Tauchrevier Deutschland im Interview mit "Der Taucherblog"

2015 Großer Seddiner See

20.04.2015, Großer Seddiner See

Abgetaucht im Großen Seddiner See (nicht zu verwechseln mit dem Seddinsee) der gleichnamigen Gemeinde Seddiner See im Naturpark Nuthe-Nieplitz. Eine gute Einstiegsstelle konnte ich am Westbecken des Sees, an einer Löschwasserentnahmestelle der Feuerwehr ausmachen.

Der von Ost nach West langgestreckte See mit über 200ha Wasserfläche grenzt im Süden an die Orte Seddin und Kähnsdorf der Gemeinde. Im Norden befinden sich ein Tagungshaus und eine große Golfanlage.

Bei beinah 20 Grad Lufttemperatur und strahlendem Sonnenschein ideale Bedingungen. Einen Tiefenrekord wird man in dem Flachsee der letzten Eiszeit nicht aufstellen können. Seine maximale Tiefe ist mit 7,5 m ausgewiesen.

Zunächst tauche in Richtung Norden zur Seemitte. Nach einem kleinen Schilfröhrichtgürtel folgt sandiger Boden. Ich vermisse jedweden pflanzlichen Bewuchs. Keine Makrophyten zu sehen. Trostlos. Teichmuscheln zeugen dann doch noch von Leben im See. Ab einer Tiefe von 4m wird der Sandboden von einer dicken, wabernden Masse bedeckt. Mein Arm versinkt komplett. Biomasse? Weder Teichmuscheln noch andere Organismen wie Polypen kann ich hier entdecken. Ich entscheide mich daher in einem Zickzack-Kurs in Richtung Osten abzudrehen. Sobald der sandige Boden wieder Halt gibt, findet man auch sichtbares Leben. Außer der Teichmuschel entdecke ich keine weitere Muschelart. Nicht einmal die invasive Dreikantmuschel hat es in den See geschafft. Ein gutes Zeichen. Der Seddiner See hat keine Wasserverbindungen nach aussen.

Aufgrund des Mangels an Versteckmöglichkeiten am sandigen Grund nutzt der Flußkrebs geschickt Laubblätter der ufersäumenden Erlen als Unterschlupf. Geflochtene Laichketten zeugen von Reproduktionsaktivitäten der Flussbarsche. Keine Wasserpflanze. Wo sollen die Fische ihre Eier ablegen? Hoffnung. Vereinzelt entdecke ich dann doch erste Halme von Armleuchteralgen. Nach gut einer Stunde beende ich den Tauchgang. Ein wenig enttäuscht, wenn ich ehrlich bin.

Ein Nachbar ist auf mich aufmerksam geworden. Wir kommen ins Plaudern. Er wohnt bereits sein ganzes Leben am See. So weiß er zu berichten, dass der Seediner See vor Jahren eine einzige braune Brühe war. Eine Vorstellung erhalte ich auf dem Rückweg entlang des Kleinen Seddiner Sees. Von früheren Entenmastanlagen, die sich in den See entwässerten, ist die Rede. Von ihm erfahre ich dann aber auch, dass sich ein Gewässerinstitut im Ort mit dem See beschäftigt und vor Jahren mit Chemie anrückte. Nun, da fahr‘ ich doch gleich mal hin.

Institut für angewandte Gewässerökologie

Das Institut für angewandte Gewässerökologie hat ihren Sitz in Seddin. Ich finde eine Mitarbeiterin, die sich ein wenig Zeit für mich nimmt. Ich berichtete ihr von meinen Beobachtungen und erhalte interessante Informationen. Der See muss in einem schlechten Zustand gewesen sein, weit erhöhte Phosphorwerte. Unter anderem das Einbringen von Polyaluminiumchlorid zur Bindung und chemischen Fällung des Freiwassers bringt Verbesserung und erklärt auch die geflockte Masse am Seegrund. Der See klart auf. Regelmäßige Untersuchungen bestätigen das Ansiedeln und Wachsen vieler Makrophyten, allerdings wehrt sich das Westbecken noch dagegen. Das Golfresort betreibt weiterhin Phosphoreliminierung mit PELICON-Anlagen. Derzeit bereiten die fehlenden Niederschläge und das sinkende Grundwasser Sorgen. Der Seepegel ist etwa einen halbem Meter unter Normal. Damit steigt die Nährstoffkonzentration und der geringere Wasserkörper erwärmt sich schneller. Alles hängt zusammen.

Für den See, seine Bewohner, Anwohner und uns Taucher wünsche ich allen Beteiligten gutes Gelingen.

Großer Seddiner See unter Wasser

Wer kennt den Großen Seddiner See?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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