Tauchrevier Deutschland im Interview mit "Der Taucherblog"

2019 Tauchen auf Madeira

Juni 2019, Madeira, Portugal

Die Welt ist schön. Die Welt ist groß. Und das macht es uns bei unserer Urlaubsplanung nicht unbedingt leichter. Alea iacta est. Die Würfel sind gefallen. Madeira, wir kommen.

Nach wenigen Recherchen und Gesprächen mit Tauchfreunden sind Herberge und Tauchbasis auf der Blumeninsel Madeira schnell gefunden. TAP Airline Portugal bringt uns via Lissabon sicher und pünktlich ans Ziel, dem Flughafen „Cristiano Ronaldo“ Madeiras. Die Überfahrt zum Hotel dauert dank der super ausgebauten Schnellstraße keine 30 Minuten.

Tauchbasis Manta Diving Madeira & Hotel Galomar

 

Zwei Wochen werden wir die Gastfreundlichkeit des neu renovierten Galomar in Anspruch nehmen und wie sich zeigen soll, werden wir nicht enttäuscht. Oberhalb der Steilküste mit atemberaubendem Blick residiert die feine und überschaubare Hotelanlage, während am Fuße an den Fels schmiegend die Tauchbasis „Manta Diving Madeira“ auf ihre Gäste aus aller Welt wartet. Sonntag. Wir müssen uns bis morgen gedulden und nutzen die Gelegenheit für Erkundungen. Schnell erfahren wir, dass jeder Schritt ein wirkliches Auf und Ab ist.



Das Wetter ist toll. Maximal 23 Grad, leicht bewölkt und es weht ein feiner Wind. Wir sind der Gluthitze in Deutschland entflohen. Unbedarft stapfen wir die Küsten entlang und staunen über jeden Farbtupfer. Der Name Blumeninsel kommt nicht von ungefähr. Ein schönes Fleckchen.

 

Mit dem Fahrstuhl geht’s samt Tauchgepäck am nächsten Tag zur Basis. Ein herzlicher Empfang vermittelt das Gefühl von Willkommensein. Papierkram und Check-In sind schnell erledigt. Ein kleiner, geführter Rundgang erklärt die Örtlichkeiten und Abläufe. Die Tauchbasis von Stefan Maier macht einen sehr guten, gepflegten und organisierten Eindruck. Allein der Atlantik zeigt was er kann, wenngleich nicht mal ansatzweise was er wirklich kann. Das Krachen der Brandung an den Felsen veranlasst die Bademeister das Hissen der roten Flagge. An Tauchen heute ist wohl nicht mehr zu denken. Wir verabreden uns für morgen und nutzen den Tag für einen Ausflug nach Funchal.

Hauptstadt Funchal

 

Mit dem öffentlichen Nachverkehr, dem Linienbus fahren wir von Canico nach Funchal, in die Hauptstadt Madeiras. Funchal, von Fenchel, der bis zu seiner Ausrottung auf der Insel heimisch war. Man kann wohl sagen, dass die Insel nach Entdeckung komplett umgestaltet wurde. 8 lange Jahre Brandrodung, Siedlungs- und Straßenbau, sowie der Anbau von Nutzpflanzen wie Zuckerrohr veränderten die Atlantikinsel grundlegend. Auch die heutige Blumenpracht hat seinen Ursprung in der menschlichen Umgestaltung.

Tauchbasen auf Madeira

 

Es regnet, es gießt. Uns wundert es nicht mehr. Wir schaffen es, in jedem Urlaubsland bei noch so geringer Regenwahrscheinlichkeit dem Himmel das Nass zu entlocken. Nur im schönen Brandenburg versagt diese Fähigkeit. Die Portugiesen beweisen ihre Geschäftstüchtigkeit. Sofort werden an jeder Ecke Regenschirme feil geboten. Die alten, engen Gassen mit ihren Wandmalereien zaubern eine wunderbare Atmosphäre. Die Berge verschwinden im Dicht der Wolken. Einen Aufstieg mit der Seilbahn schenken wir uns.



Nach einem großartigen Frühstück und mit Sonne im Gepäck treffen wir uns an der Tauchbasis zum verpflichtenden Check-In-Dive. Christina wird uns begleiten und briefen. Mit ihrer unglaublich fröhlichen Art, einer warmen Ausstrahlung und der gehörigen Portion Humor versüßt sie unseren Aufenthalt. Das Briefing schenkt dem Ein- und Ausstieg besonderes Augenmerk. Gutes Zuhören ist angebracht. Maske ausblasen und Gasspende sind schnell vollführt und unsere volle Aufmerksamkeit gehört der Unterwasserwelt rund um den Lavafinger.

Zauberhafte Sepien

 

Von nun an erkunde ich mit meinem Lieblingsbuddy das Hausriff vor der Tür eigenständig. Genauso mögen wir es. Der Atlantik überzeugt mit seiner schroffen, kühlen Schönheit. Bunte Korallenriffe sucht man hier vergebens. Felsbrocken und Steine auf sandigem Boden bestimmen das Bild dieser blauen Landschaft. Sie bieten kleinem und großem Getier Lebensraum und Versteckmöglichkeiten. Rochen, Muränen, Zackenbarsche und große Schwärme von Gelbstriemen sind hier zuhause. Es gibt endlos zu entdecken. Wie Fladen hängen weiße, rote, grüne Keulenanemonen am Fels. Weißband-Putzer- und Hohlkreuzgarnelen wohnen dort zur Untermiete. Große Pfeilkrabben suchen den Schutz von prächtigen Seeigeln.

Unterwasserwelt Madeiras

 

Die kleinen Sepien zwischen den rosa Unterwasserpflanzen allerdings verzaubern mich. Stundenlang kann ich diesen wahren Magiern bei all ihren Verwandlungstricks zuschauen. Einfach herrlich. Die Tauchplätze am Hausriff tragen Namen wie Lavafinger, Arena und Ponta da Oliveira. Ein Briefing für diese schönen Plätze erhält man vom Basisteam jederzeit.

Abgetaucht im Atlantik

 

Mit einem komfortablen Aluminiumboot werden Ausfahrten zu entlegeneren Tauchplätzen wie Cap Garajau und der Korvette „Afonso Cerqueira“ angeboten. Am Fuße des „Christo Rei“ lassen sich imposante Zackenbarsche beobachten. Ein wahres Katz-und-Maus-Spiel lieferten sie sich mit uns. Während wir uns den großen Fischschwärmen im Blau widmen, kommen sie aus den felsigen Verstecken, stiften Unruhe um dann auch gleich wieder zu verschwinden.

Zackenbarsche am Cap Garajau

 

Südlich von Cabo Girão wurde im Herbst letzten Jahres die ausgediente Korvette „Afonso Cerqueira“ als Taucherattraktion versenkt. Das Schiff der portugiesischen Marine ruht auf maximal 30 Metern und ist wunderschön zu betauchen. Trotz der eher mäßigen Sicht ein wirklich tolles Erlebnis. Allein die Kriterien für den Ort des Versenkens sind für mich nicht nachvollziehbar. Befinden sich die vier Tauchbasen im Südosten der Insel, müssen diese nun 30 Minuten mit ihren Booten zum Wrack shippern.

Korvette „Afonso Cerqueira“

 

Da die schöne Insel Madeira weitaus mehr als Tauchen bietet, haben wir uns kurzerhand ein Auto für ein paar Tage besorgt und diese erkundet. Zunächst ging es an den östlichsten Zipfel auf Wanderschaft. Ohne Vorbereitung und zu wissen, was uns erwartet, machten wir uns auf den Weg. Eine baumlose, karge und dennoch atemberaubende Landschaft war der Lohn. Die Wanderroute teilten wir uns mit Leuten, die ein Vermögen in Outdoorläden gelassen haben müssen. Wir schauen auf unsere Sandalen herunter und schmunzeln. Am Abend erfahren wir, auf einer anspruchsvollen Route gewandelt zu sein.

Ponta de São Lourenço

 

Den nächsten Tag fahren wir in den Norden. Tunnel, Schnellstraßen und eine ohnehin gut ausgebaute Infrastruktur lässt die Entfernungen schmelzen. Die fortführende Küstenstraße bringt uns in den Nordwesten nach Porto Moniz, die natürlichen Schwimmterrassen eine Attraktion. Mir persönlich gefällt dieser reine Touristenort nicht wirklich und so flüchten wir über abenteuerliche Serpentinen in die Berge. Was für ein Erlebnis. Endlos Blumen säumen die Straße und versprühen einen betörenden Duft. Diese Tour stellt jeden Besuch in einem Botanischen Garten in den Schatten. Es ist einfach herrlich. Wo es gefällt, halten wir an und gehen ein paar Schritte.

Porto Moniz

 

Wir verbringen zwei Wochen auf Madeira und sind einfach begeistert. Die Landschaft ist traumhaft, die Leute nett und freundlich und das Essen umwerfend lecker. Wir wurden nicht enttäuscht. Na und das Tauchen mit den Manta Divers erwies sich als die richtige Wahl. Gefreut hat mich auch das persönliche Treffen von langjährigen FB-Freunden. Danke Ivonne, Ines, Rainer und Luis.

