Tauchrevier Deutschland im Interview mit "Der Taucherblog"

2019 Tauchen auf Madeira

Juni 2019, Madeira, Portugal

Die Welt ist schön. Die Welt ist groß. Und das macht es uns bei unserer Urlaubsplanung nicht unbedingt leichter. Alea iacta est. Die Würfel sind gefallen. Madeira, wir kommen.

Nach wenigen Recherchen und Gesprächen mit Tauchfreunden sind Herberge und Tauchbasis auf der Blumeninsel Madeira schnell gefunden. TAP Airline Portugal bringt uns via Lissabon sicher und pünktlich ans Ziel, dem Flughafen „Cristiano Ronaldo“ Madeiras. Die Überfahrt zum Hotel dauert dank der super ausgebauten Schnellstraße keine 30 Minuten.

Tauchbasis Manta Diving Madeira & Hotel Galomar

 

Zwei Wochen werden wir die Gastfreundlichkeit des neu renovierten Galomar in Anspruch nehmen und wie sich zeigen soll, werden wir nicht enttäuscht. Oberhalb der Steilküste mit atemberaubendem Blick residiert die feine und überschaubare Hotelanlage, während am Fuße an den Fels schmiegend die Tauchbasis „Manta Diving Madeira“ auf ihre Gäste aus aller Welt wartet. Sonntag. Wir müssen uns bis morgen gedulden und nutzen die Gelegenheit für Erkundungen. Schnell erfahren wir, dass jeder Schritt ein wirkliches Auf und Ab ist.



Das Wetter ist toll. Maximal 23 Grad, leicht bewölkt und es weht ein feiner Wind. Wir sind der Gluthitze in Deutschland entflohen. Unbedarft stapfen wir die Küsten entlang und staunen über jeden Farbtupfer. Der Name Blumeninsel kommt nicht von ungefähr. Ein schönes Fleckchen.

 

Mit dem Fahrstuhl geht’s samt Tauchgepäck am nächsten Tag zur Basis. Ein herzlicher Empfang vermittelt das Gefühl von Willkommensein. Papierkram und Check-In sind schnell erledigt. Ein kleiner, geführter Rundgang erklärt die Örtlichkeiten und Abläufe. Die Tauchbasis von Stefan Maier macht einen sehr guten, gepflegten und organisierten Eindruck. Allein der Atlantik zeigt was er kann, wenngleich nicht mal ansatzweise was er wirklich kann. Das Krachen der Brandung an den Felsen veranlasst die Bademeister das Hissen der roten Flagge. An Tauchen heute ist wohl nicht mehr zu denken. Wir verabreden uns für morgen und nutzen den Tag für einen Ausflug nach Funchal.

Hauptstadt Funchal

 

Mit dem öffentlichen Nachverkehr, dem Linienbus fahren wir von Canico nach Funchal, in die Hauptstadt Madeiras. Funchal, von Fenchel, der bis zu seiner Ausrottung auf der Insel heimisch war. Man kann wohl sagen, dass die Insel nach Entdeckung komplett umgestaltet wurde. 8 lange Jahre Brandrodung, Siedlungs- und Straßenbau, sowie der Anbau von Nutzpflanzen wie Zuckerrohr veränderten die Atlantikinsel grundlegend. Auch die heutige Blumenpracht hat seinen Ursprung in der menschlichen Umgestaltung.

Tauchbasen auf Madeira

 

Es regnet, es gießt. Uns wundert es nicht mehr. Wir schaffen es, in jedem Urlaubsland bei noch so geringer Regenwahrscheinlichkeit dem Himmel das Nass zu entlocken. Nur im schönen Brandenburg versagt diese Fähigkeit. Die Portugiesen beweisen ihre Geschäftstüchtigkeit. Sofort werden an jeder Ecke Regenschirme feil geboten. Die alten, engen Gassen mit ihren Wandmalereien zaubern eine wunderbare Atmosphäre. Die Berge verschwinden im Dicht der Wolken. Einen Aufstieg mit der Seilbahn schenken wir uns.



