Tauchrevier Deutschland im Interview mit "Der Taucherblog"

Tauchen im Bisophärenreservat

08.10.2017, Tauchen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Brandenburg ist wunderschön, zu jeder Jahreszeit. Das muss ich immer wieder feststellen. Brandenburg ist reich an Seen. Wir Taucher sollten der Eiszeit ein Denkmal setzen. Wirklich zahllose kleine und große Seen reihen sich in Rinnen, liegen in enger Nachbarschaft und entfalten ihre Schönheit inmitten stattlicher Wälder.

Und dies trübt auch ein wenig das Taucherherz. Ist das Brandenburger Wassergesetz in Bezug auf das Tauchen mit Gerät durchaus liberal, so kennt das Brandenburger Waldgesetz keine Gnade. Zufahrten, um das schwere Tauchgerödel an den See zu bringen sind eher Fehlanzeige.  Ausgewiesene Landschaftsschutzgebiete wie das „Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin“ und Naturschutzgebiete  wie das Weltkulturerbe „Grumsiner Forst“ verschärfen die Situation. Man muss sich gut informieren.

Seen im Biosphärenreservat

 

Die Seenlandschaft ist riesig, hier seien stellvertretend der Grimmnitzsee, Dovinsee,  Grumsinsee, Gladbecker See,  Wolletzsee,  Peetzigsee und der Redernswalder See genannt. Erkundungen vor Ort in einmaliger Landschaft liefern wertvolle Informationen für einen möglichen Tauchgang. Erzählungen heimischer Uckermärker und Barnimer runden das Bild ab. Da ist von Schätzen die Rede, altem Kriegsgerät und Tiefenangaben von über 70 Metern. Abenteuerlich.

So manche Schönheit entpuppt sich allerdings als wirkliche Enttäuschung. Pflanzenlos, fischleer, ja beinah leblos zeigt sich eine enttäuschende Unterwasserwelt. Die Ursachen sind sicher vielfältig und die Einflüsse vielschichtig.  Doch es gibt sie noch, lebendige und gesunde Seen, wahre Perlen. So zeigte sich auch unser heutiges Tauchrevier, dessen Namen ich bewusst nicht nennen möchte.

Schöne Unterwasserwelt

 

Nach dem Unwetter „Xavier“, der dem alten Buchenbestand ziemlich zusetzte, und dem anhaltenden Regen scheint die Sonne wie lange nicht. Die Herbstfärbung des Laubes der säumenden Bäume leuchtet in ihrem Schein. Es ist wundervoll, hier am Ufer des Sees zu stehen. Und noch mehr freuen wir uns den Kopf unter die Wasseroberfläche zu stecken.

Unter leuchtenden, neugierigen Blicken vielleicht zukünftiger Taucher stapfen wir in den See und machen die letzten Handgriffe. Check und Gluckgluck. Das Wasser ist grün geschwängert und hat Sichtweiten von 3-4 Meter. Sofort tauchen wir in eine artenreiche Pflanzenwelt ein. Schön und prächtig, doch bereits herbstlich geprägt. Wasserschlauch, Laichkraut, Raues Hornblatt, Hahnenfuß und Tausendblatt gehen mit zunehmender Tiefe in Wasserpest und Grünalgen über.  Abgestorbene Biomasse vergangener Jahre wabern am Grund und geben keinen Halt für Muscheln. Zahllose Spuren des wandernden Flusskrebses sind schnell ausgemacht. Ist hier vielleicht noch ein Edelkrebs Zuhause?

Flora und Fauna im Herbst

 

Nach einigem Suchen entdecke ich den ersten Krebs, die kastanienbraunen Abdomen verraten den invasiven Kamberkrebs. Also auch hier. Mit nur wenigen Bewegungen ist er ganz im Schlamm versunken. Vereinzelt huschen kleine Flussbarsche im Schein der Lampe. Wir drehen eine ausgiebige Runde im See, um dann an das Ufer für den Rückweg zurückzukehren.

Kamberkrebs, Teichmuschel und Hecht

 

Felder von Hornblättrigen Armleuchteralgen zeigen das nahende Ufer an. Immer wieder bin ich von einer derartigen Pracht begeistert. Die kleinen Lauerjäger finden ideale Bedingungen, um den kleinen Plötzen und Barschen nachzustellen. Wundervoll. Ebenso imposant sind die zum Licht ragenden Triebe des Gewöhnlichen Wasserschlauchs, einem Fleischfresser (Karnivore). Unzählige Fangblasen sammeln das Zooplankton und decken zusätzlich den Nährstoffbedarf.

Gewöhnlicher Wasserschlauch (Utricularia vulgaris)

Eine wirklich beeindruckende Unterwasserlandschaft. Abgerundet wird das prächtige Erscheinungsbild durch Wiesen von Nixenkraut. Süßwasserschwämme klammern sich an den Halmen des Röhrichts. Es gibt endlos zu entdecken. Und so wundert es nicht, dass die Uhr schon eine Tauchzeit von gut 100 Minuten anzeigt. So langsam dringen 14 Grad Wassertemperatur durch und wir entsteigen mit einem Lächeln dem wunderschönen See.

Unterwasserimpressionen eines heimischen Sees

 

Die Sachen sind schnell verstaut und wir verabschieden uns zu neuen Tauchabenteuern im Tauchrevier Deutschland.

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2017 Tauchen im Groß Glienicker See

24.06.2017, Groß Glienicker See (Berlin/Brandenburg)

Manche Entscheidungen für ein Tauchziel werden spontan getroffen. Während ich an der östlichen Peripherie der Bundeshauptstadt Berlin zu Hause bin, liegt am genau anderen Ende der großen Stadt der Groß Glienicker See. Und mir scheint, ich bin der einzige Taucher der Umgebung, der noch nicht den Kopf in dieses Nass gesteckt hat. So erntete ich auch ein ungläubiges Kopfschütteln von meinem Buddy Fred, als ich ihn bat, mir doch einmal diesen für ihn längst nicht unbekannten See zu zeigen.  Mit der Aussage: “Reist in der ganzen Welt rum und kennt nicht die Nahziele.“, willigte er schliesslich ein.

Der Groß Glienicker See, ein eiszeitliches Relikt und Bestandteil der großen glazialen Rinne aus Sacrower See und Heilige See bildet in seiner Nord-Süd-Ausrichtung die Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg. Das Westufer gehört zum namensgebenden Ortsteil Groß Glienicke Potsdams, während das Ostufer dem Stadtteil Kladow von Spandau zugeschrieben wird. Zu Zeiten des geteilten Deutschlands verlief am Westufer die Grenzmauer zwischen der DDR und West-Berlin. Der See war somit nur den West-Berlinern zugänglich.