Seid ihr schon einmal auf Madeira gewesen?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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Categories: AufReisen

2018 Tauchen in Grönland

16.-26. August 2018, Tasiilaq, Ostgrönland

Tauchen im Eis. Tauchen mit Eisbergen. Tauchen in Grönland. Ein lang gehegter Traum wird sich nun erfüllen. Ein derartiges Abenteuer wird jedoch nur mit dem richtigen Buddy zu einem unvergesslichen Erlebnis. Da mein Lieblingsbuddy #1, meine Frau, wegen der Kälte unter Wasser ausscheidet, freue ich mich über die Zusage von Kurt. Kurt traf ich erstmalig 2014 auf Bali. Die Chemie stimmte von Anfang an. Gegenseitige Besuche in Bayern und Brandenburg ließen uns mittlerweile zu guten Freunden werden. Kurt ist ein erfahrener, technischer Taucher und nennt den Starnberger See, seinen Haussee. Als Partner vor Ort entschieden wir uns für Anja und Sven von den Northern-Explorers. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich in den nächsten Tagen zeigen wird.

Tasiilaq – Hauptstadt Ostgrönland

 

Reisen beginnt mit Kofferpacken. Ich hasse Kofferpacken. Gilt es für Tauchreisen in den Süden ausreichend Unterhosen und ein paar Shirts einzupacken, bedarf es für diese Reise einiges mehr. Flaschen, Blei und Luft wird uns Sven bereitstellen. Jedes weitere Ausrüstungsteil inklusive Backup und Ersatzteil müssen wir also mitführen. Auch für die Landaktivitäten müssen ausreichend und warme Kleidung eingepackt werden. Die Dienstleistung der Northern-Explorers beginnt mit dem Überflug von Island nach Grönland. Wir haben zwei Gepäckstücke a 20 Kilogramm plus Handgepäck gebucht. Planten wir anfangs Redundanzen für Unterzieher und Anzug, haben wir am Ende gewichtsbedingt wirklich nur das Nötigste eingepackt. Eine kleine Werkzeugbox mit O-Ringen, Swivel und Aquasure ist unabdingbar, wie wir erfahren werden. Bei mir kam dann noch die Kameraausrüstung nebst Zubehör hinzu.

Eisbergtauchen Grönland

 

Kurt und ich, wir trafen uns auf Island in Reykjavik. Wir planen für die Stadt einen Tag Sightseeing ein. Gegen einen Tauchgang in der Silfraspalte haben wir uns bewusst entscheiden. Untergekommen sind wir im legendären „Atlantic Apartments“. 400€ für 2 Nächte auf 15qm, ein wahres Schnäppchen. Dafür waren eine kleine Nasszelle und kein Frühstück dabei. Man muss wissen, dass man auf dem Flughafen in Keflavik, südlich von Reykjavik ankommt und für einen Weiterflug zum Flughafen Reykjavik fährt. Der Transfer per Bus dauert ca. 1h. Viele „Durchreisende“ weilen also mindestens eine Nacht auf der Insel. Die Reisenden auf den Flughäfen Islands, uns eingeschlossen, gleichen Besuchern einer Outdoor-Messe. Mit Hightech-Ausrüstung machen sich Backpacker aus der ganzen Welt auf, das wilde Island und Grönland zu erkunden. Das Treiben erinnert an den Film „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“. Wir nutzen den Tag vor der Weiterreise für einen ausgiebigen Ausflug in die schöne Hauptstadt Islands.

Reykjavik – Hauptstadt Islands

 

Eine zweimotorige Propellermaschine wird uns am nächsten Tag sicher nach Kulusuk, im Südosten Grönlands bringen. Die ersten Eisberge auf dem Meer unter uns steigern die Vorfreude auf das was kommt. Anja ließ uns wissen, dass wir vor Ort eine Gruppe von sieben Tauchern sein werden. Die Tauchtaschen am Flughafen verrieten unsere Mitstreiter und so lernten wir unsere kleine Gruppe kennen. Schnell noch einen Single Malt für das Gletschereis eingepackt und weiter geht’s. Der Flughafen Kulusuk erinnert an ein kleines Expeditionscamp in traumhafter Kulisse. Während unsere Koffer von einem Quad-Gespann zum kleinen Hafen überführt werden, machen wir uns zu Fuß auf zum Anleger. Lars, ein Däne und der Chef von „Arctic Dream“, unserer Herberge, wartet bereits mit einem kleinen Boot für die Überfahrt nach Tasiilaq auf uns. Was für eine atemberaubende Landschaft. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. Die ersten Eisberge verzaubern uns.

Eisberge Kulusuk

 

Nach 45 Minuten Bootsfahrt erscheinen die ersten Farbtupfer an der Küste. Tasiilaq. Unser Ziel. Mit gut 2.000 Einwohnern die „Hauptstadt“ Ostgrönlands. Die bunten Holzhäuser heißen uns wie in einem Bildband herzlich willkommen. Am Anleger lernen wir nun auch Sven kennen. Er begrüßt uns herzlich. Die Ortschaft Tasiilaq liegt an Hängen kleiner Berge. Sven weist auf ein blaues Holzhaus oberhalb. Unsere Herberge. Während unsere Koffer einen Shuttle-Service beanspruchen, wollen wir laufend aufsteigen und die ersten Eindrücke mit tiefen Atemzügen genießen. Das Wetter ist traumhaft und die Sonne scheint. Oben angekommen, können wie uns nicht an dem herrlichen Anblick der Bucht satt sehen. Was für ein Licht, welche Farben und welch ungewohnt karge und dennoch wunderschöne Landschaft. Sven bittet uns in das Haus, weist die Zimmer zu, beantwortet Fragen und gibt die ersten wichtigen Hinweise. Und dann die alles entscheidende Frage: „Wollt ihr heute noch tauchen?“. Während sich die anderen für das Auspacken und Einräumen entscheiden, sind Kurt und ich in wenigen Handgriffen zum ersten Tauchgang bereit.

Eisbergtauchen Tasiilaq

 

Ein kleines, rotes Schlauchboot bringt uns zu einem herrlichen Eisberg in der Bucht. Mit an Bord Marco, ein lebensfroher Italiener, der seinen vorletzten Tauchtag mit uns verbringt. Wie ich später herausfinde, nicht einfach Marco, sondern ein nicht ganz unbekannter Designer und Bonsai Master. Sven gibt uns noch ein paar Informationen zum Eis. Nicht jeder Eisberg ist sicher und kann gefahrlos betaucht werden. Die Sonne lässt das Eis schmelzen, brechen und drehen. Immer wieder werden wir dieses spektakuläre Phänomen beobachten können.

Das Tauchen ist absolut individuell. Kein Gruppenzwang, kein Guide, keine Zeitlimits, keine vorgeschriebenen Routen. Eigenverantwortliches Tauchen im Buddyteam, genau nach unserem Geschmack. Check. Platsch. Wir sind im Wasser. Unser erster Eisberg. Bubblecheck und abgetaucht. Ich versuche erst gar nicht, die Eindrücke in Worte zu fassen. Es wird mir eh nicht gelingen. Dieses Lichtspiel. Diese phantasievollen Eisformen und das stete Knacken und Rauschen unter Wasser. Tausende Rippenquallen hüllen den Eisberg ein. Die durch das Abschmelzen frei werdende Luft bildet einen andauernden Blasenvorhang. Es gibt viel zu bestaunen und entdecken. Wir schauen uns in die Augen und sind einfach nur happy. Nach einer guten Stunde beenden wir den Tauchgang. Sven wartet bereits. Er folgte den aufsteigenden Blasen. Ein Blick in unsere Gesichter beantwortet sein: „Wie war’s?“.

Unterm Eis

 

Wieder in der Unterkunft angekommen, richten wir uns ein. So wie Männer das halt tun. Koffer auf. Fertig. Auf den Beginn eines großen Abenteuers einen „Glenlivet“. Das Abendessen wird uns von Line serviert, einer jungen Dänin mit einer interessanten Geschichte. Line wird sich als die gute Seele des Hauses erweisen und immer helfend zur Hand sein. Und sie wird die nächsten Tage göttlich kochen. Den Tag klingen wir schnackend in der Gruppe aus.

Am nächsten Tag wird getaucht. Was sonst? Kurt und ich fahren wieder mit Marco im Schlauchboot hinaus, während die anderen im größeren Boot unterwegs sind. Winzig tuckern wir durch den Fjord. Blasfontainen von Buckel- und Minkwalen durchstoßen den Horizont. Wir scheinen in einer anderen Welt. Insgesamt werden wir hier auf Grönland an sechs Tagen acht Tauchgänge absolvieren. Keiner gleicht dem anderen. Wir erfahren die Schönheit des Eises, der Kelpwälder und Kaltwasserkorallen. Sven beantwortet geduldig all unsere Fragen. Er wirkt ruhig und ausgeglichen. Ein sympatischer, junger Mann mit einem besonderen Humor.