Nach einem großartigen Frühstück und mit Sonne im Gepäck treffen wir uns an der Tauchbasis zum verpflichtenden Check-In-Dive. Christina wird uns begleiten und briefen. Mit ihrer unglaublich fröhlichen Art, einer warmen Ausstrahlung und der gehörigen Portion Humor versüßt sie unseren Aufenthalt. Das Briefing schenkt dem Ein- und Ausstieg besonderes Augenmerk. Gutes Zuhören ist angebracht. Maske ausblasen und Gasspende sind schnell vollführt und unsere volle Aufmerksamkeit gehört der Unterwasserwelt rund um den Lavafinger.

Zauberhafte Sepien

 

Von nun an erkunde ich mit meinem Lieblingsbuddy das Hausriff vor der Tür eigenständig. Genauso mögen wir es. Der Atlantik überzeugt mit seiner schroffen, kühlen Schönheit. Bunte Korallenriffe sucht man hier vergebens. Felsbrocken und Steine auf sandigem Boden bestimmen das Bild dieser blauen Landschaft. Sie bieten kleinem und großem Getier Lebensraum und Versteckmöglichkeiten. Rochen, Muränen, Zackenbarsche und große Schwärme von Gelbstriemen sind hier zuhause. Es gibt endlos zu entdecken. Wie Fladen hängen weiße, rote, grüne Keulenanemonen am Fels. Weißband-Putzer- und Hohlkreuzgarnelen wohnen dort zur Untermiete. Große Pfeilkrabben suchen den Schutz von prächtigen Seeigeln.

Unterwasserwelt Madeiras

 

Die kleinen Sepien zwischen den rosa Unterwasserpflanzen allerdings verzaubern mich. Stundenlang kann ich diesen wahren Magiern bei all ihren Verwandlungstricks zuschauen. Einfach herrlich. Die Tauchplätze am Hausriff tragen Namen wie Lavafinger, Arena und Ponta da Oliveira. Ein Briefing für diese schönen Plätze erhält man vom Basisteam jederzeit.

Abgetaucht im Atlantik

 

Mit einem komfortablen Aluminiumboot werden Ausfahrten zu entlegeneren Tauchplätzen wie Cap Garajau und der Korvette „Afonso Cerqueira“ angeboten. Am Fuße des „Christo Rei“ lassen sich imposante Zackenbarsche beobachten. Ein wahres Katz-und-Maus-Spiel lieferten sie sich mit uns. Während wir uns den großen Fischschwärmen im Blau widmen, kommen sie aus den felsigen Verstecken, stiften Unruhe um dann auch gleich wieder zu verschwinden.

Zackenbarsche am Cap Garajau

 

Südlich von Cabo Girão wurde im Herbst letzten Jahres die ausgediente Korvette „Afonso Cerqueira“ als Taucherattraktion versenkt. Das Schiff der portugiesischen Marine ruht auf maximal 30 Metern und ist wunderschön zu betauchen. Trotz der eher mäßigen Sicht ein wirklich tolles Erlebnis. Allein die Kriterien für den Ort des Versenkens sind für mich nicht nachvollziehbar. Befinden sich die vier Tauchbasen im Südosten der Insel, müssen diese nun 30 Minuten mit ihren Booten zum Wrack shippern.

Korvette „Afonso Cerqueira“

 

Da die schöne Insel Madeira weitaus mehr als Tauchen bietet, haben wir uns kurzerhand ein Auto für ein paar Tage besorgt und diese erkundet. Zunächst ging es an den östlichsten Zipfel auf Wanderschaft. Ohne Vorbereitung und zu wissen, was uns erwartet, machten wir uns auf den Weg. Eine baumlose, karge und dennoch atemberaubende Landschaft war der Lohn. Die Wanderroute teilten wir uns mit Leuten, die ein Vermögen in Outdoorläden gelassen haben müssen. Wir schauen auf unsere Sandalen herunter und schmunzeln. Am Abend erfahren wir, auf einer anspruchsvollen Route gewandelt zu sein.