Tauchen im Groß Glienicker See

Auf der Berliner Seite befinden sich auch die bekannten und beliebten Taucheinstiege wie „Pferdekoppel“ und „Badestelle Moorloch“, unserem heutigen Einstieg. Während die Sonne heute Urlaub macht, treffen wir uns 9 Uhr an der Badestelle. Einige Tauchschulen und Tauchschüler schlugen bereits ihr Lager auf. Unsere beiden Autos schlossen die letzten Lücken der knappen Parkplätze.

Da stehe ich nun, bereit für den Abstieg in mein erstes Berliner Tauchgewässer. Kaum zu glauben, dabei hat die Hauptstadt einiges vorzuweisen. Entspannt schreiten wir über die Badewiese und schauen auf das Grau der im Wasser sich spiegelnden Wolken. Der sandige Strand fällt flach ab. Zusammengeharkte Haufen von welkem Hornblatt deuten auf ein eher mesotrophes Gewässer. Fred gibt mir ein paar Infos zum Tauchplatz. Wie immer werden sich unsere Wege unter Wasser trennen.

Makrophyten im Groß Glienicker See

Ohne Hektik steigen wir in die Anzüge und Ausrüstung und stehen bis zum Bauch im See. Der Strand beginnt sich zu füllen und die Retter vom benachbarten DLRG nehmen ihre Arbeit auf. Graugänse schimpfen lauthals über das schlechte Wetter. Letzte Hinweise, ein Check und wir sind abgetaucht.

Der sandige Strand geht ab einer Tiefe, in der die Füße der Badenden nicht mehr den Boden reichen, in eine Pflanzenzone über. Raues Hornblatt soweit das Auge reicht. Quälen sich anfänglich noch Halme Zerbrechlicher Armleuchteralgen und Tausendblatt durch das Dickicht, bestimmen nach wenigen Flossenschlägen die Hornblattgewächse das Bild des nährstoffreichen Sees. Die Sicht ist stark getrübt, nicht mehr als 2 Meter.

Ich schlage den Kurs West in Richtung Seemitte ein. Sedimentwolken lassen mich innehalten. Meist sind die Verursacher schnell ausgemacht. Zwei Schleien (Tinca tinca) sind auf Nahrungssuche. Sie stellen sich dabei mit der mächtigen Schwanzflosse auf, drücken ihr kräftiges, bartelbesetztes Maul in den Boden und stützen sich dabei mit den Brustflossen ab. Sie scheinen Taucher gewöhnt und lassen sich von mir nicht wesentlich stören. Schlechte Sicht, aufgewühlte Sedimente und nicht stillhaltende Fotomodelle machen ein Fotografieren nicht einfach. Ich ziehe weiter.

Schlei (Tinca tinca)

Hornblatt, Hornblatt und Hornblatt. Ihr dichter Wuchs erlaubt keinen Blick auf den Boden. Manchmal erscheinen dunkle Schatten vor der Maske, Hinweise auf Strukturen oder Gegenstände. Doch auch diese Gebilde sind Hornblätter. Der durch die Photosynthese produzierte Sauerstoff verfängt sich im dichten Blattwerk der Unterwasserpflanzen, erzeugt Auftrieb und reist so ganze Areale aus dem Boden, die wie kleine Inseln aufschwämmen und gute Versteckmöglichkeiten für Jungfisch wie Plötzen und Flussbarsche bilden. Ich bin gut 30 Minuten auf Kurs und in einer Tiefe von 7 Metern endet der mächtige Pflanzengürtel. Der braune Seegrund, eine dicke wabernde Schicht aus absterbender Biomasse bietet keinen Lebensraum für Schnecken und Muscheln.

Dominierendes Raues Hornblatt

Ich ändere meinen Kurs und drehe auf Nordost ab. Schnell erreiche ich wieder die Pflanzenzone. In Ufernähe begegnen mir die üblichen Vertreter von Weißfischen. Ein Amerikanischer Kamberkrebs hat seine Mühe in dem Krautdickicht. Zwei Schleien kreuzen meinen Weg. Viel mehr bekomme ich heute nicht mehr vor die Maske. Nach 90 Minuten steige aus dem See.

Fred wartet bereits am Auto und kann nicht verstehen, was man bei solchen Bedingungen so lange im Wasser macht. Youtube-Videos vom Groß Glienicker See beweisen, der See kann auch anders. Meine Tauchgänge bestätigen immer wieder, heimische Gewässer muss man entdecken und erkunden, dann geben sie auch ihre Schönheiten preis. Ich werde sicherlich wiederkommen.

Unterwasserwelt Groß Glienicker See

Populäre Tauchplätze wie dieser lassen den See zu einem Tauchertreff werden. Und so wundert es nicht, dass wir bekannte Gesichter treffen und klönen. Vor wenigen Monaten hat am DLRG-Badestrand die Tauchzentrale Berlin eine Tauchbasis eröffnet. Für mich eine gute Gelegenheit, mal vorbeizuschauen. Wer auf Basisinfrastruktur angewiesen ist und Geselligkeit sucht, findet hier eine kleine Oase mit wenigen Schritten zum See.

Tauchzentrale Berlin Tauchbasis

Den Tauchausflug in die Hauptstadt Berlin lassen wir mit einem leckeren Bierchen und Bratkartoffeln in benachbarter Gastronomie entspannt ausklingen. Ein Tag wie er mir gefällt.

Kennt ihr den Groß Glienicker See?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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2017 Tauchen in der Spree

15.06.2017, Die Spree (Brandenburg)

Die Spree, Nebenfluss der Havel . Drei Quellen im Lausitzer Bergland bilden den Ursprung des Flusses im schönen Sachsen. Mit einer Gesamtlänge von 400 Kilometern schlängelt sie sich durch die Bundesländer Sachsen, Berlin und Brandenburg.

Gestern erhielt ich von Micco und Werner, guten Tauchfreunden des TC Strausberg und TSC Marzahn, eine Anfrage für einen gemeinsamen Tauchgang der besonderen Art, Tauchen in der Spree. Geplant war eigentlich ein schöner Trimix-Tauchgang im Steinbruch Wildschütz vom Volker Buder. Eine Autopanne meines Buddies machte uns allerdings einen Strich durch die Rechnung und so zögerte ich keine Sekunde, dem Abenteuer Flusstauchen zuzusagen.

