Tauchrevier Deutschland im Interview mit "Der Taucherblog"

2018 Tauchen im Stienitzsee

Tauchen im Stienitzsee (Brandenburg), Herbst 2018

Brandenburg ist mit 3.000 Gewässern seenreichstes Bundesland. In meinem nahen Umfeld befindet sich der Stienitzsee, der mit dem Straussee, Kalksee und Flakensee eine Rinnenseekette eiszeitlichen Ursprungs in NO-SW-Ausrichtung bildet.

Der See ist gut drei Kilometer lang und einen Kilometer breit. Seine maximale Tiefe wird mit 14 Metern angegeben. Während sich am Ostufer der Ort Hennickendorf anschmiegt, ist das Westufer von Wald gesäumt. Ortseitig ist das Ufer dicht bebaut. Ein freier Zugang mit dem Auto nebst Tauchgerödel ist kaum möglich. Im letzten Jahr ermöglichte mir Fischer Peter Klose einen Einstieg über sein Fischereigelände. Was ich dort vorfand, lest ihr hier.

Einstieg Westufer Stienitzsee

 

In diesem Jahr wollte ich den Stienitzsee unbedingt vom Westufer, der Waldseite betauchen. Zu Fuß unternahm ich einige Erkundungstouren. Zwei Angelvereine und ein Motorsportverein haben hier ihr eingefasstes Domizil. Die Uferzone ist dicht bewaldet und mit Dickicht bewachsen. Ein, zwei Stellen wären zum Tauchen durchaus zugänglich.

Mit dieser Ortskenntnis im Kopf machte ich mich völlig naiv auf, eine Waldbefahrung zu beantragen. Doch wo anfangen? Wer sind die Eigentümer? Nach mehreren Tagen Telefonaten und aufgeschlossenen Revierförstern erhielt ich tatsächlich eine begrenzte Waldbefahrung. Nun stand einer Unterwassererkundung nichts mehr im Wege.

Unterwasserwelt Flora und Fauna

 

Das richtige Wetter abgepasst, packte ich im September das Auto und fuhr an den Stienitzsee. Es ist windstill und das Wasser liegt klar und glatt vor mir. Vorfreude. Hüfttief stehe ich nun im Stienitzsee, die letzten Checks und abgetaucht. Ich tauche in Richtung Seemitte. Das Ufer fällt absolut flach ab. Flaches Quellmoos, durchbrochen von Tausendblatt und Hornblatt inmitten großer Muschelfelder dominieren die Unterwasserlandschaft.  Vereinzelt Wasserpest, Nixenkraut, Teichrose und Leuchteralgen bringen Vielfalt in die Makrophytenwelt. Die Sicht ist mit zwei bis drei Metern gut. Sonnenstrahlen tanzen am Grund.

Große Teichmuscheln stecken im Sand und filtern mit ihren Siphons das Seewasser. Hier und da ein kleiner Flussbarsch. Vor mir tut sich im Grün ein Schatten auf. Was ist das? Noch wenige Flossenschläge und ich erkenne einen Süßwasserschwamm. Doch dieser Schwamm ist riesig, korallengleich verästelt und leuchtend grün. Was für eine Pracht. Um ihn herum huschen zahllose Flussbarsche. Jetzt erkenne ich das gesamte Gebilde. Ich kann mich einfach nicht satt sehen.

Prächtiger Süßwasserschwamm

 

Der Schwamm siedelt auf kleinen, zusammengebundenen Bäumen. Gewichte zeugen von Menschenhand. Ich erinnere mich an Erzählungen vom Fischer im letzten Jahr. Er hatte mehrere Holzgebinde dieser Art als Zandernester im See ausgebracht. Dies muss eines davon sein. Von den Ästen ist kaum noch etwas zu sehen. Einem Korallenriff gleich reckt sich diese Schönheit zur Sonne. So einen gewaltigen Schwamm habe ich noch nirgends sehen dürfen. Die strukturliebenden Flussbarsche lieben ihn augenscheinlich ebenso. Sie huschen hindurch, verstecken sich und weiden das Zooplankton von den Verästelungen.

Wenngleich nichts auf Zandernester hindeutet, ist dem Fischer mit dieser Tat wahrlich Meisterliches gelungen. Es fällt mir schwer, mich von dieser Pracht loszusagen. Ich hoffe sehr, dass Anker, Blinker und Flosse diesem Schwamm nie zusetzen werden.

Flusssbarsche und Süßwasserschwamm (Spongillidae)

 

Mehr als sieben Meter Tiefe erreiche ich heute nicht. Längst hat schlammiger Boden den Pflanzensaum abgelöst. Spuren verraten die Existenz von Flusskrebsen. Die ersten Begegnungen lassen auch nicht lange auf sich warten. Kamberkrebse nennen den Stienitzsee ihr Zuhause. Ich drehe um und finde auch hier die ein oder andere menschliche Hinterlassenschaft. Sackkarre, Stühle, Flaschen; längst besiedelt von Dreikantmuscheln und Süßwasserschwämmen.