Ponta de São Lourenço

 

Den nächsten Tag fahren wir in den Norden. Tunnel, Schnellstraßen und eine ohnehin gut ausgebaute Infrastruktur lässt die Entfernungen schmelzen. Die fortführende Küstenstraße bringt uns in den Nordwesten nach Porto Moniz, die natürlichen Schwimmterrassen eine Attraktion. Mir persönlich gefällt dieser reine Touristenort nicht wirklich und so flüchten wir über abenteuerliche Serpentinen in die Berge. Was für ein Erlebnis. Endlos Blumen säumen die Straße und versprühen einen betörenden Duft. Diese Tour stellt jeden Besuch in einem Botanischen Garten in den Schatten. Es ist einfach herrlich. Wo es gefällt, halten wir an und gehen ein paar Schritte.

Porto Moniz

 

Wir verbringen zwei Wochen auf Madeira und sind einfach begeistert. Die Landschaft ist traumhaft, die Leute nett und freundlich und das Essen umwerfend lecker. Wir wurden nicht enttäuscht. Na und das Tauchen mit den Manta Divers erwies sich als die richtige Wahl. Gefreut hat mich auch das persönliche Treffen von langjährigen FB-Freunden. Danke Ivonne, Ines, Rainer und Luis.

Seid ihr schon einmal auf Madeira gewesen?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

0

Posted:

Categories: AufReisen

Europäischer Wels, Waller

Europäischer Wels (Silurus glanis)

Er ist der unangefochtene Herrscher unserer heimischen Gewässer. Er verschmäht weder Fisch, Vogel noch Säugetier, alles was in den Schlund seines riesigen Mauls passt, wird aufgenommen – der Europäische Wels, auch Waller genannt. Mit einer Länge von über zwei Metern und einem möglichen Gewicht größer 100 Kilogramm ist der Wels der größte Süßwasserfisch in unseren Seen.



Es wundert daher kaum, dass eine Unterwasserbegegnung mit ihm ein bleibendes Erlebnis für jeden Taucher ist. Auf meinen Streifzügen im Tauchrevier Deutschland traf ich den nachtaktiven Jäger mehrfach.

Europäischer Wels (Silurus glanis)

Auch ein gefürchteter Räuber fängt mal klein an und muss sich den Abenteuern des Lebens in seinem Lebensraum stellen. In einem behüteten Nest im Flachwasser bei angenehmen Temperaturen um 20 Grad schlüpft die kleine Larve nach wenigen Tagen der Eiablage in den Monaten Juni/Juli und wächst im Schutz der Dunkelheit in tieferen Bereichen des Gewässers zu einem Jungfisch heran.


Heidi aus dem Heidesee

Bevor der kleine Wels Jungfischen und seinesgleichen nachstellt, ernährt er sich von Zooplankton und Wirbellosen. Während dieser Zeit des Heranwachsens steht der Jungwels bei vielen anderen Fressfeinden auf der Speisekarte.

Wels, Waller im Tauchrevier

Der Europäische Wels ist mit seiner markanten länglichen Körperform unverwechselbar. Sechs Barteln sitzen am großen Kopf rund um das breite Maul. Diese sensiblen Antennen machen den lichtscheuen Fisch zu einem erfolgreichen Jäger in der Nacht. Tagsüber ruht er am Gewässergrund, in kleinen Unterständen oder hängt in Pflanzen und Ästen alter Bäume.

Aber auch menschliche Hinterlassenschaften wie Wracks, Plattformen und andere Gebilde werden gern als Ruhestätte insbesondere in den Wintermonaten angenommen. Da es sich bei dem Europäischen Wels um einen standorttreuen Fisch handelt, kann man ihn durchaus gezielt in seinem Revier aufsuchen.