Tauchen in der Spree

Im Müggelspree-Löcknitzer Wald- und Seengebiet mäandert die Spree oberhalb des Oder-Havel-Kanals in einer atemberaubenden, naturbelassenen Landschaft bevor sie in den Dämeritzsee mündet. Das Reich von Biber, Eisvogel, Ringelnatter, Rohrsänger und vielen anderen. Die Sonne malt eine unglaublich schöne Kulisse. Wir sind Gäste.

Meine beiden, erfahrenen Buddies wählen für unseren Tauchgang einen Flussabschnitt von ca. einem  Kilometer in der Gemeinde Grünheide (Brandenburg). Bevor man sich freudig in die Fluten stürzt, sollte man für sich ein paar Fragen beantworten. Wo steigen wir ein und vor allem wo wieder aus? Wie erkenne ich den Ausstieg? Wo parken die Autos und wie komme ich zum Ein- bzw. Ausstieg? Wir entscheiden uns für ein Basislager am Ausstieg, einem Wanderrastplatz kurz hinter einer kleinen Brücke, einem markanten Merkmal.

Abenteuer Flusstauchen

Noch einmal begutachten wir den Flusslauf und unseren Ausstiegspunkt. Das Wasser funkelt einladend unter dem strahlend blauen Himmel. Stattliche Döbel lauern in der Strömung auf eine Mahlzeit, Schwärme von Plötzen und Ukeleien ziehen unentwegt ihre Kreise und Steinbeißer baden im Sand am flachen Ufer des Flusses Spree. Wir freuen uns auf das Abenteuer „Flusstauchen“.

Komplett angerödelt fahren wir vom Basislager zum oberhalb gelegenen Einstieg. Der Pegelstand mit 1,20 Meter nicht der Höchste. Während des Tauchganges werden wir eine maximale Tiefe von 3,5 Meter erreichen. Die Strömung variiert entsprechend Flusslauf und Tiefe. Wir gehen von einer 45-minütigen Drift aus. Unter den Augen von neugierigen Radwanderern steigen wir in den Fluss und tauchen ab.

Unterwasserwelt Spree

In Richtung Flussmitte nehmen wir Fahrt auf. Die Sicht schätze ich auf 2 Meter. Von gigantischen Wallern in der Spree ist die Rede. Da wir diese in den Überhängen der Uferbereiche vermuten,  steuern wir immer wieder in diese Bereiche. Es macht Spaß und ist mit Kamera und Lampe in der Hand schon ein wenig herausfordernd. Besonders, wenn man glaubt, etwas entdeckt zu haben und auf der Stelle weilen möchte.

Buchten im Uferbereich beruhigen das Wasser, ja es steht beinah. Hier trifft man auf viel Weißfisch wie Plötze und Ukelei zwischen Teichrose, Igelkolben und Laichkraut. Auch der Flussbarsch ist häufig in der Spree anzutreffen. Allein der Europäische Wels zeigt sich nicht. In jede dunkle Bucht halte ich meine Lampe in der Hoffnung auf weiße, verräterische Barteln und festige mich, ob eines riesigen Mauls nicht zu erschrecken. Ein junger Hecht steht im Kraut und hält gegen die leichte Strömung an. Unterwasserfotografie im strömenden Wasser.

Begegnungen in der Spree

Von Beginn an bin ich überrascht über das Vorhandensein von Süßwasserschwämmen am Grund des Flusses. Festsitzend auf dem Kiesbett besiedeln sie große Flächen korallengleich und trotzen dem Strom. Wie schaffen sie es nur, ihr Kieselsäureskelett unter diesen Bedingungen zu bauen. Selbst kleine Finger bilden sie aus und zeigen in Fließrichtung. Ich bin wirklich beeindruckt und vergesse die Waller.

Bereits 60 Minuten treiben wir in der Spree. Den Schatten einer Brücke konnte ich bisher noch nicht ausmachen. Sind wir schon hindurch? Bin ich am Ausstieg vorbei? Die Drift und die Sicht haben uns auseinandergetrieben. So war aber auch der Plan, bei zwei Kameraleuten unausweichlich. Ich stecke den Kopf aus dem Wasser. Keine Brücke. Der Fluss wird gesäumt von wilden, naturbelassenen Ufern. Keine Chance für einen Ausstieg.  Vielleicht hinter der nächsten Biegung. Ich tauche wieder ab.

Flora und Fauna in der Spree

Die Wasserpflanzen im Flussbett nehmen zu. Die langen Stiele und Blätter wiegen beinah horizontal in der Strömung der Spree. Ich lasse mich treiben und genieße. Es treibt mich ans Ufer. Der Fluss ändert seine Richtung. Und wieder. Zahllose Süßwasserschwämme von weißgelb bis algengrün. Im Uferbereich schichten sich Äste. Von Menschenhand? Oder ist es das Bauwerk des Flusses? Am Ende des Tages werde ich erfahren, dass es das Bauwerk eines Bibers ist. An jedem Ast heften Schwämme. Mit abnehmender Fließgeschwindigkeit bilden sie sich zu prächtigen Geweih-Süßwasserschwämmen aus. Wunderschön.

Geweih-Süßwasserschwämme in der Spree

Weitere 10 Minuten sind vergangen. Und keine Brücke. Erste Zweifel. Ich steige noch einmal auf.  Weit vorn am Ufer Leute. Ich rufe. Sind es meine Buddies? Badegäste, aber sie deuten mir, die Brücke liegt noch vor mir, ca. 500 Meter. Ich mag’s kaum glauben.  Nach über 90 Minuten haben wir letztendlich unseren Ausstieg dann doch gemeinsam erreicht.

„Solange haben wir noch nie gebraucht.“, erfahre ich von meinen Buddies. Zwischenzeitlich zweifelten auch sie und mussten sich unterwegs vergewissern, noch auf dem richtigen Weg zu sein. Den Herrscher der Unterwasserwelt, den Europäischen Wels, bekamen auch sie nicht vor die Maske. Wir steigen aus dem Wasser.

Tauchrevier Deutschland. Die Spree

Die Autos vom Einstieg werden zum Basislager zurück geführt und der tolle Tauchgang bei Bier und Bulette, Kaffee und Kuchen ausgiebig besprochen. Was für ein herrlicher Tag im Tauchrevier Deutschland. Vielen Dank Micco und Werner für das tolle Erlebnis, Tauchen in der Spree.

Flusstauchen. Schon mal gemacht?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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Categories: _Brandenburg

2017 Tauchen im Westbruch

12.04.2017, Westbruch (Sachsen)

Sachsen ist definitiv das Tauchrevier der gefluteten Steinbrüche. Unzählige, ehemalige Abbaustellen von Granit, Porphyr und Schiefer sind heute ideale Tummelplätze für Sport- und technische Taucher. Das Oberflächenwasser sammelt sich in dem gehauenen Stein und schafft einzigartige Landschaften und Lebensräume. Das tiefe Blau wartet nur darauf, erkundet zu werden.

