Cyprinus carpio)

Wer in unseren heimischen Gewässern taucht, wird ihm ganz sicher schon begegnet sein, dem Karpfen. Eigentlich gehört er gar nicht in unsere Seen und Flüsse. Die ursprüngliche Heimat ist Asien, sind das Kaspische und Schwarze Meer. Seine europaweite Präsenz ist allein auf das menschliche Handeln zurückzuführen. Die Römer und Mönche, so liest man, sollen diesen beliebten Speisefisch nach Europa gebracht haben. Hier fand der recht anspruchslose Friedfisch perfekte Bedingungen und ist nunmehr in beinah jedem Gewässer anzutreffen.

Allerdings wird man meist nur die Zuchtform des Karpfens beobachten können. Der eigentliche Wildkarpfen mit seinem lang gestreckten Körper und der geschlossenen, goldgelben Schuppendecke ist selten geworden.

Spiegelkarpfen in heimischen Gewässern

Als Speisefisch erfolgt die Zucht des Karpfens in Aquakulturen, meist künstlichen Zuchtteichen. Als Schuppenkarpfen, Spiegelkarpfen oder Lederkarpfen werden diese dann vermarktet. Sehr beliebt ist der im hohen Alter sehr vorsichtige Fisch bei Anglern und findet als Besatzfisch so den Weg in unsere heimischen Gewässer. Klassisches Konfliktpotential.

Während die Petrijünger gern reichlich von diesen kapitalen Fischen, sie können bis 1,20 Meter lang und gut 40 Kilogramm schwer werden, in ihren Angelgewässern wissen wollen, verträgt der heimische See mit seiner Pflanzenvielfalt jedoch nur eine begrenzte Anzahl dieser „Wühler“.  Ihnen wird eine Mitschuld an der Eutrophierung, also der Nährstoffanhäufung zugesprochen.

Schuppenkarpfen in heimischen Gewässern

Das Durchwühlen des Grundes nach Fressbarem wie Larven, Muscheln, Würmer (Zoobenthos) setzt gebundene Nährstoffe immer wieder frei, Wasserpflanzen werden ausgerissen und sedimentiert. Deren Wachstum stagniert und ihre wichtige Filterleistung und Sauerstoffproduktion fehlt dem See. Beliebtes Anfüttern und die Ausscheidungen sorgen ebenso für einen Nährstoffzuwachs. Bei meinen Tauchgängen habe ich immer wieder derartige Wühlplätze sehen können. Sie gleichen eher Mondlandschaften. Der nicht unerhebliche Einfluss der Karpfenfische auf das ökologische System ist nicht von der Hand zu weisen. Dennoch kann und werde ich nicht den Fisch verteufeln. Er geht nur seiner Bestimmung nach. Die eigentliche Ursache ist im Handeln von uns Menschen zu suchen.

Kapitale Karpfen

Eine Unterwasserbegegnung mit diesen scheuen Fischen ist für uns Taucher allerdings ein nachhaltiges Erlebnis. Das kann ich nicht verhehlen. Bevor man in Sichtweite zueinander kommt, hat der Karpfen unser Blubbern gehört und entscheidet für sich zu bleiben oder mit einem kräftigen Schlag der Schwanzflosse im Grün des Sees zu verschwinden. In künstlichen Tauchgewässern wie Steinbrüchen werden Karpfen neben Stören gern auch zur Steigerung der Gewässerattraktivität  eingesetzt. Auch hier kann man auf eine weitere Zuchtform des Karpfens, dem Farbkarpfen (Koi) treffen.

Farbkarpfen (Koi) im Steinbruch

Ein markantes Merkmal des Karpfens sind die beiden Barteln an der Oberlippe des Mauls, mit deren Hilfe  Nahrung im Boden aufgespürt wird.  Das Maul lässt sich mehrere Zentimeter rüsselartig ausfahren und saugt gefundenes Futter staubsaugergleich ein.

Von Mai-Juli ziehen die geschlechtsreifen Weibchen (Rogener) und Männchen (Milchner) in das warme Flachwasser zum Laichen. Während des Liebesreigens stößt das Weibchen ca. 1 Millionen Eier aus, die unmittelbar vom Männchen im Wasser besamt werden. Die befruchteten Eier haften eine Woche an Wasserpflanzen bevor die kleinen Fischlarven schlüpfen.