Begegnungen mit dem Wels

In der Regel begegnet der Wels Tauchern unaufgeregt. Nur zu aufdringliches Agieren oder Blenden mit Lampen lassen ihn genervt von dannen ziehen. Seine stattliche Körpergröße macht den Waller ebenso zu einem begehrten Objekt bei  Anglern. Als beliebter Speisefisch wird er gern im Netz der heimischen Fischer gesehen.

Erzählt von Euren Wels-Begegnungen!

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

2

Posted:

Categories: FloraFauna

2019 Tauchen im Geiseltalsee

Tauchen im Geiseltalsee (Sachsen-Anhalt), 30.01.2019

Riesige Tagebaurestlöcher zeugen vom unstillbaren Energiehunger der Menschheit. Geflutet erfreuen sie sich heute bei allen Wassersportlern und Erholenden. Bis nach der Wendezeit wurde ein großes Braunkohlevorkommen südlich von Halle (Saale) und westlich von Leipzig mit stählernen Riesen abgebaut, eine 90 Meter tiefe Wunde das Ergebnis. 8 Jahre lang bis 2011 füllte das Wasser der Saale den heutigen Geiseltalsee, mit 19 Quadratkilometern der größte, künstliche See in Deutschland.



Heute nun stehe ich am Ostufer des Tauchrevieres in Sachsen-Anhalt. Zwei Tauchbasen haben sich am Geiseltal niedergelassen. Für meinen heutigen Tauchgang wähle ich die “Tauchbasis Geiseltalsee“ von Mark, einem ehemaligen Kampftaucher und leidenschaftlichen Feuerwehrmann. Ein kurzes Telefonat und er ermöglicht den Einstieg mitten in der Woche. 11:00 Uhr treffe ich mich mit meinen Buddies nach einer 2 ½ stündigen Autofahrt direkt an der Basis. Mark ist bereits da und begrüßt uns freundlich. Nach einem heißen Kaffee geht es an das windstille Ufer des großen, langgestreckten Geiseltalsees. Das Wasser schimmert klar und lässt den Kiesgrund in der Sonne blinken. Vorfreude. Mark erklärt uns die Struktur des Gewässers und gibt uns hilfreiche Hinweise für unsere Tauchgangsplanung. Wir wässern die Scooter und werfen uns in unser schickes, schwarzes Outfit.

Tauchen im Geiseltalsee, Ostufer

 

Kurs Südwest, dann einen Haken Richtung Osten und weiter gen Südwest. Das Ufer fällt flach ab. Wir tauchen über einen breiten Gürtel aus Kammlaichkraut und stoßen bald auf Zeitzeugen vor dem großen Wasser. Strauchwerk verleiht dem doch eher monotonen Grund eine willkommene Struktur. Die Sicht schätze ich auf 3-4 Meter, wohl eher enttäuschend für den See, wie wir später erfahren.  Der Wind hat ein leichtes Spiel. Die gut 8 Kilometer lange West-Ost-Ausrichtung des Geiseltalsees bietet ideale Bedingungen für sein Wellentreiben.

Wir erreichen ein kleines Wäldchen. Die muschelbehangenen Äste scheinen unwirklich im schummrigen Grün. Vereinzelt erkenne ich Süßwasserschwämme zwischen den Dreikantmuscheln. Es ist eine Freude mit dem Scooter durch dieses mystische Unterwasserwelt zu gleiten. Am Boden verschwinden alte Sanddornsträucher im Bakteriennebel. Wir erreichen eine Maximaltiefe von 15 Metern. Die Wassertemperatur schwankt zwischen 3 und 4 Grad Celsius. Nach 45 Minuten wenden wir und treten mit Kurs Nordost den Rückweg an.

Unterwasserwelt Geiseltalsee

 

Auffällig viele Kamberkrebse geben sich dem Liebesspiel hin und scheinen von uns komplett unbeeindruckt. Fische schwimmen uns nicht vor die Maske, nicht einmal ein Flussbarsch. Mark erzählt uns später, dass der See beliebtes Angelgewässer ist und jährlich viel Fisch wie Aal eingesetzt wird. Auch die beliebte Maräne soll die Tiefen des Geiseltalsees für sich entdeckt haben.