Unterwasserwelt Grönlands

 

Unsere gemeinsamen Ausfahrten führen uns zu den Gletschern in den Johan Petersen und Knud Amundsen Fjorden, vorbei an einer alten US Airforce Base aus dem 2. Weltkrieg. Wir beobachten unvergesslich Buckelwale bei der Jagd und sind ob ihrer Größe und Friedfertigkeit beeindruckt. Kein Baum, kein Strauch an den Hängen der Berge und dennoch unsagbar schön. Der kurze Sommer verwandelt die Täler in ein Blütenmeer. Unvorstellbar. Tagsüber erreichen die Temperaturen bis zu +8 Grad, nachts fröstelt es leicht.

Buckelwal-Beobachtungen

 

Einen Vormittag erkunden Kurt und ich die Ortschaft Tasiilaq. Schule, Kindergarten, Wohnhäuser, Krankenhaus, Friedhof, Supermarkt, Hafen, Energieversorgung, Treibstofflager, Helikopter-Landeplatz, Mülldeponie. Alles da. Bester 3G/4G Empfang. Der Ort wirkt bunt, sauber und die Menschen freundlich. Ich vermag als Kurzbesucher nicht die Zufriedenheit der Inuit beurteilen. Ich erfahre allerdings von einer hohen Depressions- und Suiciderate. Tradition trifft Moderne. Man begegnet Walfängern, sieht Häuser mit Trockenfisch und Walfleisch vor den Fenstern und schaut in lachende Gesichter junger, moderner Menschen.

Schönheiten Ostgrönlands

 

Am Abend besuchen wir die einzige Bar am Hafen. Nur ein kleines Schild deutet auf den fensterlosen Pub. Noch ist die recht nett eingerichtete Bar leer. Das wird sich aber ändern. Für 5€ bekommt man hier ein kleine Flasche Carlsberg. Die verhältnismäßig hohen Preise für Alkohol und der zeitlich restriktive Verkauf scheinen einen übermäßigen Konsum nicht zu verhindern. 23 Uhr ist der kleine Pub voll. Die jetzt erscheinen Menschen müssen schon vorab eine Alkoholquelle gefunden haben. Wie wir erfahren, ist Alkohol durchaus ein Problem in Ostgrönland.

Wir verbringen hier auf Grönland eine wundervolle Zeit, unter und über Wasser. Wir lernen neue Leute kennen, haben erlebt, erzählt und gelacht. Mit zahllosen, unvergesslichen Eindrücken verlassen wir dieses wilde Eiland. Eine traumhafte Reise geht zu Ende. Vielen Dank Sven. Die Airlines bringen uns sicher und pünktlich zurück. Dennoch möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass wir in Deutschland mit gut einer Stunde am längsten auf unser Gepäck gewartet haben.

Traumhaftes Grönland

 

Schon mal in Grönland getaucht?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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2018 Molnar Janos Cave

April 2018, Budapest – Molnar Janos Cave

Mit guten (nichttauchenden) Freunden bin ich für ein paar Tage in der wunderschönen Hauptstadt Ungarns – Budapest. Und sofort kommen mir die beiden weithin bekannten Unterwasserwelten Molnar Janos Cave und Kobanya Mine in den Sinn. Wenn ich einmal hier bin, dann muss ich hier auch tauchen.

In Vorbereitung der Reise schrieb ich kurzerhand Molnar Janos Cave Budapest an. Ein freies Zeitfenster wurde schnell gefunden. Für den 29. April plane ich zwei Tauchgänge in der thermal gespeisten Höhle natürlichen Ursprungs. Nachdem ich eine Kopie von Cave Brevet, Tauchversicherung und tauchärztlicher Untersuchung per Email vorgelegt hatte, kam von Zoltan das OK. Aber nicht nur das. Olaf, den ich über meine Facebook-Seite „Tauchrevier Deutschland“ kennenlernen durfte, wird mich begleiten. Er lebt in Budapest und kennt die Höhle sehr gut. Außerdem stellt er mir flugzeuguntaugliche Ausrüstungsteile zur Verfügung. Perfekt.

Molnar Janos Cave, Budapest

 

07:30 Uhr fahre ich mit dem Taxi vom Hotel zur Molnar Janos Cave. Angekommen bitte ich den Taxifahrer noch zu warten. Hausnummer 48 stimmt, aber das Objekt sieht leer, verlassen und gelinde gesagt, ein wenig zerfallen aus. Keine Menschenseele. Bin ich richtig? Dann erkenne ich den kleinen See mit Seerosen von verschiedenen Internetfotos. Am zweiten Tor entdecke ich den MJ Cave Sticker und entlasse den Taxifahrer. Es dauert nur wenige Minuten und die ersten Autos erscheinen Punkt um 8 Uhr.

Ich werde von Zoltan begrüßt. Wir warten noch auf die anderen Taucher und dann geht’s los. Olaf fährt auf den kleinen Hof. Wir erkennen und begrüßen uns. Einfach klasse, wenn man Menschen mit der gleichen Leidenschaft persönlich trifft. Veronika und Martin werden mit uns tauchen. Veronika, die ebenso meinem Blog folgt, hatte bereits per FB angekündigt, dass auch wir uns hier treffen werden. Die Taucherwelt ist ein Dorf.

Historisches Budapest

 

Als drei Schnuppertaucher aus Deutschland und Polen erscheinen, sind wir für den heutigen Tag komplett. Zoltan beginnt mit dem allgemeinen Briefing, zeigt uns das Gelände, die Infrastruktur und erklärt die Regeln und Abläufe. Ein altes Türkisches Bad und ein ehemaliges Restaurant flankieren den kleinen, klaren Teich, der die Höhle an dieser Stelle an die Oberfläche treten lässt. Eine blaue Stahlklappe verschließt den alten Zugang zur Höhle. Das leere Restaurant soll zukünftig die Tauchbasis beherbergen. Auch für das Türkische Bad gibt es Ideen. Für den Basischef Attila stehen noch einige Investitionen an. In den letzten Jahren hat er seine Aktivitäten vollends auf die Höhle konzentriert. Und das mit wirklich großem Erfolg.

Ein langer Gang führt tief in den Berg. Ich erfahre, dass er einst geschaffen, um das Berghotel mit dem Thermalbad auf der gegenüberliegenden Seite zu verbinden. Das gesamte Projekt allerdings scheiterte. Ein Glück für uns Höhlentaucher. Attlia ist es gelungen, diesen Tunnel in eine komfortable Taucherzone zu verwandeln. Wunderbare Rödelplätze mit Liebe zum Detail, Trockenbereiche, Lerneinheiten, Getränke- und O2-Bar, sowie der neue Eingang zur Höhle sind hier untergebracht.

Höhlentauchen, Taucherzone

 

An einer großen Tafel mit dem Abbild der Höhle planen und briefen wir unsere Tauchgänge. Veronika, Martin, Olaf und ich bilden das Tauchteam und werden von Attila geführt. In der Regel werden in der Molnar Janos Cave ausschließlich geführte Tauchgänge angeboten. Für Jahresbesucher wie mich ist es absolut ok. Die kurze Zeit bleibt somit für die Schönheit der Höhle. Bizarre Kristallformationen, von Attlia illuminiert, blieben uns sonst sicher verborgen. Und dann ist es endlich soweit. Ein Dom bildet den Einstieg.

Nach einem Check tauchen wir ab und folgen in festgelegter Reihenfolge der Hauptleine. Das Wasser oberhalb 10 Meter ist mit 27 Grad mollig warm. Ich tauche ohne Handschuhe und fühle mich irgendwie nackt. Die Sicht ist hier ein wenig trüb, klart allerdings unterhalb der Sprungschicht vollends auf. Die Wassertemperatur fällt auf 20 Grad ab. Während Veronika und Monika sidemount-technisch unterwegs sind, tauchen Olaf und ich mit einer D12 plus 80cuft Stage. Wir atmen angereichte Luft (EAN32) und folgen der  1/6 Gasregel.

Offizielles Intro-Video Molnar Janos Cave

 

Sieben unterirdische Kilometer wurden vom Team um Attila erschlossen und bestens ausgeleint. Wir starten den ersten Tauchgang an der A-Leine, wechseln bei A33 auf die B-Leine und springen am Knoten B20 wieder auf die A-Leine zurück. Gute 70 Minuten lasse ich mich von der Schönheit der Höhle und der Laune der Natur verzaubern.

Schmale Gänge und große Räume ausdekoriert mit braunschwarzen Kristallen. Die Stille auf der einen Seite und das Grollen der rollenden Luftblasen an der Höhlendecke auf der anderen Seite unterstreichen diese einmalige Stimmung. Und immer wieder der „Lichtblick“ zum Buddy. Wir tauchen auf. Auch wenn Höhlentaucher großen Wert auf „Coolness“ legen, kann ich meine Freude über dieses Erlebnis nicht unterdrücken.