Karpfenartige (Cypriniformes)

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Marmorgrundel

Marmorierte Süßwassergrundel (Proterorhinus semilunaris)

Nicht nur wir Taucher erfreuen uns der Schönheit unserer heimischen Gewässer. Immer häufiger lassen sich Besucher aus fernen Regionen in unseren Flüssen und Seen beobachten. Hinreichende Lebensbedingungen laden zum dauerhaften Verweilen ein. Ohne menschliche Hilfe jedoch hätten die meisten Arten den Weg in unsere Unterwasserlebensräume nie gefunden.

Erst der länderübergreifende Handel, die Schaffung künstlicher Wasserwege und die Aquakultur ermöglichen eine eher unfreiwillige Besiedlung hiesiger Gewässerlandschaften. Die Wissenschaft datiert mit der Entdeckung Amerikas in 1492 den Beginn des Zeitalters der Neozoen und Neophyten, gebietsfremder Tiere und Pflanzen. Für die Unterwasserfauna seien hier stellvertretend der Zwergwels, Sonnenbarsch, Graskarpfen und verschiedene Grundelarten genannt.

Marmorgrundeln, Nasengrundeln

Während sich die Schwarzmundgrundel bereits flächendeckend in deutschen Gewässern ausbreitete und zu einer Art Plage ausgewachsen ist, wies ich nach Aussage von Prof. Dr. Heiko Brunken von der Gesellschaft der Ichthyologen die ersten Exemplare der Marmorierten Süßwassergrundel im mitteldeutschen Raum nach. Der Erstfund im letzten Sommer (2016) ist im digitalen Fischartenatlas (Fischfauna-Online) registriert.

Mehrere Tauchgänge im naheliegenden Kalksee sind in meinem Logbuch vermerkt. Im letzten Jahr jedoch bemerkte ich kleine am Boden huschende Wesen. Je mehr sich meine Augen auf die winzigen Tiere fokussierten, je zahlreicher erschienen sie. Ich hatte noch keine Ahnung, um welche Art es sich bei diesen offensichtlichen Fischen handelt. Einen, zwei, maximal drei Zentimeter maßen ihre Körper. Die Tiere lagen zwischen den Trieben des Gemeinen Brunnenmoos und „hüpften“ von Muschel zu Muschel einer großen Zebramuschelkolonie. Bei der geringsten Gefahr verschwanden sie blitzschnell in den zahllosen Versteckmöglichkeiten. Vorsichtig banne ich sie auf den Chip meiner Unterwasserkamera.

Juvenile Exemplare Marmorgrundel

Daheim am PC begann ich die Bilder zu sichten und auszuwerten. Meine Recherchen bestätigen mir den Fund der Marmorierten Süßwassergrundel, einem Neubürger in unseren Gewässern. Ein unverwechselbares Merkmal dieser Grundelart ist die röhrenartige Verlängerung ihrer Nasenlöcher, weswegen sie auch Nasengrundel genannt wird. Ihr massenhaftes Erscheinen, ich zählte 20 – 30 Exemplare pro Quadratmeter,  sorgte mich. Werden sie sich fest etablieren? Welche Auswirkungen werden das Ankommen der Grundeln auf die heimische Fischfauna haben? Meine Entdeckung teilte ich mit dem lokalen Fischer und dem Institut für Binnenfischerei in Potsdam.

Noch viele Male bis in den Herbst hinein besuche ich meine Fundstelle und beobachte die Fische. Sie fühlen sich augenscheinlich wohl. Die Marmorgrundel erreicht eine Länge von 12-15 Zentimetern, demnach muss es sich bei diesen kleinen Tieren um Jungtiere handeln. Adulte Tiere finde ich nicht. Der Kalksee gehört zur Bundeswasserstrasse „Rüdersdorfer Gewässer“ und wird stark von Lastkähnen für die ansässige Baustoffindustrie beschifft. Eine wahrscheinliche Erklärung für den Eintrag dieser fremden Art. Ab einer Wassertemperatur von 12 Grad Ende November verschwinden die Grundeln. Sie werden sich für die Winterruhe zurück gezogen haben.