Nach 120 Minuten erreiche ich das flache Ufer und entsteige zufrieden dem Brandenburger See. Zwei Wochen später bin ich erneut auf Erkundungen hier unterwegs. Den gigantischen Schwamm finde ich wieder. Herbst lässt ihn langsam verblassen und welken. Die Fische haben sich zurückgezogen. Es wird still in unseren heimischen Seen.

Kennt ihr den Stienitzsee?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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2016 Tauchen im Stienitzsee

09.06.2016, Stienitzsee (Brandenburg)

Bereits im Januar folgte ich einer Einladung des am Stienitzsee ansässigen Fischers für eine kleine Stippvisite unter Wasser. Der Winter hatte den See noch fest im Griff. Eine Eisdecke verwehrte den Einstieg in die Unterwasserwelt. Doch heute nun ist es soweit.

Fischer Peter Klose traf ich beim „Knut brennt“-Event im Ort beim lecker Glühwein. Stienitzsee, Kalksee und Flakensee liegen quasi vor meiner Haustür. Das Eintauchen ist damit ein Muss für „Tauchrevier Deutschland“. Bereits im letzten Jahr gelang mir ein Tauchgang im Stienitzsee. Das Auffinden von Einstiegsmöglichkeiten gestaltete sich allerdings recht schwierig. Was lag daher näher als jemanden zu fragen, der den See wie seine Westentasche kennt. „Komm doch einfach vorbei. Kannst bei mir auf dem Gelände der Heinitz-Forelle einsteigen.“, bekam ich unkompliziert zur Antwort.  Eigentlich hatte ich mit Widerstand gerechnet. Tauchen und Fischerei sollen ja nicht zusammen gehen. Im Gegenteil, Peter war mehr als interessiert an dem Zustand seines Sees unter Wasser. So muss es sein, gemeinsam für gesunde Seen.

Zu Besuch beim Fischer „Heinitz-Forelle“

Donnerstags ist Fischer Klose immer auf dem Gelände am Stienitzsee und räuchert Forellen aus seiner Aufzuchtanlage im Tagebau des ortsansässigen Zementwerkes. Nach einer kurzen Begrüßung bereite ich mich auf meinen Tauchgang vor. „Der See ist klar wie lange nicht.“, erfuhr ich. Meine Ausrüstung ist geschultert, die Kamera verstaut. Ich plane einen Tauchgang von ca. 90 min.

Schnell zeigt sich, dass die gute Sicht an der Sprungschichtmarke von 3 m endet. Das Wasser ist dort mit 14 Grad vergleichsweise kühl und hüllt sich in einen dichten braunen Schleier. Langsam gehe ich etwas tiefer, doch es klart nicht auf. Der Boden fällt seicht und ist moderig. Daher entscheide ich, meine Reise oberhalb der Sprungschicht  fortzusetzen. Zunächst Richtung Norden aus der kleinen Bucht, um dann nach Westen dem Uferverlauf zu folgen.

Tauchen im Stienitzsee

Das gesamte Ufer ist übersät mit Ziegelsteinen, die zum Teil mit Muscheln bewachsen sind. Vereinzelt finden sich große Holzkisten auf Rädern und alte Loren. Unrat verrät die Anwesenheit von Menschen. Wie ich später von Peter Klose erfahre, tauche ich im Revier einer alten Tonziegelei, was das Gefundene erklärt. Auffällig und wunderschön wachsen leuchtend grün zahlreiche Geweihsüßwasserschwämme auf den alten Ziegelsteinen. Sie erinnern mich tatsächlich an Korallen und sind sehr schön anzusehen. Zeiger für gute Wasserqualität. Ein paar Flussbarsche und große Plötzen huschen vorbei bzw. fühlen sich durch meine Anwesenheit gestört.  Bis auf 2-3 Halme vom Rauen Hornblatt und einer Teichrose sind Wasserpflanzen Fehlanzeige.

Süßwasserschwamm (Spongillidae)

Ein alter Baum versammelt Leben zu meiner Freude. Ein großer Schwarm Ukeleien kreist aufgeregt im Schutz der Äste und stiebt mit jedem Ausatmen auseinander. Futterfisch lockt Räuber und so sind die Flussbarsche auch nicht weit. Am Boden ruhen unzählige Kaulbarsche im Schatten des Baumes. Die kleinen Barschartigen konnte ich bisher immer nur in größeren Tiefen oder Verstecken entdecken. Ich erfreue mich an deren Anblick. Sie lassen sich kaum stören. Einmal mehr wird mir klar, dass nur Strukturen, Pflanzen und naturbelassene Uferzone geeignete Lebensräume für die Fauna sind. Weiterziehend stoße ich auf ähnlichen Tristes wie zuvor. Allein die Schwämme sind eine Freude. Ich kehre um.