Tauchgangspläne MJ Cave Budapest

 

Im zweiten Tauchgang penetrieren wir die Höhle an der C-Leine und folgen dieser etwa 35 Minuten bis zur Umkehr. Sollte jetzt die Sicht schlechter sein, ist die Schuldfrage zweifelsfrei geklärt. Feinste Sedimente ruhen am Boden und warten nur darauf vom Wasserstrudel der Flossenbewegung aufgewirbelt zu werden. Die richtige Flossentechnik hat ihre Daseinsberechtigung. Immer wieder zeigt uns Attila Kristallformationen, die ihre Schönheit erst im Schein der LED-Lampen preis geben. Die Natur erschafft Erstaunliches. Auch diese 70 Minuten gehen viel zu schnell vorbei.

Höhlentauch-Buddies

 

Dieser Ausflug in die Budapester Unterwelt bildet den Höhenpunkt meiner Reise. Schön, Euch alle getroffen zu haben. Von Attila erfahre ich noch viele Details zur Höhle und seinem spannenden Projekt „Molnar Janos Cave Budapest“. Mit Olaf tausche ich die Trikots. Ein Wiedersehen ist für den Sommer im Tauchrevier Deutschland angedacht.

Mit dem Taxi lasse ich mich wieder ins Hotel bringen, lade meine nassen Klamotten aus und finde den Anschluss meiner „Gruppe“ in der Altstadt. Das Bier zischt.

Kennt ihr die Molnar Janos Cave?

Freue mich auf eure Kommentare, Anmerkungen, Tipps, Links und Bilder.

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Categories: AufReisen

2018 Tauchen auf Bonaire

März 2018 Bonaire, Kralendijk

Vor drei Jahren waren wir auf Curacao, einer Insel der Niederländischen Antillen im Karibischen Meer. Wir waren begeistert von der Schönheit des Eilandes und der Freundlichkeit der Menschen. Die freie, ungezwungene und selbstbestimmte Art zu tauchen war ganz nach unserem Geschmack. „Ihr müsst unbedingt nach Bonaire. Da ist es noch viel besser.“, so die Stimmen einiger Tauchfreunde.

Nun sind wir hier, auf Bonaire, nur wenige Minuten nördlich der kleinen Hauptstadt Kralendijk (Korallendeich). Der Flieger und die Crew von der Dutch Royal Airline KLM haben uns sicher und gut umsorgt von Berlin über Amsterdam in die Karibik gebracht. Auch unser Gepäck hat es pünktlich und unversehrt geschafft. Für den Transfer zur Unterkunft haben wir uns einen Shuttle organisiert. Unseren Pickup werden wir erst morgen nach einer ersten Nacht und einem guten Frühstück übernehmen.

Den Laman, Kralendijk, Bonaire

Wir sind im Den Laman, einem kleinen Appartmenthaus direkt am Strand, untergebracht und werden bereits erwartet und freundlich empfangen. Dieses Objekt wurde uns von einem Reiseveranstalter empfohlen, doch dazu später mehr. Das Appartment „Ocean View“ ist riesig, hat ein großes Wohnzimmer, eine geräumige Küche, ein Schlafzimmer und ein kleines Bad. Es ist ausgesprochen sauber und sehr gut eingerichtet und ausgestattet. Es ist heiß und spät. Wir fragen nach Wasser oder der Möglichkeit, ein kühles Bier zu bekommen. „Leider nein“, begegnet es uns. Ein späterer Blick in den Kühlschrank offenbart uns bereitgestelltes, kaltes Wasser. Vom Balkon höre ich Musik. Ich eile hinab, sehe Licht und treffe freundliche Leute im „Breeze N‘ Bites“. Mit zwei kalten Amstel  begrüßen wir unseren Urlaub. Angekommen.

Dive Friends Bonaire

Unser erstes Frühstück genießen wir unter karibischem Himmel mit Blick auf das türkisblaue Meer. Die Menschen sind ausgesprochen freundlich. Wir werden bestens umsorgt und bedient. Das soll sich auch die nächsten beiden Wochen nicht ändern. Direkt nebenan befindet sich eine Tauchbasis von „Dive Friends Bonaire“, unserem Tauchbasislager. Hier haben wir unser „Unlimited Dive Package“ gebucht. Beim Check-In blicken wir auch hier in freundliche Gesichter. Die Formalitäten sind schnell erledigt, die 25USD „Marine Park Fee“ bezahlt, der Platz für unser Tauchgerödel zugewiesen und das Tauchflaschenprozedere flott erklärt. Nitrox for free. Der Zugang ist 24×7 gewährt. Alles macht einen professionellen und durchdachten Eindruck.

Tauchen auf Bonaire

Da wir unseren Mietwagen erst am Abend in Empfang nehmen, erledigen wir gleich den verpflichtenden Check-In Tauchgang, bekommen ein OK und setzen uns für den ersten Tauchgang im Hausriff ab. Drei Millimeter Neopren, keine Kopfhaube, ich sehe meine Hände, fühle mich irgendwie nackt. Es gibt wohl doch einen klitzekleinen Unterschied zum heimischen Trockentauchen. Typisch karibische Schwämme und Weichkorallen erinnern an unseren Urlaub in Curacao. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle, dass ich nun im Besitz vergoldeter INT-Adapter zum fairen Inselpreis bin.

Am Abend sind wir dann auch mobil. Das Inselabenteuer kann beginnen. Im Übrigen waren beim Autoverleiher die einzigen ernsten Gesichter zu finden. Muss in diesem Job wohl ein Einstellungskriterium sein. Entgegen aller Erzählungen ist dem Mietvertrag zu entnehmen, dass das Auto verschlossen und mit geschlossenem Fenster abzustellen sei. Schnell noch den Kühlschrank ein wenig aufgefüllt und der erste Inseltag verabschiedet sich mit einem fulminanten Sonnenuntergang.

Unterwegs in der Karibik

Salzluft, eine warme Briese, das Rauschen des Meeres, Kaffee, Rührei, freundliche Gesichter und natürlich mein Lieblingsbuddy. Kann ein Tag schöner beginnen? Wir beladen unseren Pickup. Mit jedem Tag werden die Handgriffe routinierter. Die Tauchflaschen sind stets top und prall (230bar) mit EAN32 gefüllt. Allein ein paar Flaschen-O-Ringe sollte man mitführen, die fallen schon mal raus oder sind ob der starken Nutzung gut verschlissen. Es passierte daher häufig, dass es unter Wasser leicht blubbert. Nicht der Gasverlust ist kritisch, das dauernde Blubbern und Brasseln am Ohr in der „Silent World“ ist für mich einfach nervig.

Und schon sind wir auf der Küstenstraße in Richtung Norden. Im Gegensatz zu Curacao verläuft die Straße relativ dicht am Ufer entlang und man kann die Tauchplätze meist vom Auto aus erkennen. Gelbe, beschriftete Steine markieren die Einstiege. Riffbojen ermöglichen den Booten von See aus diese Plätze anzufahren und helfen uns Tauchern beim Auffinden des Ausstieges.  Mit „1000 Steps“ beginnen wir unser Tauchabenteuer. Die Treppe erinnert mich ein wenig an den Schmalen Luzin im heimischen Mecklenburg-Vorpommern. Gut 20 weitere Tauchplätze werden wir in den nächsten Tagen besuchen. Und keiner hat uns wirklich enttäuscht, soviel sei schon mal gesagt.

Rifffische in der Karibik

Der Küstenbereich ist naturbelassen, so auch die Einstiege. In Abhängigkeit von Welle und Brandung kann der Schritt ins Nass recht abenteuerlich sein. Wir haben so den einen oder anderen Taucher rücklings in der Brandung liegen sehen. Wohl dem, der den Atemregler noch im Mund behält. Im Norden schlug die See deutlich heftiger ans Ufer. Karpata konnten wir daher erst im zweiten Anlauf bezwingen. Der Süden wirkt ruhiger und sanfter. Auch die Unterwasserwelt unterscheidet sich. Dominieren im Norden die Hartkorallen so sind im Süden fantastische Weichkorallen zu finden. Das Riffdach in Bonaire ist schmaler, in nur wenigen Flossenschlägen ist man an der Riffkante und kann absteigen. Auf Curacao erinnere ich mich an ziemlich lange Strecke bis zur eigentlichen Riffkante.

Unterwasserwelt Bonaire

Die Unterwasserwelt begeistert. Die Riffe sind intakt und lebendig. Es ist gibt Unendliches zu entdecken. Korallen und Schwämme überzeugen an sich, sind weiterhin Lebensraum vieler kleiner Bewohner. Zahllose Riffische bestimmen bunt das Bild, im Blauwasser große Schwärme von Füsiliere und Hornhechte. Putzergarnelen und Pfeilkrabben sind häufig auch tagsüber in den Riffen anzutreffen. An sandigen Plätzen überraschen Adler- und Stechrochen. Schlangenaale und Muräne luken aus ihren Verstecken. Meeresschildkröten stellen im Blau den Quallen nach oder knabbern ungestört an ihren Lieblingskorallen. Viele der gesichteten Tiere sind markiert. „Nesting Beach“ –Schilder zeugen von deren Herkunft. Riesige Tarpune dösen tagsüber vor dem Riff und warten auf die Nacht.

