Tauchrevier Deutschland im Interview mit "Der Taucherblog"

2016 Tauchen im Tollensesee

03.07.2016, Tollensesee (Mecklenburg-Vorpommern)

Vor gut zwei Jahren tauchte ich im Tollensesee, einem Gletscherzungensee der Mecklenburger Seenplatte im südlichen Mecklenburg-Vorpommern. Damals allerdings stand der letzte Ausbildungstag meines GUE Fundamental Kurses im Fokus. Heute schenken wir die volle Aufmerksamkeit dem wunderschönen See im Tauchrevier Deutschland.

Der Tollensesee ist mit einer Ausdehung von 10 x 2,4 km kein kleiner See, mit einer Maximaltiefe von 34 m gar ein mächtiger Wasserkörper. Sein Wasserspiegel liegt oberhalb des Meeresspiegel, was die Wissenschaft Kryptodepression nennt. Im Norden entwässert sich der Tollensesee über den Oberbach und die Tollense, im Süden befinden sich mehrere kleine Zuläufe.

Tauchen im Tollensesee

Den Slawen verdankt der See seinen Namen.  „Dolenzia“ steht für Talniederung. Im Süden des Sees vermutet man das Zentralheiligtum der Slawen, die Rethra, ein slawische Tempelburg. Sein eigentlicher Bekanntheitsgrad jedoch ist auf die Torpedo-Versuchsanstalt zurückzuführen, die die Nazis 1942 errichteten, um die Trefferquote der Torpedos zu erhöhen. Später wurde die Anlage gesprengt. Zurückblieben ein Trümmerfeld der Abschussrampen, zwei Beobachtungsplattformen und etliche Torpedos, die bis heute viele Taucher anlocken, so auch uns.

Die interessanten Tauchplätze erreicht man am besten mit dem Boot oder mit viel Gas, Ausdauer und einem Scooter. Aus diesem Grunde haben wir uns bei den Tauchern vom Tauchclub Tollensee Neubrandenburg an der Nordspitze des Sees angemeldet, die Ausfahrten für Gäste anbieten. Treffpunkt 09:00 Uhr am Vereinshaus. Wir sind pünktlich, werden erwartet und freundlich begrüßt. Der Verein hat sich auf dem Gelände des Sportclubs Neubrandenburg (SCN) eingemietet und unterhält eine tadellose Infrastruktur. Werkstatt, Kompressor, Klubraum, Bootshaus, Dachterrasse und Grillplatz sprechen für ein intaktes Vereinsleben. Zwei hervorragende Boote nennt der Verein ihr Eigen und bringt Mitglieder und Gäste sicher an ihre Tauchziele. Besonders freute mich, dass auf den Vereinstauchkisten Aufkleber von „Tauchrevier Deutschland“ leuchten. So muss es sein.

Tauchclub Tollensesee Neubrandenburg

Unseren ersten Tauchgang wollen wir an der Plattform 2 auf 25 m durchführen. Mehrere Torpedos und die alte Beobachtungsplattform gilt es zu erkunden. Nach einem kurzen Briefing vom Bootsführer Lars beluden wir die Boote und warfen unsere Anzüge über. Gemeinsam mit einigen Vereinsmitgliedern fuhren wir mit zwei Booten über den Oberbach, durch das „Blaue Wunder“ auf den Tollensesee zu unserem Ankerplatz im nördlichen Teil des Sees. Leichter Wind kräuselt das Wasser und spiegelt den wolkenbespikten, blauen Himmel. Nach wenigen Minuten signalisiert das GPS unseren Zielpunkt. Der Anker ist geworfen und das zweite Boot festgemacht. Die Geräte werden geschultert und einer nach dem anderen platscht rücklings in den See.

