Tauchrevier Deutschland im Interview mit "Der Taucherblog"

Süßwasserpolyp

Süßwasserpolyp (Hydra)

Ich kann nicht leugnen, dass ich Gefallen an den kleinen Dingern, dem Süßwasserpolyp (Hydra), gefunden habe. Sie faszinierten mich schon in der Schulung, wo mir Begriffe wie Knospung gelehrt wurden. Wie sich doch der Blick schärft. Sind sie mir vor vorher gar nicht aufgefallen, so sehe ich sie jetzt überall in unseren einheimischen Gewässern, von Einzelexemplaren bis große Kolonien. Das Sehen will gelernt sein.

Sie haften fest an Stein und Holz, aber auch auf Muscheln, Krebsen und Wasserpflanzen wie Hornblatt, Brunnenmoos und Tausendblatt siedeln sie gern. Mit ihren Nesseltentakeln überwältigen sie alles, was in Reichweite dieser kommen. Die Nesselkapseln sind im übrigen „Einwegwaffen“, also nicht regenierbar. Alles tierische Plankton (Zooplankton) steht auf dem Speisezettel. Wasserflöhe und Flohkrebse werden mit den langen Tentakeln „umarmt“, betäubt und zur Mundöffnung am Stamm des Polypen geführt.

Süßwasserpolyp fängt Wasserfloh

Süßwasserpolypen bewegen sich fort, sie wandern ganze 2 cm am Tag. Sich von der Strömung treiben zu lassen ist jedoch die bequemere Art eines Standortwechsels.

Genau hingeschaut

Die ungeschlechtliche Fortpflanzung (Knospung) ist eine Besonderheit dieser seltsamen Tiere. Allerdings bin ich froh, dass sich die geschlechtliche Variante bei uns Menschen durchgesetzt hat.

Süßwasserpolyp, Hydra im Tauchrevier

0

Posted:

Categories: FloraFauna

2016 Tauchen im Möwensee

12.05.2016, Möwensee (Thüringen)

Der Möwensee ist einer von fünf Kiesseen bei Nordhausen/Sundhausen im Tauchrevier Thüringen. Wurde hier vor Jahren der wertvolle Baurohstoff Kies gewonnen, erfreuen sich heute Taucher und Angler des kleinen Naturwunders. Tauchen im Möwensee.

Nachdem wir gestern den Sundhäuser See erkundet haben, planen wir heute einen Tauchgang im Möwensee. Alle Seen liegen dicht beieinander. Vom Tauchsportzentrum Nordhausen vorbei am Asphalt- und Betonwerk über einen Bahndamm gelangt man an ein großes Tor, dem Zugang zum Möwensee. Das Tor ist verschlossen, den Zugangscode erhält man an der Tauchbasis nach Entrichtung der Tagesgebühr.

Tauchen im Möwensee

Da liegt er nun vor uns, umsäumt von Bäumen, Sträuchern und allerlei Grün, blau schimmernd. Die Sonne spiegelt sich in den vom leichten Wind getriebenen Wellen. Ein großes Schild informiert über die Zusammenarbeit von Tauchern, Anglern und Naturschützern im Naturschutzprojekt „Möwensee“. Gemeinsam für den Erhalt unserer wundervollen Tauchreviere. Ganz im Sinne von Tauchrevier Deutschland. Ein großes Insektenhotel am Ufer des Möwensees ist gut ausgelastet. Wildbienen gehen ein und aus. Eine Infotafel gibt Einblicke. Toll.

Naturschutz im Tauchrevier

Mehrere Einstiege laden zum Abtauchen ein. Wir inspizieren die Möglichkeiten, erfreuen uns an der Natur, dem Biolärm und entscheiden uns für den Einstieg 3. Hier findet man auch einen kleinen Unterstand und den Rest einer Rödelbank. Eine derartige Ruine findet sich auch am Sundhäuser See. Ein paar Bretter und alles wäre wie neu. Oder einfach komplett entfernen.