Neozoen im Tauchrevier

Im April dieses Jahres (2017), es ist Zanderlaichzeit, tauche ich erneut hinab auf den Grund des Kalksees. Werden die Marmorgrundeln den Winter überdauert haben? Die Zander sind aufgestiegen, vier Wochen früher als im letzten Jahr. Die Nester werden hergerichtet und in den nächsten zwei Tagen erfolgt die Eiablage. Drei Wochen werden die Männchen die Brutpflege und Nestwacht übernehmen. Die Wassertemperatur beträgt 10 Grad. Marmorgrundeln kann ich nicht entdecken. Mitte April zeigen sich dann die ersten Tiere. Der Winter und die lange geschlossene Eisdecke konnten der aus dem kaspischen Raum beheimateten Grundel nichts anhaben. Alle zwei Tage steige ich ins Wasser, um die Zander zu studieren. Mit jedem Tauchgang wächst die Anzahl der gesichteten Marmorgrundeln. Es bleiben weiterhin Jungtiersichtungen.

Marmorierte Süßwassergrundel (Proterorhinus semilunaris)

Sedimentwolken stieben aus einer kleinen Öffnung einer Muschelformation. Meine Aufmerksamkeit war geweckt. In der Nebelwolke erkenne ich eine graublaue Flosse. Für die bisher entdeckten Marmorgrundeln viel zu groß. Sie verschwindet blitzartig und weitere Sedimentwolken treten hervor. Irgendetwas passiert im Inneren der Formation. Meine Kamera im Anschlag warte ich. Dann ein Kopf, zwei Köpfe … Die gut zu erkennenden Nasenröhren verraten Marmorgrundeln. Doch diese Exemplare sind viel größer. Es müssen adulte Tiere sein. Jetzt treten beide Tiere aus dem Versteck und liefern sich einen erbitterten Kampf. Immer wieder attackieren sie einander, um sich dann mit ihren Mäulern zu verbeißen. Was für ein Schauspiel. Für ein Paarungsritual erscheint mir die Auseinandersetzung zu martialisch. Ich vermute einen Revierkampf unter ausgewachsenen Männchen.

Revierkampf zweier Marmorgrundeln

 

So konnte ich nun die ersten erwachsenen Exemplare der Marmorierten Süßwassergrundel in einem unserer Brandenburger Seen entdecken. Sind die Neozoen angekommen?

Diese am Grund lebenden Fische mit ihrem großen Kopf, den riesigen Brustflossen, dem grau-blau-rot marmorierten Schuppenkleid und der orangeleuchtenden Rückenflosse sind schön anzuschauen. Man kann sie für ihr Dasein nicht verdammen. Werden heimische Fische eine erfolgreiche Strategie im Umgang mit den Räubern entwickeln? Dass diese den Laich jetzt im Frühjahr nicht verschmähen, konnte ich bereits beobachten. Im Schutz der Zebramuscheln schaffen sie es sogar in das Gelege eines Zanders um sich an den „Trauben“ zu laben. Heimische Räuber wie Quappe und Zander sollen jedoch bereits kulinarisches Gefallen an den Grundeln gefunden haben.

Laichräuber Marmorgrundel

Meine Neugier ist geweckt und ich werde die Entwicklung der Population im Kalksee weiter beobachten.

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Zander

Zander (Sander lucioperca)

Ein weiterer Jäger in unseren einheimischen Tauchrevieren ist der Zander, der zu den Barschartigen zählt. Sein Vorkommen ist weit verbreitet. Er ist sowohl in Fließ- als auch Standgewässern anzutreffen und beansprucht ebenso das Brackwasser der Ostsee.

Beobachtung im Kalksee

Die Zugehörigkeit zu der Familie der Barsche ist dem Zander durchaus anzusehen. Seine beiden Rückenflossen sind ebenso mit Stachel- und Gliederstrahlen durchzogen, sein langestreckter, braungrüner Körper mit Streifenmuster überzogen. Das große, mit spitzen Fangzähnen besetzte Maul ist eine typisches Raubfischmerkmal.

Wie für viele andere Fische gibt es auch für den Zander andere regionaltypische Bezeichnungen wie Sander, Hechtbarsch, Schill oder Fogasch.

Der Zander mit seinem guten Hör- und Sehvermögen bervorzugt das tiefere Wasser und kommt zur Paarung und Eiablage in flachere Bereiche. Für uns Taucher ist es die beste Zeit für Zanderbeobachtungen. Insbesondere die für die Brutpflege zuständigen Männchen können dann standorttreu bei der Bewachung ihres Geleges, einer mit tausenden Eieren gefüllten, kleinen Sand- oder Kiesgrube, sehr gut beobachtet werden. Respektvoller Abstand ist hier geboten. So manch Trockenhandschuh wurde bei Nichtbeachtung schon perforiert.