Tauchen auf Bonaire

Unser Hausriff mit Sandstrand, eigenem Pier und einer exzellenten Logistik (Tauchflaschen direkt am Pier verfügbar) ist der ideale Platz für meine Nachttauchgänge. Während sich die bunten Riffische mit unterschiedlichsten Strategien in der Nacht unsichtbar machen, treten mit der Dämmerung die Putzer in Erscheinung. Zahllose Kreaturen mit unterschiedlichstem Zangenwerkzeug bearbeiten die Hinterlassenschaften des Tages. Der Schöpfer muss seine wahre Freude gehabt haben. Noch in Trauer um mein daheim vergessenes Makroobjektiv bin ich vertieft im Ablichten der kleinen Krabbentiere als im Schein meiner Lampe ein großes, metallisches Etwas vorbei zieht. Ich erschrecke, halte inne und Ausschau.

Die Tarpune sind auf der Jagd. Gut zwei Meter lang werden sie meine nächtlichen Begleiter und nutznießen das von mir mitgeführte Licht für ihre Jagd. Ein derartiges Verhalten kannte ich bis dato nur von Feuerfischen im Roten Meer. Es hat gut 10 Minuten gedauert, bis ich sie entspannt an meiner Seite duldete, Schreckmomente dennoch inbegriffen. Waren die Tagestauchgänge schön, so haben die Nachttauchgänge ihre eigene, besondere Faszination. Kleine und große Langusten mit ihrer farbenprächtigen Musterung schreiten durch das Riff. Tagsüber entdeckten wir gar ein mächtiges Weibchen mit ihrem orangefarbenen Eigelege im schützenden Schwanz in einer kleinen Höhle.

Krabbentiere in der Karibik

Das Tauchen auf Bonaire ist wirklich etwas Besonderes. Die Tauchplätze Karpata, Angel City, Hilma Hooker und Salt Pier möchte ich besonders erwähnen. In Deutschland unvorstellbar, an und unter einer Industrieanlage wie dem „Salt Pier“ zu tauchen. Die Plattformen der Förderanlagen werden von den Unterwasserbewohnern sehr gut angenommen. Selbst das Fahren mit dem Auto kostenfrei bis an das Ufer in Deutschland undenkbar.

Saline und Salt Pier

Es gab keinen Tag ohne Tauchen, dennoch fanden wir Zeit für Inselerkundungen.  Im Norden erkundeten wir den „Washington Slagbaai National Park“ mit seiner besonderen Vegetation, der schroffen Küste und den eindrucksvollen Salinen, Lebensraum vieler Flamingos.  Im Süden kann man das Farbspiel der angelegten Salzseen bewundern, von olivegrün bis leuchtendpink. Zwischen ihnen türmen sich die strahlendweißen Salzhalden auf. Beliebte Fotomotive auch bei den zahllos angespülten Kreuzfahrtausflüglern.

Kleine Hütten, nicht größer als Hundehütten, zeugen von der Unmenschlichkeit der Spezies Mensch. Für die Salzgewinnung wurden Sklaven eingeschifft und ausgebeutet. Im Südosten trifft man auf Bonaires einzigartige Mangrovenlandschaft. Eine riesige Bucht (Sorobon) entwickelt sich zu einem beliebten Windsurf Resort. Der Osten ist wild und schroff und dünn besiedelt. Eine Mülldeponie schluckt schweigend die Reste des bunten Treibens im belebten Westen.

Bonaire, Niederländische Antillen

Ca. 20.000 Menschen sollen auf Bonaire, einer Niederländischen Gemeinde, leben. Die allermeisten  wohl in der Hauptstadt Kralendijk mit Blick auf die kleine Nachbarinsel „Klein Bonaire“. Als nennenswerte Ortschaft sei vielleicht Rincon im Norden noch zu erwähnen, die unübersehbar mit ihrer Kaktusbrennerei wirbt. Zahllose Bankautomaten sichern stetig die Liquidität der Gäste. Zahlungsmittel ist der US Dollar. Kleine Supermärkte sichern das Leben der Selbstversorger. Das Angebot von Restaurants, Cafes und Bars ist recht groß. Für ein romantisches Essen zu zweit sollte man sich allerdings ausreichend Dollarnoten einstecken. Wenn große Schatten auf die kleine Hauptstadt fallen, dann legt wieder eines der täglichen Kreuzfahrtschiffe an. Viel ist nicht immer besser.

ABC Insel Bonaire

Alles in allem verlebten wir einen wunderschönen Urlaub auf Bonaire. Alles hat wirklich gepasst. Zwei persönliche Begegnungen mit Tauchfreunden von Tauchrevier Deutschland. Danke Björn und Guido. Die Tauchfreunde von „Dive Friends Bonaire“ mit ihren sieben Basen auf der Insel waren eine gute Wahl. Die Unterkunft mit dem einliegenden Restaurant und dem tollen Hausriff sorgten für einen angenehmen Inselaufenthalt. Plane ich in der Regel unsere Urlaube individuell, so habe ich mich diesmal auf die Erfahrungen und Empfehlungen der Reiseagentur „ABC Travel & Consulting“ verlassen. Eine gute Entscheidung. Danke Nico.

Unterwasserimpressionen


Kennt ihr die Insel Bonaire?

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2017 Tauchen in den Fernstein Seen

07/2017, Tauchen in den Fernstein Seen (Österreich)

Es gibt Gewässer, da muss man wirklich einmal gewesen sein. Der Samaranger See in Tirol ist einer von diesen wundervollen und weithin bekannten Taucherparadiesen. Da uns der Grüne See in Tragöß verloren ging, gibt es für einen Besuch der Fernstein Seen keinen Aufschub mehr.



Der Fernsteinsee und Samaranger See sind kleine, kristallklare Bergseen in Tirol, unterhalb des Fernpasses der Gemeinde Nassenreith in einer Höhenlage von gut 930 Metern. Beide Seen befinden sich in Privatbesitz und dürfen unter Einhaltung der Tauchordnung betaucht werden. Zwingende Grundvoraussetzung ist allerdings das Verbringen von mindestens zwei Nächten im benachbarten Schloss-Hotel Fernstein. Für Fernanreisende wie uns gibt es wahrlich „unangenehmere“ Auflagen. Wir entschieden uns für einen 5-tägigen Aufenthalt in der Woche. Eine sehr gute Entscheidung wie sich herausstellen wird.

Tauchen in den Fernstein Seen (Tirol)

Nachdem wir das Wochenende mit Freunden im schönen Bayern verbrachten, den Friedberger See erkundeten und die Steilwand Allmannshausen im Starnberger See hinabstiegen, erreichen wir am Montagmittag über den Fernpass das Schloss-Hotel. Wir wurden auf das Freundlichste empfangen und erhielten nach einer kleinen Erfrischung und dem Check-In eine Einweisung in die Tauchordnung.

Tauchordnung Fernstein Seen

80 bzw. 100 geloggte Tauchgänge werden für die Taucherlaubnis in beiden Seen vorausgesetzt, Ausbildungstauchgänge sind nicht gestattet. Am Fernsteinsee sind vier Einstiege ausgewiesen. Im Gegensatz zum Samaranger See sind Nachttauchgänge erlaubt. Im Samaranger See, dem Kleineren von beiden,  werden maximal 6 Taucher gleichzeitig zugelassen. Hierfür liegt an der Hotel-Rezeption eine entsprechende Tauchliste aus. Der Einstieg in diesen Bergsee ist an nur einer Stelle zulässig.

Wenn man erstmalig in diese Seen eintaucht, wird man diese Regularien schnell verstehen, akzeptieren und auch wertschätzen. So wundervoll diese natürlichen Gewässer sich zeigen, so fragil sind sie auch. Die Seen sind weitestgehend eingezäunt, Zufahrten mit Toren gesichert und nur über eine Key-Card passierbar. Diese Maßnahmen sind aber auch dem Weidevieh geschuldet, welches die Uferbereiche der Seen freihält.

Samaranger See, Fernsteinsee

Das Schloss-Hotel wirbt mit „Taucherparadies Fernstein Seen“ und so verwundert es nicht, dass es an nichts fehlt. Eine Taucherbaude am Fuße des Schlosses und in direkter Nähe zum Hotelparkplatz beherbergt einen großzügigen und beheizten Trockenraum, sowie einen Selbstbedien-Kompressor. Jetons erhält man gegen Geld an der Rezeption. Nachdem wir unsere Sachen in dem fast leeren Räumen verstaut haben, mussten wir unbedingt ans Wasser.

Wow. Im strahlenden Sonnenlicht, eingebettet vom vielfältigen Grün des säumenden Waldes, spiegelt das Wasser des Fernsteinsees das Azurblau des Himmels. Welch ein schöner Anblick. Eine kleine Insel im See trägt die Ruinen des Jagdschlosses Sigmundsburg. Meine Frau und ich schauen uns an. Wollten wir eigentlich erst morgen tauchen, war uns klar, der See kann nicht warten. Und so stehen wir mit unserem Tauchgerödel am Einstieg 3 des Fernsteinsees.