Östlich von Leipzig hauten Bergleute Granitporphyr magmatischen Ursprungs aus dem Kohlenberg bei Beucha. Mit Aufgabe der Betriebsstätte holte sich die Natur zurück, was ihr gehört. Der sogenannte Westbruch ist heute ein weithin bekanntes Tauchrevier. Seit vielen Jahren betreibt Uwe Seidel die Tauchschule „Taucherparadies Sachsen“ in Brandis und ist Hausherr dieses idyllischen Kleinods. Ein Tauchgang steht schon lange auf meiner To-Dive-Liste.

Tauchen im Westbruch

Heute nun ist es soweit, ausgerechnet an einem Mittwoch, dem einzigen Ruhetag. Doch Uwe zögert nicht lange und sagt: „Kommt vorbei, ich bin da.“. Die Autobahninfrastruktur ist mittlerweile so gut ausgebaut,  A10-A9-A14-Abfahrt Naunhof und man fällt beinah ins Wasser. Nach gut 2 Stunden stehe ich an der mit einer Kette gesicherten Zufahrt zum Westbruch, auch Steinbruch Waldsteinberg genannt. Ich muss unbedingt einen ersten Blick wagen, bevor ich zu Uwe fahre. Nach nur wenigen Schritten stehe ich im Kessel am Ufer eines wunderbaren, einladenden Steinbruchsees. Die nackten, steilen Wände fallen in klares, blaues Wasser. Der Blick nach oben zeigt den Waldsaum und einen verhangenen, grauen Himmel. Ich freue mich auf den Tauchgang.

Steinbruch Waldsteinberg, Westbruch

Nur zwei Nebenstraßen weiter betreibt Uwe seine Tauchschule und –shop. Er heißt mich willkommen und führt mich in sein Reich. Mehrere Räume, gut gefüllt und sortiert mit Tauchequipment aller Art zeugen von einem langjährigen und erfahrenen Tauchbetrieb. Das Check-In ist schnell erledigt. Uwe nimmt sich ein wenig Zeit und erklärt mir anhand alter Fotos die Gegebenheiten des Steinbruchs während in HD-Qualität an der Wand ein großer Waller im Unterwasserwald seine Runden dreht. Ich muss dort jetzt hin.

Reste des Unterwasserwaldes

Zurück am Steinbruch nehme ich meinen Buddy in Empfang. Gut 190x120x20 Meter Wasserkörper gehören für den heutigen Tag uns allein. Das Leben ist schön. Lange schnacken ist nicht, wir wollen beide nur noch ins Wasser. Rödel, rödel, check und Platsch. Kaum den Kopf unter Wasser werden wir von einem Rudel Wasserscheine begrüßt. Sechs Spiegelkarpfen sehen nicht ihre ersten Taucher und sind regelrecht tiefenentspannt. Wir beginnen unseren Kurs linker Hand, so wie von Uwe empfohlen.

Spiegelkarpfen im Westbruch

Der Westbruch hat eine Tiefe von etwa 20 Metern, ein ehemals bewaldeter Absatz auf einer Tiefenlinie von 6-7 Metern zieht sich beinah um den ganzen See und ist wohl der meist betauchte Bereich im Bruch. Nach nur wenigen Flossenschlägen erscheint uns ein Taucherspielplatz. Telefonzelle, Porzellanschwein, Kunstfische, Hochbett und allerlei Klimbim dienen der Belustigung unter Wasser. Ich kann diesen Dingen immer noch nicht viel abgewinnen. Hat der Westbruch, wie sich zeigen soll, doch so viel „natürliche“ Formationen und Attraktionen zu bieten. Einen Ausbildungs- und Tarierparkour könnt‘ ich noch verstehen.

Taucherspielplatz im Westbruch

Wir tauchen weiter und erreichen die Reste des alten Wald- und Buschwerkes. Es macht Spaß hier auf Entdeckungsreise zu gehen. Immer mal einen Blick nach oben wagen, schadete noch nie. Und tatsächlich. An einem Felsvorsprung hinter einem toten Baum leuchten vier Kois. Das rot-weiße Schuppenkleid scheint gegenüber dem schlecht sehenden Wels kein Nachteil zu sein. Auch diese Karpfenfische sind an Taucher gewöhnt und verlassen den schützenden Bereich nur ungern. Immer wieder scanne ich den Grund, schaue zwischen den Gehölzen. Irgendwo muss doch der Herrscher des Steinbruches seine Ruhestatt haben. Fehlanzeige. Doch was ist das? Zwischen toten Kieferstämmen liegt ein kapitaler Hecht und döst. Er hat mich längst gesehen und  gehört. Die Kamera im Anschlag nähere ich mich ihm. Er bleibt entspannt. Gefahr geht von den schwarzen Blasenmachern nicht aus. Doch kein Wels in Sicht.

Weiss-rote Kois

Ab und an machen wir einen Abstecher in die Tiefe. Wir übertauchen die Abbruchkante und lassen uns auf 20 Meter sacken. Restlicht bis zum Grund des Westbruches. Gebrochener Fels und rostendes Eisen erscheinen vor den Masken. Der Kompass zeigt bereits die Kehrtwende an. Wir steigen höher und folgen dem Absatz. Ein Boot mit Besatzung, Motor und Flagge liegt auf der Klippe und droht abzustürzen. Fadenalgen hängen wie Vorhänge an der steilen Wand. Die letzten Erdkröten-Männchen erklimmen den nackten Fels zurück ans Licht. Und die ersten Flussbarsche setzen kunstvoll ihren Laich im Geäst der toten Bäume ab.

Der Westbruch unter Wasser

Eine Öffnung in einer geschichteten Wand zeigt uns den Einstieg, das Ende der Umrundung an. Dieser befindet sich nämlich direkt über der Pulverkammer des alten Steinbruches. Gut 100 Minuten unterwegs und noch keine Lust zum Aufstieg. Vorbei an den wühlenden Karpfen tauchen wir noch einmal hinein in das Wäldchen, der Wels muss doch irgendwo sein. Diesmal bleibt er der Gewinner. Diesmal.

