Tauchrevier Deutschland im Interview mit "Der Taucherblog"

Kaulbarsch, Rotzbarsch

Kaulbarsch (Gymnocephalus cernua)

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als Kind den Kaulbarsch beim Angeln verflucht zu haben. Die kleinen Biester haben immer die Würmer abgefressen und waren eher Beifang.

Wenn ich mir die Räuber allerdings heute so bei meinen Tauchgängen in ihrem natürlichen Habitat anschaue, so sind es schöne Fische mit einer ganz filigranen Zeichung. Meist scheinen sie gläsern mit kunstvollen Mustern und Schattierungen. Der Kiemendeckel endet in einem Dorn, den die kleinen Kinderhände beim Angeln schon häufig zu spüren bekamen.

Kaulbarsche im Tauchrevier Deutschland

Die kleinen Barsche leben in eher tieferen Wasserschichten in kleinen Gruppen, insbesondere, wenn sie das Gewässer mit ihren Brüdern den Flußbarschen teilen müssen (was eigentlich immer der Fall ist :-)). Sie mögen Brackwasser und sind daher auch an Flußmündungen anzutreffen. Dank ihres ausgesprochen guten Seitenlinienorgans können sie sehr gut im Dunkeln jagen und sind somit eher nachtaktiv. Tagsüber findet man sie ruhend in kleinen Verstecken und man muss schon ganz genau hinschauen, um sie zu entdecken.

Die Kaulbarsche werden mit etwas 15-20cm nicht sehr groß und zählen auch nicht unbedingt zu den beliebten Speisefischen. Laichzeit ist wie bei ihren größeren Verwandten im Frühjahr (April/Mai). Die gelblich-weißen Eier werden in Schnüren oder Klumpen meist an Steinen ausgelegt. Selbst habe ich noch keinen Kaulbarschlaich unter Wasser sehen können.

Die kleinen Räuber bekommen leider nicht immer die Aufmerksamkeit, die sie allemal verdienen. Tauchen in Deutschland. Kaulbarsche im Tauchrevier Deutschland.

Beobachtungen in heimischen Seen

Kaulbarsch, Rotzbarsch

Kennt Ihr den Kaulbarsch?

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Categories: FloraFauna

2017 Eistauchen im Werbellinsee

16.02.2017, Werbellinsee (Brandenburg)

Das Thermometer klettert bereits in den einstelligen Plusbereich. Die knackige Kälte der letzten Wochen weicht milden Temperaturen. Der Werbellinsee ruht unter einer beinah geschlossenen Eisdecke. Wir nutzen den strahlenden Sonnenschein für ein vorerst letztes Eistauchen im Werbellinsee.

Märchenwiese, Voigtwiese, Badewiese, Holzablage, Kap Horn, Dornbusch – Eis, soweit das Auge reicht. In der Mitte des Sees spaziert ein Seeadler über das gefrorene Wasser. Kormoran und Höckerschwan sitzen das Problem einfach aus. Wir fahren nach Altenhof zum Anleger in der Hoffnung auf einen offenen Einstieg. Zahllose Blässrallen, Stockenten, Reiherenten und Schwäne strampeln und schnattern einen gut 20 Meter breiten Uferstreifen eisfrei. Entlang des Ostufers vorbei an der Alten Fischerei treffen wir auf weitere Wasservögel-Kolonien. Wir wollen die ohnehin aufgeregten Vögel nicht noch weiter mit unserem Unterwasserbesuch stressen und fahren zurück zum Dornbusch.

Werbellinsee im Winter

Der See funkelt in der Sonne. Das Eis knackt und ächzt. Wir freuen uns auf unseren Tauchgang. Doch vor dem Vergnügen steht die Arbeit. Zum Betreten ist das Eis zu schwach. Wir schlagen uns einen Einstieg in das 3 – 5 cm dicke Eis und schieben die berstenden Eisschollen unter die Eisdecke. Wir treiben eine Schneise bis wir brusttief im Wasser stehen. Bei guten +4 Grad wird dieser Einstieg während unseres Tauchganges auch nicht mehr zufrieren.

Eistauchen im Werbellinsee

Wir springen in unsere Anzüge und Ausrüstung. Die frühlingshaften Temperaturen lassen uns nach langer Zeit wieder einmal schwitzen. Und ab geht’s ins Wasser. Das eine Ende eines 30 Meter langen Seils ist schnell an einem Baum befestigt. Wir tauchen nach einem Check mit dem anderen Ende unter das Eis. An einer vereinbarten und markanten Stelle sichern wir das Seil mit einem Anker in einer Tiefe von 6 Metern am Grund des Sees. Hier werden wir auch unseren letzten Dekostopp absolvieren.

Nach einem letzten Bubblecheck geht es hinab zu einem historischen Zeitzeugen, dem Kaffenkahn am Dornbusch, vorbei an der kleinen Mergelkante auf 21 Meter, einer beliebten Gaswechsel-Station. Nach wenigen Minuten leuchtet die mahagoniefarbende Bugkaffe im Schein unserer Tanklampen. Geduldig warten Fluss– und Kaulbarsche im Schutz des Unterwasser-Denkmals auf den Frühling.