Tauchen im Fernsteinsee

Die Taucheinstiege sind sehr komfortabel, Rödeltische, Liegen, Unterstellmöglichkeiten und einfache Wasserzugänge. Das Wasser schimmert klar. Trotz Sonne und warmen Sommerwetter sind die Wassertemperaturen mit 7-9 Grad bergisch. Während ich in meinem Trocki diesem Umstand gelassen entgegen blicke, erfährt meine Frau meine volle Bewunderung. Sie trotzt diesen Temperaturen mit einem 7mm Halbtrockenanzug.



Welche Sichtweiten, und dann noch dieses wunderschöne Sonnenspiel. Der nährstoffarme Bergsee ist am Grund flächendeckend mit Armleuchteralgen bewachsen. In diesem Teil des Sees erreichen wir eine maximale Tiefe von 9 Metern. Bachforellen weiden das Zooplankton von den jungen Trieben dieser schönen Makrophyten. Meine ersten Begegnungen mit Forellen in ihrem natürlichen Lebensraum. Die Mitte des Sees ist wenngleich schön, nicht außergewöhnlich. Wir tauchen zurück an das sonnengeflutete Ufer. Die Mischung aus Wurzelwerk, Bäume, Tannenwedel und Sonne lässt eine kleine Märchenwelt entstehen. Wir haben ein Riesenglück mit diesem schönen Wetter. Welch ein Auftakt. Kühles Bier, leckeres Essen und ein sehr freundlicher Service lassen den ersten Tag in Tirol ausklingen.

Bachforellen in den Fernstein Seen

Da liegt er nun, der Samaranger See. Ein prächtiges Farbspiel. Ein kleiner Bergsee, gerade mal 200 Meter in seiner längsten Ausrichtung. Auf den Bildern im Netz wirkte er auf mich größer. Allein das Verweilen am See in dieser tollen Kulisse ist traumhaft. Aufsteigende Blasen und das Leuchten der Pressluftflaschen in der Sonne verraten die beiden Taucher im Wasser. Man erkennt vom Ufer jedes Detail und schätzt eine maximale Tiefe von nur 2-3 Metern. Wir freuen uns auf unseren ersten Tauchgang im Samaranger See.

Strahlende Gesichter entsteigen dem Nass. Unsere Reise in eine faszinierende Unterwasserwelt beginnt. Der See gehört uns jetzt allein. Tauchen wir? Wo ist das Wasser? Man kann es nicht sehen. Wir müssen fliegen. Ein Wahnsinnserlebnis. Es ist nicht zu beschreiben, man muss es tatsächlich erleben. Die Sichtweiten, wenn man davon überhaupt reden kann, sind weitaus besser als im Fernsteinsee. Alles scheint unwirklich. Der See mit seinem spärlichen Leuchteralgenbewuchs ist schnell durchquert. Am anderen Ende, am Fuße des Berges liegen zahllose Baumstämme wirr wie in ein großes Mikadospiel. Dafür ist der Samaranger See weithin bekannt. Schleimalgen geben ihnen ein mystisches Erscheinen und zeugen von ihrer längeren Existenz. Erst die Referenz eines Tauchers machen die wirklichen Dimensionen dieses Naturschauspieles sichtbar. Traumhaft.

Fliegen im Samaranger See

Beliebte Unterwassermotive wie das Baumauge oder das Gedenkkreuz aus zahllosen Fotografien erkenne ich wieder. Die vielen „Foto-Shootings“ hinterlassen sichtbare Spuren von Modell und Fotograf. Die über die Jahre gewachsene „Haut“ im Umfeld ist aufgerissen und schafft es nicht zu verheilen. Das traurige Los entdeckter Paradiese. Wir Taucher hinterlassen Spuren. Dennoch bin ich fest überzeugt, Mensch und Natur gehören zusammen. Respektvolles und bewusstes Tauchen sichern den Erhalt dieser Naturschönheiten.

Wir verbringen noch ein wenig Zeit am See, lauschen dem Summen der Blumenwiese und lassen uns von der wärmenden  Sonne wieder auf Betriebstemperatur bringen. Das Leben ist schön.

Faszination Samaranger See

In den nächsten Tagen werden wir noch einige Male in den beiden Seen tauchen und deren Schönheit genießen. Den letzten Tauchgang im Samaranger See mache ich gemeinsam mit Thorsten und Tobias, zwei leidenschaftlichen Tauchern aus Bayern und Freunden des „Tauchrevier Deutschland“. Persönliche Begegnungen dieser Art motivieren mich, für das Tauchen in unseren heimischen Gewässern in seiner Vielfalt unterwegs zu sein.

Tauchen im Samaranger See

Eigentlich war in dieser Woche auch ein Tauchgang im Blindsee unterhalb der Zugspitze geplant. Am Nachmittag erkundeten wir schon einmal die Gegend, wanderten vom Fernpass zum Ufer des Sees vorbei an wilden Orchideen. Der See scheint ein beliebter Platz für Wasser- und Badefreunde. Das tolle Wetter lockt zahlreich Badegäste. Der Blick zur Zugspitze bildet eine einmalige Kulisse. Wenige Taucher waren unterwegs. Der Blindsee machte mich durch seine Zanderfotos im Labyrinth kapitaler Bäume neugierig.

Wunderschöner Blindsee

Wir beschließen, uns für den morgigen Tag eine Taucherlaubnis vom Eigentümer in Lermoos zu besorgen. Somit könnten wir ohne Umweg am nächsten Tag direkt zum See. Tauchberechtigungen werden im „Mohr life“ Resort in Lermoos, bzw. in dem gegenüberliegenden Ducati-Cafe ausgestellt. Vor Ort erfuhren wir allerdings, dass Tauchgenehmigungen nicht im Voraus ausgestellt werden. Wir können morgen früh noch einmal wiederkommen. Erklären konnte man uns das nicht. Diesem Umstand verdanken wir weitere schöne Tauchgänge im Samaranger See.

Samstagvormittag hieß es Abschied nehmen. Wir checkten aus und erkannten an der für das Wochenende prallgefüllten Tauchliste für den Samaranger See alles richtig gemacht zu haben. Jetzt freuen wir uns auch wieder auf unser Brandenburg mit seinem weiten Horizont.

Wer kennt die Fernsteinseen?

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2017 Tauchen auf Mauritius

02/2017, Mauritius, Grand Baie

„Alea iacta est“ – nach einigem Überlegen und Abwägen sind die Würfel gefallen (geworfen). Das Reiseziel unserer diesjährigen Tauchreise ist Mauritius. Nach Gesprächen mit Tauchfreunden und Recherchen im Netz haben wir uns für den Norden dieser, wie sich zeigen wird, prachtvollen Insel entschieden. Voller Vorfreude begeben wir uns mit unserem Reisegepäck vertrauensvoll in die Hände der Airline Eurowings, die uns in einem 11-Stunden-Direktflug von Köln nach Mauritius bringen wird. Als Brandenburger lassen wir uns zuvor pünktlich von Berlin nach Köln überführen.



Zwischenstopp in Köln

In Köln ist das Terminal bereits gut mit Reisewilligen gefüllt. Wir erfahren bald, dass es mit unserem Flieger Schwierigkeiten gibt, der Flug sich verschieben wird. 2 ½ Stunden über Plan werden neue Informationen erwartet. Die Kurzfassung: Wir erhalten von Eurowings einen zusätzlichen Aufenthalt in der schönen Metropole Köln zur besten Jeckenzeit spendiert. Dieses freudige Los teilen wir mit Passagieren anderer Urlaubsziele. Entsprechend gewaltig der Ansturm auf den kleinen Eurowings-Infoschalter, der Unterkünfte vermittelt und den Papierkram erledigt. Wir entscheiden uns kurzerhand auf eigene Faust eine Herberge zu finden und sind zu unserem Erstaunen dank eines Tipps eines Leidensgenossen schnell fündig.

Das Hotel Karsten in Köln-Wahn empfängt uns derart herzlich und freundlich, dass wir schnell unser eigentliches Reiseziel Mauritius vergessen. An dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön. Bei Grappa und reichlich „Früh“ verbringen wir also die erste Urlaubsnacht nicht im Flieger, sondern im schönen Köln. Mit dem hoteleigenen Shuttle-Service starten wir am nächsten Morgen Versuch Nr. 2. Pünktlich 09:30 Uhr heben wir ab. Der Vollständigkeit halber möchte ich anmerken, dass die Entschädigungserstattung seitens der Airline im Nachgang absolut unkompliziert abgewickelt wurde.

Tauchen auf Mauritius

Kurz vor Mitternacht lokaler Zeit bei 27 Grad Celsius landen wir auf dem Plaisance Airport im Süden von Mauritius. Ich bin froh, dass ich unseren Mietwagen für die Urlaubszeit am Hotel vorfinde und nicht jetzt noch 1 ½ Stunden im Linksverkehr über die Insel fahren muss. Erschöpft erreichen wir unsere Schlafstatt für die nächsten zwei Wochen. Wann wird endlich das Beamen erfunden?