Nach gut drei Stunden und schweren Herzens entsteigen wir dann doch dem sächsischen Nass. Ein schöner Tauchgang. Der Westbruch verdient es, noch einmal besucht zu werden. Schnell zu Uwe den Schlüssel abgegeben und dann mit vielen, neuen Eindrücken heimwärts. Ein wundervoller Tag im Tauchrevier Deutschland

Unterwegs im Westbruch

Wer kennt diesen Steinbruch?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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Categories: _Sachsen, UnterWasser

2017 Steinbruch Hohenerxleben

28.03.2017, Steinbruch Hohenerxleben (Sachsen-Anhalt)

Nicht nur die Natur bietet uns Tauchern ein reiches Angebot an Tauchgewässern. Zahllose Hinterlassenschaften menschlichen Schaffens und Streben haben sich über die Jahre zu regelrechten Tauchparadiesen entwickelt. Kiesgruben, Tagebaue und Bergwerke, gefüllt mit klarem Wasser und einer prächtigen Unterwasser Flora und Fauna laden zum Verweilen ein.

Eines dieser alten Relikte ist der Kalksteinbruch in Hohenerxleben, der das ehemalige Kalksteinwerk mit Wellenkalk zur Produktion von Baustoffen beschickte. Doch das ist längst Geschichte. Die Pumpen zur Entwässerung des Bruches stehen lange still. Die Natur schließt langsam und leise eine weitere tiefe Wunde.

Tauchen im Steinbruch Hohenerxleben

Der Frühling hat erst wenige Tage das Zepter in die Hand genommen und demonstriert eindrucksvoll seine unbändige Kraft. Im Schein der Sonne öffnet sich ein Meer aus Blüten wilder Kirschen. Knospen platzen regelrecht und geben das zarte Grün des ersten Blattwerkes frei. Wir schauen glückseelig in den Kessel auf das schimmernde Blau. Ein Rotmilan zieht seine Kreise. Es ist wundervoll.

Die alte Werksstraße führt uns zu Fuß gut 200 Meter hinab in den Steinbruch. Wir stehen am Rand der unteren Sohle und bestaunen das klare Wasser. Am Grund erstreckt sich ein flächendeckender Leuchteralgenteppich. Sonnenbadende Döbel ruhen unter der Wasseroberfläche. Die wassergefüllte Sohle ist mit 120 x 100 Metern im Ausmaß durchaus überschaubar. Aus Erzählungen weiß ich, dass das höher liegende Mundloch in der angrenzenden Steilwand zu Hochwasserzeiten geflutet und zu betauchen ist. Wir laufen den Steinbruch ab und bestaunen jede Kleinigkeit. Die Vorfreude auf den Tauchgang steigt. Was für ein Frühlingswetter.

Sonnenspiel im Silbersee

Nun in voller Montur und bepackt, schleppen wir uns erneut den Weg hinunter zum See, der auch Silbersee genannt wird. Ein lauter Platsch und wir sind in unserem Element. Sind wir das wirklich? Nichts scheint die Sicht zu trüben. Die Sonnenstrahlen brechen sich in den kleinen Wellen an der Oberfläche und geben ihre bunten Spektralfarben an die Unterwasserwelt ab. Den Armleuchteralgen scheint es zu gefallen. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht beginnen wir unser Tauchabenteuer.

Am Rand der Bruchkante im weißen Sand huschen kleine Fische bäuchlings hin und her. Meine ersten Gründlinge im Tauchrevier Deutschland. Ihr sandfarbener Körper mit grau-goldenem Fleckenmuster lässt sie am Grund verschwinden. Die beiden empfindsamen Barteln zeigen ihre Zugehörigkeit zu den Karpfenfischen an. Mit maximal 15 Zentimeter Länge sind es eher kleine Fische, meine Freude jedoch groß.

Gründlinge im Tauchrevier Deutschland

Immer wieder treffen wir auf Zeitzeugen der Baustoffindustrie, Gleisanlagen, Rohrleitungen, Kessel und am Ostufer eine kleine Förderanlage mit Schurre und Rütte. Der rostige Stahl leuchtet im Schein der Sonne rotbraun. Wir genießen das Tauchen in diesem Bruch und nehmen alles in Augenschein. Leider treffen wir auch auf neuzeitlichen Müll. Ich kann diese Unachtsamkeit und Bedenkenlosigkeit einfach nicht verstehen.

Relikte der Kalksteingewinnung

Neben Gründlingen begegnen wir wenigen Flussbarschen, Plötzen und Karauschen. Scheue Döbel sehen wir aus der Ferne. Ein etwas größerer Schwarm von wahrscheinlich Ukeleien zieht seine Kreise über die Armleuchteralgenwiesen. Weder Krebse noch Mollusken kann ich entdecken. Am Ende des Tauchganges werden wir noch mit einer großartigen Begegnung belohnt. Im Schutt des alten Pumpenhäuschens sehe ich die grauschwarze Schwanzspitze von Silurus glaris, dem Herrscher unserer Tauchreviere. Langsam nähere ich mich dem Räuber und kann am anderen Ende die langen Barteln des Kopfes entdecken. Der Blick in die stecknadelgroßen, blauen Augen des größten Räubers unserer Seen ist einzigartig. Entspannt lässt er die Knipserei über sich ergehen. Der Europäische Wels, ein eindrucksvoller Fisch.

Europäischer Wels, Silurus glanis

Nun haben wir für die Umrundung des überschaubaren Steinbruches doch gute 90 Minuten benötigt. Es gibt so viel zu entdecken. Und dass Tauchen im sonnengefluteten, klaren Wasser ist einfach überwältigend. Mit einer Bulette in der Hand schauen wir noch einmal hinab in das kleine Tauchparadies. Tauchen im Tauchrevier Sachsen-Anhalt.

Die Suche nach einem naheliegenden See für einen zweiten Tauchgang ist eine andere Geschichte.

Weitere Unterwasser-Impressionen Hohenerxleben

Kennt ihr diesen Steinbruch?

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Categories: _Sachsen-Anhalt, UnterWasser

2017 Eistauchen im Werbellinsee

16.02.2017, Werbellinsee (Brandenburg)

Das Thermometer klettert bereits in den einstelligen Plusbereich. Die knackige Kälte der letzten Wochen weicht milden Temperaturen. Der Werbellinsee ruht unter einer beinah geschlossenen Eisdecke. Wir nutzen den strahlenden Sonnenschein für ein vorerst letztes Eistauchen im Werbellinsee.