Mark deutete beim Briefing auf eine Stelle in der Bucht, an der ein Spülschacht in den See tritt und derzeit Wasser einbringt. Wir können ihn nicht finden und entscheiden uns zur Neuorientierung für einen Aufstieg. Mit der neuen Peilung erreichen wir in der Zieltiefe auch den beschriebenen Steinhaufen. Einen Schacht machen wir jedoch nicht aus. Mark tröstet uns später mit den Worten: „Ihr wart ganz dicht dran“. Beim nächsten Mal. Nach 1 ½ Stunden endet auch dieser Tauchgang in einem interessanten Gewässer. Eines ist ganz klar, ich brauche mehr Arme.  Scooter, Lampe, Kamera.

Tauchbasis Geiseltalsee

 

Schnell aus den nassen Klamotten, bevor die eisigen Temperaturen jeden Boltsnap und Zipper unbeweglich werden lassen. Heißer Tee, Kaffee, Dekobier und eine heiße Bockwurst wecken die Lebensgeister von drei Tauchern. Danke Buddies, danke Mark. Wir kommen wieder. Und dann geht’s mit dem Boot zu neuen Ufern.

Schon mal im Geiseltalsee getaucht?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

0

Posted:

Categories: _Sachsen-Anhalt

Tauchverletzungen

Die kompakte Broschüre „Basiswissen Tauchen“ – Notfallmanagement, Tauchphysik und Tauchverletzungen. Mit 16 Seiten und einem Format von 148 x 110 mm gehört sie in jedes Logbuch eines Sporttauchers. Bei Interesse (9,90€ + Briefporto) einfach Email mit Anschrift an buddy@tauchrevierdeutschland.de. Siehe auch: Tauchphysik

I. Barotrauma Tauchverletzungen

Druckverletzung als Reaktionen luftgefüllter Räume auf Druckveränderungen (Gesetz von Boyle-Mariotte)

Natürliche (weitere sind Magen-Darmtrakt, Zähne), Künstliche Hohlräume


    Mittelohr

    Barotitis: Blut und Flüssigkeiten werden durch Druck in das Mittelohr geführt. Schmerz, Schwindel, Hörprobleme.
    Trommelfell: Riss/Perforation bei zu schnellem Abtauchen ohne Druckausgleich

    Innenohr

    Riss des runden Fensters durch zu späten oder kräftigen Druckausgleich (Valsalva)

    Schwindel (Vertigo)

    Verursacht durch Ohren-Barotraumen (Gleichgewichtsorgan)


    Nebenhöhlen

    Barosinusitis: Blut und Flüssigkeiten werden durch Druck in die Nebenhöhlen geführt. Schmerz, Schwindel.


    Lungen (Thorax)-Squeeze

    Verringern des Lungenvolumens durch Druck unterhalb des Residualvolumens beim Apnoe.

    Lungenüberdehnung

    Ausdehnung der in der Lunge durch abnormale Zustände (Surfaktant zerstört) oder Luftanhalten enthaltene Gase beim Aufstieg.

    Luftembolie (AGE)

    Arterielle Gasembolie, Blockade Blutstrom (Arterie) durch Lufteintritt bei gerissenen Alveolen.

    Pneumothorax

    Kollabierter Lungenflügel bei Lungen-Oberflächenriss.

    Mediastinales Emphysem

    Gasansammlungen zwischen den Lungenflügeln.

    Subkutanes Emphysem

    Gasansammlungen im unteren Halsbereich.


    Maskenbarotrauma

    Schwellungen und Risse von Kapillaren im Gesichtsfeld der Maske durch fehlenden Druckausgleich.


    Anzug-Squeeze

    Quetschen und Rötung der Haut durch Anzugfalten (meist Trockenanzüge) beim Abtauchen ohne Druckausgleich.