Sonne, Meeresrauschen und Vogelzwitschern wecken uns. Wir sind angekommen. Empfehlungen folgend, haben wir im Hotel Merville in Grand Baie eingecheckt. Die Hotelzimmer sind ein wenig in die Jahre gekommen. Das freundliche Personal, der uneingeschränkte Service, das tolle Essen und die faszinierende Lage direkt am Strand des Indischen Ozeans machen diese Kleinigkeit vergessen. Wenngleich wir kleinere Anlagen bevorzugen, können wir das Hotel wirklich empfehlen.

Indischer Ozean Mauritius

Nicht ganz unbedeutend bei der Hotelwahl war die ansässige Tauchbasis ORCA Dive Club. Mit den ORCA’s tauchten wir bereits sehr zufrieden in Ägypten. Nach unserem ersten Frühstück im Urlaubsland begeben wir uns in wenigen Schritten zur Basis. Basisleiter Bernhard empfängt uns freundlich. Die überschaubare Tauchbasis war in wenigen Worten vorgestellt und die Formalie schnell erledigt. Morgen wird getaucht. 25 Tauchplätze mit wohlklingenden Namen wie „Lion Reef“,  „Turtle Point“ und „Coral Garden“ werden von den ORCA’s mit einem kleinen Motorboot in maximal 30 Minuten angefahren. Maximal 10 Taucher und 2 Guides konnten wir in der Zeit an Bord zählen. In der Regel waren wir jedoch 6-8 Taucher. Während sich die Guides intensiv um Schüler und Anfänger mühten, wurde den erfahrenen Tauchern das individuelle Tauchen eingeräumt.  Ein absolutes Plus der Tauchbasis, wie ich finde. Die Buddy-Teams tauchten ihrer Wege und trafen sich nach gut 60 Minuten mit der Boje voran an der Oberfläche, wo alle wieder eingesammelt wurden. Eigenverantwortliches Tauchen, so wie ich es mag.

ORCA Dive Club Mauritius

Weiträumige Tauchplätze und eine überschaubare Anzahl Taucher gaben einem das Gefühl, allein  unter Wasser zu sein. Nur an den beiden Wracks „Water Lilly“ und „Emily“ trafen wir auf ein weiteres Tauchboot einer anderen Basis.

Die Tauchziele wählte Bernhard anhand von Wetter, Wind, Sicht und Taucher mit Bedacht. „Merville Patches“ vor der Haustür beeindruckten mich nachhaltig. Fünf kleine, flache, schmale Formationen auf einer Tiefe von 12 Metern sind das reinste Unterwasser-Paradies. Soviel Fisch und Krabbelgetier auf engstem Raum. Als Fotograf kann man hier seine gesamte Urlaubszeit ohne Langeweile verbringen. In jedem Loch der Kalksteinformation wohnt eine Muräne. Jede will die Schönste sein. Flecken, Punkte, Streifen. Grün, gelb, rot, weiß. Riesig groß und winzig klein. Wundervoll. Ein sehr schöner Tauchgang war auch der Besuch der „Silver Star“ auf gut 40 Metern. Tiefes Blau, klares Wasser und ein leicht bewachsenes Wrack luden sechs Taucher zum Entdecken ein.

Unterwasserwelt Mauritius

Leider näherten sich zwei Zyklone Mauritius, die glücklicherweise Richtung Madagaskar abdrehten und die hiesige Insel verschonten. Der Indische Ozean jedoch war aufgebracht und krachte die zweite Woche bei bestem Sonnenschein mit Wucht an die Küste. An eine Ausfahrt mit dem Boot war nicht mehr zu denken. Die Sicht sedimentgeschwängert ging gegen Null. Dank Bernhards Frühwarnsystem haben wir die erste Woche mit intensivem Tauchen verbracht. Tolle Tauchgänge und tolle Begegnungen. Bernhard führt seine Tauchbasis sehr freundlich und aufmerksam. Internetbewertungen, er sei  „brummelig“, kann ich in keiner Weise bestätigen. Ganz im Gegenteil. Wir haben uns sehr wohl gefühlt. Vielen Dank auch dem gesamten Team für die schöne und entspannte Zeit.

Mauritius unter Wasser

Mauritius ist eine grüne, lebendige Insel. Wir waren also keinesfalls traurig, dass wir uns ihr in der zweiten Urlaubshälfte ausgiebig hingeben durften. Mit dem Auto vor der Tür begeben wir uns auf Erkundungssreisen. Bevor die ersten europäischen Entdecker die Insel betraten, war das Eiland unbewohnt. Holländer, Franzosen und Engländer gaben sich über die Jahre die Klinke in die Hand. Es gibt daher keine gewöhnlichen Ureinwohner. Die jetzigen Bewohner Mauritius sind in der Regel  Nachfahren von angesiedelten Arbeitskräften aus vor allem Indien. Mit etwa 60% ist der Hinduismus auch die größte Glaubensgemeinschaft im Land. Muslime und Christen bilden die Minderheiten. Auf unseren Touren begegnen wir ausschließlich freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Wir suchen regelrecht deren Nähe und möchten ins Gespräch kommen. Das macht für uns ein Besuch fremder Länder aus.

Mauritius entdecken

Links fahren, links schalten, rechts blinken  – der erste Tag im mauritianischen Verkehr fordert meine volle Aufmerksamkeit. Am dritten Tag wurde der Scheibenwischer nur noch einmal zur Richtungswechselanzeige missbraucht.  Die Autobahn verbindet den Norden mit dem Süden. Wir besuchen die wundervollen Nationalparks mit ausgedehnten Wäldern, Bergen und beeindruckenden Wasserfällen. So muss es ausgesehen haben, bevor der Mensch die Insel betrat und sich zu Eigen machte. Jetzt dominieren leider endlose, monotone Zuckerrohrfelder das Landschaftsbild. Der endemische, flugunfähige Vogel Dodo erlitt bereits im 17. Jahrhundert das gleiche Schicksal wie der Kiwi. Jenseits der Kulturpflanzen fasziniert mich die unglaubliche Baumvielfalt. Die Küsten sind gesäumt mit unterschiedlichen Wuchsformen. Im Botanischen Garten von Pampelmousses lassen sich gigantische Zeitzeugen aus vergangenen Tagen bestaunen.

Botanische Vielfalt. Naturpark Mauritius

Es gibt sicher noch Vieles zu erzählen. Manches muss man allerdings selbst entdecken. Ein wundervoller Urlaub weit südlich des Äquators geht zu Ende. Und diesmal werden wir pünktlich nach Hause gebracht.

Wundervolle Insel Mauritius

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2016 Ägypten, Safaga

10/2016, Ägypten, Safaga

Bevor in Deutschland die Zeit der kurzen Tage, dunklen und kaltnassen Stunden beginnt, noch einmal Sonne tanken. Wir wollen eintauchen in eine der heimischen so verschiedenen Unterwasserwelt. Wir fliegen nach Ägypten. Man kann es einfältig nennen, wir aber haben uns bewusst für Vertrautheit, Bekanntes und Entspannendes entschieden. Bereits zum fünften Male besuchen wir die von Sonja und Tom geführte ORCA Tauchbasis in Safaga, den ORCA Dive Club Coral Garden

Tauchen in Safaga, ORCA Dive Club

Nach einigem Suchen haben wir mit airberlin einen Direktflug nach Hurghada buchen können. Streiks bei den Airlines und die leicht strauchelnde airberlin haben uns bis zum Abflug bangen lassen. Neue Gepäckbestimmungen für Sport/Tauchausrüstungen machten im Netz die Runde. 23 kg Freigepäck und 8 kg Handgepäck. Ob in den offensichtlichen Tauchtaschen Tauchequipment drinnen war, hat keinen interessiert. Das Einchecken verlief absolut problemlos. Allein der Flug ähnelte einer Kaffeefahrt. Die Crew war ausschließlich damit beschäftigt, käufliche Ware aus dem airBistro und dem Duty-Free feil zu bieten. Nicht einmal ein kostenfreies Wasser wurde auf dem 4 ½ Stunden Flug angeboten. So, liebe airberlin, löst ihr eure Probleme nicht. Insofern waren wir dann doch froh, mit der Tochter Niki über Salzburg nach Berlin heim zu reisen.



Der Transfer, direkt über ORCA organisiert, klappte tadellos. Wir erreichten die vertraute Anlage und wurden von bekannten Gesichtern herzlich begrüßt. Beinah familiär mutet diese kleine, aber feine Tauchbasis an. Und so wundert es nicht, dass sich auch unter den Tauchgästen Wiederholungstäter finden lassen.

Wir freuen uns auf den ersten Tauchgang in der Gassous Bay, einem wirklich schönen Hausriff. Nordriff, Südriff, Seegraswiese, Putzerstationen oder das kleine Riff inmitten der Bucht, es wird auch zum wiederholten Male nicht langweilig. Standorttreue Protagonisten wie der Schwarm Großmaulmakrelen, die sehr distanzierten Riffkalmare oder Meeresschildkröten heißen einen bereits beim ersten Tauchgang willkommen.