Sequenzen auch aus dem Stienitzsee

 

Kaulbarsch und Ukelei

An Land berichte ich vom Gesehenen. Wir tauschen uns aus und ich erfahre viel über den Standort, den Stienitzsee, seinen historischen und heutigen Einflüssen. Sich in den See ergießende Klärbecken führten zu Erzählungen von armdicken Aalen und riesigen Karpfen. Ich finde die Geschichten spannend, zeigen sie doch auch wie fragil unsere Tauchreviere in Deutschland sind. Ich komme wieder, werde mir die eingerichteten Zander-Laichzonen ansehen und Bilder mit an die Oberfläche bringen. Vielleicht erfahre ich dann auch, wo sich der riesige Waller aufhalten soll.

Unterwasserimpressionen – Tauchen im Stienitzsee

Kennt Ihr Kaulbarsche?

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2015 Stienitzsee

02.01.2015 Stienitzsee (Brandenburg)

Schon lange hatte ich mir vorgenommen, den Stienitzsee in meiner unmittelbaren Nachbarschaft zu betauchen. Vor ein paar Tagen unternahm ich Erkundungen, um eine gute Einstiegsstelle ausfindig zu machen. Kein ganz so einfaches Unterfangen wie ich schnell merkte.

Der östlich von Berlin an der B1 liegende Eiszeitrinnensee ist westlich/nördlich im Naturschutzgebiet „Lange Dammwiesen“ eingebettet und grenzt östlich an die Ortschaft Hennickendorf. Laubenpieper, Wohnhäuser, Industriegebiete, Strandbad und Fischer machen ein ungehindertes Herankommen an den See beinah unmöglich. Ein noch nicht vollends erschlossenes Wohngebiet ließ Platz für Taucher, Auto und Gerödel. Unser heutiger Einstiegsplatz.

Die kleinen Stege, Tritte und leeren Wurmdosen machten uns unmissverständlich klar, wir waren im Anglerrevier. Da jedoch keine Angler weit und breit zu sehen war, stand unserer taucherischen Unternehmung nichts mehr im Wege.

Der Seegrund fällt wie erwartet recht flach ab. Viele Steine bilden anfänglich den Boden des Gewässers, die wiederum von abertausenden kleinen Muscheln besiedelt sind. Kein ungewöhnlicher Anblick für einen Brandenburger See. Dazwischen vereinzelt Hahnenfuß und Brunnenmoos. Den Pflanzenbewuchs würde ich mal eher als spärlich bezeichnen. Nicht spärlich hingegen die menschlichen Hinterlassenschaften als eindeutiges Indiz für eine Uferbesiedlung. Töpfe, Eimer, Flaschen, Anker, Scheren und allerlei Dreck, welcher mit zunehmenden Abstand zum Ufer und zunehmender Tiefe glücklicherweise nachließ.

Der Untergrund wird sandiger, die Dreikantmuscheln verschwinden und das Reich der Gemeinen Teichmuschel beginnt. Auffällig viele leere und offene Schalen prägen das Bild. Mitten im Nichts erscheint auf 3-4m Tiefe ein riesiger Baumstumpf auf der Seite liegend. Keine Ahnung wie der dort hingekommen ist. Das tote Holz wird umspannt von Süßwasserschwämmen, deren Brutknospen als Ergebnis ungeschlechtlicher Fortpflanzung jetzt im Winterstadium sehr gut zu erkennen sind. Den vielen Angelschnüren, Haken und Kunstködern zufolge ist der Baumstubben ein Fluch der Angler.

Mehrere Flußkrebse kreuzen meinen Weg. Dicke Sedimentschichten, siedelnde Dreikantmuscheln und Polypen lassen kaum erkennen, worum es sich bei dem Krebs handelt. Durchschimmernde kastanienbraune Abdomen lassen jedoch keinen Zweifel. Auch hier dominiert der Amerikanische Kamberkrebs. Auf 7-8m stoße ich auf einen großen Haufen von Steinen (Kalksteinen?) mitten im Sand. Eine Schiffsladung? Die kleinen Hohlräume werden von Kaulbarsch und Flußkrebs als Ruheplatz und Versteck genutzt. Hier finde ich auch große Kolonien von Süßwasserpolypen.

Die Wassertemperatur beträgt 2-4 Grad und die Sichtweiten schätze ich mal auf 3-4m.

Ein schöner Tauchgang zu Beginn des neuen Jahres 2015 in unserem Tauchrevier Deutschland.

Tauchen im Stienitzsee

Kennt Ihr den Stienitzsee?

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