Winterruhe am Kaffenkahn

Im Inneren des Kaffenkahns werden wir von einer ausgewachsenen Quappe begrüßt. Sie ruht entspannt auf ihren kehlständigen Bauchflossen. Dieser Süßwasserdorsch mit seiner marmorierten Haut ist immer wieder toll anzuschauen. Über Maststuhl und Mast bewegen wir uns fliegend zur Kajüte. Der mittelgroße Waller döst gut versteckt und zieht nach einem Foto von dannen. Taucher und Licht ist nicht unbedingt sein Ding. Das große Ruder am Heck auf 36 Metern beeindruckt mich stets aufs Neue. Hier sehe ich in meinem Kopf den Steuermann stehen, wie er den vollbeladenen Lastensegler über den wundervollen Werbellinsee führt. Zeitzeugen. Und ich wünsche mir, dass diese stets mit dem erforderlichen Respekt behandelt werden und uns noch lange erhalten bleiben.

Quappe, Aalrutte, Trüsche im Tauchrevier

Ich weiß nicht, wie oft ich hier bereits war. Und dennoch wird es niemals langweilig. Die Uhr tickt unentwegt. Unsere Gewebe haben sich schon gut aufgeladen. Wir beginnen den Aufstieg und arbeiten unseren Dekoplan ab. Einer Punktlandung gleich erreichen wir unseren Anker. Nachdem die letzte Minute des letzten Dekostopps veratmet ist, begeben wir uns direkt unter das Eis. Die Sonne scheint durch die Kristalle und die Atemluft rollt wie Quecksilber zum höchsten Punkt. Bäuchlings rutschen wir wie kleine Kinder auf dem Eis entlang. Was für ein Spaß.  Leider ist das mitgeführte Gas nicht endlos, wie mein Tauchlehrer schon zu sagen pflegte, und so hat auch dieser Spaß ein Ende.

Eistauchen im Werbellinsee

Anker und Seil einsammelnd arbeiten wir uns zum Ausstieg vor und genießen an der Oberfläche noch einmal den faszinierenden Blick über den zugefrorenen Werbellinsee. Eistauchen im Werbellinsee, einfach wunderbar. Dank meinen Buddies Helmut und Heiko.

Eistauchen. Schon mal erlebt?

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Categories: _Brandenburg, UnterWasser

Aal (Anguilla anguilla)

Aal (Anguilla anguilla)

Sein schlangenförmiger Körper macht den Aal einfach unverwechselbar. Ich denke, ein jeder von euch hat ihn insbesondere bei seinen nächtlichen Streifzügen in unseren einheimischen Gewässern beobachten dürfen. Als beliebter Speisefisch (Fettfisch) wird er nicht nur von uns Tauchern, sondern Anglern und Fischern sehr geschätzt.

Auch bei diesem besonderen Fisch erreicht das Weibchen gegenüber dem Männchen die beinah doppelte Körpergröße. Die Damen können gut und gerne über einen Meter groß werden. Die dicke Haut varriert von dunkelbraun bis olivegrün und ist mit kleinen Rundschuppen besetzt. Wer einen Aal lebend in den Händen gehalten hat, wird mir zustimmen, wenn ich sage: „Ein schwimmender Muskel“.

Spitzkopf oder Breitkopf

Es gibt Aale mit einem spitzen und einem breiten Kopf. Spitzkopf- und Breitkopfaale sind aber keine unterschiedlichen Arten. Die Kopfform ist das Ergebnis der Lebensraumumgebung und dem Nahrungsangebot. Spitzkopfaale ernähren sich von Würmern, Schnecken und Kleingetier, während die Breitkopfaale Fische und Krebse jagen. Interessant, oder?

Eine weitere Besonderheit ist der Lebenszyklus der Aale. Wie wir alle wissen, vermehrt sich der Aal nicht in unseren Tauchrevieren, sondern im Atlantik. Während die Aufwachsphase im Süßwasser stattfindet, erfolgt die Fortpflanzung im Salzwasser, ein katadromer Wanderfisch. Im Gegendatz dazu ist der Lachs ein anadromer Wanderfisch.

Der Aal kommt in der Sargassosee als Aallarve zur Welt, die dem Aussehen nach auch Weidenblattlarve genannt wird. Drei Jahre benötigt die Larve um wieder an unsere Küsten zu gelangen. Dort angekommen verwandeln sie sich in Glasaale und „steigen“ die Flüsse hinauf zu ihren bevorzugten Binnengewässern. Daher nennt man sie dann auch Steigaale. Mit Erreichen der Geschlechtsreife wandern die Aale über die Flüsse zurück in die Sargassosee. Diese Wanderung unternimmt der Aal jedoch nur einmal, da er nach der Fortpflanzung stirbt. Ein spannender Vorgang. Warum hat die Natur das so eingerichtet? Dienen die ziehenden Aale als Futter innerhalb eines Nahrungskreislaufes?

Der Europäische Aal gilt als „vom Aussterben bedroht“, man mag es kaum glauben. Gewässerverschmutzung und -bebauung, sowie die unkontrollierte Entnahme von Glasaalen an den europäischen Küsten setzen dem Fisch mächtig zu. Ohne Besatz durch z.B. Fischer wäre er durchaus in unseren einheimischen Gewässern weitaus seltener. Der Besatz wird jedoch der Natur entnommen, da ein Nachzucht derzeit erfolglos ist.

Beobachtungen im natürlichen Lebensraum

Aale – nachtaktive Jäger. Schon mal gesehen?

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Mario Merkel, Tauchrevier Deutschland

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