Bewohner der Gassous Bay

Die hin und wieder in der Bucht gesichteten Delfine, Mantas, Dugongs und Haie blieben uns in dieser Woche verborgen. Solange dies kein Indiz für den Rückgang dieser Populationen ist, stimmt mich das nicht traurig. Es gibt so viel zu entdecken. Die unzertrennlichen Flügelroßfisch-Pärchen zaubern mir stets ein Lächeln ins Gesicht. Die perfekt getarnten Tiere erinnern mich beim Fotografieren gern an das Bild „Weißer Adler auf weißem Grund“.

Flügelrossfisch (Sea moth)

Während im Südriff das Clownfisch-Pärchen noch fleißig den ungeschlüpften Nachwuchs mit Frischwasser versorgt, huscht in den Anemonen des Nordriffs bereits ein kleiner Nemo hin und her. Solch ein Gelege der Anemonenfische schätze ich mal auf mehrere Hundert Eier, gezählt habe ich aber nur einen Jungfisch.

Clownfisch, Anemonenfisch, Nemo

Die typischen Riffbewohner wie Falterfisch, Doktorfisch, Drückerfisch, Barben, Fahnenbarsche, Soldatenfische, Korallenwelse, Muränen und viele, viele andere gehen ihren bestimmten, täglichen Geschäften nach. Kleinste Garnelen klappern emsig mit ihren Minischeren auf ihrer Lieblingskoralle oder Seegurke. Und selbst Nacktschnecken laufen einem über den Weg.

Makrowelt Safagas

Der allergrößte Illusionist der Bucht ist jedoch ein Oktopus. Innerhalb kürzester Zeit kann er Farbe und Form derart ändern, dass man wahrlich glaubt, hundert dieser Spezies gesehen zu haben. Also wer nicht taucht, ist selber schuld.

Oktopus – Meister der Illusion

Bereits zum zweiten Mal erfahren wir Ägypten im Regen. Fanden wir das Blitzezucken, Donnern und Schauern am Abend noch als abenteuerlich, erlebten wir am nächsten Morgen enttäuschend die Konsequenzen. Tonnenweiser Sand wurde von den Bergen und der Wüste in das Rote Meer gewaschen. Eine riesige Sedimentwolke trieb die Küste entlang und ließ die Sicht erblinden. An diesem Tag war an Tauchen nicht zu denken. Wir erfahren später von den einheimischen Mitarbeitern, dass Wassermassen und Schlamm die großen Straßen nach Hurghada, Luxor und Kairo unpassierbar machten.



Die Zeit verging mal wieder viel zu schnell. Wie immer haben wir uns sau wohl gefühlt. Die Tauchbasis ist gut sortiert und organisiert. Die Erweiterung und teilweise Erneuerung zahlt sich wirklich aus. Gedränge gab’s nie. Die 12L-Alutanks waren stets gut mit 220bar gefüllt. Die Jungs machen einen guten Job.

Riffbewohner Rotes Meer, Safaga

Gemeinsam mit Tauchern aus dem Rheinland, Bayern und Sachsen haben wir geklönt und viel gelacht. Und der Kartoffelpüree, der kann watt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Gibt’s Taucher, die noch nicht im Roten Meer waren?

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2016 Tauchen in Kroatien, Krnica

03/2016, Tauchen in Kroatien, Krnica

Vor etwa 1 ½ Jahren habe ich in Deutschland meinen sogenannten „Fundi“ beim amerikanischen Tauchverband GUE (Global Underwater Explorers) absolviert. Die Ausbildung fand ich solide, durchdacht und konsequent umgesetzt. Mit dem TECH-Pass in der Tasche hatte ich Lust auf mehr. Nun endlich war es soweit. Zum GUE TEC1 Kurs ging es nach Kroatien, genauer nach Krnica an der Südostküste Istriens. Kurs-Instruktor für den 6-tägigen Kurs ist der Italiener Mario Arena, eine Legende des Mittelmeeres, wie ich später erfahren werde.

Meine beiden weiteren Mitstreiter aus Nord- und Mitteldeutschland, Brar und Christoph, werde ich erst vor Ort kennenlernen. Gemeinsam mit meinem Freund Henning May, der mit diesem Kurs den letzten Schritt zum GUE TEC1 Instructor wagt, machen wir uns auf den langen Weg in den Süden. Nach guten 13h Autofahrt durch vier Länder und jeder Menge Wegezoll kommen wir sonntags 22:30 Uhr am Zielort an. Empfangen werden wir von einer weiteren TEC1-Klasse von Derk Remmers, die bereits zwei Tage bei der Sache sind. Wie sich später zeigen wird, werden wir jede Menge Spaß miteinander haben.

Tauchen in Kroatien – Unterkunft Krnica

Die Unterkunft, das kleine Ensemble der Anlage ist einfach top. Gute Zimmer, Frühstücks- und Schulungsräume bieten beste Bedingungen. Nach einem (oder auch zwei) leckeren Begrüßungsbier fallen wir tot ins Bett. Unser Kurs beginnt am Dienstag. Wir haben also noch einen Tag Zeit, um anzukommen und unsere Tauchklamotten vorzubereiten und einzulagern. Am nächsten Morgen fuhren wir zur Basis von Krnica Diving, direkt am Wasser gelegen. Vom Chef Maurico, der übrigens auch die Unterkünfte managt, werden wir willkommen geheißen. Die Basis ist klein, bietet aber alles, was man braucht. Wie ich über die Woche erfahren werde, wird hier Service großgeschrieben. Am Abend absolvierten wir den Fitnesstest (Schwimmen nach Zeit und Streckentauchen) im Pool einer Hotelanlage in Pula.

Am nächsten Tag geht’s dann los. Uns erwartet in den kommenden 6 Tagen ein straffes Programm. Tauchgänge und Theorieeinheiten wechseln einander ab. Zunächst werden Basics abgerufen, wie Valve-Drill, S-Drill, Flossenkicks, Reelen, Bojesetzen. Kleinste Fehler werden korrigiert und später anhand von Videomaterial analysiert. Das Programm wird erweitert. Wir explorieren reelend die Unterwasserlandschaft und werden auf jede Menge Problemszenarien stoßen, die es entsprechend der Standardprozeduren zu lösen gilt. OOG-Situationen, Ventil- und Reglerfehler, defektes Equipment wie Lampen und Masken, gern auch in Kombination fordern unsere Aufmerksamkeit. Team-Awareness und fokussiertes Tauchen werden trainiert. Schnell kann bei strömender See die Shotline verschwinden, die Navigation verloren gehen. Ungenutztes Equipment wie Wetnotes, Spools und Lampenkabel gehören ordentlich verstaut, können sie doch zum Quell größerer Probleme werden. Bewusstlose Taucher werden wir sicher an die Oberfläche bringen.

Krnica Diving – GUE TEC1 Kurs

Tauchgangsplanungen, Gasmanagement und Dekompressionsberechnungen für unsere „Experienced Dives“ an den Wracks VIS, Lina und Cesare Rossarol bestimmen die nächsten Theorieeinheiten. Es ist spannend. Gaswechsel und Prozeduren bei Dekogasverlust werden ausgiebig trainiert, Freiwasseraufstiege aus 50m mit verschiedenen Szenarien gespickt. OOG gab’s irgendwie immer. Nicht alles klappt zum persönlichen Bedauern auf Anhieb. Wiederholung. Die Dinge machen Sinn, man wird sicherer. Eine Ankerleine braucht es nicht, der Buddy und die Schwebeteile im Wasser sind Referenz genug. Tauchcomputer für Dekompressionen werden überbewertet. Die Dekopläne mit möglichen Alternativen sind in den Wetnotes vermerkt. Bottomtimer, Tiefenmesser und gesunder Menschenverstand garantieren einen sicheren Aufstieg.

Wracktauchen in Kroatien

Der letzte Tag. Prüfungstauchgang zur „Cesare Rossarol“.  Wir sind natürlich alle ein wenig aufgeregt. Abstieg, Exploration, Kommunikation und der Aufstieg in der Wassersäule, alles klappt gut. Auf unserem 6m Dekostopp durften wir dann die erlösenden Worte auf der Wetnote des Instruktors lesen „Glückwunsch zum TEC1“. Freude und Erleichterung. Die finale Hürde Theorieprüfung haben wir am Abend ebenso erfolgreich gemeistert.

Alles in allem eine wirklich herausfordernde und anstrengende, lange Woche. Ich bin mehr denn je von der Methodik der Wissensvermittlung und konsequenten Umsetzung von GUE Standardprozeduren überzeugt. Ein weiterer Schritt nach vorn.  Ausserdem hatten wir alle viel Spaß miteinander. Danke an das TEC1-Team Natalie, Rene und Henning um Instruktor Derk Remmers. Dank an meine Buddies Brar und Chris, sowie an unseren Instruktor Mario Arena und dem frischgebackenen TEC1-Instruktor Henning May. Großes Kompliment an das Team der Krnica Diver für den tollen Rund-um-Sorglos-Service unter der Führung von Maurico, dessen Kochkünste übrigens unübertroffen sind.

Impressionen Tauchen in Kroatien – GUE TEC1

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Kontakt:

Mario Merkel, Tauchrevier Deutschland

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