Jetzt wollen wir einfach nur ins Wasser. Gut 46 m tief soll er sein, der Möwensee. Unser Tauchgang wird uns zunächst in Seemitte führen, dann schlagen wir einen Haken von 90 Grad und wollen uns an den Überhängen des Ufers auf dem Rückweg erfreuen. Der Trocki ist übergeworfen, die Flaschen geschultert, Check und schon sind wir im Reich Neptuns. Schnell noch meine Kamera sortiert, Bubblecheck und hinab geht’s.

Die Sicht ist bis auf 20 m ein wenig trüb, dann klart es auf. Der Kiesboden fällt ab auf 35 m. Doch der See lebt auch hier in der Dunkelheit. Verräterische Fußspuren. Krebse, Edelkrebse  beanspruchen das Revier für sich. In den Kies gegrabene Höhlen sind das Zuhause zahlloser Europäischer Flusskrebse. Die leuchtend rote Scherengelenkshaut identifiziert diese wunderschönen Edelkrebse eindeutig. Hier unten probiere ich ein wenig mit meinen Blitzlichtern. Die Verwendung von Kunstlicht stellt die Fotografie vor ganz besonderen Herausforderungen.  Am Schrott vergangener Tage haften Süßwasserpolypen und filtern mit ihren Tentakeln das Wasser.

Edelkrebs – Europäischer Flusskrebs

Der Kiesabbau formte ein interessante wenngleich manchmal verwirrende Unterwasserlandschaft. Wir steigen mit einem kleinen Hügelrücken auf. Licht fällt auf den Kiesboden. Die Anzahl der Krebse nimmt stetig zu. Jedes Loch ist besetzt. Die Behausungen reihen sich dicht aneinander. Vergleichbares habe ich in noch keinem anderen Gewässer des Tauchrevieres Deutschland sehen können. Bleibt zu hoffen, dass sich der Europäische Flusskrebs der Krebspest auf lange Sicht erwehren kann. Ein Tauchfreund nannte den Möwensee:  „Der See der Tausend Krebse“. Wie ich finde, eine maßlose Untertreibung.

Bis auf einen stattlichen Flussbarsch gab es heute im Möwensee keine weiteren Fischbegegnungen. In den schützenden Überhängen der Uferzone kein Räuber, kein Beutefisch, aber dennoch schön. Den Pflanzenbewuchs empfand ich auf unserem Weg als sehr spärlich. Leider trifft man auch hier immer wieder auf menschlichen Müll wie Flaschen, Dosen und Plastik. Gilt zu hoffen, dass das gemeinsame Naturschutzprojekt nachhaltig wirkt und wir noch lange in gesunden und lebendigen Seen Deutschlands tauchen können. Tauchen im Möwensee, Thüringen.

Seid Ihr im Möwensee getaucht?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

0

Posted:

Categories: _Thüringen, UnterWasser

2015 Kalksee VIII

20.10.2015, Kalksee (Brandenburg)

Nachdem ich bereits vor wenigen Tagen mein P-Valve in meinem Zweitanzug eingebaut hatte, musste jetzt unbedingt ein Check-Tauchgang her. Der Kalksee um die Ecke bietet sich dafür idealerweise an. Meine Tauchklamotten sind wie immer schnell ins Auto verladen und in 5 min stehe ich am Wasser.

Herbststimmung macht sich breit. Buntes Laub fällt und der Schilfgürtel legt sich schlafen. Der Himmel ist grau und die Luft feucht. Das klare Wasser lädt ein.

Herbststimmung am Kalksee

Wie immer nutze ich den Parkplatz am Badestrand „Am Film“ als Basislager. Der Tauchanzug ist schnell übergeworfen und die Flaschen geschultert. Ab geht’s. Bevor ich abtauche checke ich mein Equipment. Alles scheint in bester Ordnung.