Zander bei der Brutwache

Beobachtung im Straussee

Ca. 2 Wochen dauert es bis zum Schlupf der kleinen Larven, die sich vorerst vom Dottersack ernähren und dann raubfischgerecht auf Zooplankton und andere Brut Jagd machen.

Mit seiner mittleren Größe von ca. einem halben Meter jagt der Zander bevorzugt Weißfische wie Plötze, Rotfeder, Güster und Ukelei. Aber auch Exemplare >1m erfreuten insbesondere den einen oder anderen Angler. Der Zander ist ein sehr beliebter Speisefisch.

Zander im Tauchrevier Deutschland


Zanderbeobachtungen

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Steinbeißer, Dorngrundel

Steinbeißer (Cobitis taenia)

Die erste Begegnung mit diesem außergewöhnlichen Bewohner unserer heimischen Gewässer war zugegebenermaßen rein zufällig und überraschend. Seit einigen Jahren streife ich mit meiner Kamera leidenschaftlich durch die Unterwasserwelt Deutschlands und bin bis heute fasziniert über die Vielfalt und Schönheit dieser einmaligen Flora und Fauna. Brandenburg mit seinen über 3000 Seen bietet mir alle Möglichkeiten, diese Leidenschaft auszuleben.

Während ich über einen Pflanzenteppich aus verschiedenen Armleuchteralgen schwebe, glaube ich, im Augenwinkel meiner Tauchermaske am sandigen Grund eine Bewegung zu erkennen. Mein Blick richtet sich auf den hellen Sand, doch da war nichts außer eben diesem Sand. Eine kleine Sedimentwolke gibt mir dennoch die Gewissheit, nicht unter dem narkotischen Einfluss des eingeatmeten Stickstoffes zu fantasieren. Sicherlich ein kleiner Flussbarsch, der vor meinen lärmenden Atemluftblasen Reißaus genommen hat, denke ich mir und tauche weiter.

Lebensraum Sand

Und wieder. Jetzt nehme ich mir die Zeit und scanne den Seegrund. Das Auge gewöhnt sich an die kleinen Dinge am Boden. Wassermilben und Wasserflöhe tanzen im klaren Wasser. Das reichlich vorhandene Zooplankton  wird nicht die Ursache meiner uneingeschränkten Aufmerksamkeit gewesen sein. Ich schaue zwischen den Sprossen der angrenzenden Makrophyten. Was ist das?

Beobachtungen in heimischen Seen

Ein länglich gelber Körper mit einem kunstvollen Muster aus braunen Flecken liegt bäuchlings zwischen den Pflanzen auf dem Sand, nicht größer als 6 cm. Auf der einen Seite ein spitz zulaufender Kopf mit schwarzem Knopfauge, auf der anderen Seite eine große, gestreifte Schwanzflosse. In der Mitte des Körpers hat sich eine nicht zu übersehende Rückenflosse aufgestellt. Ein Fisch, aber kein mir bis dato Bekannter. Hecht, Schlei, Flussbarsch, Rotauge und Rotfeder als häufige Vertreter unserer heimischen Fauna durfte ich bereits mehrfach in unseren Seen in ihrem natürlichen Habitat beobachten, aber diesen vor meiner Maske liegenden Vertreter kenne ich nicht.

Auf Augenhöhe mit Dorngrundeln

Ein Beweisfoto muss her. Noch ehe ich meine Kamera in Position gebracht habe, bohrt sich der scheue Fisch mit zappelnden Bewegungen in den weichen Sand und ist verschwunden. Dieses Verhalten erklärt meine vorherige, erfolglose Suche. Meine Recherchen bestätigten meine erste Begegnung mit einem Steinbeißer. Mittlerweile kenne ich einige Lebensräume dieser standorttreuen und anspruchsvollen Fische in unseren Seen und besuche sie von Zeit zu Zeit mit meiner Kamera.

Wenn mich Freunde und Bekannte fragen, was man denn alles in unseren heimischen Gewässern sieht, ich dann vom kleinen Steinbeißer schwärme, begegnet mir in der Regel Verwunderung. Angler erwidern gern, dass der Steinbeißer im Atlantik vorkommt und ein delikater Speisefisch ist, meinen dabei jedoch den gefleckten oder gestreiften Seewolf, der zum heimischen Namensvetter nicht verschiedener sein kann.