    II. Atmung

    Physiologische Reaktionen der Atmung auf das Tauchen.
    Der Kohlendioxidgehalt im Blut reguliert über das Atemzentrum des Gehirns die Atmung, nicht der Sauerstoffgehalt.


      (zu geringer Kohlendioxidgehalt)

      Ursache meist in Hyperventilation:
      a) unbewusst durch Stress und Angst
      b) bewusste Handlung, „Überatmen“
      Hyperventilation = Senken des Kohlendioxidgehaltes im Blut

      Schwimmbad-Blackout

      Einsetzen des Atemreflexes nach kritischer Größe des Sauerstoffgehaltes (Hypoxie = Sauerstoffmangel) durch vorherige Hyperventilation und erhöhten O2-Verbrauch durch Muskeltätigkeit -> Bewusstlosigkeit -> Ertrinken.

      Flachwasser-Blackout

      Beim Apnoe-Tieftauchen O2-Versorgung durch erhöhte PO2 ausreichend, beim Auftauchen hoher Abfalls des PO2 vor Atemreiz -> Bewusstlosigkeit -> Ertrinken.


      (zu hoher Kohlendioxidgehalt)

      Ursachen meist:
      a) große Anstrengungen und damit verbundener kurzer und schneller Atmung
      b) Vergrößerung des Atemweges (Totraumes) durch Ausrüstung
      c) Sparatmung (Luftsparen)

      Anstieg des CO2-Gehaltes -> Stimulation der Atmung -> erhöhte Atemarbeit (laminare geht in turbolente Luftströmung über) -> weiterer Anstieg des CO2-Gehaltes -> Kreislauf bis zum Stillstand

      Kopfschmerzen (Gefäßerweiterung/Anschwellen), Schwindel, subjektive Atemnot -> Essoufflement -> Panik/Unfall


      III. Thermie

      Physiologische Reaktionen auf Temperaturveränderungen.


        Unterkühlung

        Leichte Hypothermie

        – Körperzittern, Unruhe, Hyperventilation,
        – Vasokonstriktion (Blutgefäßverengung),
        – Körperkerntemperatur 36-34 Grad Celsius,

        Schwere Hypothermie – medizinischer Notfall

        – Körperzittern und Vasokonstriktion setzen aus,
        – Wohlfühlen, Behaglichkeit, kein Kälteempfinden,
        – Bewusstseinstrübung bis Koma,
        – Muskelstarre, Blutdruckabfall, langsame Atmung,
        – Körperkerntemperatur 34-27 Grad Celsius,

        Schwerste Hypothermie – medizinischer Notfall

        – Stillstand der Vitalfunktionen
        – Körperkerntemperatur < 27 Grad Celsius


        Überhitzung

        Hitzeerschöpfung

        – flache und schnelle Atmung,
        – schwacher und schneller Puls,
        – kühle und feuchte Haut,
        – erweiterte Blutgefäße,
        – Schwäche, Übelkeit,

        Hitzschlag – medizinischer Notfall

        – kein Schwitzen,
        – heiße und rote Haut,
        – kräftiger und schneller Puls,
        – Schwäche, Übelkeit, Erbrechen,

        Sonnenstich

        – durch Sonneneinstrahlung auf Kopf Reizung der Hirnhaut,
        – Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit,
        – hochroter Nacken, heißer Kopf,
        – Herzrasen, Krämpfe


        IV. Dehydration

        Flüssigkeitsmangel / Flüssigkeitshaushalt – Flüssigkeitsverlust verringert das Blutvolumen und die damit verbundene Lösungs- und Transportfähigkeit von Stickstoff und erhöht dadurch die Anfälligkeit für eine Dekompressionskrankheit (DCS).