Die Sicht ist gut. Der Herbst ist eine gute Jahreszeit für schöne Tauchgänge in klaren Naturseen im Tauchrevier Deutschland. Die Jungfische, die sich sonst im Flachwasser sonnen, sind bereits verschwunden. Über das Gemeine Brunnenmoos tauche ich in Richtung Seemitte. Kurs 150 Grad sollte mich direkt zur Plattform bringen.

Das P-Valve scheint dicht zu sein. Gut gemacht. Auch mein neues Thermovalve bereitet mir keine Probleme. Allein mein Mittelfinger der rechten Hand wird nass. Bereits unter Wasser erkenne ich einen kleinen Cut im Trockenhandschuh. Ein wenig Aquasure wird das Problem später beheben. Der neue Anzug taucht sich bestens. Keine Einschränkung der Beweglichkeit. Valve-Drill kein Problem.

Sehr viele Amerikanische Kamberkrebse sind im See unterwegs. Fressend, dösend oder einen Partner suchend. Auffällig diesmal auch die großen Kolonien von Süßwasserpolypen vorrangig an den Enden des Rauen Hornblattes. Im Sommer scheinen sich die kleinen Nesseltiere eher zurückzuziehen. Ich schaue im Revier der Steinbeißer vorbei. Stille. Nicht eine dieser wunderschönen Grundeln bekomme ich vor die Maske.

Süßwasserpolypen im Kalksee

Nach einer guten Stunde macht sich das 11 Grad warme Wasser an meinem nassen Handschuh bemerkbar. Ich entscheide mich für den Rückweg. Der Testtauchgang mit dem neuen Anzug war erfolgreich.

Gerade als ich aufsteigen wollte, huscht etwas auf dem Sandboden entlang. Ein Steinbeißer. Ein hübsches Tier. Ich krame noch einmal meine bereits weggeclipste Kamera hervor und lichte diese kleine Schmerle ab. Ganz vorsichtig und ohne zu atmen nähere ich mich dem Tier und drücke auf den Auslöser. Keine störenden Pflanzen, ein beinah perfektes Set für ein Unterwasser-Shooting. Nach ein paar Fotos verabschiede ich mich und steige zufrieden aus dem Wasser.

Steinbeißer, Dorngrundel, Schmerle

Wo konntet Ihr Steinbeißer beobachten?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

0

Posted:

Categories: _Brandenburg, UnterWasser

2014 Kalksee IV

28.10.2014, Kalksee (Brandenburg)

Im Reich der Hydra
Derzeit müssen optimale Bedingungen für die Süßwasserpolypen im Kalksee vorherrschen. Alles was auch nur annährend einen Platz gewährt, wird besiedelt, Spitzen des Gemeinen Brunnenmoos, Knospen des Ährenblatts, Blätter der Teichrose, aber auch Krebse und Teichmuscheln sind vor ihnen nicht sicher. Festsitzend und sich von den Wogen des Wassers treiben lassend, durchkämmen sie mit ihren langen Tentakeln das Wasser nach Freßbarem wie Wasserflöhe und Wassermilben. Nesselkapseln entlassen ihr Gift blitzschnell durch einen das Opfer penetrierenden Schlauch. Der Kalksee hat derzeit ein überaus gute Sicht. Bei dem heutigen Sonnentag ein tolles Taucherlebnis im #Tauchrevier Deutschland.

Kennt ihr den Kalksee? Wo seid ihr getaucht?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

0

Posted:

Categories: _Brandenburg, UnterWasser

Lastensegler des Werbellinsees

„Es ist ein Märchenplatz an dem wir sitzen, denn w

3. November 2023 read more

Bergwerktauchen in Deutschland

Das Höhlentauchen wird immer populärer und erfreut

2. November 2023 read more

Archiv

Kontakt:

Mario Merkel, Tauchrevier Deutschland

buddy [at] tauchrevierdeutschland.de