Der Steinbeißer, auch als Dorngrundel oder Steinpicker bekannt, gehört zu den Schmerlen mit ihrem typischen, unterständigen und bartelbesetzten Maul. Mit diesem für den Lebensraum Sand perfekt angepasstem Werkzeug saugen sie den Sand regelrecht auf („beißen in den Stein“), filtrieren alles Zoobenthos (im Boden lebende Organismen) und stoßen Unverwertbares über die Kiemen sofort wieder aus. Auch wenn die Tiere als nachtaktiv beschrieben werden, konnte ich dieses Fressverhalten mehrfach tagsüber beobachten. Vielleicht lässt diese Art der Nahrungssuche und –aufnahme diesen kleinen Fisch mit einer Maximallänge von 10 -12 cm deshalb zu den Karpfenartigen zählen.

Steinbeißer, Dorngrundel, Schmerle

Zahlreiche Verhaltensbeobachtungen und ein vorsichtiges Tauchen erlauben mir nunmehr ein detailtreues Ablichten dieser scheuen Fische. Erst diese Nahaufnahmen machen die kleinen Details wie die sechs sensitiven Barteln oder die der Verteidigung dienenden, ausklappbaren Dornen unter den Augen sichtbar. Die meiste Zeit verbringen die Steinbeißer im Sand vergraben. Allein das oberhalb am Kopf sitzende Augenpaar wacht. Eine ziemliche Herausforderung, diese wunderschönen Vertreter unserer artenreichen Fischfauna in diesem Zustand aufzuspüren.

Steinbeißer zählen zu den geschützten Tieren und finden eine Nennung in der Europäischen FFH-Richtlinie. Sie sind Indikatoren für saubere und gesunde Gewässer und benötigen ausgiebige Sandflächen frei von Verunreinigungen. Insofern wundert es mich nicht mehr, dass ich einige Steinbeißer-Populationen in unmittelbarer Nähe von Badestränden finden konnte, wo der Sand mehrfach umgewälzt wird.

Geschützte Fische im unseren Seen

Die in „Kolonien“ lebenden, kleinen Fische warten mit weiteren Besonderheiten auf, die sie zu wahren Überlebenskünstlern machen. Die Verwertung von Sauerstoff im Darm, sogenannte Darmatmung, ermöglicht dem Steinbeißer das Überdauern von sauerstoffarmen Phasen im Wasser. Die filigranen, mehrreihigen Muster auf der mit sehr kleinen Schuppen besetzten Fischhaut unterscheiden die einzelnen Individuen ähnlich einem menschlichen Fingerabdruck.

Darmatmung und Jungferngeburt

Wie bei den meisten Lebewesen unserer Region steht der Frühling auch bei den Steinbeißern ganz im Zeichen der Reproduktion. Die von den Weibchen abgelegten Eier werden von den Männchen unmittelbar besamt und entlassen die Larven nach nur gut einer Woche. Mangelt es an Männchen, besitzt das Steinbeißer-Weibchen die Fähigkeit einer Jungferngeburt. Das Paarungsverhalten dieser Fischart ist mir allerdings bisher verborgen geblieben.

Wunderbare Unterwasserwelt

Das gewonnene Wissen über das Verhalten und die beanspruchten Lebensräume dieser kleinen Fische lässt mich achtsamer und aufmerksamer durch die Unterwasserwelt gleiten. Für mich zählen die Steinbeißer zu den schönsten und interessantesten Fischen in unseren heimischen Gewässern und ich freue mich auf noch zahlreiche Begegnungen in lebendigen Seen.

Wo seid ihr diesem Fisch begegnet?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

Text erschienen: "Natur Erleben" 04/2016 & "Fischwaid" 01/2017

 

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Sumpfdeckelschnecke (Viviparidae)

Sumpfdeckelschnecke (Viviparidae)

Sumpfdeckelschnecken zählen zu den größten Süßwasserschnecken in unserem Tauchrevier Deutschland.