Märchenwiese, Voigtwiese, Badewiese, Holzablage, Kap Horn, Dornbusch – Eis, soweit das Auge reicht. In der Mitte des Sees spaziert ein Seeadler über das gefrorene Wasser. Kormoran und Höckerschwan sitzen das Problem einfach aus. Wir fahren nach Altenhof zum Anleger in der Hoffnung auf einen offenen Einstieg. Zahllose Blässrallen, Stockenten, Reiherenten und Schwäne strampeln und schnattern einen gut 20 Meter breiten Uferstreifen eisfrei. Entlang des Ostufers vorbei an der Alten Fischerei treffen wir auf weitere Wasservögel-Kolonien. Wir wollen die ohnehin aufgeregten Vögel nicht noch weiter mit unserem Unterwasserbesuch stressen und fahren zurück zum Dornbusch.

Werbellinsee im Winter

Der See funkelt in der Sonne. Das Eis knackt und ächzt. Wir freuen uns auf unseren Tauchgang. Doch vor dem Vergnügen steht die Arbeit. Zum Betreten ist das Eis zu schwach. Wir schlagen uns einen Einstieg in das 3 – 5 cm dicke Eis und schieben die berstenden Eisschollen unter die Eisdecke. Wir treiben eine Schneise bis wir brusttief im Wasser stehen. Bei guten +4 Grad wird dieser Einstieg während unseres Tauchganges auch nicht mehr zufrieren.

Eistauchen im Werbellinsee

Wir springen in unsere Anzüge und Ausrüstung. Die frühlingshaften Temperaturen lassen uns nach langer Zeit wieder einmal schwitzen. Und ab geht’s ins Wasser. Das eine Ende eines 30 Meter langen Seils ist schnell an einem Baum befestigt. Wir tauchen nach einem Check mit dem anderen Ende unter das Eis. An einer vereinbarten und markanten Stelle sichern wir das Seil mit einem Anker in einer Tiefe von 6 Metern am Grund des Sees. Hier werden wir auch unseren letzten Dekostopp absolvieren.

Nach einem letzten Bubblecheck geht es hinab zu einem historischen Zeitzeugen, dem Kaffenkahn am Dornbusch, vorbei an der kleinen Mergelkante auf 21 Meter, einer beliebten Gaswechsel-Station. Nach wenigen Minuten leuchtet die mahagoniefarbende Bugkaffe im Schein unserer Tanklampen. Geduldig warten Fluss– und Kaulbarsche im Schutz des Unterwasser-Denkmals auf den Frühling.

Winterruhe am Kaffenkahn

Im Inneren des Kaffenkahns werden wir von einer ausgewachsenen Quappe begrüßt. Sie ruht entspannt auf ihren kehlständigen Bauchflossen. Dieser Süßwasserdorsch mit seiner marmorierten Haut ist immer wieder toll anzuschauen. Über Maststuhl und Mast bewegen wir uns fliegend zur Kajüte. Der mittelgroße Waller döst gut versteckt und zieht nach einem Foto von dannen. Taucher und Licht ist nicht unbedingt sein Ding. Das große Ruder am Heck auf 36 Metern beeindruckt mich stets aufs Neue. Hier sehe ich in meinem Kopf den Steuermann stehen, wie er den vollbeladenen Lastensegler über den wundervollen Werbellinsee führt. Zeitzeugen. Und ich wünsche mir, dass diese stets mit dem erforderlichen Respekt behandelt werden und uns noch lange erhalten bleiben.

Quappe, Aalrutte, Trüsche im Tauchrevier

Ich weiß nicht, wie oft ich hier bereits war. Und dennoch wird es niemals langweilig. Die Uhr tickt unentwegt. Unsere Gewebe haben sich schon gut aufgeladen. Wir beginnen den Aufstieg und arbeiten unseren Dekoplan ab. Einer Punktlandung gleich erreichen wir unseren Anker. Nachdem die letzte Minute des letzten Dekostopps veratmet ist, begeben wir uns direkt unter das Eis. Die Sonne scheint durch die Kristalle und die Atemluft rollt wie Quecksilber zum höchsten Punkt. Bäuchlings rutschen wir wie kleine Kinder auf dem Eis entlang. Was für ein Spaß.  Leider ist das mitgeführte Gas nicht endlos, wie mein Tauchlehrer schon zu sagen pflegte, und so hat auch dieser Spaß ein Ende.

Eistauchen im Werbellinsee

Anker und Seil einsammelnd arbeiten wir uns zum Ausstieg vor und genießen an der Oberfläche noch einmal den faszinierenden Blick über den zugefrorenen Werbellinsee. Eistauchen im Werbellinsee, einfach wunderbar. Dank meinen Buddies Helmut und Heiko.

Eistauchen. Schon mal erlebt?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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Categories: _Brandenburg, UnterWasser

2016 Tauchen im Wildschütz

21.09.2016, Steinbruch Wildschütz (Sachsen)

Wie die Zeit vergeht. Vor vier Jahren war ich letztmalig an der Tauchbasis vom Volker Buder in Mockrehna. Ein Besuch ist längst überfällig. Gemeinsam mit Buddy Wolle machen wir uns auf den Weg nach Sachsen.

Einst ein Berg ist der jetzige, geflutete Steinbruch Wildschütz das Ergebnis jahrelangen Abbaus von Naturstein als wertvolles Baumaterial. Bis 1971 wurde hier der Stein gehauen und gefördert. Heute ist der Steinbruch ein weithin bekanntes Tauchrevier in Sachsen. Mit seiner Tiefe von ca. 75 Metern erfreut der See besonders die Herzen technischer Taucher.

Tauchen im Steinbruch Wildschütz

Vor einigen Jahren zog es den damaligen GST-Taucher Volker Buder vom Bergwitzsee zum Wildschütz. Er erschloss den unzugänglichen Steinbruch und errichtete mit fleißiger Hand eine gut besuchte Tauchbasis. Einmalig sind seine Tauchstationen R I, R II und R III, die er aus alten Zementsilos zusammenschweißte und im See versank. In Kooperation mit aquata wird hier ausgebildet.

Das Wetter ist uns wohl gesonnen. Bei herrlichem Sonnenschein zum Herbstanfang treffen wir ein. Wir parken unsere Autos, steigen hinab an das Ufer des Taucherkessels und freuen uns spitzbübisch auf einen schönen Tauchgang.

Nach kurzer Begrüßung und Anmeldung laden wir aus und tragen unsere Ausrüstung an den Einstieg. Wir haben einen ausgiebigen 50m – Tauchgang geplant und das entsprechende Gas in unseren Flaschen. Ziel wird eines der beiden Pumphäuschen sein, die den Steinbruch zur aktiven Zeit trocken hielten. Blockhaus (55m), Pumpenhaus 1 (74m) und Munitionskammer (25m) seien hier stellvertretend als weitere Tauchattraktionen genannt, die alle bestens mit weithin sichtbaren, gelben Bojen markiert sind.