          Schwitzen

          – hohe Umgebungstemperatur,
          – Anstrengungen,

          Harntreibende Getränke

          – Kaffe, Alkohol treiben Wasser aus dem Körper,

          trockene Atemluft

          – trockene Pressluft wird mit Körperflüssigkeit angereicht und abgeatmet

          Harndrang (Taucherdiurese)

          – vermehrte Urinproduktion (Gauer-Henry-Reflex)

          Durchfall/Erbrechen

          – Urlaubsreisen (fremdländische Küche)


          Trinken, Trinken, Trinken

          – vor und nach dem Tauchgang Tee, Wasser, Elektrolytlösungen, isotone Sportgetränke,
          – kein Kaffee, Alkohol


          V. Dekompressionskrankheit

          DCS (Decompression-Sickness), Blasenbildung im Körper



            Bildung kleiner Bläschen, die nicht abtransportiert werden können, Schmerzen, nicht bedrohlich.

            Haut

            – innerhalb 24h nach Tauchgang,
            – Blasenbildung in den Kapillaren der Haut,
            – roter, fleckiger Ausschlag,
            – Juckreiz, Kribbeln = „Taucherflöhe“,

            Gliedmaßen

            – Gelenk- und Gliederschmerzen



            Bildung kleiner Bläschen, die in arteriellen Blutbahnen gelangt sind . Nervensystem, lebensbedrohend.

            Nervensystem

            – Lähmungen,
            – Einschränkungen der Vitalfunktionen (Atmung, Herzschlag),
            – Taubheitsgefühl Extremitäten,
            – Bewusstlosigkeit,
            – Gleichgewichtsstörung,

            Lunge

            – Ansammlung von Blasen über das Maß der Diffusionskapazität hinaus,
            – Blasen gelangen in arterielle Bahnen,
            – Blockade von Lungenkapillaren mit Störung Gasaustausch -> Atemnot,

            Herz

            – Blasen gelangen durch Loch in Herzscheidewand (PFO = Persistierendes Foramen Ovale) in arterielle Bahn

            Gehirn

            – Blasen gelangen über Halsschlagadern (Carotis) in das Gehirn,
            – Symptome = AGE



            Zusammentreffen DCS und AGE – lebensbedrohend.

            AGE

            – arterielle Gasembolie,
            – Blasen aus einer AGE (siehe Barotrauma) in der Blutbahn als Nährboden für Blasenbildung in Geweben
            – Lähmung, Bewusstlosigkeit, Tod


            VI. Gasnarkose

            Narkotisierende Wirkung von Gasen, Stickstoff = Stickstoffnarkose = Tiefenrausch

            Mit zunehmender Tiefe entfalten Gase (Stickstoff) durch den steigenden Partialdruck eine narkotische Wirkung durch Einflussnahme auf das Nervensystem. Gelöste Gase agieren an den Nervenschaltstellen, den sogenannten Synapsen. Anfälligkeit von Menschen unterschiedlich.

            Bei Atemgas = Luft:
            30m – Konzentrationsschwäche, Euphorie
            40m – Grenze Sporttauchen
            50m – Rausch, Halluzinationen. Angstzustände, Unbesonnenheit

            Verminderte Tauchfähigkeiten, beeinträchtigtes Urteilsvermögen, Sicherheitsmissachtung, Eingeschränktes Reaktionsvermögen, Fehlverhalten -> Tauchunfälle


              – Medikamente (Beruhigungs- und Schlafmittel), Mittel gegen Seekrankheit und Heuschnupfen,
              – Alkohol (in Kombination mit Medikamenten)


              Tiefengrenzen

              – Einhaltung von Tiefengrenzen (persönliche Tiefengrenzen),

              Gewöhnung

              – Erlernen des Umganges durch Übung und Erfahrung,

              Gasgemische

              – Einsatz von Atemgasgemischen zur Kompensation (Verminderung) narkotischer Wirkung von Einzelgasen (TEC Tauchen, Berufstaucher)


               

              Fragen, Anmerkungen und Kommentare. Nur zu. Ich freue mich.