Ihr dickwandiges, braunschwarzes/braungrünes Haus kann bei 6 Windungen bis auf eine Größe von 5 cm heranwachsen. Das Gehäuse ist meistens dunkelbraun gebändert, was aber durch Bewuchs und Ablagerungen nicht immer zu erkennen ist. Namensgebend besitzen die Sumpfdeckelschnecken am Fuß einen Deckel mit dem sie ihr Gehäuse fest verschließen können.

Die Tiere sind in unseren einheimischen Gewässern recht verbreitet und meist am Grund des Gewässers zu finden, wo sie sich auch eingraben.

Sumpfdeckelschnecken ernähren sich von zerfallenem, organischem Material (Detritus), sie weiden die Algen vom Grund und sind ebenso in der Lage Plankton zu filtern.

Getrennt geschlechtlich und lebend gebärend

Sumpfdeckelschnecken (Viviparidae), Weibchen, Männchen

Sind die meisten unserer Süßwasserschnecken Zwitter, so ist die Sumpfdeckelschnecke getrennt geschlechtlich. Man kann die Männchen und Weibchen recht gut an ihren Fühlern unterscheiden. Während das Weibchen zwei gleich lange, schlanke Fühler besitzt, so ist der rechte Fühler bei den Männchen verdickt und wesentlich kürzer. Er enthält das Begattungsorgan.

Eine weitere Besonderheit dieser Schneckenart, sie sind lebend gebärend. Die vielen gallertartigen Eigelege an den Wasserpflanzen im Frühjahr stammen also auf keinen Fall von der Sumpfdeckelschnecke, sondern meist von den Schlammschnecken. Die Jungtiere sind bei der Geburt etwa einen halben Zentimeter groß und voll entwickelt.

 

Paarung der Sumpfdeckelschnecken

Ende März, Anfang April machen sich die Männchen auf den Weg und suchen ein Weibchen. Es ist Paarungszeit bei den Schnecken. Haben sie sich gefunden, führt das Männchen das Begattungsorgan in die weibliche Geschlechtsöffnung und übergibt die Spermien. Der Nachwuchs wächst im Mutterleib heran und wird fertig entwickelt (ca. einen halben Zentimeter groß) in das Wasser entlassen. Ich find’s immer wieder spannend.

Sumpfdeckelschnecken im Tauchrevier Deutschland

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Kaulbarsch, Rotzbarsch

Kaulbarsch (Gymnocephalus cernua)

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als Kind den Kaulbarsch beim Angeln verflucht zu haben. Die kleinen Biester haben immer die Würmer abgefressen und waren eher Beifang.

Wenn ich mir die Räuber allerdings heute so bei meinen Tauchgängen in ihrem natürlichen Habitat anschaue, so sind es schöne Fische mit einer ganz filigranen Zeichung. Meist scheinen sie gläsern mit kunstvollen Mustern und Schattierungen. Der Kiemendeckel endet in einem Dorn, den die kleinen Kinderhände beim Angeln schon häufig zu spüren bekamen.

Kaulbarsche im Tauchrevier Deutschland

Die kleinen Barsche leben in eher tieferen Wasserschichten in kleinen Gruppen, insbesondere, wenn sie das Gewässer mit ihren Brüdern den Flußbarschen teilen müssen (was eigentlich immer der Fall ist :-)). Sie mögen Brackwasser und sind daher auch an Flußmündungen anzutreffen. Dank ihres ausgesprochen guten Seitenlinienorgans können sie sehr gut im Dunkeln jagen und sind somit eher nachtaktiv. Tagsüber findet man sie ruhend in kleinen Verstecken und man muss schon ganz genau hinschauen, um sie zu entdecken.

Die Kaulbarsche werden mit etwas 15-20cm nicht sehr groß und zählen auch nicht unbedingt zu den beliebten Speisefischen. Laichzeit ist wie bei ihren größeren Verwandten im Frühjahr (April/Mai). Die gelblich-weißen Eier werden in Schnüren oder Klumpen meist an Steinen ausgelegt. Selbst habe ich noch keinen Kaulbarschlaich unter Wasser sehen können.

Die kleinen Räuber bekommen leider nicht immer die Aufmerksamkeit, die sie allemal verdienen. Tauchen in Deutschland. Kaulbarsche im Tauchrevier Deutschland.

Beobachtungen in heimischen Seen

Kaulbarsch, Rotzbarsch

Kennt Ihr den Kaulbarsch?

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Tauchen im Bergbausee

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Kontakt:

Mario Merkel, Tauchrevier Deutschland

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