Abtauchen in eine andere Welt

Da sich unser Tauchziel auf der gegenüberliegenden Seite des Steinbruchs befindet, entscheiden wir, schwimmend überzusetzen und vor Ort den Abstieg zu beginnen. Wir nehmen es sportlich. Check und wir liegen im klaren, kühlen Wasser. Stage und Kamera eingeklickt und schon sind wir auf dem Weg zu unserer Boje.

Angekommen sortieren wir uns erneut und steigen hinab auf 5 m für einen Bubblecheck. OK. Wir atmen aus und lassen uns fallen. Plankton und Sedimentpartikel ziehen im grünen Wasser an unseren Masken vorbei. In 20 m hat sich eine 2-3 m mächtige Schicht aus fadenartigem Etwas ausgebildet und die Sicht stark eingeschränkt. Schnell sind wir hindurch und tauchen ein die Dunkelheit des Steinbruchs. Das Wasser klart auf. Die Sicht ist wunderbar.

Pumpenhaus im Steinbruch Wildschütz

Der Kopf des Freileitungsmastes mit seinen Isolatoren erscheint im Schein der Lampen. Wir haben unser Ziel erreicht. Ein aus Backstein gemauertes Pumpenhäuschen steht vor der Steilwand des Steinbruchs. Große, verglaste Fenster erlauben einen Blick ins Innere. Wir lassen uns Zeit mit unseren Erkundungen. Mit bis zu 30 min Grundzeit haben wir ausreichend geplant. Eine offene Tür lädt ein. Ein riesiger Elektromotor an der Schwelle verrät Bergungsversuche des wertvollen Antriebes. Am Fuße des Pumpenhäuschens ragen Holzstümpfe aus einem milchigen Schleier. Es sieht mystisch aus.

Hecht (Esox lucius)

Wir ziehen weiter entlang der Kesselwand und treffen auf alte Bäume. Das Tauchen zwischen den Baumkronen hat immer wieder seinen Reiz. Wir steigen auf, wechseln das Gas und genießen die lichtdurchfluteten Wasserschichten des Steinbruchs. Sonne bedeutet Leben. Flussbarsche kreuzen unseren Weg. Die Tauchstationen lassen uns wissen, dass wir unseren Einstieg fast erreicht haben. Wir schauen uns ein wenig um. Volker hat schon eine tolle Sache konstruiert. Wegen der guten Tauchbedingungen wollen wir noch ein wenig Fische gucken und tauchen weiter im Flachwasserbereich. Ein kleiner Schilfgürtel bietet Rotfedern und Rotaugen gute Versteckmöglichkeiten. Ein kleiner Felsvorsprung verwandelt den tiefen, dunklen Steinbruch in ein wahres Aquarium. Im Schein der Sonne tummeln sich unzählige Kleinfische. Futterfisch, der den Räubern nicht entgangen sein dürfte. Im Schutz des Ährigen Tausendblatt finde ich auch die ersten, kleinen Jäger. Die Beute unablässig im Blick warten die kleinen Hechte auf eine gute Gelegenheit. Sie sind zahlreich vorhanden und lassen uns die Zeit vergessen. Doch irgendwann ist auch der schönste Tauchgang zu Ende.

Fauna im Steinbruch Wildschütz

Zufrieden tauchen wir auf. Tragen die Ausrüstung wieder zu den Autos, wechseln unsere Garderobe und schnacken bei einem heißen Kaffee mit Volker über das Gestern und Jetzt des Tauchens.

Wer kennt den Steinbruch nicht?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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2016 Tauchen im Sorpesee

30.07.2016, Sorpesee (Nordrhein-Westfalen)

Von unseren Tauchgängen in Messinghausen geht es auf unserer Sauerland-Tour weiter Richtung Sorpesee, Tauchen im Sorpesee. Bevor wir morgen ins Schieferbergwerk Nuttlar einfahren, möchten wir uns den angestauten Sorpesee in Sundern (Langscheid)  anschauen.

Als Basislager haben wir die Pension Meisterjahn in Langscheid ausgewählt. Besorgt erhielt ich bereits mehrere Anrufe von der Wirtin Frau Meisterjahn, wann wir denn nun kämen. Hatte sie uns wohl bereits gestern schon erwartet. Vor einer knappen Stunde noch am „See im Berg“ stehen wir jetzt vor unserer nächsten Herberge. Auf das Herzlichste werden wir von der Chefin willkommen geheißen. Neben unseren Zimmern bekamen wir sofort Möglichkeiten zum Verstauen  unserer nassen Tauchklamotten angeboten. Tauchgäste mit ihren besonderen Anforderungen und Wünschen ist man hier gewohnt.

Nachdem alle Sachen verstaut waren, machte sich der kleine Hunger breit. Frau Meisterjahn empfiehlt uns die Gastronomie an der neuen Promenade entlang des Sorpeseeufers. Eine gute Gelegenheit einen Blick auf das morgige Tauchrevier zu werfen. Nach nur wenigen Schritten erreichen wir den Sorpesee. Wir stehen nördlich an der Staumauer neben dem Pumpspeicherkraftwerk und blicken auf einen in der Abendsonne dämmernden Stausee.

Tauchen im Sorpesee

Die Fertigstellung des tiefsten Staudamms in NRW erfolgte 1935. Das Bauwerk dient der Wasserregulierung. Heute erfreuen sich Badegäste, Wassersportler, Angler und Erholungsliebende an den Stauseen des Ruhrverbandes, wie dem Biggesee, Möhnesee, Hennesee und eben dem Sorpesee.  Der Sorpesee erstreckt sich in Nord-Süd-Ausrichtung über eine Länge von gut 6 km. Wechselweise darf an zwei ausgewiesenen Plätzen getaucht werden, dem Sommer- und dem Wintertauchplatz. Hausrecht über das Tauchgewässer übt die Tauchschule Sorpesee unter Leitung des Basischefs Matthias Richter aus. Bevor wir uns dem Tauchen hingeben,  lassen wir uns eine Riesenpizza an der Promenade im Kreise unzähliger Biker schmecken und genießen schlafend die Stille der Nacht im Sauerland.

Nach einem leckeren Frühstück und heißem Kaffee stehen wir 09:00 Uhr auf dem Parkplatz des Sommertauchplatzes Sorpesee, der nur Tauchern vorbehalten ist. Zwei weitere Autos werden von Tauchern entladen. Ein kleines Häuschen auf der gegenüberliegenden Straßenseite am See beherbergt die Anmeldung der Tauschschule Sorpesee. Ein junger Mann Steve, der Juniorchef wie ich später erfahre, empfängt uns und übernimmt das kurze Check-In. Brevet und aktuelle Tauchärztliche Untersuchung werden verlangt. Mit dem Entrichten der Tagesgebühr von 5 EUR haben wir das Tauchrecht für den heutigen Tag erworben.