Tauchgang im Tollensesee Plattform II

Check. In zwei Gruppen wird am Ankerseil hinab getaucht. Das Wasser ist grün und bis 20 m die Sicht ganz OK. Doch das soll sich mit einem weiteren Meter schlagartig ändern. Braune Brühe. Nichts ist mehr zu erkennen. Gerade mal der Schein der Lampen, wenn sie dich anleuchten. Unsere Vierergruppe trennt sich in zwei Buddyteams. Unmöglich eine Gruppe bei dieser Unsicht zusammenzuhalten. Das braun geschwängerte Wasser geht fließend in den modrigen Grund über.  Zeitweise habe ich das Gefühl, dass ich bereits im Schlick tauche. Schön, dass ich meine große Kamera mit mir führe.  Wir steigen ein wenig auf und dann wieder ab. Es wird nicht besser. Nach 20 min brechen wir ab und entscheiden uns für einen Freiwasseraufstieg. Wie sich an der Wasseroberfläche zeigen soll, erging es den anderen Tauchern nicht besser, saßen sie sogar bereits im Boot. Von den alten Hasen aus dem Norden, die den Tollensesee wie ihre Westentasche kennen, lasse ich mir bestätigen, dass die Sichtweiten nicht vorhanden waren. Auch wenn wir die TVA nicht erkunden konnten, so sind derartige Tauchgänge für mich persönlich immer wieder wichtige Erfahrungen in meiner Taucherlaufbahn. Nachdem alle an Bord sind, geht’s zurück zum Vereinshafen.

Unterwegs in der Torpedo-Versuchsanlage

Wir waren uns einig, dass die Bedingungen an der zweiten Plattform auf ähnlicher Tiefe nicht besser sein können.  Lars und Hartmut vom Verein empfehlen uns die Tauchplätze 9/10/11.  Hier sind auf einer Gesamtlänge von 300 m drei Wracks und ein aufrecht stehender Torpedo anzutreffen. Alle Objekte sind verleint, so dass wir also unabhängig von den Sichtweiten auf jeden Fall unsere Ziele treffen. Nach einer angemessenen Oberflächenpause sitzen wir wieder im Boot und fahren hinaus auf den wundervollen See. Die Sonne lacht. Das Wetter ist herrlich. Was sich allerdings wohl auch sehr schnell ändern kann.

Quappe, Aalrutte, Trüsche

Check. Wir lassen uns ins Wasser fallen und sinken entlang der Bojenleine auf 20 m Tiefe und treffen auf das erste Objekt, ein Arbeitswrack des THW. Wir schauen uns ein wenig um, finden die Leine und lassen uns von ihr zum zweiten kleinen Bootswrack führen. Die Wracks sind von Muscheln bewachsen und bieten Unterstand für kleine Schwebgarnelen. Nach einer längeren Strecke entlang der von Polypen bevölkerten Leine treffen wir auf eine Bordwand mit dem Schriftzug „Rosetta“, ein etwas größeres Kajütwrack vor dem Torpedo. Quappen sollen es für sich erobert haben. Mein Buddy wird dann auch schnell fündig. Für mich sind das mit ihrer marmorisierten Haut wunderhübsche Tiere.

Wracks und Torpedo im Tollensesee

Das letzte Wegstück führt uns auf eine Tiefe von 11 m und zu dem einzig senkrecht stehenden Torpedo. Der feste Muschelboden lässt das zigarrenförmige Geschoß mit dem Leitwerk nur wenig eindringen. So kann man diesen Zeitzeugen in seiner ganzen Prächtigkeit bestaunen. Gut 5 m lang, mit Muscheln und Schwämmen bewachsen, steht der Torpedo vor uns. Wir scannen das Teil von allen Seiten und beschließen, noch einmal zurück zur Rosetta zu tauchen. Nach einer guten Stunde beginnen wir den Aufstieg und erreichen bei bestem Sonnenschein die Wasseroberfläche.

Wir werden von den Bootsführern bereits erwartet, blicken allerdings nicht in sonnige Gesichter. Pudelnass berichten sie von einer schwarzen Wolke, die sich erbarmungslos über den See und alle darauf befindlichen Boote ergoss. Dem zodiacähnlichen Schlauboot fehlt ein Dach. Klare Sache. Schnellstens ging es ins Trockene als wir uns wieder alle an Bord befanden.

Mit einem Dekobier ließen wir den schönen Tauchausflug ausklingen. Ein großes Dankeschön an Lars, Hartmut und die anderen Mitglieder vom Tauchclub Tollensesee. Wir fühlten uns bestens umsorgt und kommen ganz sicher wieder. Dank auch an meine Buddies Heiko und Helmut.

Kennt Ihr die TVA?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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