              13

              Posted:

              Categories: TauchTheorie

              Tauchphysik

              Die kompakte Broschüre „Basiswissen Tauchen“ – Notfallmanagement, Tauchphysik und Tauchverletzungen. Mit 16 Seiten und einem Format von 148 x 110 mm gehört sie in jedes Logbuch eines Sporttauchers. Bei Interesse (9,90€ + Briefporto) einfach Email mit Anschrift an buddy@tauchrevierdeutschland.de. Siehe auch: Tauchverletzungen

              Wassereigenschaften

              Wasser verfügt über besondere Eigenschaften, Anomalien und Gesetzmäßigkeiten, die sich in der Tauchphysik und Tauchtheorie wiederspiegeln.

              Archimedisches Prinzip

              Tauchrelevanz: Tarierungskontrolle unter Einfluss von Volumen, Masse des Tauchers und der Dichte des Wassers (salz/süss).

              Ein in Flüssigkeit eingetauchter Körper der Gewichtskraft (F2) erfährt Auftrieb entsprechend der Kraft, die der Gewichtskraft (F1) der von ihm verdrängten Flüssigkeitsmenge entspricht.

              F1 > F2 = positiver Auftrieb,
              F2 > F1 = negativer Auftrieb,
              F1 = F2 = neutral

              Gesetz von Boyle-Mariotte

              Tauchrelevanz: Luftvorratsplanung für Tauchgänge, Notwendigkeit beim Abstieg/Aufstieg die Tariermittel (Jacket/Wing/Trockenanzug) zu füllen/leeren. Keine Luft anhalten (beim Aufstieg!) – Lungenüberdehnung.

              Der Druck eines Gases ist bei gleichbleibender Temperatur dem Volumen umgekehrt proportional.

              P * V = konstant,
              P1 * V1 = P2 * V2

              Gesetz von Charles, Gesetz von Gay-Lussac

              Tauchrelevanz: Erklärt, warum eine Pressluftflasche an Land in der Sonne mit 200bar nach dem Abtauchen in kälterem Wasser einen geringeren Fülldruck aufweist.

              Volumen- und Druckänderungen eines Gases stehen in direktem proportionalen Verhältnis zur Temperaturänderung.

              (P * V ) / T= konstant,
              (P1 * V1) / T1 = (P2 * V2) / T2

              Beachte: Temperaturangaben in Kelvin (absolute Temperatur)

              Gesetz von Dalton

              Tauchrelevanz: Ermöglicht die Berechnung der äquivalenten Lufttiefe (EAD) beim Tauchen mit EAN zur Tauchgangsplanung mit Lufttabellen. EAD = (((1- O2%) * (Tiefe + 10)) / 0,79) – 10

              Der von einem Gasgemisch ausgehende Gesamtdruck entspricht der Summe der Einzeldrücke (Partialdruck) der im Gemisch enthaltenen Gase.

              PGesamt = P1 + P2 + P3 + …,
              P1 = PGesamt * % Volumen Gas1

              Gesetz von Henry

              Tauchrelevanz: Basis der Dekompressionsmodelle abgebildet in Tauchcomputern und –tabellen. Berechnung von Nullzeiten, Deko-, Tiefen- und Sicherheitsstopps.

              Die Menge des sich lösenden Gases in Flüssigkeiten (Geweben) bei einer bestimmten Temperatur ist proportional zum Partialdruck des Gases.

              Habt Ihr Wissenswertes oder Anmerkungen und Kommentare? Laßt es mich wissen!

               

              36

              Posted:

              Categories: TauchTheorie

              Lastensegler des Werbellinsees

              „Es ist ein Märchenplatz an dem wir sitzen, denn w

              4. August 2020 read more

              2020 / 2017 Tauchen in der Spree

              15.06.2017 / 29.07.2020, Die Spree (Brandenburg)

              4. August 2020 read more

              Archiv

              Kontakt:

              Mario Merkel, Tauchrevier Deutschland

              buddy [at] tauchrevierdeutschland.de