Sommertauchplatz Sorpesee

Bevor wir uns in die Anzüge werfen, möchten wir uns das Nass schon einmal anschauen. Ein Weg von der Anmeldung führt in ein Wäldchen. Wir folgen ihm. Und folgen ihm. Und folgen ihm. Dann endlich, nach 150 m erreichen wir die Einstiegsstelle mit Leiter an einer kleinen Bucht. Wir schauen uns an, denken an unsere D12 und wünschen uns die Jeeps von Messinghausen her. Das Wasser schaut erfrischend klar. Man kann gut den beginnenden Pflanzenwuchs erkennen. Gelbe Tonnen markieren den Tauchbereich. Wir stapfen zurück. Der Parkplatz füllt sich. Lust auf den ersten Tauchgang lässt uns bei sonnigem Wetter in die Tauchklamotten steigen. Und endlich, das Wasser trägt die Last.

Für den ersten Tauchgang entschließen wir uns, den Stausee Richtung Osten hinab zu steigen, später gen Süden abzudrehen, um dann westwärts wieder an das Ufer zu gelangen. Check, wir tauchen ab, nehmen Kurs und genießen. Dem aufgeschütteten Uferschotter folgt schnell ein breiter Pflanzengürtel. Die Wasserpest dominiert ganz klar die Makrophytenwelt. Vereinzelt ragen Tausendblatt und Hornblatt zum Licht. Gute Versteckmöglichkeiten für kleinen Fisch und hungrige Lauerjäger. Kleine Grashechte setzen alles daran, um schnell an Größe zu gewinnen und die besten Reviere zu besetzen.

Tauchen im Sauerland

Bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ab etwa 8 m Tiefe endet die Pflanzenwelt und gibt brauen Seegrund frei. Vereinzelte Dreikantmuschelkolonien besiedeln jeden festen Untergrund wie Stöcke, Steine oder Schrott. Kleine Löcher lassen Krebse vermuten, die wir allerdings nicht zu Gesicht bekommen. Verschiedene leuchtend rote Markierungsbojen ruhen am Grund und sind ein Blickfang für Taucher. Weiß-rotes Markierungsband, Leinen und allerlei Zeug sind auf einer Tiefe von 20+ m zu finden. Die Sicht ist hier unten gut. Mit unseren Trockenanzügen sind wir bestens unterwegs. Gelbliche Ausblühungen erinnern an Schwefelauswaschungen wie ich sie von Braunkohletagebauen kenne. Rosa Süßwasserschwämme wachsen aus dem Boden und sind leicht sedimentiert. Sie sind schön anuschauen und müssen unterhalb des Schlammes irgendeinen festen Untergrund gefunden haben. Es sind die vielen kleinen Dinge, die es zu entdecken gibt.

Entdeckungen auf dem Seegrund Sorpesee

Die Uhr tickt. Wir steigen allmählich auf und erreichen die Pflanzenzone wieder. Ein stattlicher Hecht ruht im Schutz der Pflanzen am Boden. Allein die große Schwanzflosse hatte ihn verraten. Wir treffen Taucher, der Einstieg kann nicht mehr weit sein. Kurz vor dem Auftauchen huschen ein Duzend junge Schleie an uns vorbei. Wir steigen auf und beenden unseren ersten, interessanten Tauchgang im Sorpesee. Oje, da war ja noch was.

Der Parkplatz ist zwischenzeitlich gut voll. Wir treffen Taucher und kommen ins Gespräch. Ich erfahre vom Möhnesee und der Henne, die ich unbedingt besuchen müsse. Der Wintertauchplatz weiter nördlich soll wegen seiner Steilwand weitaus spannender sein. Ein heißer Kaffee wärmt. Tauschschüler trotten zum Einstieg. Den zweiten Tauchgang plane ich mit Helmut. Unser Buddy Heiko holt seinen Bauer Junior II aus der Nachbarschaft und macht sich unabhängig von allen Preßluftquellen dieser Welt. Gute Aussichten.

Tauchen im Sorpesee

Empfand ich die Sicht heute Morgen noch als gut, so hat sich das grundlegend geändert. In der Bucht am Einstieg tauchen wir durch sedimentgeschwängertes, dickes Wasser. Die einst stolz aufgerichtete Wasserpest liegt flach am Boden. Die Konzentration der Taucher inklusive Ausbildung auf diese alleinige Einstiegsstelle hinterlässt unweigerlich Spuren. Ich kenne nicht die Hintergründe, wieso man an einem derartig großen See das Tauchen auf so kleiner Fläche konzentriert. Naturschutz?

Wir tauchen durch die Bucht und halten nördlichen Kurs. Zwei, drei Kreuze lassen uns innehalten. Ein Sarg wirft Fragen auf. Später erfahren wir, dass wir im Halloween-Erlebnispark unterwegs waren. Wir begegnen etlichen Hechten, Plötzen und natürlich Flussbarschen. Schlammschnecken ziehen ihre Spuren. Tauchen ist die wohl schönste Sache. Naja, fast.

Begegnungen im Sauerland

Nach einer guten Stunde kehren wir um und beenden unser Tauchabenteuer Sorpesee. Das Wasser ist durchaus vielversprechend. Ich kann mir viele, sehr interessante Tauchgänge in den Tiefen der Talsperre vorstellen. Die Klamotten sind schnell verstaut. Wir verabschieden uns von Steve und den Anwesenden und fahren zurück zur Pension. Heiko ist noch unterwegs. Nach einer kräftigen Stärkung treffen wir uns mit ihm am See. Gemeinsam flanieren wir an der Promenade entlang und steigen zum Dorf Langscheid auf. Die Rasen sind gemäht, die Rabatten gejätet, doch das Dorf ist menschenleer. Keine Dorfkneipe. Nix. Das Leben scheint sich mit dem Bau der Promenade an den Sorpesee verlagert zu haben. Dekobier bekommen wir dann doch noch. Noch einmal nächtigen wir in der Pension Meisterjahn, um am nächsten Morgen nach Nuttlar zum Schieferbergwerk aufzubrechen. Tauchrevier Deutschland unterwegs im Sauerland.

Unterwasserimpressionen Sorpesee

Bereits im Sorpesee getaucht?

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Mario Merkel, Tauchrevier Deutschland

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